Review: DIMMU BORGIR – EONIAN Review: DIMMU BORGIR – EONIAN
Höllisch bombastisch, höllisch orchestral, höllisch monströs, höllisch dunkel – höllisch DIMMU BORGIR. Nach fast acht Jahren klingen die Norweger auf ihrem neuen Werk „Eonian“... Review: DIMMU BORGIR – EONIAN

Höllisch bombastisch, höllisch orchestral, höllisch monströs, höllisch dunkel – höllisch DIMMU BORGIR. Nach fast acht Jahren klingen die Norweger auf ihrem neuen Werk „Eonian“ extremer als je zuvor – die Black Metal Parts  sind schwärzer und das Symphonische noch bombastischer. Niemand beherrscht diese Symbiose und die damit verbundene Gratwanderung so exzellent wie DIMMU BORGIR. „Eonian“ ist der Beweis dafür.

Fast acht Jahre nach ihrem letzten Studioalbum „Abrahadabra“ und über ein Jahr nach ihrer DVD „Forces Of The Northern Night“ kehren DIMMU BORGIR pünktlich zum 25-jährigen Bandjubiläum zurück mit ihrem neuen Manifest „Eonian“. Die Norweger gehen gewohnte Pfade und verknüpfen Black Metal mit bombastischer Orchestrierung und symphonischer Epik.

Auf „Eonian“ gehen DIMMU BORGIR aber einen Schritt weiter und entwickeln sich beiderseits ins Extremere. Die Black Metal-Parts werden vor Allem durch die infernalen Vocals von Shagrath und die rasend schnellen Doublebasses und Blastbeasts tiefschwarz eingefärbt. Daneben wirken die symphonischen Parts noch bombastischer und epischer und teilweise mit Geigen- und Klavierklängen fast süßlich. DIMMU BORGIR wandeln auf einem schmalen Grat und loten auf „Eonian“ in beide Richtungen gekonnt Grenzen aus.

Um diese Auslotung gekonnt zu Werke zu bringen, ließen sich die Norweger ungewohnt viel Zeit. „Einige der Songs auf diesem Album wurden 2012 geschrieben. „Wir haben alle unsere eigenen Pre-Production-Studios und schreiben demnach separat, anfangs ohne zu viel Kommunikation untereinander. Über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren sammeln wir unsere Ideen und kommen dann zusammen und versuchen gemeinsam, das Beste aus dem Material herauszuholen. Manchmal kann das ziemlich schwierig sein, weil wir unterschiedliche Geschmäcker und Meinungen haben – aber das macht es auch für den Hörer interessanter, da wir Musik machen wollen, die einem das Gefühl gibt, nicht zu wissen, was hinter der nächsten Ecke lauert.“ erklärt Shagrath hierzu.Dimmu Borgir - Eonian - Artwork

Das Songwriting-Trio Shagrath, Silenoz und Galder wurde im Studio von alten Bekannten, nämlich Drummer Daray und Keyboarder Gerlioz unterstützt. Für die Chorarrangements zeigt sich der norwegische Jazzkomponist Gaute Storaas verantwortlich. Diese setzten DIMMU BORGIR zusammen mit dem Schola Cantrum Chor um.

Musikalisch zeigt sich die Symbiose der extremeren Interpretationen direkt beim mächtigen Opener „The Unveiling“. Trotz der stärkeren Ausprägungen schaffen es DIMMU BORGIR aber, dass dieser Song exemplarisch für fast alle anderen Songs auf „Eonian“ griffig und mitreißend rüberkommt und weder übertrieben, noch platt wirkt. Und genau das ist die Macht, die DIMMU BORGIR auf „Eonian“ perfektioniert.

Mal fällt dieses symphonischer aus („Interdimensional Summit”, „ÆTheric”), mal schwärzer (“The Empyrean Phoenix“) oder auch als direkter Kontrast („Lightbringer“). Daneben gibt es düstere Stampfer („Alpha Aeon Omega“, „I Am Sovereign“), den Einsatz von Indianergesängen („Council of Wolves and Snakes”) und ein abschließendes Instrumentalstück (“Rite of Passage”). Die geniale Gitarrenarbeit der Herren Galder und Silenoz wird zudem neben der üblichen Schwärze auch mal progressiv („Lightbringer“) oder rockig („ÆTheric“) interpretiert.

Die Thematik von “Eonian” liegt im Kern bei einem philosophischen Konzept über die Illusion von Zeit und das Lebenskonzept des Luziferanismus. Gitarrist Silenoz erklärt hierzu: „Zeit kann nicht definiert werden, wenn wir uns dem Konstrukt nicht nähern, an das wir gewöhnt sind – sie ist eine reine Illusion. Es gibt nur ein ‚ewiges Jetzt‘, auf das der Albumtitel hindeutet. Wenn wir zwischen den sichtbaren und unsichtbaren Welten reisen, hört die Wahrnehmung der Zeit auf zu existieren, sie hat keinerlei Funktion mehr.“

Sänger Shagrath ergänzt: “Eonian spielt auf die Illusion der Zeit an, alles was ist und stets sein wird. Außerdem steht es für das 25-jährige Bandjubiläum, sodass wir mit diesem Album unserer eigenen Vergangenheit Tribut zollen und ebenso auch der allgemeinen norwegischen Black Metal-Geschichte.”

Mit „Eonian“ gehen DIMMU BORGIR weiter unbeirrt ihren Weg und kümmern sich wenig um Schubladen-Diskussionen. „Natürlich interessieren wir uns auch für die Meinung unserer Fans und wenn eine Band sagt, dass sie das nicht tut, dann lügt sie. Wir sind definitiv bereit, hart zu arbeiten, um die ‚Zweifler‘ und die ‚unzufriedenen Nörgler‘ davon zu überzeugen, dass wir mit voller Kraft zurück sind. Eine neue Generation von Fans und Zuhörern, die aus einer anderen musikalischen Ära kommt als wir, ist jetzt da draußen, und die meisten von ihnen sind nicht gerade schüchtern, wenn es darum geht, dem Künstler ihre Meinung zu präsentieren. Doch auch wir sind nicht schüchtern und jetzt ist es an der Zeit, sie hören zu lassen, wie DIMMU BORGIR anno 2018 klingt.“ führt Shagrath hierzu aus.

Fazit: Insgesamt haben DIMMU BORGIR mit „Eonian“ die scheinbaren Gegensätze von Symphonischem und Black Metal einmal mehr gekonnt in das Land der Fabeln verwiesen, auch wenn bei manchem symphonischen Part das Gefühl aufkommt, als wäre Nightwish in den Black Metal-Zaubertrank gefallen. Aber gerade diese perfekte Gratwanderung ist das, was DIMMU BORGIR ausmacht und hoch über so manchem platten Nachahmer erstrahlen lässt. DIMMU BORGIR zaubert auf „Eonian“ mächtige Soundwände. So ist das zehnte Werk der Norweger als Gesamtwerk und auch bezüglich Sound und Songwriting ein metallischer Hochgenuss.

Anspieltipps: The Unveiling, The Empyrean Phoenix, ÆTheric

Review: Michael Glaeser

Tracks

  1. The Unveiling 5:47
  2. Interdimensional Summit 4:39
  3. ÆTheric 5:27
  4. Council of Wolves and Snakes 5:19
  5. The Empyrean Phoenix 4:44
  6. Lightbringer 6:06
  7. I Am Sovereign 6:48
  8. Archaic Correspondence 4:55
  9. Alpha Aeon Omega 5:18
  10. Rite of Passage  5:16

Line up: Shagrath – Gesang, Silenoz – Rhythmusgitarre, Galder – Leadgitarre

Einbettungscode Youtube von „Council of Wolves and Snakes „:

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