Metalogy.de - Das Magazin für Metalheadz
Metal-Review: Epica – Omega Metal-Review: Epica – Omega
Das Wort "monumental" ist das richtige Wort, um "Omega" zu beschreiben. Auf ihrem ersten neuen Album seit fünf Jahren entfesseln die niederländischen Symphonic-Metal-Titanen EPICA... Metal-Review: Epica – Omega

Das Wort “monumental” ist das richtige Wort, um “Omega” zu beschreiben. Auf ihrem ersten neuen Album seit fünf Jahren entfesseln die niederländischen Symphonic-Metal-Titanen EPICA ein kraftvolles Meisterwerk.

Das erste Mal seit vielen Jahren schrieben Epica wieder gemeinsam ein Album. Sie kamen in einem Haus in der ländlichen Idylle Hollands zusammen und richteten in mehreren Zimmern ein temporäres Studio ein. Eine Woche lang arbeiteten sie an Songs, besprachen Ideen, jammten, komponierten, diskutierten. Ganz wie in den frühen Tagen also, als die Mitglieder noch nicht über vier Länder und halb Europa verstreut waren. „Das erste Mal seit Ewigkeiten arbeiteten wir im selben Raum und setzten uns früher als je zuvor mit den Ideen der anderen auseinander“, so Mark Jansen gegenüber Nuclear Blast. „Das machte das Album deutlich kohärenter und war für uns der einzig logische Weg, EPICA auf die nächste Stufe zu heben. Wir waren alle dermaßen inspiriert, dass wir uns schon jetzt darauf verständigt haben, beim nächsten Album sogar noch länger gemeinsam daran zu arbeiten.“

“Omega« ist ein Werk der Einheit, der Freundschaft, ein Exempel der engen Bindung unter den Mitgliedern.

Eine kolossale Aufgabe, die durch dieses klitzekleine Ärgernis namens Covid-19 nicht gerade erleichtert wurde. Dennoch nahmen EPICA inmitten einer wütenden Pandemie ein Album mit einem Orchester und, erstmals in ihrer Geschichte, einem Kinderchor auf. „Alles war gebucht, das Studio, mein Hotel, einfach alles“, erinnert sich Simone Simons. „Als ich dann nicht ins Studio reisen konnte, mussten wir einen würdigen Ersatz suchen und fanden doch tatsächlich dieses tolle Studio in unmittelbarer Nähe zu meinem Zuhause. Der Studiobesitzer schaffte es sogar, mir mein Lieblingsmikrofon für die Aufnahmen zu besorgen. Das erste Mal seit 2003 konnte ich jeden Morgen zur Arbeit gehen und abends nach getanem Tagwerk zurückkehren. Das war wirklich eine nette Abwechslung.“

Mark Jansen hat seine ganz eigene Karma-Geschichte zu erzählen. „Wir hatten das gewaltige Glück, sowohl das Prague Philharmonic Orchestra als auch den Kinderchor unmittelbar vor dem Lockdown aufzunehmen. Die Choraufnahmen endeten am allerletzten Tag, an dem so etwas noch möglich war. Bei allem, was passiert ist“, grinst er erleichtert, „haben wir den Umständen entsprechend einfach nur ein Riesenglück gehabt.“ 

Dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt als wir zuzugeben wagen, ist auch die Kernaussage des neuen Albums – in diesem Fall versinnbildlicht mit dem sogenannten Omegapunkt. Mark Jansen: „Alles geschieht in Kreisläufen. Die Jahreszeiten, Tag und Nacht, unser Leben, die Wiedergeburt, Planetenbewegungen. Die Omegapunkt-Theorie postuliert, dass nach dem Alpha, dem Urknall, alles in Richtung eines Punktes treibt. Und dort, am Omegapunkt, kommt unser kollektives Bewusstsein zusammen.“

Unter Zuhilfenahme der Tabula Smaragdina, einer antiken Quelle alchemistischer Weisheit, erschafft Jansen daraus ein faszinierendes Konzept von Anfang und Ende, vom Leben und Tod. Diesmal jedoch konzentrieren sich sowohl seine als auch Simone Simons‘ Texte auf die persönlichen und individuellen Aspekte dieser Theorie. Sie befassen sich mit Beziehungen, Nöten, Kämpfen mit Depression und Angst und werden dadurch zu einer Lektion in Empathie und Self-Empowerment. Eine Lektion, versteht sich die ohne diese gesangliche Naturgewalt Simone Simons nur halb so effektiv wäre.

Fazit: Vom stürmischen ‚Abyss Of Time‘ über das gespenstische ‚The Skeleton Key‘ und den orientalischen Zauber von ‚The Seal Of Solomon‘ zum ultimativen Kampfgeheul ‚Freedom – The Wolves Within‘ und der überwältigenden Trauer, die dem schmerzhaft schönen ‚Rivers‘ entströmt, stellt  “Omega” alles zur Schau, was EPICA zu bieten haben.

Tracklist:

1. Alpha – Anteludium 1:38

2. Abyss of Time – Countdown to Singularity 5:20

3. The Skeleton Key 5:06

4. Seal of Solomon 5:28

5. Gaia 4:46

6. Code of Life 5:58

7. Freedom – The Wolves Within 5:37

8. Kingdom of Heaven prt 3 – The Antediluvian Universe 13:24

9. Rivers 4:48

10. Synergize – Manic Manifest 6:56

11. Twilight Reverie – The Hypnagogic State 4:29

12. Omega – Sovereign of the Sun Spheres 7:06

Line-up

Simone Simons | Gesang

Mark Jansen | Gitarren & Growls

Isaac Delahaye | Gitarren

Coen Janssen | Synth & Klavier

Ariën Van Weesenbeek | Schlagzeug

Rob Van Der Loo | Bass

Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de