Review: TALVIENKELI – HYBRIS Review: TALVIENKELI – HYBRIS
Der Debüt-Silberling "Hybris" der Franzosen TALVIENKELI ist ein buntes Spektakel progressiven Symphonic Metals. Opern/Musical-Gesang der Marke Nightwish und orchstralen Keyboards stehen für den atmosphärischen... Review: TALVIENKELI – HYBRIS

Der Debüt-Silberling „Hybris“ der Franzosen TALVIENKELI ist ein buntes Spektakel progressiven Symphonic Metals. Opern/Musical-Gesang der Marke Nightwish und orchstralen Keyboards stehen für den atmosphärischen Teil von TALVIENKELI. Gitarre, Drums und Bass lassen es mal in bester Symphonic Metal-Manier in Hochgeschwindigkeit krachen oder versinken spielerisch in progressivsten Melodieführungen. „Hybris“ fällt durch diese progressive Spielweise des Symphonic Metal hochinteressant und ungewöhnlich aus.

Nach ihrer 2012er EP „Blooming“ sind die aus der Nähe von Lyon stammenden TALVIENKELI 2017 mit ihrem ersten Volllängenalbum „Hybris“ am Start. Hierauf verschmelzen TALVIENKELI zwei musikalische Hauptrichtungen. An erster Stelle seht Symphonic Metal, wie der Metalhead ihn von Nightwish oder Epica kennt. Dieser atmosphärische Teil wird einerseits durch den im Bereich Oper oder Musical angesiedelte Gesang von Camille Borrelly und andererseits von den orchestralen und symphonischen Keyboards getragen. Besonders hierin finden sich viele Ähnlichkeiten zu den oben genannten Genre-Größen. Den großen Unterschied macht aber der zweite prägende Stil. TALVIENKELI mischen das Symphonische mit Progressivem. Wo die etlichen Nightwish-Kopien den Tod der Langeweile sterben, halten TALVIENKELI den Spannungsbogen und das Interesse des Metalheads durch Tempo- und Rhythmuswechsel und progressive Spielweise hoch.

Sängerin Camille Borrelly variiert ihren klassik-orientierten Gesang hauptsächlich zwischen Opern- und Musical-Stimme und verwendet zudem eine Art erzählenden Sprechgesang.  Es finden sich viele Parallelen zu den Gesangsdarbeitungen von Nightwish, insbesondere zu Tarja-Zeiten. Aber auch im Progressiven übt sich Camille. Nur bei der Ausdruckskraft gibt es noch Luft nach oben. Einen guten Überblick über das gesangliche Spektrum bietet bereits der Opener „Hybris Pt.2“.

TALVIENKELI – HYBRIS

TALVIENKELI – HYBRISTALVIENKELI – HYBRIS

Besonders stilprägend für TALVIENKELI sind die Keyboards. Pierre Cordier fährt das volle Orchester auf. Neben dem symphonischen Keyboard wird vor allem die Klaviervariante häufig eingesetzt, aber auch Flöte, Geige, Oboe etc. sind mit von der Partie. Her bleiben keine wünsche offen, zudem die Keyboards sehr stark auch an der progressiven Auslegung der symphonischen Melodieführungen beteiligt ist.

Die Gitarre steht für den harten und metallischen Teil von „Hybris“, sowie den Progressive Metal. Zwischen schneller und melodiöser Spielweise wird viel variiert. Erst bei „Deadly Nightshade“ wird dann erstmals auch die akustische Variante eingesetzt. Die Soli fallen eher kurz aus und werden den Songsstrukturen untergeordnet. Nightwish-ähnlich steht die Gitarre auch bei TALVIENKELI nur sehr selten im Vordergrund.

Drums und Bass spielen auf „Hybris“ eine ähnliche Rolle. Auf der einen Seite repräsentieren sie die Metal-Seite von TALVIENKELI, auf der anderen Seite ist beides ein essentieller Teil der progressiven Spielweise. Gerne werden beide im gleichen Song hart und schnell und im nächsten Augenblick gefühlvoll progressiv eingesetzt.

Die Songsstrukturen zeichnen sich vor allem durch eine hohe Variabilität in Stil, Tempo und Instrumentierng aus. Schnelle Doublebass-Parts werden gerne mal von langsamen gefühlvollen Klavier-Einlagen abgelöst. Symphonisches geht in Progressives über und wieder zurück. Beides ist vor allem bei den längeren Songs (über 7 Minuten) „Hybris Pt.1″, Hybris Pt. 2“ und „Quill of Dust“. Einige Songs hingegen fangen langsam und gefühlvoll an, um sich in Schnelligkeit, Kraft und Härte im Verlauf zu steigern („Atlas“, „Immortal“). Besonders progressiv fällt „Scream-Her“ aus und ist der Gegenentwurf zu den beiden eher balladesken Songs „The Explorer“ und „Raining Moon“. Bei allen Songs auf „Hybris“ entwickelt sich zudem das Gefühl, als ob einem eine Geschichte erzählt würde, bei der man gespannt darauf ist, wie es weiter geht.

Insgesamt, geht TALVIENKELI durch die Kombination von female-fronted Symphonic Metal mit Progressive Metal ein gewisses Wagnis ein, da hierunter teilweise die Eingängigkeit der Songs eingebüßt wird. Dafür greifen die Songs aber spätestens beim zweiten Durchlauf der Debüt-Scheibe. Zudem macht es die Songs um Längen interessanter und nachhaltiger. Auch wenn es vor lauter Kreativität an der einen oder anderen Stelle holpert, ist „Hybris“ ein bemerkenswertes Debüt-Album, das nicht nur gefällt, sondern zudem auf Großes hoffen lässt.

Anspieltipp: Hybris Pt 1 & 2, Immortal, The Explorer, Quill of Dust

Review: Michael Glaeser

 

Hörprobe auf  Youtube:

Tracks

  1. Hybris, Pt.2: Dégénérescence 7:04
  2. Burning Flesh 5:54
  3. Immortal 6:04
  4. The Explorer 5:12
  5. Quill of Dust 9:46
  6. Atlas 4:56
  7. Raining Moon 5:36
  8. Deadly Nightshade 5:35
  9. Scream-Her 4:54
  10. Hybris, Pt.1: Bienveillance 8:45

Line up:

Camille Borrelly – Vocals, Pierre Cordier – Keyboards, Pierre Besancon – Rhythm Guitars, Laetitia Bertrand – Bass, Paul Sordet – Drums

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