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INTERVIEW mit CHEN BALBUS von ORPHANED LAND – Teil 1 INTERVIEW mit CHEN BALBUS von ORPHANED LAND – Teil 1
Auf dem zweiten Leg ihrer „We Do Not Resist“-Tour beehrten ORPHANED LAND aus Israel das Zoom in Frankfurt mit ihrem orientalisch angehauchten Metal. Hier... INTERVIEW mit CHEN BALBUS von ORPHANED LAND – Teil 1

Auf dem zweiten Leg ihrer „We Do Not Resist“-Tour beehrten ORPHANED LAND aus Israel das Zoom in Frankfurt mit ihrem orientalisch angehauchten Metal. Hier stellte sich Gitarrist CHEN BALBUS den Fragen von Lydia und Michael vom Metalogy.de-Team und erzählte über die Tour, das aktuelle Album “Unsung Prophets & Dead Messiahs”, ein neues Album und was die neue Keyboarderin Sharon für einen Einfluss darauf hat.   

Hallo Chen, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für uns nimmst. Ihr seid gerade auf dem zweiten Teil Eurer „We Do Not Resist“-Tour zum aktuellen Album “Unsung Prophets & Dead Messiahs”. Wie war der erste Teil und wie läuft es dieses Mal?

Chen: Der erste Teil war etwas verrückt. Verrückt und unheimlich. Du hast ein neues Album und es ist das erste Mal, dass du das spielst, was du gerade erst veröffentlicht hast und damit auf Tour gehst. Du hast ein bisschen Angst, dass niemand das Album versteht und keiner es mag. Aber es war großartig. Jeder findet es klasse und viele finden, dass es das bisher beste ORPHANED LAND-Album ist. Und jetzt beim zweiten Leg kaufen die Leute das Album immer noch. Und bei jeder Show stellen wir die Frage, was die Leute hören wollen: „Mabool“, „All Is One“ oder das neue Album? Und sie schreien nach dem neuen Album. Ich würde also sagen, dass wir etwas richtig gemacht haben und dadurch größer werden.

Macht ihr im Vergleich zum ersten Teil beim zweiten etwas anders?

Chen: Ja, tatsächlich. Wir haben eine neue Keyboarderin. Ihr Name ist Sharon. Wir wollen damit einen neuen Sound hervorheben – einen orientalischen Keyboard-Sound, den so noch niemand bisher im Metal verwendet. Wir sahen sie auf einem unserer Konzerte mit ihrem Projekt und wir haben sofort gesagt, dass wir sie haben wollen. Wir wollten sie als einen Teil unserer Show haben und nun spielt bei uns. Sie liebt unsere Musik und ihr gefällt unsere Message. Sie ist also unser Neuzugang. Und sie trägt auch so viel zu unserer Live-Show bei.

Spielt ihr die Songs deswegen anders?

Chen: Ja. Wir haben andere Arrangements. Wir haben überall mehr Keyboards eingefügt. Wir haben zusätzlich spezielle Parts für die Keyboards. Wir geben ihr einen eigenen Part in der Show.

Chen Balbus und Lydia Polwin-Plass

In euren Texten gibt es viele wichtige Botschaften. Welche ist für euch die wichtigste Botschaft, die ihr den Menschen mitgeben möchtet?

Chen: Unsere spezielle Botschaft, zum Beispiel von „All Is One“ und von diesem Album, soll eine gute Botschaft sein, aber wir erzählen sie auf tragische Art und Weise. Wir erzählen, wie die Welt den Bach runter geht. Unsere Hauptbotschaft war immer, die Menschen zusammen zu bringen und, dass sie sich verbünden und zeigen sollen, dass es egal ist, welchen Glauben du hast, welche Hautfarbe du hast und wo du herkommst. Uns ist das auch egal. Wir wollen jedem zeigen, dass wir als menschliche Wesen besser und stärker sein können. Und wir wollen, dass sich die Menschen loslösen, zum Beispiel von ihrem religiösen Glauben, und miteinander klarkommen. Das ist gar nicht so schwer.

Euer aktuelles Album kam Anfang 2018 raus. Ihr habt darauf anders als vorher mehr Wut und Kritik an der Gesellschaft verarbeitet. Wie war die Reaktion darauf? Hattet ihr das vorher so geplant?

Chen: Ja, das haben wir. Wir haben uns sehr auf das fokussiert, was gerade in Israel und in der Welt und im ganzen mittleren Osten passiert. Das ist schrecklich, aber es ist auch sehr motivierend, darüber Texte zu schreiben. Und es ist die Realität, wenn so etwas passiert. Oder zum Beispiel in Indien, wo tausende Kinder gekidnappt werden und es niemanden interessiert. Leider interessiert die Leute heutzutage nur sowas wie Kim Kardashian. Und so etwas ärgert uns. Es gibt so viele wichtige Themen, über die man reden sollte. Und so viel entscheiden sich lieber dafür, über irrelevante Dinge zu sprechen.

Wir wollen den Leuten die Augen öffnen. Und wir versuchen es auf dem direktesten Weg. Wir entschlossen uns, es in Form von Geschichten zu tun. So haben wir bisher unsere Alben geschrieben. Und es hat besser funktioniert, wenn wir Konzeptalben geschrieben haben. So, wie wir es beim letzten auch gemacht haben.

Ihr seid selber so etwas wie Philosophen und habt für die Welt eine wichtige Botschaft. Was habt ihr für die Zukunft geplant, um diesen Weg weiter zu verfolgen?

Chen: Das ist nicht einfach, würde ich sagen. Weil bei all unseren Ideen, das zu unterstützen, sind wir immer noch eine Band. Eine Metal-Band aus Israel. Und es ist schwierig für uns, uns alleine durch die Musik zu finanzieren. Wir versuchen verschiedenes. Wir versuchen die Leute zu unseren Shows zu holen und machen hier und da und überall Promotion dafür.

Wir sind aber immer noch normale Leute. Wenn wir nach Hause kommen, waschen wir erstmal unsere Wäsche. Wir machen verschiedene Sachen, um nebenbei unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Zurzeit haben wir aber auch ein paar  Projekte im Sinn, die mit unserer Musik selber nichts zu tun haben, aber mit der Botschaft aus unserer Musik. Das wird hoffentlich ein größeres Publikum erreichen als unsere Musik alleine und uns helfen, weiter zu wachsen.

Orphaned-Land-2019-Zoom-©-Polwin-Plass

Hast du einen Job neben ORPHANED LAND?

Chen: Jeder von uns macht noch irgendwas nebenbei. Kobi ist Musiklehrer. Ich bin auch Musiklehrer. Er arbeitet außerdem in einem CD-Laden. Wir versuchen uns auf Sachen zu fokussieren, die wir mögen. Ich kann mir nicht vorstellen in einem Büro zu arbeiten. Etwas, bei dem ich mir meine Zeit selber einteilen kann. Ich möchte nicht in einem Job mit festen Arbeitszeiten arbeiten. Es muss immer etwas mit Kunst und Kreativität zu tun haben.

ORPHANED LAND ist eine außergewöhnliche Band. Auf der einen Seite singt ihr über politische, religiöse oder philosophische Themen und auf der anderen Seite vermischt ihr musikalisch Metal mit Orientalen Klängen. Welcher der beiden Aspekte ist dir wichtiger?

Chen: Persönlich und als Gitarrist ist es die Musik. Ich denke, die Musik selber erzählt die Story. Mag sein, dass die meisten Leute auf die Texte achten, was auf der menschlichen Ebene sehr wichtig ist. Wenn du dir die Lyrics anhörst, sind die auf eine allgemeine Art und Weise wichtig. Ich persönlich als Musiker achte mehr auf die Musik. Die Art, wie wir die orientalischen Einflüsse mit Metal kombinieren, ist unser Weg unsere Message musikalisch auszudrücken. Es ist mein Weg die Botschaft musikalisch zu zeigen, indem ich ein bisschen hiervon und ein bisschen davon nehme und beides vermische. Das ist für mich das Wichtigste.

Eure Texte sind in verschiedenen Sprachen. Sprichst du all die Sprachen?

Chen: Eigentlich nicht. Jeder von uns kann ein bisschen von einer der Sprachen. Wir haben zum Beispiel Türkische Songs oder Arabische Songs. Wir holen uns Unterstützung von ein paar Freunden, damit wir wissen, was wir singen sollten. Das ist unsere grundlegende Idee. Wir arbeiten uns Wort für Wort voran, bis der Text richtig passt.

Woher holst du dir deine Inspirationen? Hast du ein Vorbild als Gitarrist oder als Band?

Orphaned-Land-2019-Zoom-©-Polwin-Plass_17

Chen: Als Gitarrist ist das ganz klar Slash. Er ist mein Lieblingsmusiker. Aber wir als Band, als wir damals in Israel aufgewachsen sind, hatten verschiedene Einflüsse. In Israel kommt jeder von irgendwo und überall her. Es gibt welche aus Europa und welche aus arabischen Ländern oder Afrika. Wir sind also eine Mischung. So sind wir zuhause mit ganz verschiedenen traditionellen Musikstilen groß geworden. Und neben der Tatsache, dass wir alle Metallica, Guns´n´Roses, Skid Row und all diese Bands mögen, haben wir traditionelle Einflüsse, mit denen wir aufgewachsen sind. Das macht es für uns einfach, das Ganze zu vermischen. Wenn du mit den Einflüssen auswächst, sind sie für dich etwas ganz Normales.

Ist es schwierig ein Metalhead in Israel zu sein?

Chen: Eigentlich nicht. Es ist schwierig in Israel Musiker zu sein. Es lohnt sich finanziell nicht in Israel Musiker zu sein. Aber es gibt nicht so etwas wie in arabischen Ländern, dass dir jemand verbietet lange Haare zu tragen, bestimmte T-Shirts anzuziehen oder Shows an bestimmten Orten zu spielen. Eigentlich ist es ganz einfach in Israel. Das war auch schon immer so. In Israel gibt es diesbezüglich keine Probleme. Ich kenne aber Bands aus Jordanien, die keine langen Haare tragen dürfen und die Heavy Metal nicht promoten dürfen. Bei uns gibt es das glücklicherweise nicht.

Aus Israel kommen nur wenige Metal-Bands. Was denkst du, ist der Grund dafür?

Chen: Eigentlich gibt es schon einige. Aber nicht jede Band hat den Mut – besonders heutzutage – rauszugehen und zu touren. Der Aufwand ist ziemlich groß. Zu der Zeit als ORPHANED LAND angefangen haben, gab es kein Internet. Heute sind die Bands nicht auf das Touren fokussiert. Viele machen ein schönes Video und hoffen auf 1 Million Views auf YouTube oder Listenings auf Spotify. Die Ziele haben sich verändert. Metallica haben dazu mal eine Frage in einem Interview gestellt. James (Hetfield) fragte, wann es die nächste Generation an Stadion-Bands geben wird. Wahrscheinlich nie. Diese Zeit ist vorbei. Das ist jetzt eher etwas für die Pop-Musik. Metal-Bands haben diesen Gedanken entweder direkt aufgegeben oder es gar nicht erst versucht.

Auf euren Alben habt ihr oft Gastmusiker. Auf eurem letzten Album sind z.B. Hansi Kürsch und Steve Hackett zu hören. Was ist der Hintergrund und schaut ihr nach bestimmten Musikern?

Chen: Ja. Wenn wir Songs schreiben, können wir diese in unseren Köpfen schon vorher hören und dann haben wir eine Vorstellung, zu wem dieser Song am besten passen würde. Als wir mit Blind Guardian gerade auf Tour waren, schrieben wir zufällig gerade „Like Orpheus“. Wir dachten sofort, dass der Song perfekt zu Hansis Stimme passen würde.

So ergeben sich dann solche Dinge. Wir lieben es, solche Musiker auf unseren Alben zu haben und wir wissen, dass wir mit denen irgendwann etwas zusammen machen möchten. Wir wissen nur noch nicht, wann und wie. Aber wenn ein Song entsteht, dann wissen wir genau, wer der Richtige für den Song ist.

LEST MORGEN DEN ZWEITEN TEIL DER DREITEILIGEN INTERVIEWSERIE MTI CHEN BALBUS VON ORPHANED LAND.

 

UND HIER DIE FOTOSTRECKE ZUM GIG IM ZOOM FRANKFURT

FOTOSTRECKE: ORPHANED LAND, Support: SUBTERRANEAN MASQUERADE & SYSTEMHOUSE 33
https://metalogy.de/fotostrecke-orphaned-land-support-subterranean-masquerade-systemhouse-33/

 

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Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de