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Konzertbericht: Dream Theater, Support Devin Townsend, 11.05.2022, Gasometer Wien Konzertbericht: Dream Theater, Support Devin Townsend, 11.05.2022, Gasometer Wien
Die Schönheit von Weltklasse-Handwerk, einmal mehr. Dream Theater mit Support Devin Townsend im Gasometer zu Wien. Schon Devin Townsend als Hauptact ist ein Erlebnis... Konzertbericht: Dream Theater, Support Devin Townsend, 11.05.2022, Gasometer Wien

Die Schönheit von Weltklasse-Handwerk, einmal mehr. Dream Theater mit Support Devin Townsend im Gasometer zu Wien.

Schon Devin Townsend als Hauptact ist ein Erlebnis der Sonderklasse. Nicht nur, weil er das Publikum gern mit höchstpersönlichen Problemen unterhält, die zum Beispiel mit Testicles oder Hämorrhoiden oder so zu tun haben. Nie weiß man, ob als nächstes ein Walzer, oder die Coverversion eines unbekannten Siebziger- Discohits kommt. Hauptsache „Deadhead“ kommt, sonst schmeckt das Bier nicht.

Den Einpeitscher für Dream Theater gab er in Minimalbesetzung mit Gitarre, Bass, Schlagzeug, alles in schwarz und mit Betonung auf hypnotisch hämmernde Titel, die ihren Zweck exakt erreichten, das Publikum in Fahrt zu bringen. Mehr von ihm war leider nicht einprogrammiert.

Alsdann betraten Dream Theater ohne großen Aufhebens die Bühne, um eine über zweistündige Show mit Schwerpunkt auf ihre hymnischen Titel, wie „About to Crash“ vom der Six Degrees Album zu bringen. „Bridges in the Sky“ birgt Schwermetall und schöne Mitsingpassagen unter einen Hut. 

Der Metal-Aspekt, oder vielleicht eher technik-lastige Songs traten etwas in den Hintergrund, was sich, unter den aktuellen Zuständen außerhalb der Saaltüren, als sehr passend erwies. Schwere Töne gab es trotzdem noch reichlich.

Die Videozuspieler, die Lichtfarben, alles war sehr warm und angenehm gehalten, schöne, fast esoterische Fotos bringen eine friedvolle Stimmung in diese Tour.

James LaBrie gab denn auch alsbald das Motto des Abends vor, indem er erklärte, nach Corona und all dem Shit wären sie hier, um Musik zu machen und nicht um den Krieg, oder „all that shit“ zu besprechen, so let us make this happen.  Aus meiner Sicht eine Wohltat, ich war wegen ein paar berauschender Stunden da und nicht zur Weltenrettung. Ich kam glücklicher aus dem Saal heraus, als ich zuvor hineinging, bereit, die Welt zu retten. Danke, an die fünf großartigen Handwerker, die mir mehr mit dem helfen, was sie am besten können. In ihrem Fall sind das faszinierend komplexe Stücke, in Rhythmik, Melodik, Geschwindigkeit und ihre nicht minder herausragenden Kompositionen. Diese in Studioqualität auf die Bühne zu bringen, hat sie schon immer von den meisten Bands abgehoben. John Myung am Bass etwa, nimmt traditionell keinerlei Kontakt zum Publikum auf, man nimmt es ihm aber nicht krumm, denn er hat einfach keine Zeit. Aber eigentlich weiss man ja, daß er nie zu üben aufhört und einen Zen-buddhistischen Zugang zu seinem Musicman-Sechssaiter hat. Andere Bassisten spielen die Hälfte der Noten und alle sind glücklich. Absolute Highlights sind auch die Soli des John Petrucci, die jeden Gitarrenlehrer im Publikum auf die Knie sinken lassen. Ein neumodisches Achtsaiter-Instrument, wie es grad modern ist, kam auch zum Einsatz. Zwischenapplaus für die Soli sind sonst eigentlich eher im Jazz zuhause, wenn das Publikum kurz erwacht, John bekommt sie aber wegen seiner unfassbaren Läufe. Überhaupt scheinen die bei den neueren Titeln schräger und mehr in die jazzige Ecke zu tendieren. Vielleicht langweilt John sich bereits bei Fertigkeiten, an denen die allermeisten Gitarristen scheitern.

Legendäres Alleinstellungsmerkmal sind die rasanten Unisono-Parts zwischen Gitarre, Bass und Keyboard, bei denen man manuell ans Weiteratmen denken muss. 

Mike Mangini hat Mike Portnoy längst würdig ersetzt, bringt aber eine andere Qualität ein. Wo Portnoy knüppelhart und etwas voreilend gespielt hat, bringt Mangini eine weichere, verspieltere, zurückgelehntere Gangart. Alle Musiker der Band sind von einem anderen Stern, lediglich über die Gesangsdarbietung des James LaBrie lässt es sich wunderbar streiten, aber den Sack lasse ich zu.

Ein wunderbarer Abend, dank der perfekten Performance und des frenetischen Publikums. Nach Zeiten der Entbehrung, endlich wieder die große Show gemeinsam mit über 4000 Leuten. Mehr Gitarrenlehrer im Publikum als sonst, haben diesmal auch die Partnerin mitgebracht, was Farbe in das sonst eher männliche Publikum gebracht hat. Dream Theater haben mit dem Bühnendesign, der Songauswahl und ihrem positiven Auftreten genau den richtigen Ton erwischt, der die Halle zum Schwingen gebracht hat.

Nachbericht: Michael Neumann

Setlist:

  1. The Alien
  2. 6:00
  3. Awaken the Master
  4. Endless Sacrifice
  5. Bridges in the Sky
  6. Invisible Monster
  7. About to Crash
  8. The Ministry of Lost Souls
  9. A View From the Top of the World
  10. Zugabe: The Count of Tuscany

Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de