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INTERVIEW mit CHEN BALBUS von ORPHANED LAND – Teil 2 INTERVIEW mit CHEN BALBUS von ORPHANED LAND – Teil 2
Auf dem zweiten Teil ihrer „We Do Not Resist“-Tour spielten ORPHANED LAND aus Israel im Zoom / Frankfurt mit ihrem orientalisch inspirierten Metal. Vor... INTERVIEW mit CHEN BALBUS von ORPHANED LAND – Teil 2

Auf dem zweiten Teil ihrer „We Do Not Resist“-Tour spielten ORPHANED LAND aus Israel im Zoom / Frankfurt mit ihrem orientalisch inspirierten Metal. Vor dem Gig unterhielt sich Gitarrist CHEN BALBUS mit Lydia und Michael vom Metalogy.de-Team und erzählte über die Tour, Kobi’s Liebe zu Whisky, Chen’s erste Berührung mit Metal und die Botschaften in den Texten.

Schreibt ihr die Songs alle zusammen?

Chen: Ja. Ich habe Ideen für Songs. Kobi hat Ideen für Songs. Wir stimmen uns dann gemeinsam ab und schauen, was dabei rauskommt.

Wie ist das mit den Lyrics?

Chen: Um die Lyrics kümmert sich Kobi. Er ist für die Texte zuständig.

Schreibt ihr die Songs auch während der Tour?

Chen: Wir schreiben, wann immer wir die Chance dazu haben, ehrlich gesagt. Während dieser Tour haben wir schon so viele Ideen in meinem oder in Kobi´s Smartphone gesammelt. Wenn wir nach Hause kommen, stellen wir das dann im Studio zusammen. Und wir versuchen, uns Ideen per Email hin und her zu schicken, bis wir was Passendes zusammenhaben. Das ist aber ein kontinuierlicher Prozess und bedarf eigentlich keiner besonderen Inspiration. Wenn es kommt, dann kommt es.

Orphaned-Land-2019-Zoom-©-Polwin-Plass_1

Ihr verkauft auf eurer Homepage neuerdings Single Malt Whiskey. Wie kommt das und wer hatte die Idee?

Chen: Kobi hatte die Idee. Er ist ein Whiskey-Fan. Es gibt eine Destillerie direkt neben seinem Haus. Er erzählte uns, dass da direkt neben seinem Haus eine Destillerie sei und wir sind dann zusammen dort hingegangen. Die waren dann richtig angetan von der Idee, Whiskey und Orphaned Land zusammen zu bringen. Und es hat geklappt. Das Klima in Israel ist ideal für Whiskey.

Und wie verkauft er sich?

Chen: Ich glaube mittlerweile ist er fast ausverkauft. Wir haben ein paar Flaschen mit auf diese Tour genommen und die waren in der ersten Woche schon alle verkauft. Wir bieten noch ein paar Flaschen, die wir in Israel gelassen haben, über unsere Website an. Aber alles was wir mitgebracht haben, war nach einer Woche weg.

Wann hast du angefangen Gitarre zu spielen?

Chen: Mit Zwölf. Meine Mutter hat mich vorher gezwungen Klavier zu spielen. Das hat mir nicht so viel Spaß gemacht. Das ist aber ok. Heute finde ich es besser als damals. Das war klassisches Klavier und ich mochte es nicht. Als ich dann ein Poster von Guns´n´Roses mit Slash sah, wollte ich so wie er sein. Ich schnappte mir also eine Gitarre und lerne Gitarre.

Spielst du andere Instrumente?

Chen: Ja. Ich spiele eigentlich alles, was Saiten hat. Ich spiele die Oud, die Bazuki, die Saz. Alles, was an Saiteninstrumenten aus dem Mittleren Osten kommt, kann ich spielen.

Wann bist du das erste Mal mit Metal in Kontakt gekommen?

Chen:  Auch mit Zwölf. Vorher habe ich nur Pop-Musik und Hip Hop gehört. Dann sah ich dieses Poster und ich habe Metal aus dem Zimmer von meinem Bruder gehört. Da habe ich mich gefragt, was das ist. Das war das erste Mal, dass mir generell diese Art von Musik bewusst aufgefallen ist. Mit Zwölf ist mir Metal also das erste Mal aufgefallen.

Was war dein erstes Konzert?

Chen: Das war damals ein Jahr später ORPHANED LAND. Mit 13 bin ich zu einem ORPHANED LAND-Konzert in Israel gegangen, weil Kobi ein Freund meiner Familie ist. Er kennt mich seit meiner Geburt. Jetzt bin ich 26. Dadurch bin ich mit der Musik von ORPHANED LAND aufgewachsen und Kobi war häufig bei uns zu Hause. Und irgendwann … Hier bin ich.

Was sind eure Pläne für die Zeit nach der Tour?

Chen: Wir werden zwei Konzerte in Israel haben, bei denen wir uns auf das „Mabool“-Album fokussieren. Wir werden das komplette Album spielen, um das 15-jährige Jubiläum zu feiern. Dann werden wir weiter auf Tour gehen und nebenbei am neuen Album weiterschreiben. Mittlerweile fragt uns jeder nach einem neuen Album.

Gibt es einen Zeitplan für das neue Album?

Chen: Noch nicht. Wir sammeln gerade Material. Sobald wir was Genaueres haben, legen wir los. Es ist nicht schwer, die Musik zu schreiben, aber es ist sehr schwer die Textideen zu entwickeln.

Orphaned-Land-2019-Zoom-©-Polwin-Plass

Die Texte von ORPHANED LAND drehen sich immer um dasselbe Thema. Es ist dasselbe Grundthema, aber in unterschiedliche Geschichten verpackt. „Mabool“ hat dasselbe Thema, handelt aber von der Arche Noah. Oder „Orwarrior“ ist die Geschichte, die wir zu dem Krieger des Lichts entwickelt haben. Das letzte Album handelt von Platon´s Höhlengleichnis. Wir versuchen jedes Mal eine Geschichte zu finden, durch die wir das ausdrücken können, was wir sagen wollen. Und es braucht seine Zeit, die richtige Geschichte zu finden.

Habt ihr schon viel Material gesammelt?

Chen: Musikalisch ja, aber von den Lyrics her noch nicht. Wir haben einige Ideen für das neue Album, aber wir suchen noch nach der richtigen Geschichte.

Wird es einen Unterschied machen, dass ihr eine Keyboarderin an Bord habt?

Chen: Ja, das macht einen großen Unterschied, weil wir den Keyboards einen größeren Raum geben wollen. Auf den vorhergehenden Alben habe ich die Keyboards übernommen. Da waren sie nicht so kompliziert und auch nicht im Vordergrund, sondern nur im Hintergrund. Jetzt wollen wir die Keyboards im Vordergrund haben, weil Sharon soviel zu geben hat. Dafür wollen wir ihr den nötigen Raum geben.

Gibt es ein Land, in dem du gerne spielen würdest?

Chen: Generell würde ich gerne mal in Afrika touren. Auf diesem Kontinent waren wir noch nie. Ich bin einfach neugierig, wie es da so ist. Das ist der einzige Ort auf dieser Welt, außer der Antarktis, wo ich noch nicht war. Und ich bin mir sicher, dass wir sehr viele Fans dort hätten, wenn wir dort mal spielen würden. Irgendwann werden wir vielleicht in diese Länder einreisen dürfen.

Wir versuchen immer wieder Konzerte in Ländern zu spielen, wie zum Beispiel Ägypten, Marokko oder Tunesien. Wir versuchen uns da irgendwie rein zu schleichen, aber das ist alles andere als einfach für eine Israelische Band.

Gibt es eine Band mit der du gerne mal spielen würdest?

Chen: Für ORPHANED LAND fällt mir da gerade keine spezielle ein. Für mich persönlich wären das Guns´n´Roses. Schon immer. Für ORPHANED LAND wären das dann sicherlich Iron Maiden. Das ist von allen die Lieblingsband.

Gibt es ein Festival, wo du gerne mal spielen würdest?

Chen: Wir haben fast alle Festivals auf dieser Welt gespielt, aber unser Favorit ist 70.000 Tons of Metal. Das ist das spaßigste Festival der Welt. Ich meine, wir waren in Wacken, wir spielten beim GrasPop, beim Hellfest und allen großen Festivals. Wir haben schon überall gespielt. Aber dieses 70.000 Tons of Metal ist absolut einzigartig und hat eine ganz besondere Stimmung.

Bist du selbst oder deine Familie religiös?

Chen: Ich selber überhaupt nicht. Meine Familie pflegt ein paar Bräuche. Ich selber pflege auch ein paar Bräuche, weil ich Jude bin. Aber das bedeutet mir nicht so viel. Wenn ich in ein paar Jahren vielleicht Kinder habe, würde ich ihnen diese Bräuche auch beibringen, nur damit sie die kennen. Ich bin halt als Jude aufgewachsen und nach meinem Geschmack sind manche der Bräuche ganz gut.

Früher war der Name der Band „Resurrection“. Warum wurde der geändert?

Chen: Damals gab es viele Bands mit Namen wie „Benediction“ und „Resurrection“ mit einem TION am Ende. Das schien damals cool zu sein. Die Geschichte war, dass es zwar cool war, aber nicht einzigartig. Und dann fand Uri (Zelcha) im Text eines Israelischen Popsängers, den wir eigentlich nicht besonders mochten, die Worte „Orphaned Land“ auf Hebräisch und wir dachten, dass das viel besser zu unserem Konzept passen würde.

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Ihr wart einmal mit der Palästinensischen Band Khalas auf Tour. Was war die Idee dahinter?

Chen: Hauptsächlich wollten wir etwas beweisen. Wir wollten beweisen, dass es möglich ist, dass auch eine Israelische und eine Palästinensische Band Zeit in einem Tourbus auf engstem Raum zusammen verbringen können. Und dass da nichts passiert. Keine politischen Konflikte. Nichts. Der Punkt ist, dass wir der Welt zeigen wollten, wie einfach das geht. Und außerdem machen Khalas großartige Musik.

Hattet ihr deswegen Probleme?

Chen: Keine richtigen Probleme. Natürlich bekommst du auf Facebook oder so  Kommentare und negative Messages. Aber das ist normal. Es gibt immer irgendwelche Hater. Aber die kümmern mich nicht besonders.

 

LEST MORGEN DEN DRITTEN TEIL DER DREITEILIGEN INTERVIEWSERIE MTI CHEN BALBUS VON ORPHANED LAND.

 

UND HIER DIE FOTOSTRECKE ZUM GIG IM ZOOM FRANKFURT

FOTOSTRECKE: ORPHANED LAND, Support: SUBTERRANEAN MASQUERADE & SYSTEMHOUSE 33
https://metalogy.de/fotostrecke-orphaned-land-support-subterranean-masquerade-systemhouse-33/

 

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Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de