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Interview mit CELLAR DARLING Teil 2 Interview mit CELLAR DARLING Teil 2
Die Schweizer Folk-Rocker CELLAR DARLING touren gerade mit ihrem aktuellen Album „The Spell“ durch Europa. Vor ihrer Show im Nachtleben in Frankfurt standen Anna... Interview mit CELLAR DARLING Teil 2

Die Schweizer Folk-Rocker CELLAR DARLING touren gerade mit ihrem aktuellen Album „The Spell“ durch Europa. Vor ihrer Show im Nachtleben in Frankfurt standen Anna Murphy und Merlin Sutter Michael vom Metalogy.de-Team Rede und Antwort und erzählten über ihr Sexismus, Wacken, ihre Tour in Südamerika und ihre Erfahrungen in der Metalszene.

Habt ihr eigentlich schon mal auf dem W:O:A gespielt? (Anmerkung: Anna trank ihren Tee während dem Interview aus einem Wacken-Pappbecher.)

Anna: Mit Cellar Darling haben wir da noch nicht gespielt und mit Eluveitie auch nicht. Wir sind ausgestiegen, bevor die da das erste Mal gespielt haben.

Merlin: Ich war persönlich noch gar nie in Wacken. Wir haben jahrelang versucht da zu spielen. Aber als es dann was wurde, waren wir vorher ausgestiegen.

Wie denkt ihr so über Wacken als Festival?

Anna: Ich würde es, glaube ich, gar nicht anders wahrnehmen als irgendein anderes Festival. Mir ist es eigentlich völlig egal, wo wir spielen. Manchmal macht es mir mehr Spaß vor 20 Leuten in einem kleinen Club zu spielen als auf einer riesigen Bühne. Es kommt immer auf die Stimmung drauf an. Auf die mentale Stimmung an dem Tag. So eine riesige Festival-Bühne ist natürlich schon cool, aber sie macht mir auch Angst. Man ist den Leuten nicht so nahe. Das finde ich immer etwas gewöhnungsbedürftig. Aber ich würde zu Wacken jetzt natürlich nicht Nein sagen.

Merlin: Ich würde es wirklich gerne mal sehen. Anscheinend hat sich ja wirklich so eine Kultur um das Festival entwickelt. Das ist mehr als eine Marke, sage ich jetzt mal.

Anna: Das ist ja auch immer ganz schnell ausverkauft.

Merlin: Wenn man uns dann also mal einladen würde, wäre ich sehr gespannt.

Anna, du bist selbst Tontechnikerin. Was ist für dich vom Sound her der Unterschied zwischen einem kleinen Club, wie zum Beispiel in Südamerika,  und einer großen Festivalbühne?

Anna: Tontechnikerin bin ich nur im Studio. Live-Tontechnik habe ich noch nie gemacht. Deswegen kann ich das auch gar nicht. Ich höre uns ja auch gar nicht selbst von vorne. Aber der Sound ist natürlich extrem wichtig. Deswegen haben wir auch jemanden mit dabei, der das macht. Ich würde das auf jeden Fall nicht selber machen wollen – ohne eigene Technikerin.

Merlin: Ja. Das ist schon sehr wichtig.

Metalheads gelten ja als sehr tolerant und sozial eingestellt. Wie empfindet ihr das? Was sind eure eigenen Erfahrungen?

Anna: Das habe ich eigentlich schon immer so empfunden. Ich war ja schon als Teenager öfters mal auf Konzerten. Was ich aber schon immer etwas schräg gefunden habe, ist gerade in der Black Metal-Szene dieses Elitäre. Ich war mal auf einem Konzert, da war ich 15. Ich hatte mein nagelneues Darkthrone-T-Shirt an, was natürlich gar nicht cool ist. Das T-Shirt muss natürlich verblichen sein, damit es cool ist. Und ich ging auf ein Konzert von einer deutschen Black Metal-Band und ich hatte darüber von deren Website erfahren. Das Konzert war aber von einem Verein organisiert worden, der eigentlich wollte, dass nur spezielle Leute dorthin kommen. Und nicht so un-true-e Kiddies. Als ich dann da auftauchte, schauten mich alle an. Ich war halt gar nicht cool. Und das fand ich damals schon sehr bedenklich. Aber das hat sich auch mittlerweile sehr geändert. Und ich glaube auch, dass das Black Metal-spezifisch ist. Insgesamt finde ich, dass es eine sehr friedliche Szene ist. Das sagen ja auch alle.

Merlin: Auch aus der Musiker-Perspektive. Wir haben ja sehr früh mit Touren angefangen – Anna mit 16 und ich mit 18. Und nach jeder Tour haben sich alle in den Armen gelegen und man wollte sich gar nicht trennen. Es ist schon eine sehr kollegiale Stimmung. Zwischen den Fans und den Bands, aber auch bei den Bands untereinander. Ich kenne mich jetzt nicht so gut in anderen Genres aus, aber ich glaube, das ist im Metal schon stärker entwickelt als anderswo.

Habt ihr eigene Erfahrungen gemacht, durch die ihr euch in der Metal-Szene wohler fühlt als in einer anderen Szene?

Merlin: Ich weiß nicht, ob ich andere Szenen gut genug kenne.

Anna: Ich eigentlich auch nicht. Ich gehe auch nicht so viel auf Konzerte. Wenn ich halt mal zuhause bin, mache ich lieber was für mich und will nicht wieder unter die Leute gehen.

Merlin: Aber man fühlt sich schon generell willkommen. Auch auf Festivals, wenn die Bands sich so sehen. Das scheint mir kollegialer als anderswo.

Denkt ihr, dass die Metal-Szene da ein Vorbild für die Gesellschaft im Allgemeinen sein kann?

Anna: Für Alles.

Merlin: Ja. Für Alles. Das ist eine große Frage. Das müsste man sich genauer überlegen, aber mehr Kollegialität etc. gibt es da sowieso. Das ist auf jeden Fall eine gute Sache. Und was ich auch in der Metal-Szene noch nie erlebt habe, ist, dass man jemand anderem gegenüber nicht offen wäre. Rassismus oder so etwas habe ich nie auch nur im Ansatz erlebt. Und ich bin jetzt mittlerweile auch schon 15 Jahre dabei. Anna´s Beispiel aus dem Black Metal ist da eine Ausnahme. Da war ich aber nicht dabei.

Anna: Ich finde es eben auch so spannend mit dem Sexismus. Ich war ja auf diesem Panel zum Thema „Frauen in der Rock-Musik und ich habe mich da ein bisschen fehl am Platz gefühlt. Die Fragestellung war eben so, dass sie davon ausgingen, dass ich schon mal sexistisch behandelt oder ausgeschlossen wurde. Mir ist das aber noch nie passiert. Und ich mache das ja auch schon, seit ich 16 bin – damals mit Eluveitie. Aber ich hatte noch nie das Gefühl, dass mich jemand nicht respektiert, weil ich eine Frau bin oder, dass ich mehr als andere beweisen müsste. Vielleicht hatte ich auch einfach Glück. Oder ich habe es nicht kapiert.

Merlin: Das scheint mir auch so. Das ist keine Problematik, die ich sehe. Vielleicht ist es auch ein gutes Beispiel, dass unsere Soundtechnikerin eine Frau ist. Wir haben eine Lichttechnikerin, die manchmal dabei ist, und eine Booking-Agentin. Unsere Promoterin bei Nuclear Blast ist auch eine Frau. Wir haben uns aber nicht speziell Frauen gesucht. Das kam einfach so. Ich glaube, das ist ganz natürlich. Die Frage stellt man sich gar nicht, ob jetzt eine Frau unseren Sound mischen kann oder unsere Agentin sein kann. Zumindest in unserer Szene oder in unserem Umfeld gibt es glücklicherweise keinen Sexismus.

Ihr habt auch nicht mitbekommen, dass eine andere Musikerin betroffen war?

Anna: Ich habe natürlich ein paar Stories von Frauen gehört, die das Gegenteil erfahren haben. Sowas ist natürlich schade.

Morgen könnt ihr den dritten Teil des vierteiligen Interviews mit Cellar Darling hier auf Metalogy.de lesen.

Lest auch unseren Review zum neuen Album von Cellar Darling:

Review: CELLAR DARLING – The Spell
https://metalogy.de/review-cellar-darling-the-spell-2/

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