Doom over Vienna XII – Interview mit dem Veranstalter Jürgen von Sound Wall Entertainment Doom over Vienna XII – Interview mit dem Veranstalter Jürgen von Sound Wall Entertainment
In den letzten Jahren wurde mit dem Doom over Vienna – Festival in Wien ein ehrwürdiges Ereignis aufgebaut, dessen Fortführungen nicht nur in Genrekreisen... Doom over Vienna XII – Interview mit dem Veranstalter Jürgen von Sound Wall Entertainment

In den letzten Jahren wurde mit dem Doom over Vienna – Festival in Wien ein ehrwürdiges Ereignis aufgebaut, dessen Fortführungen nicht nur in Genrekreisen mit Vorfreude erwartet werden. Wir wollten vom Veranstalter Jürgen mehr über diesen Treffpunkt der Doom Metal Szene erfahren. Er stellte gegenüber Metalogy Rede und Antwort

Wie viele Besucher kamen zum diesjährigen Festival ungefähr?

Diesmal hatten wir ca. 150 zahlende Besucher pro Tag, was eine leichte Steigerung zu den Vorjahren darstellt. Allerdings hatten wir diesmal auch 14 statt 12 Bands, womit auch Kosten und Arbeitsaufwand natürlich ein wenig gestiegen sind.

Wie waren die Erwartungen im Vorfeld?

Die Vorfelderwartungen waren gemischt. Zum einen habe ich in den Jahren davor immer versucht, großteils Bands zu holen, die noch nie in Österreich und/oder Wien waren, da diese von „regulären“ Bookern einfach nicht nach Wien geholt werden, was ich sehr schade finde. Diesmal habe ich jedoch probiert, das Ganze mit etwas mehr „alten Bekannten“ zu durchmischen, die bereits vor ein paar Jahren schon mal bei uns gespielt hatten, da die letzten Jahre sehr oft als Vorfeldreaktion vom Publikum kam: „Ich kenne wieder mal keine einzige Band“. Diesen Weg werde ich wohl 2018 fortsetzen, vermutlich sogar mit mehr Bands, die schon mal bei uns gastiert haben, was jedoch diesmal Zufall ist, weil es sich 2018 gerade sehr anbietet aufgrund von anstehenden Albenveröffentlichungen.

Zudem habe ich das Lineup erstmals ziemlich traditionell auszurichten probiert, also wirklich mit viel „echtem“ Doom und Epic/Traditional-Bands. Womit erwartungsgemäß unsere Stoner-, Postrock- und Sludgebesucher etwas ausgelassen haben. Das war auch zu erwarten und ist verständlich.

Zusätzlich hatten wir erstmals das Problem, dass am selben Wochenende auch ein 2-tägiges, halbwegs großes Gothic-Event im Süden Wiens stattfand, das Schattenwelt Festival, womit unsere kleinen Publikumsüberschneidungen in diesem Segment selbstredend auch ausgefallen sind. Diese beiden Festivals werden sich nach derzeitigem Stand vermutlich bedauerlicherweise nächstes Jahr wieder überschneiden, da eine Terminverschiebung unsererseits vom Lokal aus nicht wirklich möglich ist, unter Berücksichtigung des Hammer of Doom Termins ebenso.

Was für Vergleiche lassen sich zum Vorjahr ziehen?

Wir sind ja glücklicherweise immer mit sehr guten Publikums- und Bandreaktionen gesegnet, das war erfreulicherweise dieses Jahr auch wieder so. Der administrative Aufwand war allerdings ungleich größer, da wir diesmal 14 internationale Acts hatten, von denen 7,5 per Flugzeug angereist sind, diesmal keine „local“ Acts dabei waren, somit alle Bands Unterkunft benötigten, teilweise Flughafentransfers und vieles mehr.

Nett war auch, dass wir erstmals aufgrund der Kooperation mit dem Künstler Kvlt&Knochen geringfügig ein wenig in Dekoration investieren konnten. Diese Vision hatte ich eigentlich immer schon und hoffe, das zukünftig ein wenig ausbauen zu können.

Das Publikum hatte sich diesmal ein wenig anders zusammengesetzt, aus oben genannten Gründen, war also vielleicht etwas „metallischer“ und homogener, wenn man so will. Der Stimmung hat das aber definitiv trotzdem keinen Abbruch getan.

Darüber hinaus hatten wir diesmal erstmals statt einem Soundguy ein dreiköpfiges Team, was die Abläufe extrem professionalisiert und entspannt hat. An dieser Stelle großes Kompliment an die drei Herren, die hier durchaus auch teilweise einiges an unentgeltlicher Freizeit investiert haben!!

Desolate Pathway, Veranstalter Jürgen und Daniel

Desolate Pathway, Veranstalter Jürgen und Daniel

Ist man mit den Räumlichkeiten zufrieden? Kommt eine erneute Veranstaltung im Viper Room in Betracht?

Historisch betrachtet muss man ja erwähnen, dass das erste Doom over Vienna 2006 bereits im Monastery stattgefunden hat, dem Vorgängerlokal des Viper Rooms am selben Standort. Im zweiten Jahr war es dann bereits der Viper Room. Darauf gastierten wir ein paar Jahre im Escape, sind aber seit 2014 wieder zurück in der Schlangengrube, von den Bands auch liebevoll „Stairway to Hell“ genannt, aufgrund der vielen Stufen, die das Equipment rauf und runter geschafft werden muss.

In Anbetracht der Größe und Equipmentsituation, sowie der Backstagebereiche, ist der Viper Room ja quasi ideal für die Ausrichtung unseres Festivals.

Hinzu kommt, dass der Chef uns sehr wohlgesonnen ist und auch musikalisch dem Ganzen als alter Stoner Rocker geschmacklich nicht sehr fern steht, was natürlich eine ausgezeichnete Basis für die Zusammenarbeit bildet. Und auch dem Lokalteam, dass ja bei unserem „Event“ immer vergleichsmäßig früh ran muss, sei hier ausdrücklich noch mal Dank ausgesprochen!!

Wie kam es zur Auswahl der Bands? Gibt es etwas Interessantes (z.B. eine Anekdote) dazu zu sagen?

Im Prinzip beschäftige ich mich ja seit vielen Jahren tagein tagaus mit Doom Metal, man kann hier also sicherlich von Passion sprechen. Das bringt mit sich, dass ich quasi wöchentlich neue Bands entdecke, zugesendet bekomme, oder auf meinen zahlreichen Festival- und Konzertbesuchen im In- und Ausland neu entdecke. Inspirationsquellen waren dabei immer vor allem auch meine Besuche auf dem Doom Shall Rise, den Heavy Days in Doomtown, den Dutch Doom Days, Malta Doom Metal Festival, Dublin Doom Days, dem Hammer of Doom und vielen mehr.

Da kommt es also immer wieder mal zu der Situation, dass ich mir denke: „Wow, die sollten mal nach Wien kommen!“. Was dann meistens nicht von selbst stattfindet. Somit fange ich dann irgendwann unterm Jahr an, Bands nach ihrem Interesse und ihrer Flexibilität abzuklopfen. Allerdings scheitern etliche Wunschkandidaten dann in weiterer Folge an beschränkten Live- oder Zeitressourcen, an unserem sehr beschränkten Budget oder vielen anderen Faktoren. Die Lineup-Zusammenstellung ist also auch immer ein Kompromiss.

Zudem kommt noch hinzu, dass unser Festival szeneintern inzwischen ein wenig bekannt ist, wodurch wir z.B. alleine dieses Jahr noch 52 Bandanfragen hatten, die wir nicht unterbringen konnten. Dieser Pool hilft dann natürlich auch, dass wir im Falle eines Ausfalles halbwegs rasch kompensieren können.

Prinzipiell ist die Idee des Lineups jedenfalls so, dass wir völlig auf die Unterstützung des Undergrounds ausgerichtet sind. Mir ist immer das Gesamtpaket am wichtigsten. Ich würde also nie das ganze Budget für einen teuren Headliner rauswerfen, der auch ohne unser Festival vielleicht mal nach Wien kommen würde, und dann halbherzig irgendwelche Supports abzocken, die mir nicht gefallen. Einen klassischen Headliner gibt es bei uns also ohnehin nicht. Wir sind da quasi „demokratisch“. Von der ersten bis zur letzten Band sind bei uns also alle gleichwertig zu behandeln, wenn auch vielleicht mit geringfügig unterschiedlichen Gagen.

Es gab einige Absagen. Wie schwer war die Kompensation der Ausfälle / Beschaffung adäquaten Ersatzes? (Was übrigens gut gelungen ist)

Ja, diesmal war das Booking zwar von Beginn an leichter als im Seuchenjahr davor, dafür wurden wir erstmals von sage und schreibe 5 (!!) Bandabsagen seit dem Frühjahr heimgesucht. Das ist trauriger Rekord, der lag bisher bei maximal 2 Bands…

Natürlich ist das besonders hart, wenn du Bands schon beworben hast, auch Tickets schon verkauft hast, die vielleicht gerade wegen den absagenden Bands gekauft wurden. Da tun mir die Zuschauer dann immer sehr leid. Ticketrückgaben sind aber bei uns selbstverständlich kein Problem.

Allerdings hatten wir mit der Ersatzsuche diesmal ziemliches Glück. Das ist die Jahre davor mitunter schon mal schwieriger ausgefallen. Auch freut es mich sehr, dass ich somit noch Bands unterbringen konnte, die ich ohnehin gern dabei gehabt hätte, die aber keinen Platz mehr gefunden hatten.

Können schon Aussagen für die nächste Ausgabe des Doom over Vienna – Festivals getroffen werden?

Das Doom over Vienna XIII wird nach derzeitigem Stand am 09. und 10. November 2018 stattfinden, es sei denn, das Hammer of Doom – bei dem ich immer auch als Gast zugegen bin und welches somit quasi meine jährliche private Aftershowparty ist – wird um eine Woche vorverlegt. Mit einigen Bands, die teilweise auch derzeit gerade an der Veröffentlichung neuer Alben arbeiten, waren wir uns im Prinzip vor der diesjährigen Ausgabe schon einig, dass wir sie nächstes Jahr dabei haben werden. Diesbezügliche erste Bestätigungen folgen in Kürze.

Danke für das Interview und bis doom!!

Vielen Dank für die ausgiebige und aufschlussreiche Auskunft.

Interview: Daniel Oestreich

Lest dazu auch:

Doom over Vienna XII – Nachbericht Tag 1

Doom over Vienna XII – Nachbericht Tag 2

 

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