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Interview mit Sabrina Wiese, WACKEN Polizeidirektion Itzehoe – Teil 1 von drei Teilen Interview mit Sabrina Wiese, WACKEN Polizeidirektion Itzehoe – Teil 1 von drei Teilen
Wir haben für unser Buchprojekt ein interview mit der Hauptverantwortlichen und Einsatzleiterin der Polizeidirektion Itzehoe. Sabrina Wiese ist auch für das Wacken Open Air... Interview mit Sabrina Wiese, WACKEN Polizeidirektion Itzehoe – Teil 1 von drei Teilen

Wir haben für unser Buchprojekt ein interview mit der Hauptverantwortlichen und Einsatzleiterin der Polizeidirektion Itzehoe geführt. Sabrina Wiese ist auch für das Wacken Open Air zuständig. Lydia und Michael haben mit Sabrina über ihre Arbeit für das größte Metal Festival der Welt gesprochen und viele interessante Details erfahren. Hier Teil 1 des dreiteiligen Interviews.

Hallo Sabrina. Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst. Könntest du dich kurz persönlich vorstellen und erzählen, was du bei der Polizeidirektion Itzehoe machst und was du mit dem W:O:A zu tun hast?

Sabrina: Ich bin verantwortlich für die Planung des polizeilichen Einsatzes zum W:O:A und während des W:O:A immer eine der drei Einsatzleitungen. Wir wechseln uns wie im Schichtdienst ab, so dass eine Woche lang rund um die Uhr einer von uns ansprechbar ist.

Ich bin seit Ende der 90er bei der Polizei und habe dort im gehobenen Dienst in Altenholz angefangen. 2011 bin ich dann nach mehreren Stationen, überwiegend in der Verkehrsüberwachung, nach Hiltrup gegangen. Dort wird der höhere Dienst der Polizei ausgebildet. 2013 war ich dann mit dem Masterstudium fertig und  zunächst im Landespolizeiamt tätig. Anderthalb Jahre später bin ich dann in die Polizeidirektion (PD) Itzehoe gewechselt und da beginnt dann auch meine Geschichte mit dem W:O:A.

Hier in der PD Itzehoe leite ich seitdem den Stabsbereich 1, der für Einsatzkräftemanagement steht, also alles, was größer ist, als dass es ein Revier oder eine Dienststelle alleine wuppen könnte. Das wird dann auf PD-Ebene bewegt. Die PD Itzehoe ist zuständig für die beiden Landkreise Steinburg und Dithmarschen. Das W:O:A findet ja im Kreis Steinburg statt. Das ist ein Einsatz, den ein Revier alleine mit 80 Leuten nicht wuppen könnte. Entsprechend wird er bei uns in der PD sowohl geführt als auch vorbereitet. Wir haben da auch über die Jahre die Kontakte zu den Veranstaltern und den anderen BOS (BOS = Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, also Feuerwehr, Rettungsdienst, DRK und so) aufgebaut. Ich bin also seit 2015 mit dabei und begleite das W:O:A.

Wieviele Einsatzkräfte seid ihr auf dem W:O:A?

Sabrina: Das ist schwer zu beantworten. Ich könnte eine Zahl nennen, wieviele Menschen dort tatsächlich im Einsatz sind. Wir haben eine Liste, wo dann aber auch unser Landespolizeidirektor mitgezählt wird, der einmal einen Tag da war, um seine Einsatzkräfte zu besuchen. Insgesamt haben wir ca. 300 Leute im Einsatz und zwischen 150 und 180 sind maximal gleichzeitig im Dienst.

Sind die Hauptzeiten während der eigentlichen Festivaltage oder auch schon vorher?

Sabrina: Das sind tatsächlich Donnerstag, Freitag und Samstag, wenn auch die Hauptbühnen bespielt werden. Wenn es dieses Jahr, wie geplant, Mittwoch losgeht, werden wir natürlich auch Mittwoch mehr Kräfte in Einsatz bringen. Im Prinzip baut sich der Einsatz langsam auf. Wir fangen eine Woche vorher an. Da muss die Logistik und die IT-Technik bereitgestellt werden.

Wir bauen ja auf dem Acker, wo sonst nichts ist, alles auf. Da muss IT-Technik hin. Da muss Funktechnik hin. Da müssen Container hin. Die Logistiker fangen daher schon eine Woche vorher an. Die Verkehrskräfte für die Anreise sind dann ab Sonntag im Einsatz. Einige Besucher reisen ja tatsächlich schon am Sonntag an, um am Montag da zu sein, wenn die Tore aufgemacht werden, um sich die besten Plätze abzugreifen. Bis zum Donnerstag baut es sich kräftemäßig weiter auf und dann sind wir in der Höchstphase. Danach wird langsam wieder abgebaut. Am Sonntag haben wir dann überwiegend die Kräfte im Verkehr, die den Abfluss gewährleisten, um den Acker auch wieder zu räumen.

Wann beginnt ihr mit der Planung ?

Sabrina: Im Januar. Da steckt eine ganze Menge dahinter. Es gibt viele, die sagen, dass wir eigentlich nur jedes Jahr das Datum austauschen müssten. Aber das ist natürlich Quatsch. Es steckt eine ganze Menge Nachbereitung drin. Es gibt immer im September eine Nachbereitung mit dem Veranstalter und den anderen BOS. Da gibt es immer irgendetwas, wo man Verbesserungsbedarf für das kommende Jahr sieht. Irgendwas, was es vorher nie gegeben hat, ist in dem Jahr plötzlich aufgepoppt. Das muss dann in irgendeiner Form neu bedacht werden. Dementsprechend geben wir dann im Januar spätestens die Aufträge an unsere Einsatzabschnittsleiter raus. Wir haben verschiedene Einsatzabschnitte, wie Verkehr, Ermittlung oder Logistik. Die bekommen dann ihre Aufträge. So richtig einsteigen, auch mit der Vorbesprechung mit dem Veranstalter, tun wir Ende April / Anfang Mai mit den ersten Terminen, die wir vor Ort haben. Aber da muss das Grundkonzept bereits stehen.

Wo liegen eure Haupteinsätze bzw. Haupteinsatzbereiche? Wo seid ihr auf dem W:O:A am meisten gefordert?

Sabrina: Das ist sehr unterschiedlich, aber natürlich in der An- und Abreise. Es ist einfach der Wahnsinn, diese ganzen Fahrzeuge von der Autobahn runter zu führen. Der Verkehr ist ja für so viele Fahrzeuge nicht ausgelegt. Das ist ein ausgeklügeltes System, zu planen wo die Leute langfahren und wo wir sie noch mal in eine Warteschleife legen können, damit wir sie von der Autobahn runter leiten können, um Rückstau zu verhindern. Wenn es zum Beispiel sehr matschig ist,  dauert es einfach ein bisschen länger, die ganzen Leute und Fahrzeuge auf die Campingplätze zu lotsen.

Wenn der Boden sehr trocken ist, rauschen einfach alle rauf und werden ganz schnell abgeparkt. Dann geht das alles viel schneller. Wenn es aber matschig ist, haben wir ganz schnell mal Rückstau bis auf die Autobahn. Den wollen wir aber nicht haben, also haben wir drum herum Warteschleifen gelegt, wo die Fahrzeuge dann geparkt werden.

Die müssen dann aber alle ihre Navis ausstellen, was sie auch ganz brav machen. Die Navis würden sie nämlich ganz wo anders langführen. Die hören alle ganz brav auf unsere Ansagen und auf die Rundfunkansagen. Die meisten kommen ja sowieso regelmäßig und sind Wiederholungstäter. Die kennen das Procedere schon. An- und Abreise ist ein enormer Aufwand, das hat sich aber sehr gut eingespielt. Es steckt ganz schön viel dahinter, so viele Fahrzeuge durch eine ländliche Infrastruktur zu leiten.

Während des laufenden Festivals ist immer mal wieder was. Da gibt es organisierte Taschendiebsbanden oder Leute, die Zelte aufschlitzen. Das ist ein weiterer Schwerpunkt, den wir haben. Das Besondere am W:O:A ist auch noch, dass wir außerhalb des Festivals die Hauptstraße im Ort Wacken haben. Die gehört ja nicht zum Veranstaltungsgelände. Aber irgendwie hat sich das in den letzten Jahren zu einem Event herauskristallisiert und ist Ausflugsziel geworden. Die ganze Landjugend kommt da hin, um Party zu machen. Es gibt auch Reiseunternehmen, die Ausflugstouren anbieten, um ein bisschen W:O:A-Luft zu schnuppern. Das ist für uns auch mittlerweile ein Schwerpunkt geworden, auf den wir sehr achten müssen. Zum einen, aus dem Terrorgesichtspunkt, da man in der Hauptstraße ein Fahrzeug reinbewegen könnte. Das wollen wir natürlich verhindern. Vom Publikum ist das im Dorf auch ein wenig anders als auf dem W:O:A selber. Da haben wir schon auch häufiger mal Körperverletzungsdelikte. Dem einen oder anderen fällt dann auch mal Blödsinn ein, wenn er zu viel Bier getrunken hat.

So haben wir die An- und Abreise, das Festivalgelände und die Fläche nebenbei als Schwerpunkte.

Als du das erste Mal auf dem W:O:A warst, war es für dich eine komplett neue Erfahrung mit den Metalheads? Wie war deine Erwartung und wie war die Realität?

Sabrina: Auch in meiner Zeit, als ich noch im gehobenen Dienst und in Neumünster in einer Verkehrsüberwachungsdienststelle war, war ich auch schon mal beim W:O:A eingesetzt. Da war ich im Bereich der Drogen- und Alkoholerkennung. Das wird ja bei An- und Abreise gemacht. Von daher kannte ich das Publikum und auch die Veranstaltung schon. Während meiner Zeit in Kiel habe ich das W:O:A auch zweimal besucht im Sinne der Einsatzbeobachtung. So wusste ich schon ganz grob, was mich erwartet, als ich in die Polizeidirektion Itzehoe kam.

Aber es ist schon beeindruckend, wenn man da auf das Gelände kommt. Alle sind schwarz gekleidet. Die Musik ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig und manchmal sehr laut. Es ist aber ein sehr beeindruckendes Flair. Da steht man auch gerne einfach mal da und genießt die Festival-Atmosphäre. Auch im laufenden Einsatz.

Du selber hörst keinen Heavy Metal?

Sabrina: Ich selber höre schon sehr rockige Musik. Ich hatte da mal eine witzige Situation. Als ich mit meinem Chef im Landespolizeiamt zu einem Termin gefahren bin und er mir von einem Konzert erzählt hat, auf dem er gewesen ist. Das war ein klassisches Konzert. Und er fragte mich dann, was denn mein letzter Konzertbesuch gewesen sei und ich antwortete dann: Rammstein auf der Waldbühne. Ich höre also auch mal lautere Musik. Auch Metallica höre ich gerne. Aber ich muss zugeben, dass auf dem W:O:A Bands auftreten, von denen ich noch nichts gehört habe.

Ist das W:O:A bei den anderen Einsatzkräften beliebt?

Sabrina: Das ist es definitiv. Wir haben überhaupt keine Probleme dafür Kräfte zu finden. Von unserer Behörde sind es über die Jahre eigentlich immer wieder dieselben Kräfte, die dort eingesetzt werden, weil es auch einfach wichtig ist, dass sie alles, was dahintersteht, das Konzept, die Logistik und so verstehen. Es ist schön, wenn das über die Jahre immer weitergegeben wird. Wir haben gar kein Problem, Leute zu finden. Und vom Landespolizeiamt in Kiel, über die die Kräfteanforderung vom Land geht, bekomme ich immer die Rückmeldung, dass da viele die Hand heben. Und es gibt auch bei uns viele Dienststellen, die gerne etwas stärker angefordert werden wollen.

Und auch von der Einsatzhundertschaft, die doch Vieles im Land erlebt, bekommen wir regelmäßig die Rückmeldung, dass es am W:O:A sehr angenehm ist. Dabei können wir denen, bezüglich Unterbringung nichts Besonderes bieten. Inzwischen werden die Einsatzhundertschaften, wenn sie im Bundesgebiet unterwegs sind, im Hotel untergebracht. Aber hier in der Gegend sind die Hotelkapazitäten sehr knapp und da eine ganze Hundertschaft unterzubringen ist schwer. Die werden dann bei uns im ehemaligen Kasernengelände einquartiert. Das ist mit Sicherheit nicht so toll, aber was Besseres können wir ihnen nicht bieten. Und trotzdem kommen sie jedes Jahr sehr gerne. Das beziehe ich dann auch auf den Einsatz an sich.

Können die Kollegen sich für bestimmte Dienste eintragen?

Sabrina: Nein, wir fordern quasi für die einzelnen Bereiche Kräfte an und es wird dann im Landespolizeiamt in Kiel sortiert, welche Polizeidirektion dwas erfüllt. Und die Polizeidirektion (PD) schaut dann wiederum, welche Kräfte sie schicken kann. Das ist sehr unterschiedlich. Einige PDen schicken uns auch jedes Jahr dieselben Kräfte. Andere wechseln da lieber mal, damit jeder mal nach Wacken kann. Da gibt es sehr unterschiedliche Philosophien.

Ist jedes W:O:A wieder etwas Besonderes für dich oder gibt es da mittlerweile Routine?

Sabrina: Im gewissen Sinn ist da schon Routine drin. Seit 2015 habe ich ja auch schon das W:O:A begleitet und trotzdem war es jedes Jahr wieder anders. Ich fände es auch sehr gefährlich, in die Routinefalle zu tappen und einfach die Pläne vom Vorjahr aus der Schublade zu ziehen. Man muss schon beobachten, was sich im Vergleich zum Vorjahr verändert hat. Auf dem Festivalgelände verändert sich auch jedes Jahr wieder eine Kleinigkeit. Da muss man auch wieder sehen, wie man am besten die Zuschauerwege durchleitet und wo der Verkehr entlang geleitet werden kann. Von daher ist es schon jedes Jahr was Neues, aber sehr hilfreich, wenn man es schon 1 – 2 Jahre lang begleitet hat.

Wie gut kennst du Thomas Jensen und Holger Hübner?

Sabrina: Die sind bei unseren BOS-Besprechungen, die wir im Vorfeld haben, immer mit dabei. Sie sind zwar nicht die ganze Zeit dabei, aber sie gucken zumindest rein. Da besteht also regelmäßiger Kontakt.

Was heißt BOS genau?

Sabrina: Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Feuerwehr, Rettungsdienst, Ordnungsbehörde, der Kreis mit der Lebensmittelaufsicht, die Baubehörde – alles, was da mitzureden hat. Es gibt da unterschiedliche Vorbereitungsrunden. Bei einer Runde sind zum Beispiel alle Ämter und Behörden vertreten. Da muss man dann schon einen relativ großen Raum mieten. Ansonsten hat man die obersten Vertreter der einzelnen Behörden dabei, die alles regeln.

Man hört ja immer wieder von organisierter Kriminalität. Gibt es da im Vorfeld eine besondere Vorbereitung?

Sabrina: Wir tauschen uns einmal im Jahr mit Dienststellen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus, die auch Festivals betreuen. Wir haben da einen Festivalverbund. Auch die Veranstalter tauschen sich auf dieser Ebene mit den anderen Festivals aus. Da gleichen wir dann auch die Phänomene ab. Das W:O:A findet auch relativ spät in der Festival-Saison statt, so dass wir meistens schon vorhersagen können, was kommen könnte. Meistens ist es eine Tätergruppe, die Anfang der Saison auftaucht und dann von einem Festival zum Nächsten reist. Darauf versuchen wir uns dann vorzubereiten und sind mit den anderen Behörden im Austausch.

Wie erlebt ihr die Corona-Zeit? Es ist ja schwer irgendwas zu planen.

Sabrina: Das ist natürlich sehr schwierig. Normalerweise steigen wir ja im Januar in die Planung für das Wacken Open Air ein. Auch diesen Jahr sind wir ganz normal eingestiegen. Im letzten Jahr kam im Mai die Absage für alle Großveranstaltungen, so haben wir unsere Planung dann natürlich eingestellt.

Ich weiß noch nicht, wann es dieses Jahr eine verbindliche Zu- oder Absage geben wird. Wenn das im Juni ist, ist das natürlich viel zu spät für die Vorbereitung. Das heißt, wir starten völlig normal und hoffen einfach, dass es stattfindet. Notfalls müssen wir halt die Planung wieder einstellen. Auch der Festivalverbund, von dem ich vorhin sprach, trifft sich immer am Anfang der Festivalsaison im März oder April und die PD Itzehoe hätte das dieses Jahr ausgerichtet. Das Treffen in echt und in Farbe haben wir nun abgesagt und machen das als Online-Veranstaltung. Es ist ja nicht vorstellbar, im März eine Veranstaltung mit Leuten aus dem ganzen Bundesgebiet durchzuführen.

Werdet ihr während der Corona-Zeit anders eingesetzt? Hast du andere Aufgaben bekommen als normal?

Sabrina: Ja, das hat sich doch sehr verändert. Gerade im Frühjahr letzten Jahres hat uns das ziemlich überrollt. Da mussten Dienstpläne umgestellt werden, damit die Kollegen in getrennteren Gruppen und Schichten arbeiten. Dienststellenübergreifende Präsenzkonzepte mussten umgeplant werden. Das ergab dann ein ganz anderes Aufgabenfeld. Dafür ist dann natürlich alles andere weggefallen. Fußballspiele, wo ja viel Polizeibegleitung erforderlich ist. Und die gesamte Veranstaltungssaison. Bei uns in den Kreisen Steinburg und Dithmarschen, in Büsum und in Heide haben wir ja auch sonst größere Konzertveranstaltungen der Radiosender. Das ist natürlich alles weggefallen. Da musste eine ganze Menge umorganisiert werden. Damit beim Einsatz nicht alle Dienststellen durchmischt werden. So hat sich das Themenfeld jetzt geändert. Aber erstaunlicherweise bleibt genug zu tun.

Hat der Ausfall des W:O:A 2020 die Region hart getroffen?

Sabrina: Da sind schon viele betroffen. Ich hab euch ja erzählt, dass wir ein fast familiäres Verhältnis haben – auch in der Planungsrunde. Und da haben wir natürlich herumgefragt, wie es den anderen denn so geht. Wir haben dabei auch Kontakt zum Veranstalter gehabt. Wir haben mitbekommen, dass die ganze Region mitgefiebert hat. Ich selber musste auch meinen Urlaub verschieben. Normalerweise habe ich in der Woche nach dem W:O:A Urlaub, aber dieses Mal habe ich meinen Urlaub vorverlegt. So hatte ich das erste Mal seit 2015 während der Kita-Schließzeit meiner Tochter Urlaub. Die kollidiert sonst immer mit dem Wacken Open Air. Es war schon ein ganz komisches Gefühl in dieser Woche Urlaub zu haben.

Wir haben aber auch befürchtet, dass viele nach Wacken kommen wollen, um sich alleine auf dem Acker fotografieren zu wollen. Das ist aber nicht eingetreten, denn die Veranstalter haben dazu aufgerufen, nicht nach Wacken zu kommen und wir haben das auch noch einmal getan. Und das hat funktioniert. Die Metalheads waren da sehr diszipliniert.

Aber für die Region hängt schon eine ganze Menge dran. Es werden auch einige Existenzen gefährdet sein und ich hoffe, dass alle durch diese schwere Zeit kommen.

Gibt es eine schöne Geschichte, die du auf dem W:O:A oder mit Metalheads erlebt hast?

Sabrina: Mir selber fällt jetzt keine ein, aber ich kriege ja von Kollegen Geschichten mit, die sie erlebt haben. 2018 oder 2019 war es relativ ruhig, weil uns auch nicht so viele Diebesbanden heimgesucht haben. Da haben sich zwei Konzertbesucherinnen verirrt und ihr Zelt nicht mehr wiedergefunden. Die Einsatzkräfte haben sich die Zeit genommen und haben sie irgendwann in ihr Zelt legen können. Dafür waren die knapp zwei Stunden unterwegs. Manchmal kann man sich auch für sowas die Zeit nehmen.

Wir haben auch schon mal Anrufe vom Festivalgelände auf der Leitstelle bekommen. Der wurde von der 110 an die Einsatzleitstelle durchgestellt und hat sich dort über den ruhestörenden Lärm beschwert (lacht). Die Leitstelle hat natürlich erstmal nachgefragt, ob das denn ernst gemeint sei. Das sind Kuriositäten.

Was bedeutet das W:O:A für dich persönlich und für deine Stelle? Hast du dich bewusst damals auf diese Stelle beworben?

Sabrina: Die Stelle der Leitung des Stabsbereichs 1 gibt es in jeder Polizeidirektion in Schleswig-Holstein. Das ist eine der Einstiegsfunktionen, die wir nach dem Studium in Hiltrup belegen können. Außer dem Studium erfordert die Stelle auch keine andere besondere Qualifikation. Ich hatte das Glück, dass die Stelle frei wurde, als ich fertig war. Das ist für mich sehr heimatnah. Ich wohne in der Nähe von Itzehoe und kann mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Ich persönlich komme gar nicht aus der Gegend und bin mit dem W:O:A gar nicht aufgewachsen. Ich komme aus der Kieler Ecke. Ich bin wegen meinem Mann hierher geraten. Ich wusste zwar, dass es hier ein großes Festival gibt, aber ich bin nicht deswegen hergezogen. Die Beziehung zum W:O:A kam eher zufällig, quasi über meinen Mann. Mein Mann war tatsächlich beim allerersten Wacken Open Air 1990 mitdabei. Der ist hier in der Region aufgewachsen. Er fand es damals sehr laut (lacht).

Hast du vorher schon Kontakt zu Metalheads gehabt? Im Freundeskreis oder in der Familie?

Sabrina: Nein, eigentlich nicht. Ich kenne zwar viele aus dem privaten Bereich, die schon mal auf dem W:O:A waren, die sind aber keine klassischen Metalheads und eher wegen der örtlichen Nähe hingefahren. Die ziehen sich auch schwarz an, obwohl sie das sonst nicht machen. Und selbst die sagen, dass man immer wieder nach Wacken muss, wenn man einmal dort gewesen ist. Das Festival hat einen Suchtfaktor.

Gibt es unter deinen Kollegen viele Metalheads?

Sabrina: In der Polizeidirektion haben wir tatsächlich viele Metalheads. Wir haben hier in der PD einige Kollegen, die unbedingt frei haben wollen, damit sie das W:O:A als Besucher genießen können und wir haben andere, die ihre Urlaubsplanung danach richten, um das Festival dienstlich begleiten zu können.

Fotos: Polizeidirektion Itzehoe

Hier der zweite Teil des dreiteiligen Interviews:

Interview mit Sabrina Wiese, Polizeidirektion Itzehoe – Teil 2 von drei Teilen
https://metalogy.de/interview-mit-sabrina-wiese-polizeidirektion-itzehoe-teil-2-von-drei-teilen/

 

Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de