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Die Welt brennt, das Schiff sinkt – aber Clawfinger drehen mit „Before we all die“ die Verstärker noch einmal voll auf Die Welt brennt, das Schiff sinkt – aber Clawfinger drehen mit „Before we all die“ die Verstärker noch einmal voll auf
Nach 18 Jahren melden sich die schwedischen Crossover-Pioniere mit ihrem achten Album zurück. "Before we all die" ist, wie gewohnt, laut, wütend, schwarzhumorig und... Die Welt brennt, das Schiff sinkt – aber Clawfinger drehen mit „Before we all die“ die Verstärker noch einmal voll auf

Nach 18 Jahren melden sich die schwedischen Crossover-Pioniere mit ihrem achten Album zurück. „Before we all die“ ist, wie gewohnt, laut, wütend, schwarzhumorig und gnadenlos ehrlich. Kein Weltrettungsplan, aber ein schonungsloser Soundtrack für den Untergang – geschrien, gespuckt und mit erhobenen Mittelfingern.

Wir sind zurück. Nicht, um die Welt zu retten – sondern um sie anzuschreien, während sie in Flammen steht. Unser neues Album ist ein lauter, wütender und schwarzhumoriger Kommentar auf das Chaos, das wir aus uns selbst, aus einander und aus diesem Planeten gemacht haben. Es ist Protest, Therapiesitzung und kollektiver Mittelfinger an Apathie und Verleugnung zugleich.“, so kennt man sie. Clawfinger waren schon immer das personifizierte Statement.

Thematisch graben sich die Songs auf „Before we all die“ tief in die Widersprüche der modernen Existenz: Umweltkollaps, politische Heuchelei, künstlicher Ruhm, gesellschaftlicher Zerfall und persönliche Desillusionierung. „Going Down (Like Titanic)“ setzt den Ton – das Spiel ist manipuliert, das Schiff sinkt, und trotzdem feiern wir weiter an Deck, als wäre alles in Ordnung. „Big Brother“ verspottet unsere Obsession mit falscher Realität und Fame, während „Environmental Patients“ der Menschheit einen unheilbaren Egoismus attestiert – Prognose düster.

Doch nicht nur die Welt steht vor dem Abgrund. Tracks wie „A Fucking Disgrace“ oder „Ball & Chain“ richten den Blick nach innen: auf stille Misserfolge, innere Kämpfe und den Druck, in einer Welt zwischen Perfektionszwang und Schweigen irgendwie zu funktionieren. „You Call Yourself a Teacher“ kanalisiert angestaute Wut über institutionelle Ignoranz, während „Linked Together“ zeigt, wie Stolz und emotionale Sturheit genau das zerstören, was uns eigentlich wichtig ist. Und ja – „Scum“ und „Tear You Down“ sind definitiv keine Liebeslieder. Mehr pure Verachtung für korrupte Politiker und rechte Demagogen.

Dieses Album liefert keine einfachen Antworten. Es stellt ehrliche Fragen – laut, unbequem und ohne Rücksicht auf Wohlfühlzonen. Musikalisch untermauert von harten Gitarren, hämmernden Drums und geballter Energie ist es der Sound dessen, was passiert, wenn man genau hinschaut – auf die Welt und auf sich selbst – und sich entscheidet, trotzdem die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie hässlich ist.

Clawfinger gibt es seit 1990. Kennengelernt haben wir uns nicht in einem Proberaum, sondern in einem geriatrischen Krankenhaus, in dem wir arbeiteten. Zwischen Pflege, Toilettengängen und Zahnersatz entstand die Musik. Nach ersten Demos, schlechten Frisuren und Kassetten folgte 1993 der Durchbruch mit Deaf Dumb Blind, Touren mit Alice In Chains und Anthrax, große Festivals, rund 1.500 Shows, sieben Alben und etwa 1,4 Millionen verkaufte Tonträger. Dieses neue Album ist Nummer acht – und das erste seit 18 Jahren.

„Wir sind immer noch da. Immer noch laut. Immer noch albern. Eine Gruppe gut gealterter Jungs mit Gitarren – und einer lauten Liebe für alle, die noch kommen, mitsingen und mit uns schreien.“

Fazit: Wir gehen vielleicht unter wie die Titanic – aber wir tun es mit offenen Augen, erhobenen Fäusten und voller Lautstärke. Dieses Album ist kein Nostalgietrip, vielmehr ist es ein schonungsloser Blick auf das Jetzt. Ehrlich, unbequem und lebendiger denn je. „Danke an alle, die noch zuhören,“ so Zak. „Und ja: Wir gehen wieder auf Tour.“ Juhuuuuu, da kommt Freude auf und all die Schrecken der Welt rücken kurz  in den Hintergrund.

Foro: Lydia Polwin-Plass

Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de