
Devin Townsend in der SimmCity Wien – ein Genie zwischen Wahnsinn, viel Gefühl und musikalischer Grenzüberschreitung
FotostreckenNewsRückblicke 20. September 2026 Lydia Dr. Polwin-Plass

Devin Townsend braucht keine Band, keine gigantische Produktion und keinen Bombast, um einen ganzen Konzertsaal in seinen Bann zu ziehen. Bei seinem ausverkauften bestuhlten Auftritt in der Wiener SiMMCity zeigte der kanadische Ausnahme-Musiker, wie viel Kraft in einem Abend stecken kann, der ganz auf Stimme, Gitarre, persönliche Geschichten und Publikumsnähe setzt. Ein Abend zwischen – eher angedeutetem – Metal-Gewitter, leisen Momenten und jener unberechenbaren Townsend-Magie, die sich schwer in Worte fassen lässt.
Wer Devin Townsend schon einmal live gesehen hat, wird mir bestimmt zustimmen, dass man weder ihn noch seine Shows mit irgendetwas anderem vergleichen kann. Gewohnt ist man allerdings harte und brutale Klänge, eine Mischung aus Prog und brachialem Metal. Dazu lustige Grimassen und eine Portion sympathischen Wahnsinn. Was uns allerdings gestern geboten wurde, zeigte einen ganz anderen Devin Townsend – einen Mann, der viel erlebt hat und das große Bedürfnis hat, seine Geschichten mit den Fans zu teilen. Geschichten voller Gefühl, Wut, erfüllten und unerfüllten Träumen – begleitet von hoher Virtuosität und Kreativität.
Ja, es gibt Konzerte, bei denen die Größe der Produktion den Eindruck bestimmt. Und dann ist da Devin Townsend – als Person mehr als genug.
Bei seinem gestrigen (18.9.26) schon lange ausverkauften und bestuhlten Gig in der Wiener SiMMCity war die Ausgangslage mutig reduziert. Townsend, seine Gitarren, seine unverkennbare Stimme und ein Publikum, das in jeglicher Hinsicht bereit war, sich auf eine Reise durch eine außergewöhnliche musikalische Laufbahn einzulassen.
Die „Metamorphosis – Solo Tour“ ist dabei mehr als eine abgespeckte Version einer großen Rockshow. Sie funktioniert gerade deshalb, weil Townsend seine Musik auf ihren Kern zurückführt. Was im Bandkontext zu monumentalen Klanggebilden anwachsen kann, bekommt plötzlich eine unmittelbare, beinahe intime Dimension. Zwischen virtuosem Gitarrenspiel, brachialen Ausbrüchen und emotional leisen Passagen entstand dabei ein sich ständig zwischen den Polen bewegender Abend.
Und genau diese Gegensätze gehören seit jeher zum musikalischen Universum des Kanadiers. Townsend hat in seiner jahrzehntelangen Karriere kaum Berührungsängste mit Genres oder Stimmungen gezeigt. Progressive Metal, Extreme Metal, Pop, Ambient, orchestrale Klangwelten und schräges Augenzwinkern können bei ihm problemlos nebeneinander existieren. Die aktuelle Solotour macht diese Vielseitigkeit besonders deutlich. Das Programm greift auf unterschiedliche Phasen seiner Karriere zurück und lässt damit auch die enorme Entwicklung seines musikalischen Schaffens Revue passieren. Wer Schräges jenseits aller Regeln liebt, ist damit auf jeden Fall gut bedient.
Doch der eigentliche Reiz der Show liegt nicht allein in den Songs. Townsend erweist sich als hervorragender Entertainer, Comedian und Geschichtenerzähler. Zwischen den Stücken entsteht ein direkter Dialog mit dem Publikum – persönlich, unberechenbar und selbstironisch.
Gerade in den ruhigeren Momenten merkt man wie gut Townsends Musik auch ohne massive Bühnenproduktion funktioniert.
Das Wiener Publikum empfing den Meister am Anfang des Gigs mit einem freundlichen „Hi“ und feierte jeden kleinen Ausrutscher genauso emotional wie seine Genialität. Anstelle eines gewöhnlichen Metal-Konzerts entsteht so eine Art gemeinsamer Abend zwischen Konzert, Kabarett, musikalischer Lehrstunde und persönlichem Gespräch. Townsend gibt dabei nicht nur Songs zum Besten, er öffnet immer wieder kleine Fenster in die Entstehung und Bedeutung seiner Musik.
Am Ende bleibt vor allem das Gefühl, einem sympathischen – vielleicht etwas verrückten – Künstler begegnet zu sein, der sich auch nach Jahrzehnten nicht in eine Schublade stopfen lässt. Das Publikum honorierte den Künstler zum Abschied sogar mit Standing Ovations.
Fazit: Zwischen donnerndem Metal, zerbrechlichen Momenten, Humor und musikalischer Virtuosität entsteht ein Konzert, das weniger einer klassischen Setlist folgt als einer Reise durch das Devin-Townsend-Universum.
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Lydia Dr. Polwin-Plass
Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de













































