Donnerstag auf dem SUMMER BREEZE 2026 – Wenn der Eisbrecher den Anker lichtet – Nachbericht mit FOTOSTRECKEN
FotostreckenNewsRückblicke 19. August 2026 Lydia Dr. Polwin-Plass
Von der wilden Mischung aus Alien Ant Farm und Kim Dracula über die Wucht von Imminence und Northlane bis zum Doppelpack aus Saxon und Eisbrecher – der Donnerstag auf dem SUMMER BREEZE hatte musikalisch einiges zu bieten. Und während sich auf den großen Bühnen die Generationen trafen, sorgten Trollfest, die Überraschungsshow von Saltatio Mortis, Blackbraid und viele andere auf den kleineren Bühnen für reichlich Gesprächsstoff.
Der Donnerstag begann früh – und er machte wenig Anstalten, sich auf eine musikalische Richtung festlegen zu lassen. Wer um die Mittagszeit bereits vor den Bühnen stand, bekam mit Our Promise und From Fall to Spring zunächst zwei Vertreter einer jüngeren Metal-Generation geboten. Und das war ein richtig geiler Start in den Tag. Wie ihr an meinen Bildern sehen könnt, war ich am Donnerstag besonders fleißig, denn meine akuten Zahnschmerzen machten mir erst am Freitag das Leben so richtig schwer. Ich hielt mich den gesamten Tag bei der Main Stage auf und machte unzählige Fotos, die ihr anschließend an den Nachbericht unten anschauen könnt.
Nach dem Auftritt der Zwillinge von From Fall to Spring wurde es auf der Main Stage mit Alien Ant Farm, dem geplanten Abwechslungsreichtum geschuldet, etwas weniger wild. Die Kalifornier brachten ihren Alternative Rock ins Metal-Festival ein – ein rockiger Kontrast, der auf dem SUMMER BREEZE längst zum Programm gehört.
Mit Northlane wurde es anschließend wieder deutlich schwerer. Die Australier gehören zu den Bands, die modernen Metalcore nicht einfach nur auf Lautstärke reduzieren. Zwischen elektronischen Texturen, massiven Riffs und den abrupten Dynamikwechseln blieb genügend Raum für Atmosphäre. Tolle Atmosphäre!
Und dann kamen Kim Dracula. Viel eindeutiger lässt sich wohl kaum zeigen, wie weit sich ein Festivalprogramm inzwischen von klassischen Genregrenzen entfernt hat. Industrial, Metal, Pop, Hip-Hop und eine gehörige Portion Irritation gehören bei dem australischen Künstler samt Band zum Konzept. Und wo, für mich eine große Überraschung, denn dies war der einzige Programmpunkt, den ich zuvor niemals live gesehen hatte. Und ich wurde keineswegs enttäuscht.
Wer an diesem Donnerstag eine klare musikalische Linie suchte, war ohnehin am falschen Ort. Zum Glück!
Einen der auffälligsten Auftritte des Nachmittags lieferten Imminence. Die Schweden verbinden Metalcore mit einem Element, das auf einer Festivalbühne zunächst fast fremd wirkt, der Violine. Statt sie als dekoratives Beiwerk einzusetzen, machen Imminence sie zu einem zentralen Bestandteil ihres Sounds. Auf dem SUMMER BREEZE funktionierte dieser Gegensatz aus Härte und Melodie besonders gut.
Klassischer Heavy Metal zieht noch wunderbar
Danach übernahm mit Saxon eine Band, die Metal-Geschichte nicht nur kennt, sondern selbst geschrieben hat. Seit den späten Siebzigern gehören die Briten zu den prägenden Namen der New Wave of British Heavy Metal. In Dinkelsbühl traf diese Geschichte auf ein Publikum, das zum Teil deutlich jünger ist als die Band selbst. Gerade darin lag der Reiz – hier wurde nicht nostalgisch zurückgeblickt, sondern ein Stück Metal-Geschichte um einen charismatischen Biff Byford überzeugte schlicht weiterhin auf der Bühne.
Der Eisbrecher legt an
Um 21:15 Uhr war dann die Zeit für den Namensgeber des nächsten großen Donnerstagsmoments. Eisbrecher. Die Neue-Deutsche-Härte-Veteranen übernahmen die Main Stage und brachten ihren markanten Mix aus harten Gitarren, elektronischen Elementen und deutschen Texten auf das Gelände. Der Slot zwischen Saxon und Amorphis passte dabei erstaunlich gut – drei Bands, drei sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Heavy Metal funktionieren kann.
Dass Eisbrecher zu den großen Namen des diesjährigen Line-ups gehörten, zeigt auch die offizielle Tageseinteilung des Festivals. Und mein persönlicher Höhepunkt des Tages kam danach: Amorhis.
Mein persönlicher Höhepunkt des Tages – Amorhis
Unglaublich, welch großartige Stimmung die Band zu erzeugen vermag. Trotz der säten Stunde fühlt man sich, als würde man schweben und würde einfach mal für eine Stunde Einlass in den Himmel finden. Sänger und Frontmann Tomi Joutsen brillierte auf allen Ebenen. Klargesang, der einem die Gänsehaut auf den Rücken zauberte, kraftvolle Growls vom Feinsten – einfach in jeder Hinsicht genial. Der Melodienreichtum der Band ist kaum zu toppen und die gefühlvolle Performance einzigartig. Für meinen Abend waren Amorphis der würdige Abschluss und mein persönlicher Headliner des Tages.
Die Überraschung auf der T-Stage
Während auf der Main Stage bereits der nächste große Namen wartete, war die Surprise Show um 18:35 Uhr eines der kleinen Fragezeichen des Tages. Man sah die Jungs schon länger auf dem Gelände herumgeistern und konnte schon erahnen, um wen es sich handelte. Saltatio Mortis waren der Überraschungsakt. Genau solche Slots funktionieren auf einem Festival anders als ein angekündigter Headliner – an weiß vorher nicht genau, was kommt – und entsprechend groß ist die Neugier.
Auch sonst lohnte sich der Blick weg von der Main Stage. TrollfesT sorgten mit ihrer eigenwilligen Mischung aus Folk Metal und völlig überdrehtem Bühnenkonzept für einen deutlichen Stilbruch und ausgelassene Stimmung.
Fit For An Autopsy gingen anschließend in die entgegengesetzte Richtung und machten es auf der T-Stage wesentlich düsterer und brachialer. Später folgten Mushroomhead und nach Mitternacht Blackbraid, dessen Verbindung von Black Metal und nordamerikanischer indigener Kultur dem späten Donnerstag noch einmal eine ganz eigene Farbe gab.
Auf der Tool Rebel Stage wiederum wurde es mit Cryptopsy und Groza hart. Und wer danach noch nicht genug hatte, konnte mit Saor bis weit in die Nacht weiter headbangen.
Mehr als nur ein weiterer Festivaltag
Eine besondere Bedeutung hatte der Donnerstag auch durch die NEW-BLOOD-Aktion des SUMMER BREEZE. Das Festival lud gezielt junge Metalheads ein und ermöglichte bestimmten 13- bis 19-Jährigen den kostenlosen Zugang zum Festival. Ausgerechnet an einem Tag mit Saxon, Eisbrecher, Imminence, Northlane und zahlreichen weiteren Bands traf damit Metal-Geschichte auf die nächste Generation.
Und genau das beschreibt diesen Donnerstag vielleicht besser als jede Aufzählung: Das SUMMER BREEZE musste sich nicht zwischen Tradition und Gegenwart entscheiden. Saxon standen neben Imminence, Alien Ant Farm neben Northlane, Eisbrecher neben Kim Dracula. Dazu kamen kleine Bühnen, Überraschungsslots und Bands, die sich jeder einfachen Schublade entziehen.
Der Donnerstag war deshalb weniger eine musikalische Reise in eine bestimmte Richtung als ein ziemlich deutliches Statement zur gewünschten Richtung des SUMMER BREEZE – nämlich ein Festival, auf dem unterschiedliche Generationen und Spielarten des Metal nebeneinander funktionieren, ohne dass eine davon ihre Daseinsberechtigung erklären muss.
Und während auf der Main Stage nach Amorphis um 1 Uhr nachts mit dArtagnan noch längst nicht Schluss war, lief auf den anderen Bühnen der Festivalabend ebenfalls weiter. Der Donnerstag hatte damit seinen letzten Ton noch lange nicht gespielt.
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