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VÖLUR & CARES – Breathless Spirit VÖLUR & CARES – Breathless Spirit
Es mag schwierig sein, sich harte Musik ohne Gitarren vorzustellen, doch das in Toronto ansässige Trio hat das letzte Jahrzehnt damit verbracht, genau das... VÖLUR & CARES – Breathless Spirit

Es mag schwierig sein, sich harte Musik ohne Gitarren vorzustellen, doch das in Toronto ansässige Trio hat das letzte Jahrzehnt damit verbracht, genau das zu tun. Mit Violine, Bass und Schlagzeug haben sie einen Sound zu entwickelt, der Doom, Folk und experimentelle Musik vermischt. Auf Breathless Spirit, ihrem vierten und ambitioniertesten Album von VÖLUR, werden sie vom Produzenten und Soundkünstler CARES (James Beardmore) begleitet, dessen intensives Engagement die Musik zu etwas Mythischem und zugleich durch und durch Modernem umgestaltet und neu interpretiert hat.

Ursprünglich als Teil von VÖLURs kollaborativer Serie „Die Sprachen der Vögel“ geplant, entwickelte sich Breathless Spirit im Laufe von fünf Jahren zu einer sechs Titel umfassenden Reise durch Angst, Exil und psychische Entwirrung. Der thematische Rahmen stammt aus der Saga von Grettir dem Starken, einer isländischen Erzählung aus dem 13. Jahrhundert über einen verfluchten Gesetzlosen, der an den Rand der Gesellschaft gejagt wird. VÖLUR nutzt die Saga weniger als Ausgangsmaterial denn als Linse und filtert ihre psychologische Düsternis und ihr Gefühl der Isolation in ein filmisches und emotionales Album, das zwischen Genres und Traditionen hin- und herpendelt.

Das Album beginnt mit „Hearth“, einem langsamen und meditativen Stück, das um ein fallendes Motiv aufbaut, das von Mahlers Neunter Symphonie inspiriert ist – eine Geste, die sich in verschiedenen Formen durch das gesamte Album zieht. Dieses absteigende Intervall wird zu einer Art gespenstischem Atem, der sich durch „On Drangey“, „Death in Solitude“ und den Titeltrack „Breathless Spirit“ selbst zieht, wo es als aufsteigende kleine Sekunde wiederkehrt. An anderer Stelle integrieren Songs wie „Windbourne Sorcery I“ und „Windbourne Sorcery II“ persische und kurdische Musikformen und nutzen den zehntaktigen Magham-Rhythmus und die Tanbur als Grundlage für kontrapunktische Erkundungen. Das Ergebnis ist eine dichte, oft unheimliche Sammlung, die gleichermaßen von freier Improvisation, Black Metal, Doom und klassischer Komposition zeugt.

James Beardmore steuert Klavier, Synthesizer, Theremin, granulare Texturen und eigens entwickelte Max/MSP-Software bei und erweitert die akustischen Darbietungen in spektrale, liminale Bereiche. Durch Re-Amping, Ambient-Layering und radikale Bearbeitung fügt er eine Dimension gebrochener Klarheit hinzu, die den geheimnisvollen Charakter des Albums vertieft. Sein Engagement macht „Breathless Spirit“ eher zu Klangkunst oder Ritual als zu einer konventionellen Metal-Veröffentlichung.

Die Gastmusikerinnen Amy Bowles (PONY DA LOOK) und Zoë Santo (DIVKA) steuern Gesang bzw. Bratsche bei und erweitern so die Klangpalette. Das visuelle Herzstück des Albums, ein Steinschnittdruck des Inuit-Künstlers Saimaiyu Akesuk, diente mit freundlicher Genehmigung von Dorset Fine Arts nicht nur als Cover, sondern auch als Inspiration für die rhythmischen und strukturellen Entscheidungen bei der Komposition von „Breathless Spirit“.

Das Album erscheint auf schwarzem Vinyl in zwei Formaten: einer Standard-Edition und einer limitierten „Diehard Edition“, die eine 7-Zoll-Platte mit dem Bonustrack „Flutterby Number“ und eine 20-g-Packung individuell gemischten Breathless Spirit Tee enthält. Der Bonussong „Glamr“ erscheint auch in digitalen Formaten (mit Ausnahme von Streaming-Plattformen), was die physische Veröffentlichung zu einem umfassenderen Dokument macht. Der Tee, der in Zusammenarbeit mit BLACK THRONE entwickelt wurde und separat in größeren Mengen erhältlich ist, spiegelt die meditative Intensität des Albums wider.

VÖLUR hat schon immer Erwartungen übertroffen, doch Breathless Spirit ist ihr bisher kompromisslosestes und eindringlichstes Werk. Es ist ein Album, das auf Trauer, Spannung, Atem und den Zwischenräumen aufbaut – eine Verschmelzung von Geschichte, Klang und Stille, die sich nicht auf eine einzige Identität festlegen lässt. Wie Vice einmal schrieb: „Wer noch nie ein Publikum gesehen hat, das zu einem Geigensolo headbangt, hat VÖLUR noch nie gesehen.“ Dieser Geist lebt auch in diesem Album weiter, nicht nur im Klang, sondern auch in der Vision.

 

VÖLUR is:

  • Laura C. Bates – violin, electric violin, viola, cymbals, vocals
  • Lucas Gadke – electric bass, double bass, harmonium, keyboards, tanbur, clarinet, bass clarinet, vocals
  • Justin Ruppel – drums, percussion

Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de