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URBAN PRIOL mit TILT im Hofgarten Kabarett – Optimismus pur in pessimistischen Zeiten URBAN PRIOL mit TILT im Hofgarten Kabarett – Optimismus pur in pessimistischen Zeiten
Politisches Kabarett mit Haltung, Tempo und messerscharfer Analyse– Urban Priols Heimspiel mit seinem Jahresrückblick „TILT“ im Hofgarten Kabarett in Aschaffenburg machte heute mittags aus... URBAN PRIOL mit TILT im Hofgarten Kabarett – Optimismus pur in pessimistischen Zeiten

Politisches Kabarett mit Haltung, Tempo und messerscharfer Analyse– Urban Priols Heimspiel mit seinem Jahresrückblick „TILT“ im Hofgarten Kabarett in Aschaffenburg machte heute mittags aus ernsten Themen wieder das Bestmögliche. Wie gewohnt nahm der Gottvater des politische Kabarett das politische Personal wie gewohnt genussvoll auseinander. Ein Pointengewitter wischen Frontalangriff und fränkischem Feingeist.

Eingeleitet wurde für alle, die zum Einlass bereits da waren, die Veranstaltung mit einem kleinen Konzert von LATEESHA HALMEN. Sie sang selbst komponierte Lieder und begleitete sich mit der Gitarre dazu.

Mit ungefähr 15 Minuten Verspätung startete dann Urban Priol. Sonntag „frühmorgens“ 🙂 kann man das gut verstehen. Das Publikum feierte seine Ankunft mit tosendem Applaus. Priol zählt seit Jahrzehnten zu den profiliertesten politischen Kabarettisten Deutschlands. Ich möchte sogar sagen Europas, denn für uns ist er nach wie vor der beste von allen.

Der gebürtige Aschaffenburger ist bekannt für seine rhetorische Präzision, seine rasanten Gedankensprünge und perfekten Übergänge und seinen analytischen Tiefgang. Bundesweit einen Namen hat sich der Bayrische Vollblutkabarettist unter anderem durch die ZDF-Sendung „Neues aus der Anstalt“, die er gemeinsam mit Georg Schramm prägte. Aber das ist ja schon einige Zeit her.

Priols Markenzeichen heute: Tempo, Faktenkenntnis und eine Mischung aus intellektuellem Anspruch und beißender Satire – stets politisch klar gegen Rechts positioniert und mit spielerischer Lust an der Argumentation. Besonders beliebt ist neben seinen anderen Bühnenprogrammen sein jährlicher Jahresrückblick „TILT“, den wir gestern zu Mittag in  Priols Hofgarten-Kabarett in Aschaffenburg besuchten. Auch uns fiel es schwer sonntags so zeitig aufstehen zu müssen, aber rentiert hat es sich allemal.

Die Hauptthemen des aktuellen Jahresrückblicks:

  • die aktuelle Bundesregierung und Oppositionsdynamik
  • AfD und die zunehmende politische Radikalisierung
  • die Wirtschaftliche Lage und das Gejammer drumherum
  • Energie- und Klimapolitik
  • Und natürlich Donald Trump

Wie immer sezierte er  die politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen der vergangenen Monate. Der Titel deutet bereits an – wenn politische Systeme ins Wanken geraten, wenn Diskurse kippen und die öffentliche Debatte Schlagseite bekommt, dann steht das gesellschaftliche „Spielfeld“ auf Neigung.

Typisch für Priol ist dabei kein bloßes Aneinanderreihen von Gags, sondern eine dramaturgisch durchdachte Analyse. Internationale Krisen, innenpolitische Turbulenzen, parteipolitische Selbstbeschäftigung, ökonomische Schieflagen und mediale Empörungszyklen verdichtet er zu einem rhetorischen Parforceritt.

Dabei arbeitet Priol mit schnellen Perspektivwechseln, historischen Vergleichen, fundierten ökonomischen Hintergründen und mit präzise positionierten Pointen. Zwischen Zahlenmaterial und Wortwitz blitzt immer wieder seine Grundhaltung durch: Demokratie braucht Wachheit – und Humor als Korrektiv.

Lieblingszielscheiben sind natürlich die ewig über den Status Quo der Wirtschaft jammernden und alles andere andere darauf aufbauenden wichtigsten Vertreter von CDU und CSU: Merz und Söder. Niemand eignet sich besser als Opfer von politischem Kabarett, als diese beiden Herren. Und Karsten Linnemann wird während des gesamten Programms als Einstecktuch von Friedrich Merz bezeichnet, wobei Merz der Anzug ist.

Und sein ehemaliges Hauptopfer, Exbundeskanzlerin, Angela Merkel, würde Priol heute gerne als Bundespräsidentin sehen. Nicht so sehr, weil er sie als Politikerin toll findet – vielmehr, damit sie wieder über Merz steht. Immerhin hatte sie ihn ja damals aus der Regierung gekickt.

Und die Ampel? Auch heute werden immer noch alle Probleme und Fehler der aktuellen Regierung der Ampel in die Schuhe geschoben. Und die damals so verteufelten Ideen des Hauptsündenbocks während der Ampelzeit, Grünenchef Robert Habek, werden heute so nach und nach still und heimlich umgesetzt.

Und natürlich darf Donald Trump nicht fehlen: So traurig auch alles, das mit Donald Trump und seiner „Politik“ verbunden ist, sein mag, wenn Priol darüber lästert, kann man sogar darüber herzlich lachen.

Auch die deutsche Bahn bekam selbst verständlich ihr Fett weg. Frei nach Priol: „An der Behebung der Verspätungen wird nicht gearbeitet, nur an den Ausreden dafür. Heute ist gerne der vorausfahrende Zug schuld. Schlimmer wäre aber noch, wenn ein entgegenkommender Zug für die Panne verantwortlich wäre.“

Noch ein paar Pointen (frei wiedergegeben)

„Merz legt auf seinen Reisen sehr viel Wert auf gutes Brot. In Angola gab es angeblich kein gutes Brot, aber in Saudiarabien, wo sich Merz beim „Zerstückler“ eingeschleimt hat, soll das Brot ja hervorragend gewesen sein.“

„Wenn jemand behauptet, in Deutschland gäbe es keine Meinungsfreiheit, sagt man ihm am besten: „Immerhin darf man bei uns auf jeder Demo noch sagen was für ein riesen Arschloch du bist, ohne Angst haben zu müssen, von ICE-Leuten hingerichtet zu werden.“

„Warum nennt man die ICE-Leute denn überhaupt immer noch Bundesbeamte? ICE ist die Sturmtruppe der Republikaner, die Leibstandarte Donald Trumps. Für die Army ungeeignet, für die Polizei zu blöd, aber bei Trumps Prügelsekte willkommen. Aber was natürlich mit ICE in Amerika bestens funktioniert, ist Angst zu schüren. Das schwappt anscheinend sogar zu uns rüber. Bei der Bundesbahn, wenn die Durchsage „das ICE-Bordpersonal kümmert sich um Sie“ anschließend auf Englisch übersetzt wird: „Our ICE Team is looking….“ wirft sich der halbe Großraum in Panik auf den Boden.“

„Der amerikanische Comedian Stephen Colbert hat gesagt, ICE kann man mit der Gestapo nicht vergleichen, denn die Gestapo war nie maskiert.“

„Mitte Januar hat Merz verkündet, die USA sei kein verlässlicher Partner. Oh, jetzt schon? Blitzmerker. Jetzt kann es ja nicht mehr lange dauern, bis er seine Einladung, die er im Dezember noch ausgesprochen hat, Trump möge doch bitte Deutschland besuchen, alle würden sich ja so auf ihn freuen, widerruft.“

„Trumps Großeltern stammen ja aus der Pfalz und sind von dort in die USA ausgewandert. Daran kann man mal deutlich sehen, welch verheerende Folgen Migration für ein Land haben kann.“

„Weißkohl wächst bevorzugt in seltenen Erden und wird später zu Sauerkraut veredelt.“

„Markus Söder sagte „Die CSU ist die letzte Patrone für die Demokratie“, das sagt die größte Platzpatrone des Landes.“

„Ich meine wir alle wissen Friedrich Merz kann‘s wirklich nicht. Das ist das, was er als Oppositionsführer immer den anderen vorgeworfen hat „sie können es nicht“. März sagt vor dem Spiegel immer wieder: „Sie können es nicht“. Bis er bemerkt, oh das bin ja ich. Aber alles was er nicht kann, kann er immer noch besser nicht, als es die anderen nicht können könnten.“

Was für ein Wortspiel. Das war jetzt ein ganz kleiner Auszug aus 100en genialen Pointen. Ich hoffe, ich habe sie halbwegs richtig wiedergegeben.

Am Ende bleibt ein Jahresrückblick, der weit mehr ist als satirisches Best-of politischer Fehltritte. Urban Priol zeigt, dass Kabarett dann am stärksten ist, wenn es Haltung mit Humor verbindet. „TILT“ ist kein resignierter Blick auf ein aus den Fugen geratenes Jahr – vielmehr eine Einladung, genauer hinzusehen, Widersprüche auszuhalten und die demokratische Schieflage nicht als Dauerzustand zu akzeptieren.

Viel Spaß beim Ansehen meiner FOTOSTRECKE. Um solch eine Fotostrecke zusammenstellen zu können, ist stundenlange Arbeit nötig. Ich bekomme dafür kein Geld und bitte euch, sie nicht ohne Erlaubnis zu kopieren. Auch nicht aus den Socials. Wenn Interesse an Bildern besteht, seid bitte so ehrlich und setzt euch mit mir in Verbindung. 

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URBAN PRIOL

LATEESHA HALMEN

Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de