Wenn der Norden in Frankfurt einfällt – Amon Amarth entfesseln die Wikinger in der Festhalle
FotostreckenNewsRückblicke 19. Oktober 2026 Lydia Dr. Polwin-Plass
Drei starke Metal-Bands aus Schweden, die legendäre Frankfurter Festhalle und ein Gig zwischen messerscharfen Riffs, donnernder Wucht und nordischer Mythologie. Soilwork, Orbit Culture und Amon Amarth lieferten genial ab. Im Anschluss an meinen Nachbericht findet ihr, wie immer Fotostrecken von allen 3 Bands.
Ein geschichtsträchtiger Konzertort, drei Bands aus Schweden und ein Publikum, das kam, um sich die volle Ladung Melodic Death Metal abzuholen.
Mit ihrer The Allfather Awakens-Tour brachten Amon Amarth nicht nur ihre Musik nach Frankfurt, vielmehr eine ganze Welt aus nordischer Mythologie, Kriegergeschichten, unfassbar tollen Bühnenbildern und gewaltigen Klanglandschaften. Doch bevor die Wikinger das Kommando übernahmen, durften zwei Bands unter Beweis stellen, warum die schwedische Metal-Szene seit Jahrzehnten zu den spannendsten und einflussreichsten Europas gehört.
Gleich zwei starke Auftakte erwarteten uns mit Soilwork und Orbit Culture, ehe Amon Amarth die Festhalle in ein Schlachtfeld aus kraftvollem Metal, viel Feuer und Emotion verwandelten.
Nicht jeder Ton fand an diesem Abend den perfekten Weg durch den Raum – doch am Ende zählt dieses Gefühl, das nur Metal erzeugen kann, mittendrin zu sein, wenn Musik zur Naturgewalt wird.
Soilwork – Erfahrung, Energie und Melodie als Gesamtpaket
Den Anfang machten Soilwork – eine Band, die sich ihren Platz in der internationalen Metal-Szene über Jahrzehnte erarbeitet hat. Die Schweden gründeten sich Mitte der 1990er-Jahre und stehen für einen melodischen Death Metal, der brutale Riffs mit ausgeprägtem Gespür für Melodien und mitreißende Refrains verbindet. Angeführt von Sänger Björn „Speed“ Strid, haben Soilwork ihren ganz eigenen Weg zwischen Härte, Dynamik und emotionaler Tiefe gefunden. Und genau diese Mischung machte auch ihren Auftritt in Frankfurt so stark.
Songs wie „The Nurturing Glance“, „Distortion Sleep“ und „Stabbing the Drama“ stehen exemplarisch für diese besondere Verbindung aus Härte und Eingängigkeit. Soilwork setzen ein erstes Ausrufezeichen und bereiten den Boden für einen Abend, der musikalisch noch deutlich schwerer werden soll.
Wer bei einer Vorband nur an das Warten auf den Headliner denkt, wird hier daran erinnert, wie viel Qualität bereits in den ersten Minuten eines Konzertabends stecken kann.
Einzige Kritik: Der Sound war nicht besonders, der Hall war auch in Arealen, wo normalerweise guter Sound herrscht, ziemlich stark. Ob die Ursache tatsächlich in der Abmischung lag, lässt sich schwer beurteilen.
Orbit Culture – einfach nur hammerstark
Nach dem melodischen Feinschliff von Soilwork wird es mit Orbit Culture düsterer, massiver und härter. Oh, wie ich sie liebe. Das letzte Mal sah ich sie dieses Jahr am Summer Breeze und ich war total geflasht.
Die 2013 im schwedischen Eksjö gegründete Band hat sich mit einer Mischung aus modernem Melodic Death Metal, Groove und einer beinahe cineastischen Klangästhetik einen eigenen Platz in der Szene geschaffen. Tiefe Gitarren, wuchtige Rhythmen und eine Atmosphäre, die sich gern wie eine dunkle Wolkenfront über das Publikum legt, sind längst zu ihrem Markenzeichen geworden.
Mit „Redfog“ stiegen Orbit Culture in ihr Set ein. Die Riffs drückten, das Schlagzeug treib nach vorne, und die Musik entwickelte jene Schwere, die einen regelrecht packt. Hits wie „The Tales of War“, „Strangler“ und „Vultures of North“ sind längst mehr ist als ein Geheimtipp für Freunde moderner Metal-Klangwelten.
Musikalisch überzeugen Orbit Culture auf ganzer Linie und auch der Sound war bedeutend besser als bei Soilwork.
Amon Amarth – nordischer Mythos in allen Facetten
Seit der Gründung der Band 1992, haben sich die Schweden zu einer der bekanntesten Bands des melodischen Death Metal entwickelt. Ihre Texte kreisen um die nordische Mythologie, um Götter, Schlachten und die Welt der Wikinger. Musikalisch verbinden die Herren melodische Gitarrenlinien mit donnernden Rhythmen und den markanten Growls vom sympathischen Frontmann Johan Hegg.
Doch Amon Amarth sind live mehr als die Summe ihrer Songs. Sie verstehen es, Musik und Inszenierung zu einer geschlossenen und ganz eigenen Welt zusammenzufügen. Ihre Auftritte sind Reisen in ein Universum, in dem nordische Mythen lebendig werden und das Publikum für einige Stunden den Alltag hinter sich lassen darf.
In Frankfurt wird dieser Anspruch mit der The Allfather Awakens-Produktion greifbar. Die Bühne wird zur Kulisse einer nordischen Saga, die Musik zum Soundtrack einer Schlacht, die sich nicht mit Schwertern, sondern mit Gitarren, Schlagzeug und Stimmen austrägt.
Wenn „War of the Gods“ durch die Halle dröhnt, ist der Titel Programm. Bei „Death in Fire“ und „Free Will Sacrifice“ verbinden sich Härte und Melodie zu jener unwiderstehlichen Dynamik, für die Amon Amarth seit Jahren stehen. „The Allfather Awakes“ fügt sich nahtlos in die mythologische Welt des Abends ein, während „Put Your Back Into the Oar“ jene kämpferische Gemeinschaft beschwört, die bei dieser Band längst zum festen Bestandteil des Live-Erlebnisses geworden ist.
Johan Hegg steht dabei im Zentrum dieser Welt. Seine Stimme klingt wie ein Ruf aus einer anderen Zeit, während die Gitarren von Olavi Mikkonen und Johan Söderberg das Fundament für diese musikalischen Schlachten legen. Ted Lundström am Bass und Jocke Wallgren am Schlagzeug treiben das Geschehen mit der nötigen Wucht voran.
Besonders reizvoll ist dabei der Kontrast zwischen den brachialen Momenten und den Augenblicken, in denen Amon Amarth ihre epische Seite stärker in den Vordergrund rücken. Mit „Upphaf“ bekommt die Darbietung einen atmosphärischen Gegenpol zur massiven Härte des übrigen Sets.
Und als mit „Guardians of Asgaard“, „Raise Your Horns“ und schließlich „Twilight of the Thunder God“ weitere Höhepunkte folgten, war das Publikum nicht mehr zu halten. Moshpits und ausgelassene Stimmung waren Programm.
Amon Amarth wissen, wie man eine Halle mitnimmt. Und dass dieser Abend ausgerechnet in der Frankfurter Festhalle stattfindet, passt wunderbar. Die traditionsreiche Halle besitzt eine besondere Präsenz. Sie ist ein Ort, an dem große Produktionen, große Stimmen und große Emotionen ihren Platz finden.
Als am Ende die letzten Töne verklangen und der Hall der Festhalle langsam verstummte, blieb das wohlige Gefühl, für einige Stunden Teil einer anderen Welt gewesen zu sein.
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