
Wacken trifft Reeperbahn – vom Holy Ground auf den Kiez
AnkündigungenDies & DasNews 10. September 2026 Lydia Dr. Polwin-Plass

Wenn sich im September die internationale Musikbranche beim Reeperbahn Festival trifft, bringt das Wacken Open Air nicht nur seinen Namen nach Hamburg mit. Nein, auch vier junge Acts aus Deutschland und Ungarn. Zwischen Club, Szene und Musikbusiness geht es um neue Sounds, internationale Vernetzung und die Frage, wer die Metal-Bühnen von morgen prägen wird.
Das Wacken Open Air braucht normalerweise viel Platz. Felder, Bühnen, Campingflächen, kilometerlange Wege und natürlich ein kleines Dorf in Schleswig-Holstein, das einmal im Jahr zum internationalen Mittelpunkt der Metalcommunity wird.
Im September genügen jedoch ein paar Straßen in Hamburg.
Wenn vom 16. bis 19. September 2026 das Reeperbahn Festival die internationale Musikbranche in Hamburg versammelt, ist auch das Wacken Open Air mittendrin. Nicht mit dem großen Festivalzirkus, sondern mit einem Konzept, das längst zu einem wichtigen Teil der Wacken-DNA gehört. Unter anderem Nachwuchs entdecken, Künstler fördern und Menschen miteinander verbinden.
Am 17. September übernimmt das Wacken Open Air den Bahnhof Pauli. Vier Bands stehen dort auf der Bühne, vier unterschiedliche Perspektiven auf eine Szene, die sich nicht mehr so recht in Genres einteilen lässt. Dabei sind Seers Of Light aus Budapest, Grell aus Neumünster, Seven Blood aus Berlin und Wisborg aus Deutschland.
Was sie verbindet, ist weniger ein gemeinsamer Sound als vielmehr der Moment ihrer Karriere. Alle gehören zu einer Generation von Bands, die ihre eigenen Wege sucht und dabei selbstverständlich international denkt.
Den Anfang machen Seers Of Light. Das Sextett aus Budapest verbindet melodische und progressive Elemente mit schweren Riffs und kraftvollem Gesang. Ihren Weg nach Hamburg hat es sich über den Wacken Metal Battle erspielt. Als Gewinner des ungarischen Wettbewerbs erreichte die Band 2026 beim internationalen Finale den fünften Platz.
Danach wird es geografisch deutlich norddeutscher. Grell kommen aus Neumünster, rund 30 Kilometer von Wacken entfernt. Musikalisch bewegt sich die Band zwischen deutschsprachigem Rap, schweren Gitarren und Crossover. Mehr als 100 Live-Shows liegen bereits hinter ihnen, 2025 erschien die Debüt-EP „WIR MACHEN WAS WIR WOLLEN“.
Mit Seven Blood geht es anschließend nach Berlin. Die Band steht für modernen Metalcore, verbindet druckvolle Riffs mit Einflüssen von Architects bis Paramore und hat bereits Tourneen mit Future Palace und Ankor sowie Auftritte beim Summer Breeze und der Full Metal Cruise absolviert. Das Debütalbum erschien 2025.
Den Abschluss übernehmen Wisborg. Seit 2017 verbindet die Band Gothic Rockund Alternative mit der dunklen Ästhetik der 1990er-Jahre. Auftritte beim M’era Luna, Amphi Festival, Wave-Gothic-Treffen und Plage Noire haben Wisborg längst zu einem festen Namen innerhalb der deutschen Gothic-Szene gemacht.
Vier Bands, vier Klangwelten. Und genau darin liegt die Idee des Gigs.
Denn Metal ist längst mehr als ein einzelnes Genre. Die Szene ist international, vielfältig und stilistisch offener geworden. Wacken will diese Entwicklung sowohl auf dem eigenen Festivalgelände abbilden, als auch dort präsent sein, wo neue Kontakte entstehen und Künstler ihre nächsten Schritte tun.
Deshalb beginnt der Abend im Bahnhof Pauli auch nicht mit Musik.
Ab 17 Uhr lädt das Wacken Open Air zur Networking Reception. Bands, Managements, Agenturen, Veranstalter und internationale Branchenvertreter treffen auf die Wacken-Crew aus Booking, Management, Produktion, Marketing und dem internationalen Bereich. „Meet the Wacken Crew“ lautet das Motto und beschreibt ziemlich genau, worum es geht. Nämlich um persönliche Begegnungen und um die Gespräche, aus denen irgendwann Tourneen, Kooperationen oder neue Bühnen entstehen können.
„Das Wacken Open Air ist längst mehr als eine Festivalwoche im Sommer“, sagt Wacken-Gründer Thomas Jensen. „Wir sind eine internationale Plattform für Metal, für Künstler und für die nächste Generation, die ihre eigene Geschichte schreiben will.“
Dass Wacken diese Plattform nun mitten auf die Reeperbahn bringt, ist dabei mehr als ein Ausflug nach Hamburg. Das Reeperbahn Festival steht selbst für Entdeckung, Vernetzung und den Blick auf das, was musikalisch als Nächstes kommt. Oder anders gesagt: Wacken und die Reeperbahn treffen sich dort, wo aus Musik Bewegung wird.
Bereits am 16. September ist das Wacken Open Air bei den Morecore Music Awards im Uebel & Gefährlich vertreten. Wacken präsentiert die Kategorie „Best German Band“. Überreicht wird der Preis von Wacken-Gründer Thomas Jensen und Seven-Blood-Sängerin Azaria Nasiri.
Einen Tag später gehört die Bühne dann den vier Acts des Wacken Showcase.
Fazit: Für einen Abend verlässt Wacken den Acker und zieht auf den Kiez. Das Festival bringt dabei nicht nur Metal nach Hamburg, auch neue Bands, neue Verbindungen und eine Szene, die ihre Grenzen längst hinter sich gelassen hat – also alles, was seine Zukunft sichern soll.
Faster. Harder. Louder. Diesmal mitten auf der Reeperbahn.
Lydia Dr. Polwin-Plass
Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de





