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Review: Underøath – Erase Me Review: Underøath – Erase Me
Am 6.04.2018 veröffentlichten Underøath ihr neues Album "Erase Me" via Fearless Records/Universal. Die Grammy-nominierte Gruppe Underøath hat einen Plattenvertrag bei Fearless Records unterschrieben und am 6. April... Review: Underøath – Erase Me

Am 6.4.2018 veröffentlichten Underøath ihr neues Album „Erase Me“ via Fearless Records/Universal. Die Grammy-nominierte Gruppe Underøath hat einen Plattenvertrag bei Fearless Records unterschrieben und am 6. April das neue Album „Erase Me“ veröffentlicht. Es ist das erste Studioalbum der Band seit acht Jahren.

Es ist eine der großen Überraschungen des noch jungen Rock-Jahres 2018, auch wenn die Gerüchteküche natürlich schon lange brodelte: nach einer Reunion-Tour im Jahr 2016 veröffentlichen Underøath am 6. April 2018 ihr neues Studioalbum. Ihr erstes nach der Bandauflösung 2010 und das sechste Studioalbum insgesamt.

Wir wollen beweisen, dass wir das alles gerade in der möglichst aufrichtigsten Art und Weise tun. Wir haben uns noch nie so im Einklang mit uns selbst gefühlt. Als Menschen, als Musiker und in unserer Weltanschauung“, sagt Schlagzeuger Aaron Gillespie. Das Narrativ der elf neuen Songs ist deutlich: „Erase Me“ ist ein Album über Aufrichtigkeit. Underøath thematisieren die düsteren Umstände ihrer Auflösung und wie Religion in einzelnen Bandmitgliedern Desillusionierung auslöste.Underøath – Erase Me_Cover

Wir haben uns alle einen Schritt voneinander entfernt und dann festgestellt, dass wir eine Familie sind“, so Sänger Spencer Chamberlain. „Wir haben das sehr vermisst. Wir haben uns vermisst. Wir haben einmal die Entscheidung getroffen nie mehr als Underøath zusammen zu spielen. Das haben wir ein paar Jahre lang sacken lassen. Aber wir haben uns selbst wieder aufgebaut, unsere Freundschaft – und dann am Ende die Band wieder aufgebaut“.

Vor drei Jahren haben sich also UNDERØATH wieder zusammengefunden und haben mit „Erase Me“ ihre Comeback-Scheibe am Start. Dabei erfindet sich die Band zwar nicht neu, baut aber verschiedenste neue Klänge und manche stilistische Umorientierung ein. Menschlich und musikalisch gereift bietet „Erase Me“ eine Post Hardcore-Grundlage mit elektronischen Beats und sehr griffigen Melodien, die UNDERØATH frisch und kraftvoll klingen lässt.

Mit „Erase Me“ hat die US-Post Hardcore-Größe UNDERØATH ihr mittlerweile achtes Werk im Frühjahr 2018 veröffentlicht. Das Besondere daran ist, dass es seit mehr als einem Jahrzehnt das erste Album im Original-Line up ist. Schlagzeuger und Sänger Aaron Gillespie sagt dazu: „Wir sind alle schließlich an einer Stelle in unserem Leben angekommen, an der das Einzige was für uns wichtig ist, die Einbeziehung von jedem ist – von der ganzen Welt. Für mich ist das Erschreckendste auf der ganzen Welt Ausgrenzung.“ Weiterhin erklärt er: „Wir wollen, dass die Leute wissen, dass es ihre Musik ist und dass sie darüber denken können, was sie wollen. Ich möchte nur zeigen, dass wir es in der ehrlichsten Art und Weise machen, wie wir es immer gemacht haben.“ Über die Wiedervereinigung der Band fügt Sänger Spencer Chamberlain hinzu: „Wir haben einen Schritt zurück gemacht und haben erkannt, dass wir eine Familie sind. … Wir hatten die Entscheidung getroffen nie wieder als UNDERØATH aufzutreten und dann haben wir ein paar Jahre verstreichen lassen. Die Bandmitglieder haben sich selber wieder aufgebaut und ihre Freundschaften – und schließlich haben wir die Band wieder aufgebaut.“

Die Texte auf „Erase Me“ verarbeiten diese Phase des Niedergangs der Band und die schlimmen Umstände, die dazu geführt haben. Genauso werden die Fähigkeit thematisiert, jetzt ehrlich gegenüber sich selber und den Fans zu sein, sowie die Enttäuschung einiger Bandmitglieder in der Religion.

Die Songs auf „Erase Me“ sind eine gewisse Weiterentwicklung von UNDERØATH. Besonders prägend ist das gesangliche Zweiergespann Gillespie/Chamberlain. Hierbei bildet der weichgespülte, emotionale Klargesang einen recht deutlichen Kontrast zu den harten Vocals. Dazu kommt ein stärkerer Keyboard-Einsatz, was den Songs verschiedene Dimensionen gibt. Dieses wird zusammen mit den typischen Post Hardcore-Elementen zu tollen Melodien in einer fetten produktion zusammengezimmert.

Mit „It has to start somewhere“ gehen UNDERØATH direkt in die Vollen – krachender Post Hardcore mit packendem Refrain und geballter Energie. Das folgende „Rapture“ zeigt dann die andere Marschrichtung. Der Song ist poppig mit großer Melodie im Hitformat. „On My Teeth“ ist dann wieder schnell und aggressiv, wobei sogar der Klargesang vergleichsweise hart ausfällt. Schwierig wird es dann bei „Wake Me“. Der Song ist leider eine total weichgespülte und überflüssige Pop-Metal-Nummer ohne Format. „Bloodlust“ ist ebenfalls eine ruhigere Nummer mit  gefühlvollem Gitarrenspiel, einem kraftvollem Refrain und elektronischen Einflüssen. „Sink With You“ steigt mit einem fetten Elektrosound ein und hat ordentlich Dampf auf dem Kessel. Leider beißt sich etwas die pseudo-anspruchsvolle Melodieführung mit dem Versuch den Song trotzdem im Mainstream zu landen. Mit „ihateit“ zeigen UNDERØATH deutlich ihre poppigen Tendenzen. Der Song ist ruhig und hat eine tolle packende Melodie – Feinster Tanz-Metal für den Mainstream. „Hold Your Breath“ folgt dem typischen Schema: Energiegeladen und aggressiv wird Druck aufgebaut, der im melodiösen Refrain abgebaut wird. Die pseudo-orchestrale Einlage in der zweiten Hälfte ist schlicht überflüssig. „No Frame“ scheint dazu eine progressive Note aufbringen zu sollen. Dazu werden die Stimmen durchsynthetisiert und elektronische Klänge regieren irgendwann. „In Motion“ fängt irgendwie technomäßig an, gibt dann aber kräftig Gas. Der Refrain ist schöner Mainstream-Metal. Nur der Keyboard-Sound ist etwas uninspiriert. “I Gave Up” startet mit Klavierklängen und melancholischem Klargesang. Der Song ist zwar musikalisch sehr durchschnittlich, kommt aber wenigstens mit geballter Emotionalität rüber.

Fazit:  Insgesamt kommt UNDERØATH durchaus stark und gefällig zurück, wobei die Amerikaner wie andere Post Hardcore-Bands versuchen, dem Genre neues Leben und neue Stilorientierung einzuhauchen. Das funktioniert auf „Erase Me“ soweit ganz gut. Tatsächlich wurde gerade „On My Teeth“ für den Grammy der „Best Metal Performance“ nominiert. UNDERØATH sei es gegönnt. Aber genau das zeigt das Dilemma: „Erase Me“ hat sehr viele gute Ansätze, orientiert sich aber letztendlich am Mainstream und an kommerziellen Hintergedanken. Songs wie „Wake Me“, „ihateit“, „I Gave Up“ und „Rapture“ sprechen einfach Bände. Das kann gefallen, muss es aber nicht.

Underøath wurden in ihrer Karriere mehrfach mit Gold ausgezeichnet und für einen Grammy nominiert. Die Band hat das neue Album „Erase Me“ im Sommer 2017 geschrieben und mit dem Produzenten Matt Squire aufgenommen. Gemixed wurde das Album von Ken Andrews.

Anspieltipps: It Has To Start Somewhere, On My Teeth, ihateit

Tracks

 

  1. It Has To Start Somewhere
    02. Rapture
    03. On My Teeth
    04. Wake Me
    05. Bloodlust
    06. Sink With You
    07. ihateit
    08. Hold Your Breath
    09. No Frame
    10. In Motion
  2. I Gave Up

 

 

Line up:

 

Aaron Gillespie – Drums, Vocals
Christopher Dudley – Keyboards
Timothy McTague – Guitar
Grant Brandell – Bass
James Smith – Guitar
Spencer Chamberlain – Vocals

 

Review: Michael Gläser

 1. Underoath – It Has To Start Somewhere 03:11 
 2. Underoath – Rapture 03:34 
 3. Underoath – On My Teeth 03:10 
 4. Underoath – Wake Me 03:40 
 5. Underoath – Bloodlust 03:32 
 6. Underoath – Sink With You 04:44 
 7. Underoath – ihateit 03:27 
 8. Underoath – Hold Your Breath 03:29 
 9. Underoath – No Frame 03:46 
 10. Underoath – In Motion 03:35 
 11. Underoath – I Gave Up 04:02 

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Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de