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Summer Breeze 2019 – Das Metal Festival in Dinkelsbühl – Nachbericht Summer Breeze 2019 – Das Metal Festival in Dinkelsbühl – Nachbericht
Zahlreiche Besucher aus nah und fern feierten ausgelassen auf dem diesjährigen Summer Breeze Metal Festival ihre Verbundenheit zur Rockmusik. Summer Breeze 2019 – Das Metal Festival in Dinkelsbühl – Nachbericht

Zahlreiche Besucher aus nah und fern feierten ausgelassen auf dem diesjährigen Summer Breeze Metal Festival ihre Verbundenheit zur Rockmusik.

„Tout le monde est la“, würde der Franzose sagen. Zwar nicht die ganze Welt, aber aus aller Herren Länder trafen sich Metalheads um gemeinsam das Summer Breeze – Festival zu feiern.

Für einige, die es kaum abwarten konnten, ging es schon am Dienstag los. Dieses Mal mit dem Novum, dass bereits ein paar Bands auftraten, wie „The New Death Cult“ oder „Eat the Gun“, die man durchaus einem größeren Publikum hätte präsentieren können.

Die Himmelsgötter waren den fröhlich gestimmten Besuchern die meiste Zeit über recht gnädig gestimmt. Waren der Mittwoch und der Donnerstag noch recht wechselhaft und unbeständig, boten die beiden anderen Tage idealstes Festivalwetter.

Zu den besagten, sehr guten Rahmenbedingungen standen viele tolle Bands auf dem Plan, so dass es nicht möglich war allen gleichermaßen Tribut zu zollen. Der Vorteil solch einer breit aufgestellten Musikauswahl ist zugleich auch ein Nachteil, da es zwangsläufig zu häufigen Überschneidungen bei den Auftritten kam. Daher konnten auch bei weitem nicht alle Gruppen berücksichtigt werden. Vor allem litt die außerhalb des Festivalgeländes gelegene Ficken Stage aufgrund der straffen Zeitpläne, unter einem gewissen Aufmerksamkeitsdefizit unsererseits.

Mittwoch

So richtig los ging es am ersten offiziellen Festivaltag für unsere Gesandtschaft mit den Niedersachsen „Nailed to Obscurity“. Deren progressiver Death Metal bestach mit verwobenen Klängen unterschiedlicher Tempi aber beinahe gleichbleibender Intensität, garniert mit bedeutsamen Growls.

Die Thrash-Ikonen „Death Angel“ aus dem sonnigen San Francisco sorgten im Anschluss das die Köpfe des Auditoriums auf Drehzahl blieben.

Windhand“ spielte auf der Bühne namens Wera Tool Rebel Stage, die erfahrene Summer Breeze – Besucher noch als Camel-Stage kennen, einfangenden Stoner / Doom Metal mit wummernden Tieftönen und leidvollem weiblichen Gesang.

Altmeister Peter Tägtren gab sich wieder mal mit seiner Hauptformation „Hypocrisy“ in Dinkelsbühl die Ehre und verzückte nicht nur die alte Death Metal- Garde.

Zu vorgerückter Stunde blieb keine Gelegenheit für Müdigkeit. Die belgischen Speed Metaller „Evil Invaders“ machten ihrem Namen und ihrer Stilrichtung alle Ehre und brachten mit ihrem unerschöpflichen Antrieb selbst ermattete Knochen zum Zappeln.

Zum Abschluss des Tages bewiesen „Letters from the Colony“ das ein progressiv im Genrenamen nicht zwingend mit seichteren Klängen gleichbedeutend ist. Gehörig polterten sie los und störten, natürlich von den Anwesenden begrüßt, die Stille der Nacht.

Donnerstag

Wie jedes Jahr steht ab dem Donnerstag den Besuchern das gesamte Gelände zur Verfügung.

Schon zur, vor allem für die gestrigen Nachtwandler, frühen Stunde ging das Programm in vollen Zügen weiter.

Kleine Wolkenergüsse am Morgen sorgten zwar dafür, dass sich die meisten Besucher etwas später einfanden, aber so richtig abhalten können ein paar Wassertropfen den wahren Musikliebhaber nicht. Außerdem sorgen ein paar Regentropfen zwischendurch für weniger Staub in der Luft.

Leichtgängiger, melodischer Heavy Metal mit und über Elfen samt Anhang erwartete den Zuhörer bei den Schweden „Twilight Force“. Bei einem lustigen, eingeschobenen Drachenrennen, bei dem zwei Kontrahenten in einem Gummidrachen durch die Menge getragen werden mussten, kam der Spaß nicht zu kurz.

Nach dem verregneten Tagesbeginn stellte die fröhlich wirkende Musik einen wahren Stimmungsaufheller dar, bei dem sich auch dann die Sonne wieder blicken ließ.

Versengold“ aus der Zunft der Spielleute brachten die Zuschauer mit ihren Melodien und Rhythmen zum Mittanzen und Mitsingen.

Ja, man kann sagen, die Sache hat einen Bart. Aber altbacken ist die Musik der Schweden „Mustasch“ garantiert nicht. Zu vernehmen war kerniger Stoner Metal, der ordentlich donnerte. Dazu grölte der Sänger, der mit einigen Deutschkenntnissen aufwartete, mit Whisky geölter Stimme.

Die norwegische Rockband „Kvelertak“ ließ ordentlich die Sau raus. Der Sänger war kaum zu bändigen und schien sich völlig zu verausgaben. Ständig war er in Bewegung. Auch ein Bad in der Menge ohne Unterbrechung der Gesangsdarbietung war drin.

Zur selben Zeit traten „Frosttide“ auf der sogenannten Ficken-Bühne auf und gaben in einer in Nebelschwaden getauchten Darstellung eisigen Folk Metal zum besten.

Einen gewaltigen Andrang gab es zu dann zu „In Flames“, die sich wieder mehr auf ihre alten Stärken besannen, was vom Publikum lautstark honoriert wurde.

Danach wirbelte Tobias Sammet mit „Avantasia“ die Hauptbühne auf. Etliche Gastsänger gaben sich ein Stelldichein und belebten zusätzlich die Vorstellung.

Düsterer Post Black Metal tönte anschließend von der Wera Tool Rebel Stage. Verursacher der teils depressiven Klänge waren die Norddeutschen „Downfall of Gaia“.

Kurz nach Mitternacht wurde das „Battle Beast“ auf der T-Stage losgelassen. Viele Sängerinnen leisten Großartiges. Aber was die Finnin zusätzlich an Präsenz und Power auf die Bühne bringt, ist schon erstaunlich und bereitet ihr eine Sonderstellung unter den Vokalistinnen.

Freitag

Von oben strahlte die Sonne, von der Bühne die Herren aus Bellevue, Washington.

Queensryche“ hatten einiges zu bieten. Unter anderen Klassiker wie „Eyes of a Stranger“ und „Walk in the Shadows“ verfehlten keineswegs ihre Wirkung.

Die rasant flinken Edeltechniker von „Dragonforce“ waren als nächstes an der Reihe. Selbst von Leuten, die kaum etwas mit ihrem Stil anzufangen wissen, erfahren sie für ihre Kunstfertigkeit große Anerkennung.

Die blutjung wirkende, aber technisch sehr versierte Truppe „Unprocessed“ aus Wiesbaden zeigte ihr Können im progressiven Bereich auf der Wera Tool Rebel Stage.

Auf der Hauptbühne erschallte dann bei „Skindred“ abgefahrener Metal, der unter anderem Reggae und Hip-Hop mit einband.

Ein politisches Zeichen, ein Aufruf zur Toleranz, wurde zu dem Lied „Kill the Power“, bei dem sinnbildlich die Fäuste in die Höhe gestreckt wurden, gesetzt. Dazwischen wurde noch mit „Out of Space“ ein Keith Flint – Tribut eingeworfen.

Mit „Dyscarnate“ brüllte doppelte Grölgewalt von den erhöhten Dielen. Mit ihrem Vortrag brachten sie sich, auch wenn der Stil abweichend ist, als potentielle Erben ihrer englischen Landsleute „Bolt Thrower“ ins Gedächtnis.

Der König des gepflegten Gequietsche, King Diamond, gab sich am Abend die Ehre. Ein aufwendiges Bühnenbild bot etwas für die Augen. Zur musikalischen Verzauberung der Anhänger   wurde nicht nur mit „Voodoo“, dem stimmungsvollen Lied wohlgemerkt, hantiert.

Später ließen die erfahrenen Recken „Hammerfall“ den Hammer niederfahren und heizten mit ihren zahlreichen Hymnen den Zuschauern ein. Beendet wurde die Darbietung fulminant mit einem den Fans nochmal alles abverlangenden „Hearts on Fire“.

In der Nacht besuchte die wach gebliebenen Anzug tragende Färinger. In blaues Zwielicht getaucht, spielten „Hamferd“ eine Kombination aus Doom und Death Metal.

Doch danach war noch lange nicht Schluss. Die Mannen von „Cypecore“ betraten die Bühne in ihren martialischen, futuristischen Rüstungen und befeuerten die Zuhörer mit in Endzeit – Szenarien getauchten melodischen Death Metal.

Samstag

Der letzte Festivaltag gab nochmal Alles. Bestes Wetter und tolle Besetzungen bescherten den Besuchern Lust und Laune.

Angefangen mit „Brainstorm“ um den charismatischen Sänger Andy B. Franck. Schade nur, dass eine so gute Live-Band zu einer recht frühen Uhrzeit auftritt. So fielen magische Mitsingmomente, wie sie allem voran „All the Words“ bietet, kleiner aus, als sie es verdient hätten.

Als nächstes an der Reihe begaben sich „Van Canto“ Die Stimmkünstler, die nur ein Schlagzeug zur Unterstützung benötigen, hauten so einiges raus. Darunter gut umgesetzte Cover-Versionen von „Rebellion-The Clans are marching“, „Ride the Sky“, „Hells Bells“ und „Fear of the Dark“.

Den Mannen von „Skálmöld“ aus Island war die Spielfreude wahrlich anzusehen. Fröhlich gelaunt und beinahe stetig lächelnd brachten sie ihren Folk / Viking Metal unter die Menge.

„Lordi“ sind nach ihrem Sieg beim ESC 2006 einem breiten Publikum bekannt und wohl jedem Metaller ein Begriff. Ihrer Aufmachung entsprechend legten sie wie immer einen monströsen Auftritt hin. Nicht nur mit ihren berühmtesten Liedern wie „Would you love a Monsterman“ und „Hard Rock Hallelujah“ wussten sie zu gefallen.

Die Eidgenossinnen von „Burning Witches“ bewiesen mit ihrer neuen, niederländischen Sängerin Laura Guldemond, dass Frauen im Metal-Bereich nicht nur hübsche Staffage sind. Ihr Heavy / Power Metal ging richtig gut zur Sache.

Es ist immer wieder ein Genuss den drei Heavy Doomern „Grand Magus“ aus Schweden zu lauschen. Neues Material wie „Dawn of Fire“ reihte sich optimal in die Griffigkeit altbewährter Hymnen wie „Steel versus Steel“, „Ravens guide our Way“ und „Hammer of the North“.

„Gutalax“. Der Name hört sich schon ein wenig nach Darmbeschwerden an. Und so klingen sie auch. Dahinter steckt jedoch volle Absicht. Durch das Spiel mit einem gewissen Fäkalhumor erfreuen sie sich einer üppigen Fangemeinde. Diese hat stets großen Spaß daran bei Auftritten mit Klobürsten zu wirbeln und Toilettenpapier durch die Gegend zu werfen. Musikalisch ist das alles nicht besonders anspruchsvoll, aber dafür besticht der Unterhaltungsfaktor.

Die rockenden Mittelalter-Barden „Subway to Sally“ bewiesen wie stets, ihre formidable Bühnenpräsenz und hielten einen gut gemischten Spielplan aus alt und neu parat. Ob bei „Kleid aus Rosen“, „Veitstanz“ oder „Alles was das Herz will“, die Fans sangen aus vollen Lungen mit.

So wie der Ozean mehrere Lebensbereiche aufweist, so erweist sich auch der progressive Hardcore    der Berliner Garde „The Ocean“ als sehr vielschichtig.

„Ahab“, eine der letzten Bands dieses Summer Breeze nahm die Zuhörer nochmal mit auf eine spannungsgeladene Fahrt durch Funeral Doom – Gefilde.

Fazit:

Wieder einmal ging ein friedliches und fröhlich begangenes Summer Breeze für viele Besucher viel zu früh zu ende. Zahlreiche grandiose Bands sorgten für beste Unterhaltung.

Oftmals stellten sich allerdings dem breit aufgestellten Musikfreund, aufgrund einiger Überschneidungen im Auftrittsplan, schwierige Entscheidungen. So manche Hörfreude entging ihm dadurch. Aber wie die Male zuvor wurde von den Veranstaltern darauf geachtet, dass diese Überkreuzungen weitestgehend nach Genren getrennt geschahen und daher etwaige, erlittene Darbietungsversäumnisse minimiert wurden.

Immer wieder positiv zu beobachten ist, daß das Festivalareal einerseits weitläufig genug aufgebaut ist, um sich nicht andauernd auf den Füßen zu stehen, andererseits sind sämtliche Bereiche gut und ohne hohen Zeitaufwand zu erreichen. Das ist bei einem derartigen Personenaufkommen keine Selbstverständlichkeit.

Summa summarum reihte sich das Summer Breeze -Festival 2019 in die Liste seiner gelungen Vorgänger ein.

Nachbericht : Daniel Oestreich

Hier könnt ihr euch unsere Fotostrecken zum SUMMER BREEZE 2019 ansehen

FOTOSTRECKE: Summer Breeze 2019 Tag 1 und 2
https://metalogy.de/fotostrecke-summer-breeze-2019-tag-1-und-2/

FOTOSTRECKE: SUMMER BREEZE 2019 – 2. Teil | FREITAG
https://metalogy.de/fotostrecke-summer-breeze-2019-2-teil-freitag/

FOTOSTRECKE: SUMMER BREEZE 2019 – 3. Teil | Samstag
https://metalogy.de/fotostrecke-summer-breeze-2019-3-teil-samstag/

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