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Rock-Review: The Aristocrats – You Know What? Rock-Review: The Aristocrats – You Know What?
Does Humor Belong In Music? Was der versauteste Witz Amerikas mit Metal und Spaghettiwestern zu tun hat. The Aristocrats mit "You Know What?" Rock-Review: The Aristocrats – You Know What?

Does Humor Belong In Music? Was der versauteste Witz Amerikas mit Metal und Spaghettiwestern zu tun hat. The Aristocrats mit „You Know What?“

Ein Superlativ zu verwenden ist ja eine fragwürdige Sache. Wer weiß schon, woran man Musiker messen soll. Zur Auswahl stünden primär ihre Handwerklichen Fähigkeiten, ihre Ausdruckskraft am Instrument und ihre songschreiberischen Qualitäten. Das macht aber noch keine Band, da wären noch ihr Zusammenwirken, oder ihre Ausstrahlung. The Police mit Sting haben davon gelebt, daß sie drei Alpha-Tiere waren, die in ständiger Konkurrenz gestanden sind. Die sind mehrmals knapp davor gestanden, sich gegenseitig niederzuschlagen.

Das Gegenteil stellen The Aristocats dar. Wie alle anderen hat ihr nunmehr fünften Studioalbum neun Titel, wovon jedes Bandmitglied drei schreibt. Wobei es nicht so ist, daß etwa in Guthrie Gowan’s Songs, die Gitarre einen glamourösen Auftritt und elendslange Soli hätte. Vielmehr verteilen die drei in ihren Songs die Aufgabengerecht auf die anderen, Aufmaß der Song funktionieren möge. So entsteht ein wunderbares Zusammenspiel und ein harmonisches Ganzes.

Das wird auch verständlich, wenn man weiß, daß alle drei in ihrem Fachgebiet zur Weltspitze gehören und es einfach nicht nötig haben, zu konkurrieren.

Über Guthrie Gowan an der Gitarre, der nach eigenen Angaben nie Musikunterricht hatte, zeigen sich Koryphäen, wie Joe Satriani, Ritchie Kotzen, oder Dweezil Zappa begeistert. Er ist in sämtlichen Stilen und Techniken zu Hause, ist unerreicht vielseitig und brilliant. Zur Zeit spielt er neben den Aristocats in Steven Wilson’s Tourband. Bekannt wurde er auch durch seine Unzahl an YouTube-Videos zum Thema Gitarrentechnik.

Bryan Beller am Bass hat nur so unter anderem bei Joe Satriani, Steve Via, James LaBrie, oder Dweezil Zappa gespielt, mehr muß man nicht sagen.

Hannover’s own, Marco Minnemann am Schlagzeug schliesslich, hat keine geringere Speisekarte: H-Blockx, Kreator, Paul Gilbert, Udo Lindenberg, Terry Bozzio, Steven Wilson, The Sea Within, Levin Portnoy Rudess. An seinem sparsamen Schlagzeugset spielt er hauptsächlich ProgRock. Er wurde auch als einer von sieben Drummern von Drei Theater’s zur Audition eingeladen, als es um den Ersatz von Mike Portnoy ging.

Frank Zappa’s rhetorische Frage in der Überschrift können die drei für sich eindeutig bejahen.

Wer das im Netz zu findende Video „Boeing, Weil Do it Live“ gesehen hat, wird verstehen. Persönlich sind sie zu gut am Instrument, als noch in Konkurrenz treten zu müssen, ihre musikalischen Ideen funkeln und strotzen vor Spielwitz. Ein schweres Metal-Riff wird flankiert von einer ganz leisen pizzeligen Passage, Marco streichelt dann wieder ein Becken, sodaß man das Publikum Atmen hört. Dann spielt wieder ein Gummihuhn eine Rolle. Die Musik selbst ist aber heilig, da geben sie nicht den Clown. Der Humor hier steht für eine unglaubliche Freude am Spiel, als Gegensatz zu einer Haltung, sich selbst zu ernst zu nehmen. Das spiegelt sich auch in vielen Titeln der Songs wider: Bad Asteroid, Terrible Lazard, Gaping Head Wound, oder I Want A Parrot. Bei der Benennung ist man auch etwas freier, wenn kein Sänger mit seinen Lyrics das Thema vorgibt.

Fusion ist keine Fahrstuhlmusik, Fusion fordert einiges vom Zuhörer und gibt viel zurück.

Ein Exkurs zum Bandnamen: The Aristocrats ist ein sehr bekannter Witz innerhalb der Standup Comedian Szene in den USA. Es geht darum, innerhalb des vorgegeben Beginns und Endes eine Improvisation zu schaffen.

Beginn: Eine Artistenfamilie spricht bei einem Agenten vor, um ihm ihre neueste Nummer zu präsentieren.

Freie Improvisation: Der Vater erläutert nun das Einstudierte. Nun kommt eine Abfolge von abgründigsten Sexuellen Praktiken, je schlimmer, desto besser.

Ende: der aus der Fassung geratene Agent fragt, wie die Nummer denn heißen soll. Der Vater schnippt mit dem Finger und sagt: „The Aristocrats!“.

Das neueste Werk der Aristocrats ist sicher auch mit eines ihrer Besten. Ein Feuerwerk an musikalischen Ideen, Spielwitz und technischer Brillianz. Ein Album, das einen nach jedem Titel glauben lässt, gerade den persönlichen Favoriten gefunden zu haben, bis zum nächsten Titel. Fordernde Musik für fordernde Menschen.

Am 11.11.19 Live in der Szene Wien

Ab 19.11.19 sind sie Live ua. in München und Hamburg zu sehen.

https://the-aristocrats-band.com/shows/

Michael Neumann

The Aristocrats sind:  Guthrie Gowan: Gitarre, Bryan Beller: Bass, Marco Minnemann: Schlagzeug

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Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de