Rezension: DIE GRÜNE LÜGE von Kathrin Hartmann Teil 2 Rezension: DIE GRÜNE LÜGE von Kathrin Hartmann Teil 2
Unilever, einer der größten Konsumgüterkonzerne der Welt macht einen jährlichen Umsatz von 53,3 Milliarden Euro. Dafür kauft er 8 Millionen Tonnen Rohstoffe, wie Palmöl,... Rezension: DIE GRÜNE LÜGE von Kathrin Hartmann Teil 2

Unilever, einer der größten Konsumgüterkonzerne der Welt macht einen jährlichen Umsatz von 53,3 Milliarden Euro. Dafür kauft er 8 Millionen Tonnen Rohstoffe, wie Palmöl, Soja und Rindfleisch und vernichtet fast die Hälfte der globalen Wälder. Lest hier Teil 2 der Rezension der DIE GRÜNE LÜGE von Kathrin Hartmann. 

Der Unilever Boss Paul Polman verkündete das grüne Wunder, bis 2020 den Abfall, den Wasserverbrauch und den Treibgasausstoß zu halbieren, indem man den Umsatz auf achtzig Milliarden Euro verdoppelt. Eine Strategie, die über das bisherige Greenwashing hinausgeht.

Beim Klima-Sondergipfel gingen ca.100 Konzernmitarbeiter und der Vizepräsident mit und trugen Schilder mit dem Slogan „Bright Future“ mit dem Unilever Kloreiniger und Waschpulver bewirbt. Ein Protestmarsch bei dem 220 000 Dollar für Werbung ausgegeben wurden. Die engagierten Unweltgruppen und antikapitalistischen Aktivisten wurden vereinnahmt und so gab es keinen Feind und keine Blockaden.

Selbst die Vereinten Nationen öffnen den Konzernen die Tore mit einem Masterplan für „klimafreundliches Wirtschaftswachstum“ statt die Welt vor ihnen zu schützen.

Unilever gehört neben mehr als vierhundert anderen Großkonzernen – wie Airbus, BASF, Bayer, Coca Cola, Ikea, Mars, McDonald’s, Nestle, Rio Tinto, RWE, Siemens und Dow Chemical, – der UN-Initiative Caring for Climate Business Forum an.

Der Schweizer Unternehmer Stephan Schmidheiny, der dafür bekannt ist, dass in seinen italienischen Eternit-Fabriken 2000 Menschen starben, war 1992 Hauptberater für Wirtschaft und Industrie beim Rio-Gipfel der UN.

Während in Indonesien die Wälder brannten, erkor die UN die Palmölindustrie und ihre Abnehmer zu Waldrettern. Der „Tütensuppenheiland“ Polmann, schreibt die Autorin, war sogar an der Klimakonvention der Vereinten Nationen beteiligt und wurde 2015 zum „Champion of the Earth“ gekürt.DIE GRÜNE LÜGE von Kathrin Hartmann

In kaum einem anderen Industriezweig sind die grünen Lügen so fest im System verankert, wie bei der Palmölproduktion und mit Schuld ist der europäische Klimaschutz, denn in der erneuerbaren Energie-Richtlinie wird für den Verkehrssektor vorgeschrieben, dass bis 2020 ein Zehntel des Kraftstoffes aus erneuerbaren Quellen stammen muss, denn mit Biosprit soll der CO2-Ausstoß gesenkt werden.

Doch der Plan der EU, sich mit Benzin vom heimischen Acker einzudecken, ging nicht auf. Es gibt in ganz Europa nicht genug Land das mit Mais, Raps oder Rüben für den Tank bepflanzt werden kann. Deshalb ist die EU der drittgrößte Importeur von Palmöl und die Beimischung von Palmöl in Biosprit hat sich angeblich von 2010 bis 2014 versiebenfacht.

Abgesehen vom Klimaschaden, der durch die Zerstörung der Wälder und Torfböden entsteht, produziert Biodiesel 80% mehr Emissionen. Belegt durch eine Studie, die die EU 2013 in Auftrag gab, aber monatelang geheim gehalten wurde, ist palmölbasierter Kraftstoff dreifach klimaschädlich.

Das „Gradle-to-Cradle“ von Michael Braungart – alle Produkte sollen nach ihrer Nutzung wieder vollständig in den Stoffkreislauf zurückkehren, – ist eine der Hoffnungen auf ein grünes Wunder, schreibt Hartmann. Aber Wachstum ist immer verbunden mit Rohstoff- und Energieverbrauch, egal wie intelligent man produziert. Die Billigmodekette C&A wirbt mit kompostierbarer Kleidung, die man im Biomüll entsorgen kann, Anke Domaske stellt kompostierbare Kleidung aus Abfallmilch her. Diese Milch gibt es jedoch nur deshalb, weil zu viel Milch produziert wird und den erschöpften, kranken Kühen Soja verfüttert wird und damit die Regenwälder zerstört werden.

Die Katastrophe, so Hartmann, wird aber ästhetisiert und legitimiert und alles kann so weitergehen wie bisher.

Nicht die Menschheit ruiniert die Welt, sondern ein winziger Teil der Weltbevölkerung in den kapitalistischen Ländern, der für einen hohen Lebensstandart billige Arbeitskräfte und ihre Ressourcen ausbeutet und überzeugt ist, im Recht zu sein.

Rezension: Hermelinde Trefny

Lest hier auf Metalogy Teil 1 und Teil 3 der Rezension:

Rezension: DIE GRÜNE LÜGE von Kathrin Hartmann Teil 1

https://metalogy.de/rezension-die-gruene-luege-von-kathrin-hartmann-teil-1/

Rezension: DIE GRÜNE LÜGE von Kathrin Hartmann Teil 3
https://metalogy.de/rezension-die-gruene-luege-von-kathrin-hartmann-teil-3/

 

Über Kathrin Hartmann

Hartmann studierte in Frankfurt am Main Kunstgeschichte, Philosophie und Skandinavistik. Während des Studiums arbeitete sie als freie Autorin für die Frankfurter Rundschau, taz und Titanic. Nach einem Volontariat bei der Frankfurter Rundschau arbeitete sie dort als Redakteurin im Ressort „Nachrichten und Politik“ und von 2006 bis 2009 arbeitete für die Zeitschrift Neon. Aus der Zusammenarbeit mit Werner Boote, mit dem Kathrin Hartmann das Drehbuch für seinen Film „The Green Lie“ verfasste und in dem sie auch selbst mitwirkt, entstand dieses aufrüttelnde Buch.

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