Rezension: DIE GRÜNE LÜGE von Kathrin Hartmann Teil 1 Rezension: DIE GRÜNE LÜGE von Kathrin Hartmann Teil 1
Das Buch, in dem Kathrin Hartmann eindrucksvoll beschreibt, wie bereitwillig die Menschen in die Falle gehen, wenn ihr ohnehin schwaches Gewissen von den Konzernen... Rezension: DIE GRÜNE LÜGE von Kathrin Hartmann Teil 1

Das Buch, in dem Kathrin Hartmann eindrucksvoll beschreibt, wie bereitwillig die Menschen in die Falle gehen, wenn ihr ohnehin schwaches Gewissen von den Konzernen beruhigt wird, ist aus den Dreharbeiten mit Werner Boote zum Film The green lie entstanden. Nachfolgend eine Rezension dazu in drei Teilen.

Obwohl jede Minute Wald in der Größe von 36 Fußballfeldern zerstört wird, bis zu 58 000 Tierarten jährlich verschwinden und die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird, geben die Konzerne vor, sich mit der so genannten Greenwashing-Strategie um die Umweltprobleme zu kümmern. Von dieser grünen Lüge lebt ein weiterer Industriezweig, die Firmen für ‚nachhaltigen Konsum’, denn die Produkte mit Grünzertifikat haben einen Handelswert von 31,6 Milliarden Dollar. Wenn noch dazu der attraktive George Clooney, der Milliardär und Menschenfreund vom Nachhaltigkeitsprogramm von Nespresso schwärmt und davon, dass die Firma 2000 Kaffeebauern mit 2,2 Millionen Dollar aus der Armut befreien will, dann ist die Lüge noch besser getarnt. Wenn er in einem dieser Werbefilme umringt von Bauern in Costa Rica ein Kaffeebäumchen pflanzt, dann interessiert keinen mehr, dass Nestle weiterhin Wasserraub in Entwicklungsländern, Ausbeutung und Kinderarbeit toleriert, für den Rohstoff Bauxit zur Alluminiumherstellung gigantische Regenwaldflächen roden lässt, Wasser und Böden vergiftet, während man auf der Homepage des Schweizer Multis glaubt, sich auf der Seite der Vereinten Nationen zu befinden. Außerdem ist Nespresso, der teuerste Kaffee der Welt, weder biologisch angebaut, noch fair gehandelt.

Zum Schützer der Welttrinkwasser- Reserven stilisiert sich der Getränkekonzern Coca Cola, während er in armen Ländern ganze Brunnen bis zum Versiegen leer pumpt.

Monsanto propagiert sein gentechnisch verändertes Saatgut mit den dazugehörigen giftigen Pestiziden als Beitrag zur Hungerbekämpfung.

Das Makabre aber daran ist, dass die Vereinten Nationen Multis wie z.B. Unilever, Nestle, Bayer und Novartis an der Lösung der Probleme beteiligt haben.

Die Autorin zitiert in diesem Zusammenhang Eric Swyngedouw, der beschreibt, dass Politik und Wirtschaft diese Bedrohungen für die Umwelt als Apokalypse inszenieren und den Raubtierkapitalismus der Konzerne als Ursache geschickt ausblenden.

Dabei ist die Chance, sich zu informieren, noch nie so groß gewesen und es ist absolut kein Geheimwissen, dass täglich auf dieser Welt 3,5 Millionen Tonnen Müll produziert werden; 13 Millionen Tonnen Plastikmüll landen jedes Jahr im Meer. Dennoch gelingt es den Konzernen, ihr schmutziges, korruptes Geschäft hinter einem grünen Vorhang zu verstecken und vorzugeben, sich um die Probleme zu kümmern, die sie selbst verursacht haben.DIE GRÜNE LÜGE von Kathrin Hartmann

Zahlreiche Katastrophen wären zu verhindern gewesen, wenn nicht die Politik die schützende Hand über Großkonzerne und Lobbyisten hielte.

2012 verbrannten in KIKs pakistanischer Zulieferfirma Ali Enterprises 260 Menschen bei lebendigem Leib, obwohl RINA die Fabrik wenige Wochen vor dem Brand mit dem internationalen Güte-Siegel SA 8000 zertifiziert hatte. 2013 tötete ein Feuer 117 Menschen der Firma Tazreen Fashion, die für KIK und C&A arbeitete, es wurden zwar Entschädigungen gezahlt, die rechtliche Verantwortung jedoch zurückgewiesen.

H&M hat bis jetzt, selbst nach der Brandkatastrophe in der Fabrik Garib & Garib in Bangladesch bei der 21 Menschen gestorben sind, die Arbeitsbedingungen nicht verbessert und zahlt oft nicht einmal den Mindestlohn von 2,48 Dollar pro Tag.

Je mehr die Umweltbewegungen zu einem kritischen Denken aufriefen, umso stärker reagierte die Industrie mit grüner Werbung.

Auch die Ozeanrettung der Modeindustrie ist nichts weiter als eine grüne Lüge, denn bei Adidas macht es ein ½ % aller Kunststoffschuhe und bei H&M 1 % der Mode mit wieder verwertbaren Materialien aus. Unter dem Deckmantel Green Living konnte Adidas und H&M den Umsatz um Milliarden Euro steigern und Adidas hat für den Meeresturnschuh sogar den Segen der Vereinten Nationen bekommen.

Eine der größten Katastrophen, die zu verhindern gewesen wäre, denn man hat viele Mängel der baulichen Sicherheit festgestellt, war der Gebäudeeinsturz Rana Plaza in der Textilindustrie in Bangladesch bei der 1138 Menschen getötet und 2500 verletzt wurden; oder die Ölpest im Golf von Mexiko bei der Millionen Liter Öl ins Meer flossen. Um die Katastrophe zu vervielfachen, hat BP riesige Mengen Glykol auf das ausgetretene Öl gesprüht, das angeblich keinen Schaden für Menschen und Umwelt anrichtet, wie im Nachhaltigkeitsbericht von BP stand. Obwohl 47 000 Helfer gesundheitliche Schäden davontrugen, nötigte man sie auch noch, den giftigen Dreck wegzuräumen und raubte diesen Menschen die Lebensgrundlage. Dennoch wurden 2014 die Aufräumarbeiten eingestellt, da Natur und Ökosystem quasi keine Langzeitschäden abbekommen haben. Scott Porter, der Meeresbiologe hat stichfeste Beweise veröffentlicht, dass 3 Jahre nach der Ölpest die Korallen abgestorben und die Fische verschwunden sind.

Daraufhin ließ sich BP für viele Millionen Dollar ein grünes Image anfertigen und aus British Petroleum wurde Beyond Petroleum, kaufte Solarex auf und betrieb das Ölfördergeschäft in noch größerem Ausmaß mit den giftigsten, klimaschädlichsten und schmutzigsten Technologien und kämpft unter dem grünen Mantel dafür, dass Ölförderbeschränkungen in Naturreservaten aufgehoben werden.

BP und andere Konzerne unterstützten mit insgesamt 240 200 Dollar jene Senatoren, die den Klimawandel leugneten und Barek Obamas Klimapolitik verhinderten.

Rezension: Hermelinde Trefny

Lest morgen hier auf Metalogy auf Teil 2 der Rezension

Über Kathrin Hartmann

Hartmann studierte in Frankfurt am Main Kunstgeschichte, Philosophie und Skandinavistik. Während des Studiums arbeitete sie als freie Autorin für die Frankfurter Rundschau, taz und Titanic. Nach einem Volontariat bei der Frankfurter Rundschau arbeitete sie dort als Redakteurin im Ressort „Nachrichten und Politik“ und von 2006 bis 2009 arbeitete für die Zeitschrift Neon. Aus der Zusammenarbeit mit Werner Boote, mit dem Kathrin Hartmann das Drehbuch für seinen Film „The Green Lie“ verfasste und in dem sie auch selbst mitwirkt, entstand dieses aufrüttelnde Buch.

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