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Review: Yawning Man – The Revolt Against Tired Noises Review: Yawning Man – The Revolt Against Tired Noises
Gegen das große Gähnen. Eine mögliche Antwort auf Fragen zur Wüste, der Party, den Substanzen und überhaupt allem. Die Revolte wurde übrigens vertagt. Yawning... Review: Yawning Man – The Revolt Against Tired Noises

Gegen das große Gähnen. Eine mögliche Antwort auf Fragen zur Wüste, der Party, den Substanzen und überhaupt allem. Die Revolte wurde übrigens vertagt. Yawning Man mit neuem Metal- Album „The Revolt Against Tired Noises“, schräg wie immer.

Yawning Man wurde 1986 aus der Taufe gehoben, wobei man „Marathon – Jams aus der Garage in die Wüste spielte“. Dies stieß mit der Zeit auf immer größere Resonanz in den Wüsten Kaliforniens.

„Yawning Man war die krankeste Wüstenband aller Zeiten. Du warst dort in der Wüste, alle hingen herum und hatten Party. Sie kamen in ihrem Van, bauten gleichgültig ihren Scheiss auf und waren rechtzeitig zum Sonnenuntergang damit fertig. Sie starteten ihre Generatoren, manchmal dranken sie aber einfach nur Bier und machten ein Barbecue. Manchmal war es eine richtige Menge Leute, manchmal war es sehr intim. Es war alles sehr casual und jeder ist einfach abgehangen, während sie spielten. Sie waren so eine Art Hausband, nicht so militant wie Black Flag. Alles war mit Drogen verbunden, es war sehr mystisch. Jeder war auf einem Trip und sie haben sich einfach weggespielt – für Stunden! Sie sind eine der größten Bands, die ich je gesehen habe.“  Brant Bjork

Zur Verortung innerhalb des Desert/Stoner Rock folgendes: Die späteren Gründer der legendären Stoner – Rocker  Kyuss – John Garcia (Slo Burn, Unida) und Brant Bjork, sowie Josh Homme (Gründer der Queens Of The Stoneage) entstanden in diesem Geiste und sind Teil und Ableger dieser hippieesken Szene. Yawning Man, bei weitem nicht so bekannt, betrieben sozusagen Grundlagenforschung im Bereich Wüstenrock.

Gearbeitet und gespielt wurde seither immer, die erste Studioarbeit „Rock Formations“ entstand erst 2005, die sehr experimentell gehalten war und eine Art Free Jazz/Punk – Form auf eigenartige Loops. Dazu passte dann der Bandname, also gab es die Band zwischendurch als „The Sort of Quartet“. Yawning Man – The Revolt Against Tired Noises

Alles zusammen genommen, die Wüste, die Drogen, eine immerwährende Party, kann man die resultierende Musik ohne Überlegung nachvollziehen.  Langsame, kontemplative, repetitive Songs, denen jede Art von Dynamik fehlt machen den Sound aus. Sobald man akzeptiert, daß kein Höhepunkt mehr kommen wird, öffnet sich eine Tür, die einen Blick auf die Wüste gewährt. Die ewigen Wiederholungen und sich nur in Zeitlupe weiterentwickelnden Songs, umkreisen die Stille, machen sie hörbar und zum Stilelement. Bis auf „Grant’s Heart“ und „Catamaran“ wird auch auf Gesang verzichtet und auch da findet dieser eher hintergründig statt. Wobei, beim Titel „Misfortune Cookies“ hätte mich schon interessiert, wes Inhaltes dieser sein könnte. Die Songs erscheinen auch stilistisch wie für eine andere Scheibe gemacht. Letzteren haben Kyuss auf ihrem aktuellen Album gecovert. Angesichts des Materials erscheint der Albumtitel als selbstironisch, oder Koketterie, eher Ersteres.  

Hier bedarf es kaum noch verbotener Substanzen zur Erlangung veränderter Wahrnehmungen. Es ist auch gar nicht erforderlich, immer bei der Sache zu sein, die Musik ist derart geduldig, daß sie ihren Weg ins Bewusstsein irgendwann von selbst findet.

Nie jedoch erlaubt sich diese Musik Pathos, weder bemüht sie Klischees, noch erzählt sie eine, vielleicht romantisierende Geschichte. Die Musik IST einfach und war vielleicht auch schon da, bevor sie jemand gespielt hat. Die Form der Jamsession scheint immer noch zu dominieren, auch wenn das Album in der technisierten Situation eines Tonstudios entstanden ist. 

 

Der November, eine leichte Melancholie und vielleicht eine graue Stadt sind unsere Wüsten, wer, wie ich, sich manchmal darin suhlt, findet hier einen passenden Soundtrack.

  

Michael Neumann

 

Hörprobe auf YouTube
 

Tracklist: 

1. Black Kite

2. Revolt Against Tired Noises

3. Skyline Pressure

4. Grant’s Heart

5. Violent Lights

6. Catamaran

7. Misfortune Cookies

8. Ghost Beach

Yawning Man sind: Gary Arce – Guitar,  Mario Lalli – Bass, Greg Saenz – Drums

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