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Review: Melancholic Seasons – Martyrium Review: Melancholic Seasons – Martyrium
Die Death / Thrasher „Melancholic Seasons“ veröffentlichen auch ihr viertes Album „Martyrium“  in Eigenleistung. Review: Melancholic Seasons – Martyrium

Die Death / Thrasher „Melancholic Seasons“ veröffentlichen auch ihr viertes Album „Martyrium“  in Eigenleistung.

Seit bald einem Vierteljahrhundert besteht die Gruppe aus der Rhein-Main-Region und ausgerechnet in ihrer Sturm- und Drangphase kommt tragischerweise ihr Sänger ums Leben.

Feinste Juwelen mag man zwar auf diesem Langspieler nicht vorfinden. Dafür wird solide, dreckig und teils ungeschliffen die Lauscher befeuert, wie es sich eigentlich auch für Thrash / Death Metal im ursprünglichen Sinne gehört.

Die Jungs von „Melancholic Seasons“ nehmen die Selbstbetitelung in ihrer musikalischen Ausrichtung scheinbar sehr ernst. Lyrisch, sowie tontechnisch herrschen meist Kummer, Dystopie und Hoffnungslosigkeit vor.

In der Gewissheit des Todes des Sängers erlangt die vorherrschende, bedrückende Stimmung auf dem Silberling eine besondere Note.

Bereits die Eröffnung „Alles schon geschehen“ trieft von einer unglückseligen Weltansicht und gibt  mit entfesselten Rhythmen Einlass in eine Klangwelt aus krachendem Spiel und einer stattlichen Portion Schwermut.

Im besonderen Maße gewährt das eingängige Stück „Martyrium“ mit seinem sehr nachdenklich stimmenden Text Einblicke in eine zerrissene, von Leid geplagte Seele. Dem gegenüber steht die 2.0-Version des gleichen Liedes, mit der selben Musik aber veränderten Lyriken ausgestattet, das eine unerwartete Wendung parat hält.

Nicht minder trübselige Inhalte finden sich bei „The Black Hole“ und „Forever Lost“, die zu den Klassikern im Repertoire der Truppe um Gitarrist Andi Henke zählen. Aber aufgrund ihrer Melodien und gar leichten Beschwingtheit eignen sie sich, wenn man den Text ausnimmt, als aufhellende Kopfschüttler.

Zu dem ganzen düster gehaltenem Konstrukt passt das recht stimmungsvolle Instrumental „Die Selbstdestruktion“, das in der Remix-Version durch Spracheinlagen noch mehr an Tiefe erlangt.

Björn Hoppe gehörte vielleicht nicht zu den begnadesten Streitern am Mikrophon. Doch war er stets eine Seele und Sprachrohr der Band, in dessen Stil sich die raue, derbe Gesangsnote ganz gut einfügte.

Man sollte sich also nicht von der Rohheit des Tongewandes, besonders im Gesangsbereich, abschrecken und die Umstände der Entstehung nicht außer Acht lassen.

Bei näherer Beschäftigung mit den Werken der Band merkt man , dass beim Vorgänger „Melancholia“ noch auf alle Kräfte zugegriffen werden konnte. Zur Fertigstellung des aktuellen Tonträgers „Martyrium“ standen aufgrund des traurigen Anlasses jedoch oftmals nur Fragmente zur Verfügung. So ist der Gesang stellenweise nicht ganz so satt wie zuvor geraten, wenngleich sich die Qualität der Abmischung des Albums erhöht hat.

Doch aller gegebenen Widrigkeiten und Schicksalsschlägen zum Trotz ist den Hessen eine Scheibe gelungen, der es nicht an einer gehörigen Portion Aussagekraft mangelt.

Ob mit zukünftig zwei Sängern der erlittene Verlust kompensiert werden kann oder sogar mehr Wucht am Stimmprügel generiert wird, zeigt sich wohl in baldiger Zukunft. Trotz des herben Rückschlages ist bereits wieder neues Material in Planung.

Anspielempfehlung:  Martyrium (+ 2.0-Version) , Black Hole, Forever Lost

Review: Daniel Oestreich

Besetzung:  Björn Hoppe  – Gesang (Album), Ben Koch – Gesang (Aktuell),  Andi Henke – Gitarre / (Bass und Schlagzeugprogrammierung Album), Rene Glaser – Gitarre, Fabian Steinmetz –  Bass (Aktuell)

Titelliste

  1. Alles schon geschehen 3:58
  2. Martyrium 4:40
  3. Just Seasons pt,3 6:23
  4. Wenn du siehst wie die Zeit vergeht 3:52
  5. Sinn des Lebens 5:32
  6. Martyrium 2.0 4:40
  7. Die Selbstdestruktion 2:53
  8. The Black Hole 4:06
  9. Forever Lost 4:50
  10. Die Selbstdestruktion (Remix) 4:15

Hörprobe auf Youtube von „Martyrium (Album)“

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