Review: Haken – Vector Review: Haken – Vector
Neben Fiat Autos exportiert Turin mit Firelord's Album "Hammer Of Chaos" neuerdings auch angerosteten Stoner Doom Hammer Of Chaos. Review: Haken – Vector

Ein mathematischer Härtefall! Diesmal heavy, erfüllen Haken mit ihrer neuen Scheibe „Vector“ die hohen Erwartungen an den Nachfolger von Affinity. Demnächst auch in einer Halle near you.

InsideOut Records kann nicht anders, als Spitzenkünstler heraus zu bringen. So auch die letzten drei Alben einer der Speerspitzen des ProgMetal. Auch Haken haben ein Niveau erreicht, das sie gerade zur Institution aufsteigen lässt. Immer schwerer wird es daher von Album zu Album, die Dinge am Kochen zu halten.

Seit „Affinity“ aus 2016, das als ihre beste Veröffentlichung bis dato gilt, liegt die Latte hoch. Nun, vorweg, wir hören ein Werk, das nicht unbedingt besser, aber anders ist. Zu einer neuen Heavynes gesellen sich Math-Prog Einflüsse. Haken haben, wie immer ihr Album selbst produziert, jedoch kam diesmal Adam ‚Molly‘ Getgood mit an Bord. Er produziert unter anderem Devin Townsend und ist eher in der härteren Ecke des Prog Rock beheimatet.

Eine uhrwerkartige Präzision, komplexe Arrangements und großartiges Songwriting und nun auch der Wille zu Härte, zeichnet Haken aus.Haken Vector_Cover

Wir hatten immer Heavy Einflüsse und angesichts der Riffs, die sehr früh im Songwriting – Prozess ganz natürlich aus uns herauskamen,  sollte es diesmal offensichtlich eher ein Metal – Album werden. Diese Songs gehören zu den am stärksten von Riffs getriebenen, die wir je geschrieben haben,“ erläutert Gitarrist Charlie Griffiths.

Keyboarder Diego Tejeida ergänzt: „Wir wollten sowas schon länger einmal machen. Wir hatten ein paar härtere Songs auf „Affinity“ (2016) und die sind ziemlich eingefahren. Nach unserer Tour, ende letzten Jahres, fanden wir es an der Zeit, eine härtere Ausrichtung zu finden.“

Das Intro, ohne das heute keine Heavy – Platte mehr herauskommt, bringt eine pathetische Orgel und Chorgesang. Ewig und schicksalsbeladen würde es einen SciFi – Schinken passend beschallen.

In „The Good Doctor“ kommen Haken in Fahrt. Rasante Gitarrenläufe in schrägen Taktzahlen machen einen guten Progsong aus, ebenso die eingestreuten Akzente durch einen Bläsersatz. Es wird klar, wo das Werk hin will und so geht es in „Puzzle Box“ weiter. Das Intro kommt gleich mit der vollen Ladung an, häufige ruhige Breaks bieten Platz für erneute Steigerungen. Unglaublich rasantes und komplexes Unisonospiel zwischen Bass, Keyboard und Gitarre bringen echtes ProgMetal Feeling. Da macht ihnen höchstens Dream Theater was vor. So geht es dann bis zum Schluss bei 7’42“.

Zeit zu Entspannung beim Piano – Intro zu „Veil“, nur um sogleich zu Heavy und Rasant zurück zu kehren. Die 12’36“ sind angefüllt mit gefühlt endlosen, rasanten Parts, die ob ihrer Komplexität, faszinierend sind. „Veil“ ist das zentrale Werk des Albums, wo Haken alle Register ihres Könnens ziehen. Rhythmisch atomgenau werden die schrägsten Akkordzerlegungen abgespult, das Ganze im gefühlt 17/32tel oder so- Takt. Live wird es verwirrte Heads beim Bangen geben, denn da fehlt schon mal eine Achtel und kommt auch nicht mehr.

„Nil by Mouth“ ist ein einziges Furioso, das es nicht erlaubt, kurz abwesend zu werden, so komplex und hart ist der Song, so gefangen nimmt er einen. Dream Theater’s härtere Songs kommen ins Bewusstsein. Da wie dort bleibt dann einmal schon das Feeling auf der Strecke, aber der Song erlaubt ein Wegdriften aus Raum und Zeit.

Gleich darauf kontrastiert „Host“ mit einem Rhodes Piano und Trompete – Intro, in der Folge eine Akustikgitarre, mit gemütlichen Akkordzerlegungen und sanften Vocals. Im letzten Drittel finden die Jungs den Stecker wieder und bringen ein monumentales Finale.

Jetzt aber genug des Sinnierens. „A Cell Divides“ bringt nach einem gemäßigten Intro wieder alle Geschütze in Stellung und lässt keinen Stein auf dem anderen. Unterbrochen von einem wolkigen Keyboard Break mit Haken-typischen Vocals, wo jede Note gleich über einen Takt gehalten wird findet das Album dann einen rasanten Abschluss, der noch lange nachhallt.

Fazit: Eine typische Haken-Scheibe, diesmal auf die härtere Tour mit MathProg Qualitäten, sehr techniklastig, sehr dynamisch. Eine Richtungsänderung in der gewohnten Haken-Perfektion. Ich bin überzeugt, daß die Band dieses Level auch live halten kann und werde da sein.

 

Die Deutschlandtour beginnt am 19. Februar 2019 in Köln. In Wien gastieren sie am 2. März 2019.

Vector erscheint am 26. Oktober 2018.

 

Review: Michael Neumann

Tracklist:
1. Clear (01:54)
2. The Good Doctor (03:57)
3. Puzzle Box (07:44)
4. Veil (12:36)
5. Nil By Mouth (06:56)
6. Host (06:47)
7. A Cell Divides (04:58)
Haken sind: Ross Jennings – Vocals, Charlie Griffiths –  Guitars, Rich Henshall – Guitars, Diego Tejeida – Keyboards, Conner Green – Bass, Raymond Hearne – Drums

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Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de