Review:  DISTURBED – EVOLUTION Review:  DISTURBED – EVOLUTION
Am 19. Oktober beglücken DISTURBED die Metalheads weltweit mit ihrem siebten Werk „Evolution“. Wie der Titel bereits andeutet, erforschen DISTURBED hierauf abenteuerfreudig verschiedene Stile. Review:  DISTURBED – EVOLUTION

Am 19. Oktober beglücken DISTURBED die Metalheads weltweit mit ihrem siebten Werk „Evolution“. Wie der Titel bereits andeutet, erforschen DISTURBED hierauf abenteuerfreudig verschiedene Stile.

DISTURBED sind zurück. Nach ihrem 2015er Platin-Album „Immortalized“ mit dem dreifach vergoldeten Smash-Hit „The Sound Of Silence“ ist es für die Jungs aus Chicago nun Zeit für die „Evolution“.  Diesen Titel scheinen David Draiman & Co. nicht umsonst ausgewählt zu haben.

DISTURBED selber beschreiben ihr neues Werk mit folgenden Worten: „Dieses Album ist wahrhaft einzigartig und bedeutet uns sehr viel und wir können nur hoffen, dass es dem Rest der Welt ebenso ergeht, wenn er es hört. Das Album beinhaltet die abenteuerfreudigste und vielseitigste Kombination musikalischer Stile und Stimmungen, an der wir uns in unserer Karriere jemals versucht haben. Jeder Song hat seine ureigene Identität, Atmosphäre und Kraft.” Der Schaffensprozess sei ohne Mauer oder Beschränkungen abgelaufen. Über die Inspirationen dabei sagen DISTURBED: „Inspiriert von einigen der großen Classic-Rockalben unserer Jugend, ist es anders als alles, was wir je zuvor erschaffen haben. Der Zeitpunkt rückt näher, an dem die Welt endlich das hören kann, was ohne Zweifel das gewagteste Album unseres Lebens ist.” Und tatsächlich kann „Evolution“ für DISTURBED das bedeuten, was in den 90ern das schwarze Album für METALLICA war. Dieses bedeutet nicht weniger als eine stilistische Evolution.

Diese stilistische Weiterentwicklung lässt sich vor allem an zwei Punkten festmachen. Erstens gibt es mehr ruhigen Hardrock mit viel Akustikgitarren, was sich in gleich drei Balladen (vier, wenn man den Bonustrack „Uninvited Guest“ mitzählt.) ausdrückt. Bei den härteren Stücken drückt sich zudem ein starker Hang zu großen Melodien (vor allem im Refrain) aus, wogegen an der früheren kompromisslosen Kraft der Songs etwas gespart wurde. Gleichzeitig wird hier so einiges durch den Synthesizer gehäckselt, was durchaus an David Draiman´s Nebenprojekt „Device“ erinnert.  Zweitens, orientiert sich Ausnahmesänger David Draiman weg von seinem ureigenen, stakkato-artigen Stil hin zum normalen Hardrockgesang neben weichem Klargesang und verzichtet dabei auf seine Markenzeichen, wie das typische „Whaaa Ahhh Ahhh Ahh!“ fast gänzlich. Wenn man sich also an so manchem Punkt dann erst einmal gründlich die Augen gerieben hat und die stilistische Entwicklung auf sich wirken lässt, entfaltet „Evolution“ seine Größe. Denn David Draiman ist und bleibt ein begnadeter Ausnahmesänger – mit oder ohne Markenzeichen und die Songs sind nicht minder grandios, auch wenn sie teilweise nicht mehr ganz so typisch DISTURBED sind.

Der sehr coole Opener „Are You Ready“, der auch die erste Single des Albums war, hat noch einiges vom alten DISTURBED und groovt mit einem ordentlichen Pfund Härte. Der Refrain besticht mit einer grandiosen Melodie. Im Bonusmaterial findet sich ein sehr cooler Sam de Jong Mix dieses Songs, der viel Power hat, aber eher in die Disco passt. Cool ist er trotzdem.  Das folgende „No More“ stampft sich mit viel Groove voran, wobei der Refrain auch gut aus einem Hardrock-Klassiker stammen können. Hämmernde Riffs, eine geile Hookline und ein packender Gesang machen den Song zu einem regelrechten Ohrwurm. Mit der Ballade „A Reason To Fight“ wird es dann deutlich ruhiger. Akustik-Gitarren und weicher Klargesang in der Strophe stehen einem etwas kraftvolleren Gesang und mehr Power durch härteres Gitarrenspiel im Refrain gegenüber. Bei „In Another Time“ wird es schwungvoller und ordentlich synthetischer. Der Song entwickelt aus dem Refrain heraus eine unglaublich starke Melodie, die packend und ausdrucksstark ist. Langsam stampfend kommt dann „Stronger On Your Own“ daher. Auch dieser Song entwickelt seine Größe durch viel DISTURBED-Groove und eine tolle Melodie im Refrain. „Hold On To Memories“ ist eine Ballade, die durchgängig mit Akustik-Gitarren und weichem Klargesang gespielt ist. Gefühlvoll und etwas zum Dahinträumen. Bei „Savior Of Nothing“ geht es wieder druckvoller zur Sache. Tempomäßig etwas gedrosselt, aber mit harten und sehr ausdrucksstarken Gitarrenriffs und Soli. „Watch You Burn“ ist ein sehr gefälliger Rocker mit Akustik-Gitarren und weichen Vocals. Besonders genial ist der Zwiegesang von David Draiman in dem sich ansatzweise seine zwei Gesangstile abwechseln. Ob der Einsatz von Streichinstrumenten in diesem Songs sein musste, kann man wohl unter der experimentellen Weiterentwicklung verbuchen.  „The Best Ones Lie“ ist eine Granate im kraftvollen DISTURBED-Stil, die im Solo mächtig Gas gibt. Nach dem energiegeladensten Song des Album folgt zum Abschluss die ruhige Ballade „Already Gone“, die sehr gefühlvoll, bedächtig und nachdenklich daherkommt.DISTURBED - EVOLUTION

Als Bonusmaterial gibt es neben dem oben erwähnten Mix von „Are You Ready“ eine unglaublich starke Live Version von „Sound Of Silence“ mit Alter Bridge-Frontmann Myles Kennedy. Eine Wahnsinnsnummer. Dazu gibt es mit „The Venom“ einen flotten Rocker mit Synthie-Einsatz, der auch gut auf dem eigentlichen Album Platz gehabt hätte, und mit „Uninvited Guest“ eine weitere Ballade.

Fazit: Insgesamt ist „Evolution“ für DISTURBED sicher ein Meilenstein. Das musikalische Spektrum des neuen Werks ist enorm. Fans der ersten Stunde werden möglicherweise ihr Problem mit dem stilistischen Wechsel und den vielen Balladen haben. Das ist aber keine Aussage über die Scheibe selber, denn die ist unglaublich stark. Egal, in welchem Stil sich DISTURBED bewegen, sie zaubern mächtig viel Groove und Melodie in die Songs. Dazu ist der Sound perfekt und DISTURBED an den Instrumenten gewohnt hochprofessionell, wobei Experimentierfreudigkeit und Kreativität dieses Mal deutlich mehr Raum erhalten haben. Gleichzeitig haben die Texte den gewohnten Tiefgang. Einziges Fragezeichen wäre bei dem Gedanken, ob das alles nicht zu sehr durchkalkuliert klingt und ein bisschen die frühere Garstigkeit fehlt.  Aber nach etwas Eingewöhnen (besonders an die weicheren Vocals) und spätestens beim zweiten Hören  ist „Evolution“ einfach genial.

Anspieltipps: In Another Time, Stronger On Your Own, Watch You Burn, Are You Ready

Tracks

  1. Are You Ready
  2. No More
  3. A Reason To Fight
  4. In Another Time
  5. Stronger On Your Own
  6. Hold On To Memories
  7. Savior Of Nothing
  8. Watch You Burn
  9. The Best Ones Lie
  10. Already Gone

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Bonus

  1. The Sound Of Silence (Live Myles K)
  2. This Venom
  3. Are You Ready (Sam de Jong Mix)
  4. Uninvited Guest

Line up:

David Draiman – Gesang

Dan Donegan – Gitarre

Mike Wengren – Drums

John Moyer – Bass

 

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