Review: BEWIZED – AD ASTRAE Review: BEWIZED – AD ASTRAE
Die griechische Metalcore-Band BEWIZED hat mit “Ad Astrae” seit Juni ihre dritte Langrille am Start. In die übliche Metalcore-Gangart „direkt nach vorne“ mischt das... Review: BEWIZED – AD ASTRAE

Die griechische Metalcore-Band BEWIZED hat mit “Ad Astrae” seit Juni ihre dritte Langrille am Start. In die übliche Metalcore-Gangart „direkt nach vorne“ mischt das Quartett dabei gekonnt viele progressive Elemente, brutale Death Metal-Einflüsse, melodiöse Groove-Einspritzungen und immer wieder viel Atmosphärisches. Mit „Ad Astrae“ beweisen BEWIZED, dass dies funktioniert und dazu auch noch richtig abgeht.   

Am 31.12.2017 feierten BEWIZED aus Thessaloniki, Griechenland, ihr 10-jähriges Bandjubiläum. In das nächste Bandjahrzehnt legt die Metalcore-Truppe mit „Ad Astrae“ direkt einen Kick-Start hin. Auf ihrem dritten Werk bauen BEWIZED in eine Metalcore-Basis (mit typischen Elemente, wie Breakdowns und Gesangs-Verzerrungen) unterschiedlichste Einflüsse und Spielweisen ein, was durchaus seinen Reiz hat und recht abwechslungsreich rüber kommt. Besonders viel werden progressive Spielweisen verwendet. Es gibt aber auch Anleihen im Death Metal, im Groove Metal, im Mystisch-Atmosphärischen und sogar bei ethnischen Klängen. Das wird vor allem durch die Instrumente und ihre Melodieführungen geprägt.

Besonders die Gitarrenarbeit sticht bei „Ad Astrae“ mit krachenden Riffs, tollen Harmonien und genial progressiven Momenten hervor. Drums und Bass gehen dabei jede stilistischen Wechselspielchen problemlos mit. Überflüssigerweise findet an verschiedenen Stellen hier und da ein Drum-Computer Einsatz. Der Sound von „Ad Astreae“ ist sehr klar gehalten, was gerade den progressiven Abschnitten sehr zu Gute kommt. Gleichzeitig lässt der Sound auch die atmosphärischen und ethnischen Parts bestens zur Geltung kommen.

Gesanglich gibt es hauptsächlich Shouts und Klargesang. Auch Sprechgesang-Passagen („Centauri“) und durchsynthetisierte Gesangs-Effekte. Auch wenn besonders der Klargesang leider nur Mittelmaß erreicht, sind die Shouts von erster Güte. Auch die mehrstimmigen Passagen („Corona Borealis“, „Aurora Australis“) sind sehr gekonnt und einfach stimmungsvoll. Als Sahnehäubchen wird „Pyxis Nautica“ von Gastsängerin Christina Vasilakaki veredelt.BEWIZED – AD ASTRAE_Cover

Auf der Gefühlsebene werden die Songs durch Keyboards geleitet, die im Nightwish-Stil orchestral oder mit Klavier eingesetzt werden. Auch Sprach-Samples haben BEWIZED immer wieder in die Songs eingeflochten („Corona Borealis“).  Von den Songs, deren Titel alle auf Latein sind, lassen sich auf „Ad Astrae“ zwei Arten ausmachen: Die Songs, die wild durch die Stilarten hüpfen und dadurch überfrachtet und ziellos klingen und die, die genial sind, weil sie noch die Kurve kriegen. Diesen Unterschied wird der Hörer aber auch erst nach dem dritten Durchlauf für sich herausfinden. Zu den erstgenannten gehören vor allem „Astera Polaris“ (nach Geigenklängen geht es in den harten Metalcore um atmosphärisch zu enden), „Cassiopeia“ (Dancefloor-Sound wechselt ins Progressive, aber immerhin mit tollem Refrain und genialer Gitarrenarbeit) und „Ophiuchus Serpens“ (hier zeigen sich die gesanglichen Grenzen).

Dazwischen liegen Nummern, wie „Pyxis Nautica“, „Lepus“ und „Centauri“, die zwar etwas holpern, aber starke Momente haben. Richtig stark sind BEWIZED, wenn sie nicht zu gezwungen klingen und gefühltermaßen ihren Instrumenten freien Lauf lassen. Darunter fallen Metalcore-Bretter, wie „Corvus“ und „Pegasus“, das groovende „Andromeda“ und die beiden genialen Highlights „Corona Borealis“ (sehr geile Gitarren, sehr stimmungsvoll) und „Aurora Australis“ (ethnische Klänge, genial groovende Gitarren, mehrstimmiger Gesang, unglaubliche Atmosphäre).

Fazit: Insgesamt, hat „Ad Astrae“ Höhen und Tiefen, geniale Momente und sehr viel Kreativität. Die Schwächen liegen in Songs wie „Cassiopeia“ oder „Pyxis Nautica“, die abschnittweise sehr cool wirken, aber nicht in ihrer Gesamtheit. Hier wirkt die Songstruktur einfach überfrachtet und inkonsequent. Sehr gute Ansätze werden so leider dahingemetzelt. Songs, wie „Corona Borealis“ dagegen wirken dadurch, dass das Musikalische im Vordergrund steht und damit die Songstruktur flüssiger wirkt. BEWIZED sind immer dann am besten, wenn sie ihrem musikalischen Talent vertrauen und nicht zu gezwungen vorgehen.

Man muss den Jungs aber auch lassen, dass sie sehr coole Refrains drauf haben. Während die Metalcore-Knaller direkt beim ersten Durchlauf zünden, wird der durchschnittliche Metalhead mindestens drei Durchläufe brauchen, um die progressiven Parts für sich einzusortieren. Mit „Ad Astrae“ haben BEWIZED ein sehr interessantes Werk geschaffen, bei dem sich ein Reinhören definitiv lohnt.

Anspieltipps: Pegasus, Andromeda, Corona Borealis, Aurora Australis

Review: Michael Glaeser

Tracks

  1. Astera Polaris 4:39
  2. Cassiopeia 4:10
  3. Pegasus 3:55
  4. Andromeda 3:29
  5. Ophiuchus Serpens 3:43
  6. Corona Borealis 4:28
  7. Corvus 4:28
  8. Lepus 3:57
  9. Pyxis Nautica 3:32
  10. Centauri 3:38
  11. Aurora Australis 4:06
  12. Noctuae 1:10

Line up:

Paschalis Theotokis – Vocals, Guitar
Pantazis Theotokis – Bass
Orestis Georgiadis – Guitar
Akis Tsiantis – Drums

Gäste:

Christina Vasilakaki – Vocals (Pyxis Nautica)

Hörprobe auf  Youtube von „Pyxis Nautica“:

 

 

 

Das interessiert euch bestimmt auch:

Reviews