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Nur noch sanft? Metal beim Eurovision Song Contest Nur noch sanft? Metal beim Eurovision Song Contest
Schon seit Jahrzehnten ist beim Eurovision Song Contest für Metalfans nicht viel Spannendes dabei. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit entspricht kaum ein Auftritt den Vorstellungen... Nur noch sanft? Metal beim Eurovision Song Contest

Schon seit Jahrzehnten ist beim Eurovision Song Contest für Metalfans nicht viel Spannendes dabei. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit entspricht kaum ein Auftritt den Vorstellungen eines wahren Metalheads. Doch warum hat es gerade diese Musikrichtung so schwer, zumindest unter den Teilnehmern vertreten zu sein? Wir werfen einen Blick auf mögliche Ursachen.

Performances nach Schema 

Seit Jahren gibt es ein bestimmtes Muster, nach dem die Auftritte beim ESC aufgebaut werden. In den letzten Jahren rückte der Fokus immer mehr auf ein schrilles Outfit der Künstler und eine besondere Gestaltung der Bühne. Musikalisch ähneln sich die Songs hingegen stark. Meist handelt es sich um weichgespülte Stücke, die zwischen Pop und Schlager eingeordnet werden können.

Nur eine berühmte Ausnahme sorgte vor rund eineinhalb Jahrzehnten für Aufsehen. Die finnische Band Lordi. In faszinierender Manier ist es ihr gelungen, mit einer etwas kommerzielleren Form des Heavy Metal, man kann fast von hard Rock sprechen, die Herzen der Zuschauer für sich zu gewinnen. Ganz nach dem historischen Vorbild Kiss entstand damit eine außergewöhnliche Show, die sich bis dato leider nicht wiederholte.

Ist Metal nicht mehrheitsfähig?

Die Quoten beim ESC machen deutlich, wie groß die Chancen der Kandidaten tatsächlich sind. Dabei sind stets jene Musikstile im Vorteil, die sich nicht einem der Extreme besonders stark annähern. Getragen von dem Wunsch, den ESC im nächsten Jahr ins eigene Land zu holen, entscheiden sich die Verantwortlichen in ihrer Auswahl entsprechend oft für andere Kandidaten. Dabei ist auch Metal schon längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, was sich vor allem an Trends wie Metal Yoga zeigt.

Eine Rolle dürfte nach wie vor der Ursprung des ESC spielen. Dieser wurde ab den 1950er Jahren als reiner Wettbewerb für die Schlagermusik ausgetragen. Bis heute sind die Spuren dieser Entwicklung sichtbar. Denn andere Stile haben es deutlich schwerer, die gleiche Aufmerksamkeit zu erlangen. Aus aktueller Sicht deutet also wirklich nichts darauf hin, dass in naher Zukunft eine größere musikalische Vielfalt auf der Bühne des ESC Einzug halten wird und dabei auch noch aussichtsreiche Chancen hat.

Mutige Bewerber gesucht

Auch der Auswahlprozess trägt seinen Teil dazu bei, dass es für die Freunde der Metal Musik nicht gerade leicht ist, in die Fänge des Eurovision Song Contests zu kommen. In Deutschland wird der Teilnehmende seit vielen Jahren im Rahmen einer TV-Show ermittelt. Allein dieses Verfahren steigert schon die Chancen jener Kandidaten, die Musik auf allgemeiner und massentauglicher Ebene machen.

Auf der anderen Seite haben es die TV-Zuschauer im Voting nicht ganz selbst in der Hand, wer nun für Deutschland auf der großen Bühne stehen darf. Es ist bekannt, dass der zuständige Sender schon im Vorfeld eine Auswahl an Kandidaten trifft, die in der Auswahlshow live performen dürfen. Mutige und kontroverse Acts, wie sie zum Beispiel aus dem Metal-Genre hervorkommen könnten, haben es hier schwer, einen eigenen Platz zu erobern. Auch dieses Verfahren ist entscheidend dafür verantwortlich, dass ein Act dem anderen gleicht. So gesehen könnte es noch lange Zeit dauern, bis wieder einmal ein mitreißender Metal-Act die Bühne übernimmt.

Headerbild: Lydia Polwin-Plass

Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de