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Metal-Review: PYOGENESIS – A SILENT SOUL SCREAMS LOUD Metal-Review: PYOGENESIS – A SILENT SOUL SCREAMS LOUD
PYOGENESIS beschließen mit ihrem neuen Album “A Silent Soul Screams Loud“ ihre Steampunk-Trilogie über gesellschaftliche Themen des 19. Jahrhunderts. Und wieder einmal fusionieren PYOGENESIS... Metal-Review: PYOGENESIS – A SILENT SOUL SCREAMS LOUD

PYOGENESIS beschließen mit ihrem neuen Album “A Silent Soul Screams Loud“ ihre Steampunk-Trilogie über gesellschaftliche Themen des 19. Jahrhunderts. Und wieder einmal fusionieren PYOGENESIS Melancholie und Melodie zu ihrer ganz eigenen Art von Metal-Alternative-Punk-Mix mit viel Power. “A Silent Soul Screams Loud“ pendelt dabei zwischen eingängigen Melodien, heftigen Metal-Passagen und experimentellen Wechseln und wird von der enormen Ausdrucksstärke und dem stets passenden Gefühl getragen.

Nach ihrem Neuanfang 2014 hatten PYOGENESIS mit den Album “A Century In The Curse Of Time” (2015) die Steampunk-Trilogie gestartet und diese 2017 mit “A Kingdom To Disappear” weitergeführt. 2020 findet diese Trilogie nun ihren Abschluss mit PYOGENESIS´ neuem Album „A Silent Soul Screams Loud“. Mittelpunkt der Trilogie sind Themen um den gesellschaftlichen Wandel im 19. Jahrhundert, was somit auch auf dem neuen Album nicht anders ist. Auf „A Silent Soul Screams Loud“ befassen sich Pyogenesis mit Themen um Persönlichkeiten wie Charles Darwin, Siegmund Freud, Napoleon, Karl Marx, Friedrich Nietzsche und Frankenstein. Dabei sticht vor allem das 14-Minuten-Opus um Karl Marx´ „Das Kapital“ hervor.

Das eigentlich Wichtige an „A Silent Soul Scream Loud“ sind aber die Songs an sich. Mit ihrem eigenwilligen und vollkommen unangepassten Sound haben PYOGENESIS hochinteressante Songs mit jeder Menge Tiefgang kreiert. Die Band selber sagt dazu: “Recorded and produced, again by ourselves, with no influence or advising from outside to reach our ears. Knowing that we’re not mainstream, we’re not hip or hot, nor for the masses. We could change a few tiny things and sell way more records and tickets. But we don’t want to change a thing! We do it for ourselves. And we are in the lucky position to be heard by a few crazy people from Australia to Canada who enjoy what our work, who like the songs as they are and feel the way we feel. Nothing more. Nothing less.”

Besonders die grandiose Bandbreite von Flo V. Schwarz Gesang sticht dabei hervor. Die Ausdrucksstärke und das Feingefühl zwischen Death Metal-Growls, Heavy Metal-ähnlichen Shouts und gefühlsbetontem bis rockigen Klargesang haben es einfach in sich. Und das man PYOGENESIS instrumental nichts vor macht, ist klar. Lediglich der Background-Gesang ist an manchen Stellen übertrieben Soft.

Dazu kommt die stilistische Bandbreite, die PYOGENESIS spielerisch in knackige Songs verwandelt. Die Songs sind zwar recht kurz gehalten – bis auf das fast 14-minütige „The Capital“ und die Spieldauer des Albums mit 39:36 Minuten recht überschaubar, das wird aber durch die Qualität der Songs mehr als wett gemacht.

Schon der darwinistische Opener „Survival Of The Fittest“ deutet die perfekte Symbiose zwischen heftigen Melodic Death Metal und groovendem, punkigen Alternative Rock an. Ähnlich verfahren PYOGENESIS mit „Mother Bohemia“. Zunächst wird Smetana´s „Die Moldau“ in Death Metal übersetzt und dabei ordentlich Druck aufgebaut, nur um in einem groovenden rockigen Refrain die Erlösung zu finden. Mit einer unglaublichen Energie und Ausdruckskraft ist der Zweiteiler „I can´t breath“ stilistisch ganz anders gelagert. Geballter melancholische Gefühlsenergie wird in einem Gemisch aus Progressivem, Rockigem, Metallischen und Epischem freien Lauf gelassen. In etwa das Gegenteil dazu ist „High Old Times“, das eingängig, melodiös und alternativ daherrockt. Ähnlich eingängig aber mit deutlich mehr Metal im Sound groovet „Will I Ever Feel The Same“ gewaltig. Alternativ rockig und mit ebenso viel Groove gefällt danach das etwas melancholisch „Modern Prometheus“. Dieser Song wirkt besonders durch den Zwiegesang von Sänger Flo V. Schwarz mit Gastsänger und LORD OF THE LOST-Frontmann Chris Harms.

Das große Finale ist das 14-Minuten-Werk „The Capital“, das eine Art Reise durch verschiedene musikalischen Sphären darstellt. Zwischen hartem Melodic Death Metal, gefühlvollen Akustikgitarren, progressiv rockigen Passagen und leicht symphonischen Klängen schwebt der Songs zwischen Eingängigkeit und Tiefgang. 14 Minuten sind selten so kurzweilig gewesen.

Insgesamt liefern die Stuttgarter PYOGENESIS mit „A Silent Soul Scream Loud“ ein grandioses Album ab, das an Ausdrucksstärke und Variabilität in der obersten Liga mitspielt. Mit ihrem ganz eigenen Sound verstehen es PYOGENESIS absolut gekonnt, eingängige Melodien mit Tiefgang in Einklang zu bringen. Die Songs sind vielschichtig und einfach wahnsinnig interessant. So findet die Trilogie ein glanzvolles Ende.

Anspieltipps: Survival Of The Fittest, I can´t breathe (Prologue/Monologue), Will I Ever Feel The Same

Tracks:

  1. Survival Of The Fittest
  2. Mother Bohemia
  3. I Can’t Breathe (Prologue)
  4. I Can’t Breathe (Monologue)
  5. High Old Times
  6. Modern Prometheus (feat. Chris Harms)
  7. Will I Ever Feel The Same
  8. The Capital (A Silent Soul Screams Loud)

Line up:

Flo V. Schwarz – Vocals, Guitar

Thilo Schmidt – Guitar

Malte Brauer – Bass

Jan Räthje – Drums

Review: Michael Glaeser

Veröffentlichungstermin: 24.01.2020

Label: AFM Records

Hörprobe auf Youtube von „Will I Ever Feel The Same“:

 

 

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