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Konzertbericht: Haken und Devin Townsend, Simm City Wien. Konzertbericht: Haken und Devin Townsend, Simm City Wien.
Spitzen Prog-Metal trifft großartige Entertainer und Freigeist. Haken und Devin Townsend in der Simm City Wien – ein Gig vom Feinsten. Konzertbericht: Haken und Devin Townsend, Simm City Wien.

Spitzen Prog-Metal trifft großartige Entertainer und Freigeist. Haken und Devin Townsend in der Simm City Wien – ein Gig vom Feinsten.

Der seltene Fall, daß Devin Townsend die Stadt heimsucht, ist für den Prog und Progrock/Metal Fan ein Fest. So war die freundliche Halle, die mit 800 Stehplätzen gerade eine angenehme Größe hat, gerammelt voll. Die Halle klingt sehr gut und ist auch sonst ein angenehmer Platz für Rockkonzerte.

Für Haken laufen die Dinge rund, ihr Album „Vector“ ist auch schon wieder ein Jahr alt und die Fünf legten eine makellose Show hin. Die Fans waren mehr als amused über Haken als Opener, denn die Fünf stellten ihre technisch anspruchsvollen Songs wirklich überzeugend auf die Bretter. In ihrem ca 45 minütigen Set kamen die eher schwereren Geschütze zum Einsatz, sodaß die Menge rechtzeitig auf Betriebstemperatur kam.

Devin Townsend’s Erscheinen vollzog sich dann inmitten einer Hawaii- Kulisse, schön gemütlich nacheinander kam die Band heraus, in der Hand einen Pina Colada.  Somit war aufgezeigt, daß dies ein sehr entspannter Abend werden würde. Palmenhintergrund mit Vollmondnacht unterstützen das Motto des Abends, doch einmal für zweieinhalb Stunden das miese Leben zu vergessen und mit auf eine Reise zu kommen. Das wäre ihm ohnehin gelungen, denn Rampensau Townsend ist ein wahrer Entertainer, der ob seiner Bühnenpräsenz sofort alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Überhaupt reist Devin bei seiner „Empath Tour“ mit der vollen Musik an: Zehn Musiker auf der Bühne, viele davon in Doppelverwendung als Sänger. Somit unterschieden bis zu vier Gitarren, bis zu zwei Keyboarder, bis zu sieben Sänger und -Innen, samt der drei Backgroundsängerinnen, diese bunte show, vom beendeten Devin Townsend Project. Diego von Haken durfte sich umziehen und bediente mit Ananasbrille auf der Nase ein keyboard, zu seinem größten Vergnügen, wie es schien. Devin ließ es sich nicht nehmen, über die auf der Tour aufgerissenen Hämorrhoiden zu fluchen und dem folgten während der show weitere Geschichten, die hier nicht dringend besprochen werden müssen! Die Lacher waren ihm sicher!

Nach dem überaus besinnlichen Opener Borderlands, entfaltete gleich der erste Bringer „Evermore“ seine stimmungshebende Heavyness.

Das Konzert war bestimmt durch eine außergewöhnliche stilistische Bandbreite. Etwas exzentrisch, dabei sehr kraftvoll und positiv, impfte er das Publikum und auch die Band mit seiner Begeisterung. Launige Titelansagen, mit der bestimmten Dosis Selbstironie und das Überziehen eines T-Shirts, das ein total verschwitzter Fan gerade ausgezogen hatte („Devin Fucking Townsend“) machten Laune.

Wie immer, war einer der Höhepunkte „Deadhead“ in all seinem epischen Bombast. Mit seinen tonnenschweren Gitarrenakkorden, der gleichzeitig sehnsüchtigen und verzweifelten Stimmung fesselt der Song und er mochte nie enden. Ein Monolith, ein Weltklassesong, für den allein sich die Show gelohnt hat.

Was kann da noch kommen? Richtig, „but now for something completely different“ hätten Monty Phytons hier gesagt. Der Walzer „Why?“ brach die Stimmung ins Komische, eine Achterbahn für ein Publikum. Platz jetzt wieder für „Lucky Animals“, das diese Stimmung gleich weiter transportierte.

Es wäre nicht Devin, wenn die erste Zugabe, jawohl, ein herrlicher Disco wäre. Vollkommen wie damals, ohne neumodische Verbrämungen. „Burning, Burning, the heat was on, lalala…eine Coverversion der Trammps aus den schrägen Siebzigern. Doch stop, natürlich muß das ein böses Ende nehmen, nämlich als Kakophonie, aus der ausgerechnet „The Black Page #1“ von Frank Zappa erstand. Diesen Song schrieb Zappa für Auditions, um Musiker an ihre Leistungsgrenzen zu bringen. Auch Steve Vai mußte da durch, ein Song, der seinen Namen den vielen Noten verdankt, die kaum weißes Papier durchscheinen lassen. 

„My Name is Devin Townsend and we love our Jobs“ war die absolut Glaubwürdige Ansage nach der Bandvorstellungsrunde. Das folgende vollmundige „Kingdom“ entliess ein bestens gelauntes Publikum, das eine vielseitige und äusserst unterhaltsame Show sah. Musikalisch breitgefächert, scheut Devin kaum ein Genre und lotet technische Möglichkeiten aus. Einer, der sich nix scheißt und sich nur in seine eigene Schublade pressen lässt.  Ein Feuerwerk der Ideen, ein großer Entertainer und Querkopf. Nächstes mal gerne wieder!

Michael Neumann

Setlist Haken:

  1. Puzzlebox
  2. A Cell Devides
  3. Earthrise
  4. Nil By Mouth
  5. Cockroach King
  6. 1985

Setlist Devin Townsend:

  1. Borderlands
  2. Evermore
  3. War
  4. Sprite
  5. Jam
  6. Coast
  7. Gato
  8. Heaven Send
  9. Ain’t Never Gonna Win
  10. Deadhead
  11. Why?
  12. Lucky Animals
  13. Castaway
  14. Genesis
  15. Spirits Will Collide

16. Disco Inferno

17. The Black Page #1 (Frank Zappa Cover)

18. Kingdom

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