Interview mit Victor Smolski – Teil 4 Interview mit Victor Smolski – Teil 4
Auf ihrer „Kingslayer“-Tour gastierten ALMANAC auch in Aschaffenburg. Ausnahmegitarrist VICTOR SMOLSKI erfreute das Publikum auf diesem Teil der Tour mit einem Best-of-Programm aus fast... Interview mit Victor Smolski – Teil 4

Auf ihrer „Kingslayer“-Tour gastierten ALMANAC auch in Aschaffenburg. Ausnahmegitarrist VICTOR SMOLSKI erfreute das Publikum auf diesem Teil der Tour mit einem Best-of-Programm aus fast allen Abschnitten seines Schaffens. Vor dem Auftritt im Colos-Saal erzählte Victor Lydia und Michael von Metalogy.de unter anderem auch viel Privates. Lest hier den vierten und letzten Teil der 4-teiligen Interview-Serie mit Victor Smolski.

Wir haben da ein paar persönliche Fragen, die wir jedem stellen und auch Dir gerne stellen möchten. Ist das in Ordnung?

Victor: Ja, klar.

Welches ist Dein Lieblingstier?

Victor: Hund.

Dein Lieblingsfilm?

Victor: Da gibt es jede Menge. Vielleicht „Le Mans“, weil mich der Film mit Motorsport infiziert hat.

Dein Lieblingsbuch?

Victor: Auch schwer zu sagen. Speziell, mein Lieblingsbuch, würde ich sagen,  ist was Russisches „Woina I mir“ von Tolstoi. „Krieg und Frieden“, so heißt es hier.

Wenn Du auf eine einsame Insel genau eine CD mitnehmen dürftest, welche wäre das?

Victor: Vielleicht das Best-of von meinem Vater, das ich produziert habe. Ich habe eine CD produziert von seinen Lieblingswerken und bei manchen haben wir zusammengearbeitet. Das ist ein bisschen für mich meine persönliche Geschichte. Bei manchen Werken, habe ich gerade erst angefangen zu laufen. Da saßen wir zusammen am Klavier und er hat komponiert. Das sind ganz spezielle Erinnerungen. Das sind so mehr oder weniger meine ersten Erinnerungen, die haben alle mit Musik von meinem Vater zu tun. Und das wurde auch eine tolle Produktion. Dazu habe ich so Digi-Buch produziert, einfach gut. Es ist zwar nicht was ich ständig hören kann, aber es hat einfach viel mit meiner eigenen Geschichte zu tun.

Almanac Colos-Saal © Lydia Polwin-Plass

Dein Lieblingsessen?

Victor: Schwer zu sagen, weil ich das Glück habe, dass meine Frau so gut kocht und so abwechslungsreich. Da könnte ich jede Woche etwas Neues als meine Lieblingsspeise nennen. (Lacht)

Irgendeine Richtung?

Victor: Was sie sich extra eingelernt hat als Überraschung für mich, das ist ein traditionelles Essen, das sie extra für mich macht: Borschtsch heißt es auf Russisch. Das macht sie genauso gut wie meine Mutter. (Lacht)

Dein Lieblingsgetränk?

Victor: Schwer zu sagen. Ich trinke gerne ein Bierchen. Ich glaube ich habe in Deutschland angefangen damit. Ich war davor nie ein großer Biertrinker. Ich bin, um es so zu sagen, sowieso kein großer Trinker, weil ich entweder spiele oder fahre. Und bei beidem ist es schlecht zu trinken. Aber wenn ich mich entspanne, dann trinke ich immer mal gerne ein Bier. Ein leckerer Wein geht natürlich auch.

Deine Hobbies, außer Musik?

Victor: Motorsport. Definitiv. Das ist mein Parallelleben. Mittlerweile ist es kein Hobby mehr, es ist semi-professionell. Und es läuft unheimlich erfolgreich, die ganze Zeit. Gott sei Dank. Denn das ist ein ziemlich teurer Sport. Ich habe Glück gehabt, dass ich aus Versehen von Anfang an sehr schnell war und dann Sponsoren gefunden habe und Sachen von Profi-Teams bekam. Da musste ich zum Glück nicht viel investieren, um da mitmachen zu können. Und es hat sich sehr gut entwickelt. Ich war 16-Klassen-Sieger am Nürburgring. 11-mal 24 Stunden. Und letztes Jahr war ich Vize-Deutscher Meister in der Supercar-Klasse in der deutschen Rallyecross-Meisterschaft.

Du hattest ja auch beim Stockcar-Rennen bei Stefan Raab mitgemacht. Wie war das?

Victor: Mit Stefan haben wir wirklich viel Spaß gehabt. Auch bei TV-Total zu spielen, weil das die einzige Sendung war, wo man wirklich 100-prozentig live spielt. Im Fernsehen ist es sonst immer Halb-Playback oder Voll-Playback. Aber bei Stefan war wirklich alles Live-Musik. Wir haben Soundcheck gemacht und gerockt, wie auf einem normalen Konzert. Das kenne ich kaum mehr, dass es sowas noch gibt. Und Stefan war ein richtiger Fan und unterstützt mich immer. Das war schon eine coole Nummer. Auch das mit dem Stockcar. Wir haben da auch gespielt. War super. Ich wollte ihn immer in meinem Team haben, bei einem richtigen Profirennen. Aber das war mit den Verträgen nicht so einfach für ihn. Da war das Risiko zu hoch.

Was hast Du jetzt für diese Saison geplant?

Victor: Jetzt am 6. April ist das erste Training in Schlüchtern. Das ist eine Rennstrecke nicht weit von Frankfurt, eine Rallyecross-Strecke und da testen wir. Und dann geht es los, ich glaube, Ende April haben wir das erste Rennen der deutschen Rallyecross Meisterschaft dieses Jahr. Dieses Jahr bei mir voll professionell, richtig geplant, mit einem absoluten Monster-Audi Quattro- Auto, 700 PS auf 1000 Kilo. Da marschiere ich schon nach vorne. Und das ist das Hobby, das ich für mich entdeckt habe. Ich bin fast alles gefahren. Formel 4, Rund-Strecken, Ralleys, alles Mögliche. Und Rallyecross ist für mich wirklich Adrenalin bis zum Geht-nicht-mehr. Alles Sprintrennen. Ich fahre in zwei Klassen. Also ich fahre acht Rennen am Wochenende. Das ist Kampf. Eine Rundstrecke. Hälfte Asphalt, Hälfte Schotter. Bis zu acht Autos gemeinsam, wo man ab und zu Lacktausch macht. Also das ist schon sehr heftig. Und das gefällt mir tierisch. Das ist richtig geil. Zwischendurch fahre ich noch andere Rennen. Als Gast werde ich auch das Bergrennen dieses Jahr fahren. Dann fliege ich nach Mexiko und mache eine Wüstenrallye mit. Mit Buggys. Das habe ich schon mal gemacht.  Baja California nennt sich das. Das ist sehr gefährlich. Das ist wie eine kleine Paris-Dakar sozusagen. Aber Mexiko ist schon nicht Ohne. Die Autos sind aber auch sehr schnell. Das mache ich halt auch. Und vielleicht gehe ich noch nach Finnland und fahre da eine Winterrallye. Auf einem gefrorenen See mit Spikes. Das ist auch ein Erlebnis.

Almanac Colos-Saal © Lydia Polwin-Plass

Gehst Du auch auf die IAA?

Victor: Ich gehe schon zur IAA. Und zur Essener Motorshow. Da habe ich schon oft Driftshows gemacht. In der Arena habe ich auch schon einmal gespielt. Jetzt mache ich da häufig Taxi-Drift. Einfach Fans einladen, ins Auto setzen und Vollgas geben. Quer durch die Halle.

Dein liebstes Reiseziele?

Victor: Ich war schon an vielen Orten. Ich bin wirklich unglaublich viel gereist. In letzter Zeit gefällt mir irgendwie Neues kennenzulernen. Ich reise gerne dorthin, wo ich als Kleinkind war. Einfach vergleichen. Die Stimmungen von heute und gestern. Wie habe ich es damals als kleines Kind gesehen und was empfinde ich jetzt. Das finde ich irgendwie total interessant. Ansonsten reise ich unheimlich gerne und viel. Es gibt wenige Länder, wo ich noch nicht war. In manchen ist es leider nicht mehr so sicher. Manche Ecken auf dieser Welt sind mir einfach zu riskant geworden. Da hat man auch keinen Spaß, wenn man da bewaffnet oder bewacht sein muss. Und selbst dann hat man keinen Schutz. Das muss nicht sein. Einen Lieblingsort habe ich aber nicht. Ich fühle mich halt zuhause sehr wohl. Und da möchte ich auch alt werden. (Lacht)

Gibt es etwas, das Du gar nicht beherrschst? Wo Du zwei linke Hände hast?

Victor: Ich bin jetzt nicht gerade der Superhandwerker, der alles reparieren kann. Ich meine, jeder hat seine Baustelle und ich mag es, wenn Profis das machen. Ich muss nicht unbedingt ein Haus bauen und habe auch keine Ahnung davon. Und ich versuche das auch gar nicht erst. Klar, ich kann schon reparieren, aber es gibt einfach ein paar Sachen, die ich probiert habe und die ich nicht kann. Ich bin also kein großer Handwerker.

Deine größte Sorge oder Angst?

Victor: Um meinen Sohn. Er hat wirklich ganz krass mein Leben verändert vor fünf Jahren. Das ist wirklich meine größte Sorge, dass es dem Kleinen gut geht und, dass er in einer vernünftigen Atmosphäre aufwächst. Und, dass er gesund bleibt. Meine ganze Sorge dreht sich also um ihn. Mir geht es gut, ich habe alles erlebt, nichts verpasst. Mein Leben dreht sich jetzt um meine Familie.

Was liebst Du am meisten?

Victor: Unabhängigkeit. Ich hasse es, wenn ich gezwungen werde, etwas zu machen, was ich nicht möchte. Abhängig von irgendjemandem oder irgendwas zu sein, das hasse ich. Ich habe mein ganzes Leben lang meine Freiheit gesucht, das war immer mein Ziel. Und das habe ich auch erreicht. Das ist das Größte, was ich in meinem Leben erreicht habe. Freiheit. Ich mag nicht, wenn mich einer bremst.

Was verabscheust Du am meisten?

Victor: Ignoranz.

Dein größter Wunsch oder Traum für Dich selbst?

Victor: Gesund zu bleiben. Das ist aber das Einzige. Wenn ich gesund bleibe, dann ist alles gut.

Dein größter Wunsch für die Welt?

Victor: Für die Welt? Ach, im Prinzip auch gesund zu bleiben. Gesund heißt nicht nur keine Grippe zu haben, sondern auch im Kopf gesund zu bleiben. Und ich glaube, jeder normalgesunde Mensch möchte auch keinen Stress erleben und möchte keinen Krieg haben, möchte keinen Blödsinn machen. Ich denke, wenn das Gehirn gesund bleibt, dann ist alles gut. Weil, leider, leider, leider lernt der Mensch aus der Geschichte nichts. Er wiederholt immer die gleichen Fehler. Vielleicht ist es einfach die menschliche Natur, dass sich der Mensch zwischendurch immer wieder selbst vernichten muss, damit die Welt nicht überfüllt wird. Vielleicht ist das so normal. Wer weiß? Ich denke, bei einem normalen, gesunden Menschen tickt auch das Gehirn vernünftig und dann macht er keinen Scheiß.

Was würdest Du gerne Deinen Fans mitteilen?

Victor: Danke, Danke, Danke. Diese Dankbarkeit kann nie genug sein. Für das, was wir als Musiker erleben, muss man sich bei den Fans bedanken, denn ohne die Fans könnten wir das alles nicht machen. Für diese Unterstützung seit so vielen Jahren, danke. Mittlerweile bin ich über 30 Jahre unterwegs, 35 oder 36 Jahre jetzt schon auf Tour. Das ist schon verdammt lang. Und das kann ich nur machen, solange Fans da sind. Das ist ein schönes Gefühl, wenn man etwas macht, das man wirklich machen möchte und es Leute gibt, denen das gefällt.

Es gibt Musiker, die versuchen nur ihre Fans glücklich zu machen. Die arbeiten so ein bisschen auf Bestellung wie im Restaurant. Bitte einmal Suppe und dann geht einer und kocht. Wir sind aber keine Köche. Wir liefern nicht. Manche schon. Die komponieren, was sich besser verkauft. Malen sich die Gesichter an wie Pandabären, nur weil sich das besser verkauft. Manche versuchen schon, wie eine Bedienung im Restaurant zu sein. Ich denke, das tut sehr weh auf Dauer. Es liegt nicht in der Natur eines Musikers, etwas zu covern und nur ans Abliefern zu denken. Man möchte künstlerische Freiheit haben und komponieren worauf man Bock hat, um ehrlich zu sein. Und wenn man das macht und findet jemanden, der das auch gut findet, dann ist das das Beste, das es gibt.

Was würdest Du gerne der Welt sagen?

Victor: Muss ich da irgendwas sagen? Ich glaube, die Welt kommt ganz gut ohne mich klar. (Lacht) Ich denke, jeder müsste ein bisschen weniger egoistisch sein, sein Leben genießen und den anderen Platz geben.

Vielen Dank Victor, dass du dir so lange Zeit für uns genommen hast. Danke für das tolle Interview.

Victor: Euch vielen Dank!

Die anderen Teile der 4-teiligen Interviewserie mit Victor Smolski könnt ihr hier lesen.

Interview mit Victor Smolski Teil 1
https://metalogy.de/interview-mit-victor-smolski-teil-1/

Interview mit Victor Smolski – Teil 2
https://metalogy.de/interview-mit-victor-smolski-teil-2/

Interview mit Victor Smolski – Teil 3
https://metalogy.de/interview-mit-victor-smolski-teil-3/

Lest dazu auch unseren Review zum neuen Album

Review: ALMANAC – KINGSLAYER

Und seht euch die Fotostrecke zum Gig im Colos-Saal an

FOTOSTRECKE: Almanac, Enemy Inside und New Level im Colos-Saal

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Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de