Interview mit Victor Smolski – Teil 2 Interview mit Victor Smolski – Teil 2
Zum Abschluss ihrer „Kingslayer“-Tour spielten ALMANAC im Colos-Saal in Aschaffenburg. Als Besonderheit gab Mastermind VICTOR SMOLSKI auf diesem Teil der Tour ein Best-of-Programm aus... Interview mit Victor Smolski – Teil 2

Zum Abschluss ihrer „Kingslayer“-Tour spielten ALMANAC im Colos-Saal in Aschaffenburg. Als Besonderheit gab Mastermind VICTOR SMOLSKI auf diesem Teil der Tour ein Best-of-Programm aus verschiedensten Abschnitten seiner Schaffenskunst zum Besten. Vor dem Gig unterhielt sich der Saitenwizard mit Lydia und Michael von Metalogy.de und erzählte von Neuigkeiten bei ALMANAC, der Bedeutung der Message in den Texten, seinem Steckenpferd, dem Rennfahren und zukünftigen Plänen. Lest hier den zweiten Teil der 4-teiligen Interview-Serie mit Victor Smolski.

Wie wichtig ist Dir die Message in den Texten?

Victor: Ich möchte keine blöden Texte haben. Die finde ich einfach platt. Ich will, dass meine Texte Leute inspirieren von irgendeiner Thematik her. Gleichzeitig mag ich aber auch keine Klugscheißer-Texte. Irgendwelche Philosophen, die versuchen einen zu belehren, mag ich auch nicht. Ich mag einfach interessante Themen und die Leute auf diese Themen aufmerksam machen. Das ist uns auch schon gut gelungen mit „Tsar“ über Ivan den Schrecklichen. Dabei ist „der Schreckliche“ das falsche Wort. Das ist eine falsche Übersetzung. Es bedeutet „der Mächtige“ und nicht „der Schreckliche“. Vieles wurde ins Deutsche falsch übersetzt. Und es heißt nicht schrecklich, sondern mächtig.

Genauso wie das Wort Weißrussland. So ein Land gibt es überhaupt nicht. Es heißt Belarus. Nur in Deutschland wird des Weißrussland genannt. Das Land gibt es nicht, das wird nur falsch übersetzt.

Die Thematik ist historisch superinteressant. Viele wissen über diese historische Persönlichkeit gar nichts. Er war der erste König und gar nicht so schlecht, wie alle denken. Er hat vielmehr Gutes als Schlechtes getan, das hat man aber so hier nicht mitgekriegt. Es ist leider häufig so, dass Historisches politisch so vermarktet wird, wie man es gerade braucht. Man muss politisch korrekt sein. Wenn einer ein Böser ist, dann machen sie ihn nur mehr böse und die guten Sachen werden verheimlicht. Und ich möchte ihn neutral zeigen, ohne zu sagen, der ist gut oder der ist schlecht. Das kann dann jeder selber entscheiden. Ich möchte einfach Fakten zeigen, aufzeigen was da war.

Almanac Colos-Saal © Lydia Polwin-Plass

Das ist sowas, was mich immer fasziniert: Themen zu finden, die vielleicht Leute dazu bringen, darüber nachzulesen und zu recherchieren. Ich habe schon ein Thema für das nächste Album und jetzt muss ich meine Sänger damit quälen, darüber zu recherchieren. Das geht dann wieder in eine ganz andere Richtung, aber ich darf darüber noch nichts erzählen. (Lacht)

Wann ist es soweit?

Victor: Wir sind schon im Prozess. Ich fange schon an Ideen zu sammeln. Wir gehen nach dieser Tour schon mehr oder weniger direkt ins Studio zum Testen, weil ich bin nicht der Typ, der zuhause Demos macht. Midi-Produktionen mache ich gar nicht. Ich hasse diesen digitalen Quatsch. Für mich muss Musik live sein. Also, ich sammle Ideen und nehme das irgendwie auf. Teilweise echt lustig so wie vor 30 Jahren mit irgendwelchen Kassettenrecordern. (Lacht) Für mich ist es wichtig, neue Ideen nicht zu vergessen. Ich brauche da keine Qualität, weil die Demo-Qualität sowieso immer schrecklich ist. Ich nehme teilweise zuhause mit dem Telefon auf. Denn bevor ich das Programm hochgefahren habe, habe ich die Hälfte schon wieder vergessen. Deswegen steht bei mir zuhause immer etwas, wo ich einfach drücken muss und es nimmt auf. Und wenn die Idee ungefähr fertig ist, dann gehe ich einfach und probe mit der Band. Wir üben solange bis es gut klingt, dann ist es fertig für das Studio.

Und im Studio mache ich dann das weitere Arrangement. Vielleicht ein Orchester-Arrangement oder vielleicht mit den Keyboards irgendwas. Ich experimentiere dann noch im Studio weiter. Aber wichtig ist für mich wirklich das Live-Gefühl, dann ist die Live-Umsetzung einfach. Bei manchen Produktionen machen die Leute Musik im Computer und merken dann später: Scheiße, wie können wir das denn live umsetzen?

Und dann kommt diese ganze Playback-Geschichte mehr und mehr und mehr ins Gespräch. Nichts gegen Zuspieler. Ich schleppe auch nicht immer ein ganzes Orchester mit. Klar, dass das Orchester, wie ich es zum Beispiel bei Rage oder LMO gemacht habe, wenn es nicht auf der der Bühne ist, muss es von der Festplatte oder vom Laptop kommen. Das ist auch kein Problem. Aber eine Neuentwicklung, die fast schon eine Studioproduktion ist, wenn sie von der Bühne abgespielt wird, mit Studiotricks, das finde ich schon leicht übertrieben. Das hat nichts mit Live-Musik zu tun. Rock und Metal war eigentlich immer mit Live-Musik verbunden, aber das wird leider auch weniger. Wenn ich mir das letzte Wacken angucke, da gibt es nur wenige Bands, die wirklich puren Rock`n`Roll auf der Bühne machen.

Macht es Dir Spaß in Wacken zu spielen?

Victor: Ja, ich meine, das ist eine ganz andere Art von Spaß. Der Sound auf der Bühne ist nicht einfach. Man hört nicht viel und kriegt vom Publikum auch teilweise nicht viel mit. Aber auf so einer riesigen Bühne zu spielen vor 100.000 Leuten, das ist schon ein Erlebnis. Definitiv. Aber man bekommt mehr Energie in solchen kleinen Clubs, wo man die Fans auch direkt vor der Bühne sieht und auch mit  ihnen kommuniziert. Wo man die Fans nicht nur sieht, sondern auch direkt Feedback bekommt und den Fans in die Augen schauen kann. Das bringt mir persönlich mehr. Ab und zu ein Festival zu spielen, finde ich gut. Man erreicht viele Leute und es ist alles cool. Aber oft ist der Sound nicht so gut. Und die Distanz ist schon komisch. Man liefert einfach, aber man kommuniziert nicht während des Spielens. Für beides gibt es Plus und Minus.

Wenn Du mal durch Deine Karriere gehst mit Mind Odyssey, Rage, LMO und jetzt Almanac: Was war für Dich das Besondere an den einzelnen Zeiten und gibt es eine, die Du bevorzugst oder war das immer jeweils ein Entwicklungsschritt?  

Almanac Colos-Saal © Lydia Polwin-Plass

Victor: Mind Odyssey war ein wahnsinniges Erlebnis, weil wir da die ersten richtigen Tourneen gemacht haben. Und speziell war das die Tour, die wir mit Savatage gemacht haben. Die war wirklich ein Erlebnis, weil ich da so einen guten Draht zu den Savatage-Jungs gefunden habe. Zum Jon Oliva, wir haben jeden Abend gejammt bis zum Geht-nicht-mehr. Das war eine sehr musikalische Tournee. Sowas habe ich nie mehr erlebt. Normalerweise macht jeder seinen Soundcheck und dann kriecht jeder in sein Loch und fertig. Bei dieser Tour haben wir aber jeden Abend gejammt. Wir haben keinen Soundcheck gemacht, wir haben gejammt. Wie im Club da. Da war so eine tolle Stimmung. Ok, vielleicht haben wir da auch ein bisschen zu viel gefeiert. Wir waren ja noch jung. Aber das war definitiv schon ein Erlebnis. Diese Stimmung vermisse ich. Das habe ich nie mehr erlebt. Eine so entspannte und coole Stimmung – das war einmalig. Mit Rage haben wir auch unglaublich viele gute Erinnerungen gehabt.

Das war wirklich toll. Gerade in der Anfangsphase, wo wir da mit Mike, Unity und Soundchaser Vollgas gegeben haben. Wir haben jeden Tag geprobt wie bekloppt. Wir haben richtig Gas gegeben und das war eine Monster-Live-Band. Und klar war es ein Erlebnis in Wacken mit meinem Minsk-Orchester. Das war schon Monster. Leider hat es sich danach geändert. Da gab es Qualitätsverluste und es hat sich eine Routine entwickelt, wodurch ich unglaublich viel an Spaß verloren habe. Ich möchte mich halt immer weiter entwickeln und weiter probieren. Qualität war für mich immer wichtig. Ich möchte halt nicht in der Routine landen, wo es nur noch ein Job ist und dann wird die nächste Tour gemacht, um Kohle zu verdienen. Teilweise haben wir viel getourt und gesprochen und dann wird man einfach müde.

Gott sei Dank habe ich da immer schon viel Sport gemacht und mein Hobby zu einem Profisport entwickelt, wodurch ich mich über Wasser gehalten habe. Da haben viele meiner Kollegen zu tief in die Flasche geschaut und so. Da möchte ich nicht hin. Allgemein möchte ich nie auf die Bühne gehen mit dem Gefühl „Ich-muss-aber-ich-habe-keinen-Bock“. Und das hat nicht gepasst,  zum Schluss auch musikalisch nicht. Und dann habe ich gesagt, bevor ich den Spaß am Musik machen verliere, muss ich leider nach 15 Jahren einen Strich ziehen.

Hat sich der Erfolg mit „Straight to hell“ auch finanziell ausgezahlt?

Victor: Über Kohle reden wir nicht, das ist ein ganz anderes Thema. (Lacht) Aber „Straight to hell“ war schon ein Erfolg. Vielleicht lag es auch daran, dass ich so kompromisslos war. Die Plattenfirma und alle anderen – keiner wollte diesen Song haben. Alle haben gesagt: Was ist das denn für ein komischer Shuffle? Genau das war für mich persönlich der Beweis dafür, dass ich das machen soll. Man muss machen was man im Gefühl hat. Diese ehrliche Art zu musizieren findet seine Fans und den Erfolg. Und genau so war’s. Der gleiche Typ, der den Song nicht mochte, meinte nachher: Das ist das geilste Solo, das du je komponiert hast. Er hat damit halt ein paar CDs verkauft. Aber das ist sehr oft so. Viele denken, sie wissen alles besser. Und ich habe schon viele Plattenfirmen erlebt, mit denen ich zusammengearbeitet habe, die alles besser gewusst haben. Ich spiele immer noch, aber diese Plattenfirmen gibt es nicht mehr.

Wenn Du als Gitarrenlehrer oder Dozent unterwegs bist, vermittelst Du dann auch diesen Spirit?

Victor: Das ist für mich das Wichtigste überhaupt. Klar gibt es immer die geschäftliche Seite, damit man überlebt als Musiker und die andere Seite, wofür man das eigentlich wirklich macht. Da frage ich mich immer, warum habe ich damals mit der Musik angefangen. Ich habe nicht angefangen, weil ich reich werden wollte. Da würde ich definitiv was anderes machen, da man mit anderen Dingen viel mehr Kohle machen kann. Das Musikgeschäft ist viel zu hart dafür. Ich habe zum Musizieren angefangen, weil es einfach meine Leidenschaft war. ich hatte dabei einfach unglaublich viel Spaß, auch daran frei zu sein. Ich habe einfach unglaublich viel Erfolg damals in Russland gehabt.

Ich habe mit meiner ersten Band 10 Millionen Platten verkauft, war also richtig erfolgreich. Und von der finanziellen Seite musste ich mir überhaupt keine Sorgen machen damals. Und ich habe trotzdem gestoppt und bin mit Gitarre und Koffer nach Europa gefahren. Und dann nach Amerika und dann um die ganze Welt. Mit großem Risiko. Und teilweise habe ich überhaupt keine Kohle gehabt. Aber ich möchte dennoch nicht tauschen, weil ich wirklich meinen Traum gelebt habe. Ich habe ein absolut traumhaft schönes Leben bis jetzt gehabt. Und ich habe nichts vermisst. Ich möchte mit niemandem tauschen. Ich habe alle meine Träume erreicht und ich habe so viel erlebt, das kann ich mit keinem anderen Job erleben. Und ich habe nie Kompromisse gemacht. Es war immer mein Weg. Ich mache immer was ich möchte. Toll. Auch wenn es als Musiker manchmal nicht lustig ist, weil das ganze Geschäft zusammenbricht. Speziell für Newcomer ist es eine grausame Zeit. Ich möchte jetzt nicht Newcomer sein. Das ist kein guter Zeitpunkt  für Anfänger. Aber trotzdem muss man machen, worauf man Bock hat.

Morgen könnt ihr hier auf Metalogy.de den zweiten Teil der 4-teiligen Interviewserie mit Victor Smolski lesen.

Hier der erste Teil der Interviewserie: 

Interview mit Victor Smolski – Teil 1
https://metalogy.de/interview-mit-victor-smolski-teil-1/

 

Lest dazu auch unseren Review zum neuen Album

Review: ALMANAC – KINGSLAYER

Und seht euch die Fotostrecke zum Gig im Colos-Saal an

FOTOSTRECKE: Almanac, Enemy Inside und New Level im Colos-Saal

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Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de