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Interview mit Susanne Hallerbach und Alexander Fähnrich von Metalheads4pets – TEIL 1 Interview mit Susanne Hallerbach und Alexander Fähnrich von Metalheads4pets – TEIL 1
Wir hatten für unser Buchprojekt zum sozialen Aspekt der Metalszene ein interview mit Susanne Hallerbach und Alexander Fähnrich von Metalheads4pets. Der Verein setzt sich... Interview mit Susanne Hallerbach und Alexander Fähnrich von Metalheads4pets – TEIL 1

Wir hatten für unser Buchprojekt zum sozialen Aspekt der Metalszene ein interview mit Susanne Hallerbach und Alexander Fähnrich von Metalheads4pets. Der Verein setzt sich für den Tierschutz ein und nutzt die große Metal community, um Tieren in Not zu helfen. Lest hier auf Metalogy wie es zur Gründung kam und was genau der Verein macht. Hier der erste von zwei Teilen.

Hallo ihr beiden. Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt. Könntet ihr euch kurz vorstellen und uns etwas über Metalheads4pets erzählen?

Susanne: Also, ich bin die Susanne. Der Alex(ander) und ich sind eigentlich durch Zufall zusammengekommen. Es gibt ja die Facebook-Gruppe „Heavy Metal Fans“ – da sind wir beide Mitglieder. Von dieser Gruppe gab es irgendwann den Ableger „Heavy Metal Fans Reisegruppe“. Letztes Jahr gab es ja durch den Lockdown keine Konzerte und keine Festivals. Als dann in den Sommerferien die ersten Lockerungen waren, durfte man hier in Rheinland-Pfalz private Veranstaltungen bis 75 Personen machen. Ich kam dann auf die Idee, weil wir ein 3000 m2 Grundstück haben, ein privates Treffen der Heavy Metal Fans Reisegruppe zu machen. Wir wollten einfach mal zusammen Bier trinken, geile Musik hören und uns mit netten Leuten unterhalten.

Insgesamt waren wir letztlich 30 Leute, von denen ich vorher genau 2 persönlich kannte. Da haben Alex und ich uns das erste Mal getroffen. Das war letztes Jahr im September. Im Gespräch kamen wir irgendwann auf das Thema Tiere und Tierschutz. Ich bin schon seit 15 Jahren im Tierschutz tätig. Und Alex erzählte, dass er vom Hunsrück aus auch aktiv sei.

Nach dem Treffen gab es dann noch einen Ableger der Heavy Metal Fans, nämlich die “Heavy Metal Pets”. Darin ging es zunächst um unsere eigenen Haustiere. Manche haben wir vom Züchter, manche vom Tierschutz. Und irgendwann schrieb Alex in die Gruppe, dass er eigentlich gerne viel mehr tun würde. Als ich das gelesen hatte, habe ich ihm eine Privatnachricht geschrieben, dass ich da eine Idee hätte. Dann haben wir uns kurzgeschlossen und im Prinzip ist daraus Metalheads4pets entstanden. Metalheads4Pets e.V.  Mit dem Verein können wir besser agieren und uns besser in der Öffentlichkeit präsentieren.

Seid ihr Veganer?

Susanne: Nein.

Alexander: Nein. Meine Frau und ich denken da zwar schon lange drüber nach, weil wir große Tierfreunde sind, aber diesen Schritt haben wir noch nicht gemacht.

Susanne: In unserer Familie essen wir bewusst Fleisch. Nicht jeden Tag. Wir kaufen unser Fleisch jetzt beim Dorfmetzger oder beim Bauern direkt. Ich esse bewusster Fleisch, aber dass ich im Tierschutz bin, heißt nicht, dass ich kein Fleisch mehr essen kann oder sollte.

Ich hatte auch selber längere Zeit einen Tierschutzverein. Da habe ich immer zu hören bekommen, ich müsse mich vegan ernähren. Das finde ich nicht. Ich muss mich bewusst ernähren. Auch beim Fleisch. Das heißt, wir kaufen kein Lidl-Fleisch.

Alexander: Vor Corona haben wir uns immer einmal im Monat mit der Tierhilfe Rhein-Hunsrück getroffen, wo meine Frau und ich Mitglieder sind. Da sind ganz viele Vegetarier und Veganer dabei. Wir machen es auch so, dass wir beim Fleisch mehr auf die Herkunft achten und auch nicht mehr so viel Fleisch essen. Aber ab und zu darf es schon noch ein Schnitzel oder ein Steak sein.

Susanne: Aber dann auch ein qualitativ Hochwertiges.

Alexander: Aus guter Haltung vor allem.

Alexander: Wenn man daran denkt, wie Metalheads drauf sind, ist ja auch Toleranz sehr wichtig. Das bedeutet auch, nicht ganz so dogmatisch zu sein. Ich kenne es von meiner Seite, weil ich keinen Alkohol trinke. Da kommt zunächst immer betroffenes Schweigen, weil alle denken, dass ich ein trockener Alkoholiker wäre. Aber dabei trinke ich einfach nicht gerne Alkohol. Mir schmeckt das Zeug einfach nicht. Ich behalte gerne die Kontrolle. Und deswegen trinke ich ganz einfach nicht.

Metalhead zu sein bedeutet ja auch, anders sein zu dürfen. Der typische Metalhead muss ja nicht der saufende Typ sein. Ich fand das auf Konzerten, auf die ich wegen der Musik gegangen bin, immer komisch, wenn Leute schon nach der ersten Band besoffen in der Ecke gelegen haben so, meiner Meinung nach, das Beste verpassen.

Bei den Metalheads finde ich die Friedfertigkeit und Toleranz sehr wichtig. Warum also auch nicht innerhalb des Metal verschiedene Stilrichtungen tolerieren. Die einen hören halt gerne Glam Metal und die anderen gerne Black Metal. Und alles dazwischen ist ja auch erlaubt. Warum nicht. Ist halt Geschmackssache.

Susanne: Das ist auch das Schöne an unserer Heavy Metal Fan-Gruppe. Wir sind ungefähr 5.500 Mitglieder – da gibt es kein böses Wort. Ich hatte zum Beispiel gepostet, dass das neue Offspring-Album im April rauskommt und es gab keine blöden Kommentare, auch wenn Offspring nicht der typische Metal ist. Da sind Fans von so vielen verschiedenen Stilrichtungen drin und es nie böse Kommentare.

Die einzigen bösen Kommentare kommen, wenn einer etwas über die Onkelz postet. Aber das ist ja so ein Dauerbrenner. Ich finde es aber schön, dass in dieser Gruppe so viele verschiedene Geschmäcker sind und sie einfach total tolerant ist.

Alexander: Daraus ist ja unser Modell auch entstanden. Mein erster Versuch eine eigene Gruppe zu gründen war auch ein Ableger von dieser Heavy Metal Fan-Gruppe. Es gibt ja auch die Metal Health-Gruppe, bei der es um Fitness geht. Oder die From-the-Pit-to-Kitchen-Gruppe, in der Kochrezepte ausgetauscht und Gerichte abfotografiert werden.

Es ist aus der Gruppe auch mal eine ganz tolle Aktion entstanden. Als das Gründungsmitglied der Gruppe Ralf Willuweit, ein ganz feiner Kerl aus Köln, leider viel zu früh verstorben ist, wurde die Idee in der Gruppe geboren, seine Sammlung, die nach seinem Tod von seiner Familie verkauft wurde, wieder anzukaufen und diese Sachen in der Gruppe zu versteigern oder zu verlosen. Das war für Leute gedacht, die so Tribut zollen wollten.

Alles was schließlich über den Kaufpreis hinaus ging, wurde für ein Gruppentreffen und Festival zurückgelegt, das dieses Jahr im Herbst stattfinden soll. Gleichzeitig lief eine Charity-Aktion für ein Kinderheim. Das haben wir uns dann auch als Vorbild für unsere Gruppe genommen. Wir haben uns überlegt, wie wir unsere Tierschutzprojekte möglichst gut unterstützen können.

Das Projekt auf Susi’s Seite ist das Tierheim Vackolo in Ungarn und von meiner Seite ist es ein Tierschützer in Sarajevo namens SOS4Paws. Damir Draskovic rettet dort Hunde von der Straße, füttert die auch teilweise und tut ganz viel Gutes. Meine Frau und ich haben auch schon mal eine Patenschaft für einen Hund übernommen. Immer wenn Not am Mann war, haben wir auch Geld dorthin überwiesen. Aber das reicht ja nicht. Das ist ja nur eine Verwaltung des Notstandes. Der Damir muss sich trotzdem immer jeden Monat bemühen, händeringend das Geld für seine Hunde zusammen zu bekommen, damit sie zumindest was zu fressen haben.

Und dann kamen wir auf das Konzept der Metalheads4pets. Susi hat dann die Gruppe gegründet, eine Homepage und einen Shop eingerichtet und dann haben wir erst einmal das gemacht, was wir konnten. Wir haben alles, was mit Metal zu tun hat, nämlich Schallplatten, CDs oder T-Shirts, erstmal unsere eigenen, in der Gruppe angeboten. Daraus wurde eine Tombola, wo die Leute eine Spende abgeben konnten und dann haben wir die Sachen verlost. Auch ganz besondere Sachen wurden versteigert. Und das lief überraschend gut.

Wir unterstützen auch noch eine Wildtierhilfe. Wir wohnen hier in der Nähe von der Loreley, die ja sehr bekannt ist. Als meine Frau und ich mal diese Wildtierhilfe an der Loreley besucht hatten, sahen wir eine kleine Füchsin, die Unterstützung brauchte. So haben wir eine Patenschaft von der Gruppe in Absprache mit den Mitgliedern übernommen. Wir sammeln jetzt monatlich etwas Geld für den Fuchs ein. Damit ist das Überleben bis zur Auswilderung nach einem Jahr gesichert. Das ist ja eine gewisse Nachhaltigkeit, weil der Bezug nicht nur zu Haustieren oder zu ausländischem Tierschutz vorhanden ist, sondern zu Wildtieren direkt hier in Deutschland. Das Projekt hat uns gut gefallen, da es so gut reinpasst.

Susanne: Es war uns auch wichtig, dass das Geld nicht nur ins Ausland fließt, sondern auch hier nach Deutschland. Hier bekommen deutsche Tierheime ja staatliche Unterstützung. Ein deutsches Tierheim wollen wir daher nicht unterstützen, aber es gibt so viele private Projekte, wie diese Wildtierhilfe, die es einfach auch nötig haben. Generell wollen wir aber global helfen. Sowohl in Deutschland, als auch im Ausland. Wir selber, als Gruppe, sind ja auch multikulturell. Genauso wollen wir auch weltweit helfen.

Und der Zuspruch der Metalheads ist allgemein gut?

Susanne: Ja, total kooperativ. Die haben generell einen Riesenspaß daran zu helfen. Die sehen dann auch Berichte und Fotos von Damir oder aus Ungarn von unserer Zsuzsa (Tierheimleiterin), die uns immer Fotos und Kaufbelege schickt. Meistens lässt das Tierheim in Vackolo die Tiere von unseren Geldern kastrieren, was unheimlich wichtig ist. Sie hat aber auch mal einen Laster mit Kies bestellt, um im Innenhof die Löcher auffüllen zu können, die die Hunde gebuddelt haben. Auch neue Transportboxen und Futter wurden angeschafft. Sowohl Zsuzsa in Ungarn als auch Damir in Sarajevo sind unglaublich glücklich, dass sie unsere Unterstützung haben.

Das Tierheim in Vackolo hatte, weil es außerhalb liegt, noch nicht einmal fließendes Wasser. Wir hatten vor 10 Jahren schon einmal ein Projekt mit einer Spendensammlung, um dort einen Brunnen bohren zu lassen. Mit einer Pumpe – so hatten sie endlich fließendes Wasser im Tierheim. Als vor Weihnachten dieser Brunnen kaputt war, haben wir eine Aktion mit den Metalheads4pets gemacht. So konnte der Brunnen repariert werden. Sonst wäre das bis heute nicht geschehen.

Alexander: Diese Menschen gönnen sich selber gar nichts. Damir, zum Beispiel, kocht für seine Straßenhunde und bringt das Essen dann an die Hotspots, wo die Hunde leben, und er selber ernährt sich von Tütensuppen. Wir selber haben auch einen Hund von ihm. Wir haben vor zwei Jahren einen Hund rübergeholt und wollten den eigentlich vermitteln. Der ist aber letztlich bei uns geblieben, weil wir ihn nicht mehr abgeben konnten. Das war schon nach einer Woche klar.

Damir verabschiedet jeden Hund, den er weggibt mit einem halben Hähnchen, was er sich selber aber nicht gönnt. Die Hunde werden schön sauber und frisch gemacht, bekommen ein neues Halsband und ein Roasted Chicken mit auf den Weg. Es ist ein tolles Gefühl Leute zu unterstützen, die ihr Leben voll und ganz dem Tierschutz und den Tieren gewidmet haben. Unsere Rolle dabei erfüllt uns mit großer Zufriedenheit. Man weiß, dass das Geld da gut ankommt. Wenn ich einer riesigen Organisation mit einem riesigen Verwaltungswasserkopf Geld spende, weiß ich, dass ein großer Teil der Spende nicht da ankommt, wo er ankommen sollte. Wir dagegen bekommen jede Woche Bilder geschickt, was mit dem Geld gemacht wurde. Die Hündin, die wir zuletzt rübergeholt hatten, hatte der Damir damals vor der Tötung gerettet. In Bosnien werden oft Hunde von der Straße eingefangen und in die Tötung gebracht. Unseren Patenhund, die Abby, hatte er gerettet und wir hatten alle Kosten für diesen Hund übernommen, die dadurch anfallen. Die Abby saß dann ein Jahr lang in einer Pension, wo die Tiere gefüttert und auch ganz gut gehalten werden, aber keine Familie haben. Das ist wie ein kleineres Tierheim, wo die Tiere verwahrt werden. Unser Ziel war aber, dass wir eine gute Familie für diesen Hund finden. Susanne sagte dann, dass sie eine zertifizierte Pflegestelle hätte und dass Abby nach Deutschland geholt werden könnte. Sie wollte sie dann zu sich nehmen und dann wollten wir sie vermitteln.

Wir haben dann aber in der Gruppe Meilen für den Transport gesammelt. Das hatten alles die Gruppenmitglieder in einer Aktion bezahlt.

Susanne: Das war wirklich eine komplette Gruppenarbeit.

Ich hatte schon viele Pflegehunde und ich habe auch jede Erlaubnis, die man braucht. Ich darf auch Tiere aus dem Ausland transportieren. Ich habe einen Transportschein nach §11 Tierschutzgesetz. Ich bin vom Veterinäramt als Pflegestelle anerkannt und darf Hunde sogar vermitteln.

Als wir dann die Aktion in der Metalheads4pets Gruppe bekanntgegeben hatten, ging es da richtig ab. Ich habe eine Graphik erstellt und jeder konnte dann Kilometer kaufen oder spenden. In der Graphik konnte dann jeder nachverfolgen, wo sich Abby gemäß der Spenden befand. Die Mitglieder hatten einen riesigen Spaß daran. Als sie dann da war, haben wir natürlich jeden Tag Bilder gepostet.

Alexander: Super war, dass Abby letztlich in der Gruppe geblieben ist. Bei einem unserer engagierten Mitglieder.

Wir sind als Gruppe zuletzt auch nochmal ganz gut gewachsen. Wir sind aktuell 317 Gruppenmitglieder. Davon sind etwa 60 Leute an den Aktionen beteiligt. Einige sind wirklich superengagiert. Ich bin immer ganz gerührt, was die uns alles Gutes tun. Und bei einem Mitglied hat es mit Abby dann letztlich auch gepasst.

Alexander: Ich möchte zu unserem Projekt aber auch noch etwas Wichtiges erzählen: Wir haben ganz tolle Unterstützung von verschiedenen Labels, Bands und Promotion-Agenturen bekommen. Ich bin ja durch meine schreiberische Tätigkeit bei Legacy und für die Webzines sehr gut vernetzt. So habe ich einfach mal ein Schreiben rumgeschickt an 30 ausgewählte Labels und Agenturen. Von 15 Angeschriebenen haben wir tatsächlich Sachspenden in Form von Schallplatten, CDs, T-Shirts oder anderen Merch-Artikeln bekommen. Das hat uns natürlich unheimlich vorangebracht. Mittlerweile haben wir ein Grundsortiment und da kommt immer wieder etwas von Leuten dazu, die mitbekommen haben, was wir machen. Da gibt es immer wieder Gruppenmitglieder oder deren Freunde, die einfach mal ein Päckchen fertig machen. Diese Woche habe ich zum Beispiel ein Paket mit 20 Metal-Live-DVDs und BlueRays bekommen. Dieser Prozess, den wir angestoßen haben, trägt sich mittlerweile in der Gruppe. Wir machen auch verschiedene PR-Maßnahmen. Zuletzt hatten wir ein Interview mit dem Soundmagnet, einem Webzine aus Österreich und jetzt mit euch von Metalogy.

Susanne: Immer, wenn irgendwo über uns ein Artikel erschienen ist, hat man in der Gruppe auch einen Zuwachs gemerkt. Es ist wichtig für uns, immer wieder frisches Blut in die Gruppe zu bekommen. Und neue Ideen.

Lest am 8.5. hier auf Metalogy den zweiten Teil des Interviews.

Vielen Dank für das nette Interview.

Einige Tage nach dem Interview verließ Alex den Verein Metalheads4pets. Seine Aussagen bleiben dennoch relevant und aktuell.

Fotoquelle: Susanne Hallerbach

Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de