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Interview mit Herbie Langhans (Firewind, Avantasia, Radiant, Sonic Haven, Beyond the Bridge, etc) – TEIL 3 Interview mit Herbie Langhans (Firewind, Avantasia, Radiant, Sonic Haven, Beyond the Bridge, etc) – TEIL 3
Wir haben mit Herbie Langhans ein langes und sehr nettes Interview geführt. Aufgrund der Länge von 2 Stunden veröffentlichen wir das Interview als mehrteilige... Interview mit Herbie Langhans (Firewind, Avantasia, Radiant, Sonic Haven, Beyond the Bridge, etc) – TEIL 3

Wir haben mit Herbie Langhans ein langes und sehr nettes Interview geführt. Aufgrund der Länge von 2 Stunden veröffentlichen wir das Interview als mehrteilige Serie. Im nachfolgenden, nunmehr dritten Teil erzählt Herbie über sein Umweltbewusstsein, von den Besonderheiten der Metalszene, von seinen Anfängen als Musiker und Metalfan, von seinen Auftritten in Wacken und Vielem mehr.

Wie engagierst du dich sozial und umwelttechnisch, außer mit Lyrics und bewusst einkaufen?

Wir haben uns grundsätzlich für soziale Projekte immer eingesetzt und haben da auch immer mehrere Sachen parallel laufen. Ob das Patenkinder sind oder caritative Geschichten, Spendenquittungen reichen wir jedes Jahr ein bei der Steuer. Wir versuchen, das was in unserem Rahmen möglich ist zu machen aber ich halte es prinzipiell für wichtiger umzudenken. Ich finde es zum Beispiel völlig unverständlich, dass es Menschen gibt, die kein Problem damit haben, ihren Müll einfach irgendwo hinzuschmeißen. Ich bekomme jedes Mal das Kotzen, wenn ich sehe, wie die Leute bei der Autobahnauffahrt ihren Müll im Wald entsorgen. Da kann man nur bei sich anfangen.

Meine Frau ist da total super, wenn sie etwas rumliegen sieht, hebt sie es auf und wirft es in den Mülleimer. Fremden Müll. Das ist echt vorbildlich. Aber man kann ja wenigstens selber drauf achten. Ich würde nie etwas einfach irgendwo hinschmeißen, auch wenn es nur ein Kaugummipapier ist. Das sind so die kleinen Sachen.

Was ich jetzt auch in der Großstadt genieße – ich war bisher immer ziemlich auf mein Auto angewiesen – ich muss mein Auto kaum mehr bewegen. Hier fährt man viel mehr mit dem Fahrrad und läuft man viel – zu Supermärkten gehe ich immer zu Fuß. Auch da kann man viel machen.

Wenn jeder für sich ein wenig umdenken würde, bessere Lebensmittel einkauft, besser auf seinen Müll achtet, würden wir gemeinsam schon sehr viel erreichen. Da muss man gar nicht in Riesenprojekte investieren.

Denkst du haben die Metalheads da einen besonderen Sinn für ethisches bzw. soziales Verhalten und auf andere und die Umwelt zu achten?

Ich denke schon, die Metalszene an sich, auch wenn Metalfans manchmal als „harte Kerle“ eingeschätzt werden, sind da besonders viele sozial engagierte Menschen dabei. Viel mehr als in anderen Szenen oder Berufsgruppen oder Sonstiges. Wenn ich denke, wie unsozial und rassistisch zum Teil meine Kollegen bei der Lebenshilfe oder anderen Organisationen waren – und das in einer „sozialen“ Einrichtung. Da kenne ich in der Musikszene sehr viel mehr sozial engagierte Menschen, als in diesen Organisationen. Viele sehen das nur als Job ohne überzeugt von der Sache an sich zu sein.

Avantasia_Fulda 2019 © Lydia Polwin-Plass

Hast du das Gefühl, dass sich die Metalszene in den letzten Jahren verändert hat?

Umdenken ist immer gut. Ich denke, dass die Metalheads grundsätzlich sehr empathisch sind. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum da etwas mehr passiert als in anderen Szenen, wo es oft nur um Business geht, und wo nur gewinnorientiert gearbeitet wird. In der Szene weiß man selber, dass die Zahlen nicht mehr das sind, was sie vor 20-30 Jahren waren. Ich finde schon, dass Musiker an sich sehr empathische Menschen sind und eher ein offenes Herz haben und Unterscheidungsvermögen für „was gut ist und was nicht“.

Das betrifft Fans genauso wie Musiker. Denn ob man die Musik macht oder sie leidenschaftlich hört, beides ist mit Herzblut verbunden. Ob du Musiker bist oder Musiker unterstützt, es ist dasselbe Gefühl.

Als Musiker ist man auch nicht entfernt von den Fans, man ist auf der gleichen Ebene. Nicht wie bei Michael Jackson oder so, wo eine Kluft zwischen Fans und Musiker war.

Wir haben ja viel Fankontakt und ich versuche möglichst jede Mail persönlich zu beantworten und auf alle Nachrichten zu reagieren. Ich möchte greifbar bleiben. Manche schütten mir sogar ihr Herz aus und erzählen auch, was bestimmte Songs in ihrem Leben bewirkt haben. Dass der eine oder andere Song vielleicht sogar Leben gerettet hat, wenn jemand zum Beispiel in einer tierischen Depri-Phase war.

Da hat man schon sehr engen Kontakt und merkt auch, wie gut man eigentlich den Fans tut mit dem was man macht.

Meinst du ist die Szene auch besonders tolerant?

Ja, bestimmt nicht alle. Es gibt natürlich auch Vollpfosten – die gab es aber schon immer und wird es auch immer geben – so wie eben in jedem anderen Bereich und in der Welt selbst halt auch. Aber grundsätzlich halte ich die Metalheads für tolerant. Kollegiales Verhalten und Toleranz werden in der Szene schon sehr groß geschrieben. Arschlöcher gibt’s überall.

Wie bist du eigentlich zum Metal gekommen?

Zum Metal gekommen bin ich eigentlich schon vor meiner ersten Band. In den 80ern war die sehr angesagt. Da waren auch im Bravo Poster von Mötley Crue oder ähnlichen Bands. Angefangen Metal zu hören, habe ich ungefähr mit 12 mit Hits wie Fast as a Shark von Accept. Helloween, etc. Die Plattencover mussten möglichst hart und brutal aussehen und die Musik so aggressiv wie möglich sein – wenn ich mir das heute rückwirkend ansehe, denke ich mir nur „ach wie süß“. Wenn du dir King Diamond ansiehst mit seinem wilden Outfit und dann seine piepsige Stimme hörst, dann ist das echt süß. Früher musste halt alles erst mal ein bisschen extrem sein, von den abgefahrenen Covers bis hin zum Outfit.

Und was das Musikmachen betrifft, hat mich eigentlich meine Mutter beeinflusst. Ich hab‘ da mal bei einem Praktikum in der Schule, ungefähr mit 13 mitgemacht, weil ich mich schon damals für’s Musikmachen interessiert habe. Damals habe ich mir zum Geburtstag Beiträge zu einem Commodore 128d gewünscht. Die Dinger waren teuer, fast 2000 Mark. Meine Mutter hat aber gemeint, ich solle mir lieber eine Gitarre mit Verstärker kaufen. Und das hab‘ ich dann echt gemacht. Und hab mir dann autodidaktisch alles ein bisschen beigebracht. Musik hab‘ ich ja schon seit meiner frühen Kindheit immer ein bisschen gemacht. Mit 5 Jahren habe ich Flöte gespielt, später Orgel. Sogar nach Noten, keine Ahnung wie ich das gemacht habe – heute hasse ich Noten und Mandoline, Gitarre, ein bisschen Akkordeon, Geige ausprobiert, also alles ein bisschen. Bei der E-Gitarre bin ich dann hängen geblieben. Bis mich dann, als ich ca. 14 war ein paar ältere Kids im Alter von 18 bis 20, die gehört haben, dass ich Gitarre spiele, gefragt haben, ob ich als Gitarrist in ihrer Band einsteigen will. Das war meine allererste Band. Aus der dann später Seventh Avenue entstanden sind. Seitdem habe ich nie mehr aufgehört Musik zu machen. Also seit über 30 Jahren mache ich Musik. Metal war der Pop von damals. Bravo hat dauernd von Mötley Crue, Alice Cooper, etc. geschrieben. Da kam man nicht dran vorbei.

Warst du privat auch immer in Wacken dabei, bevor du da auftreten durftest?

Als Besucher selten oder nie. Vor 15 Jahren war ich dort, als uns Victor Smolski (Rage, Almanach, etc.)  eingeladen hatte. Er hatte bei unserer ersten Scheibe bereits den Gesang produziert. Ihn kannte ich schon lange. Er hat es uns ermöglicht in Wacken Backstage dabei zu sein und so kam ich irgendwie rein. Allerdings war das nur ein Tag, für den ich mit meinem Kumpel extra hoch gefahren bin. Wir haben dort ein bisschen herumgefeiert. Wir haben dann um 1h nachts mit ein paar Leuten auf der Bühne Luftgitarre gespielt, das war lustig. Sozusagen das erste Mal in Wacken und gleich auf einer großen Bühne (Lacht).

Dann war Jahre lang nix. Dann wurden die Wackenhymnen eingeführt. Bei der ersten wurde ich als Gast eingeladen. Da war ich aber auch nur 2 Tage in Wacken.

Und bei der nächsten Wackenhymne, ungefähr 5 Tage vor „Rock meets Classic“ hab‘ ich ja mit Jennifer Haben den Wackensong gesungen. Sascha hat mich am Dienstag angerufen und gemeint: Die wollen, dass ihr das live performed. Das Orchester probt jetzt schon extra für die Nummer und du sollst am Samstag nach Wacken kommen und das mit der Jennifer live singen. ” Ich hab gesagt: OK (Lacht). Und da habe ich erst so richtig Wacken-Blut geleckt.

Und mit Avantasia durfte ich ja dann schon als Headliner auf der großen Bühne auftreten.

2018 war dann nichts geplant aber ich durfte dann mit einem Kumpel am VIP-Campingplatz 4 Tage Jungswellness machen. Das erste Mal also als Gast gecampt, gegrillt, Bier getrunken und gefeiert. Frank Beck, der Sänger von Gamma Ray war unter anderem dabei und ein paar andere liebe Freunde. 4 Tage entspannt ohne selbst arbeiten zu müssen. Wir haben die meiste Zeit am Zeltplatz verbracht und waren gar nicht so oft im Infield.

Uns ist aufgefallen, dass die Fans viel besser auf die ordnungsgemäße Müllentsorgung achten als früher.

Ja, ich denke, die wollen halt auch nicht, dass wegen ihnen jemand Probleme bekommt, und bemühen sich die tolle Sache so gut wie möglich zu unterstützen.

In einer Kirche würde ja auch keiner eine Bierdose in ein Eck schmeißen und am Holy Ground in Wacken ist das ähnlich. Der ist den meisten Fans schon heilig. Man versucht sich an bestimmte Regeln zu halten und auch die Organisatoren achten da sehr drauf. Ich würde niemals Müll auf einem Campingplatz zurücklassen.

Man sagt ja auch, wenn in Wacken etwas passiert, muss man sich keine Sorgen machen, denn die Hälfte der Leute sind Ärzte und Anwälte. Einfach alles ganz normale Leute, die da rum rennen.

Ich erinnere mich, als ich 2014 da vor der Bühne vor Avantasia stand und mir dachte: Geil! Ich kannte die ja alle schon seit einiger Zeit persönlich. Da sagte meine Frau zu mir: „Nächstes Jahr stehst du auch auf dieser Bühne mit Avantasia“. Und ich sagte: „Blödsinn, wie soll ich denn da reinkommen?“

Und da hatte ich auch ein nettes Erlebnis: Meine Frau ist ein bisschen kleiner und da stand ein großer Typ vor ihr und hat sich umgedreht und gesagt: “Ui, du kannst ja gar nichts sehen, stell dich doch vor mich.“ Das sind halt alles nette Menschen und es gibt nur wenige Idioten unter den Metalheads.

Selbst wenn die etwas wilder aussehen oder die eine oder andere Schlammrutsche mitgenommen haben, sind das Leute, die sich von ihrem Arbeitsalltag ein wenig ablenken und austoben wollen, aber letztendlich sind das alles sehr nette, soziale Menschen. Ich hab‘ eigentlich selten irgendeinen Stunk erlebt.

Persönlich kenne ich echt keinen Idioten in der Szene. Klar gibt es sicher ein paar Nasen, aber alle mit denen ich bisher zu tun hatte, waren alles wahnsinnig nette, lustige und herzliche Menschen. Menschen die einen ernst nehmen und nicht von oben herab behandeln. Auch unter den Musikern. Egal ob du auf einem Festival als Headliner spielst oder nicht, hinter der Bühne sind wie alle gleich.

Schade ist nur, dass im Artist Village in Wacken nicht mehr alle zusammen sind, sondern ein paar Headliner abgeschottet sind. Das ist irgendwie doof. Naja, ein bisschen Kribbeln hat man schon auch noch, wenn so jemand wie Alice Cooper an dir vorbeiläuft. Der hat schon eine eigene Aura. Der ist cool, da darf man ruhig auch noch ein bisschen Ehrfurcht haben. (lacht)

Lest in den nächsten Tagen Teil 4 der 6-teiligen Interviewserie mit Herbie Langhans auf METALOGY.

Hier der bereits veröffentlichte 1. Teil.

und der 2. Teil.

https://metalogy.de/interview-mit-herbie-langhans-firewind-avantasia-radiant-sonic-haven-beyond-the-bridge-etc-teil-1/

Und hier unser Interview aus 2018.

https://metalogy.de/interview-mit-herbie-langhans-saenger-bei-beyond-bridge-sinbreed-und-ryffhuntr/

 

Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de