Interview: METALOGY im Gespräch mit JENS JOHANSSON von STRATOVARIUS, Teil 2 Interview: METALOGY im Gespräch mit JENS JOHANSSON von STRATOVARIUS, Teil 2
Zum Start der „A Nordic Symphony“-Tour stand STRATOVARIUS Keyboard-Legende JENS JOHANSSON Lydia und Michael von METALOGY im Tourbus Rede und Antwort. Dabei sprach er... Interview: METALOGY im Gespräch mit JENS JOHANSSON von STRATOVARIUS, Teil 2

Zum Start der „A Nordic Symphony“-Tour stand STRATOVARIUS Keyboard-Legende JENS JOHANSSON Lydia und Michael von METALOGY im Tourbus Rede und Antwort. Dabei sprach er unter anderem über die neue STRATOVARIUS-Scheibe „Enigma“, die anstehende Tour mit Tarja, seine Zeit mit YNGWIE MALMSTEEN und sein Schlafdefizit zu Tourbeginn. Lest hier den zweiten Teil der dreiteiligen Serie.

Sind Euch die Texte der Songs sehr wichtig, da sie oft einen thematischen Tiefgang haben?

Jens: Ich denke, dass wir nicht diese Klischee Metal-Texte machen, über Satan und über „Mord und Totschlag“. Ich denke, dass unsere Texte im Vergleich sehr viel Tiefgang haben, auch wenn wir die immer als Letztes schreiben: „Oh mein Gott. Ich muss ja noch den Text schreiben.“ Ich denke wir versuchen, die typischen Metal-Klischees zu vermeiden, wie Titten, Satan und Bier. Das ist irgendwann langweilig geworden, weil das so viele machen.

Bist Du in sozialen Projekten engagiert?

Jens: Nicht wirklich. Auch nicht als Band. Der Punkt ist, dass dort, wo wir leben, in Finnland und in Schweden, der Sozialstaat so stark ist, dass wir dort kaum Charity-Organisationen haben. Es gibt natürlich Charity in Richtung Afrika und so, und auch die Regierung ist hier sehr aktiv. Wir wirken da mehr mit den Botschaften in unseren Texten – die nicht Satan, nicht Titten und auch nicht Bier ist. Wenn Du diese Sachen nämlich rausnimmst, gibt es sehr viel Gutes, über das du schreiben kannst.

Wann hast Du angefangen Metal zu spielen?

Jens: In den 80ern. 1983 oder 1984.

Hattest Du anfangs Unterricht oder hast Du dir alles selber beigebracht?

Jens: Ich habe mit Freunden im Keller einfach drauflos gespielt.

Welches war Dein erstes Album, auf dem Du gespielt hast? Eines mit Yngwie Malmsteen?

Jens: Das erste Yngwie Malmsteen-Album war mein zweites professionelles Album. Mein erstes war mit Silver Mountain „Shakin´ Brains“. Danach habe ich Yngwie´s erstes Soloalbum „Rising Force“ gemacht.

Hast Du immer noch Kontakt zu Yngwie?

Jens: Nein. Der Punkt ist, er hat glücklicherweise komplett aufgehört, zu trinken. Das ist sehr gut, da er früher recht viel getrunken hat. Ich glaube, seine Frau – und das ist echt super – hält ihn vom Trinken ab. Und sie hält ihn ein bisschen von seiner alten Umgebung und seinen alten Freunden fern, wo halt früher gerne mal getrunken wurde. Ich denke, dass es sehr gut für ihn ist, nichts mehr zu trinken. Früher hat er halt schon wirklich viel getrunken. Und seine Frau zieht ihm jetzt die Ohren lang, wenn er nur daran denkt. Ein paar Leute beschweren sich und sagen: „Ich kann ja gar nicht mehr mit Yngwie reden, weil sie das abblockt.“ Aber er lebt immerhin noch, also ist es das Richtige. Man könnte ja heute auch nicht mehr mit ihm reden, wenn er sich totgesoffen hätte.

Ich denke, besonders die ersten Yngwie Malmsteen-Alben haben auch dich zu einer Legende gemacht. Wie war das damals?

Jens:  Zuerst tendierte er dazu, alles vorzugeben, aber nachher war es eher ein Konsens, auch wenn Yngwie doch viel entschieden hat. Es gab um ihn herum viele Leute, die argumentierten: „Das kannst Du nicht machen. Das ist Wahnsinn. Jetzt spielt er mit Leuten, die nicht so stark sind und die er kontrollieren kann. Die zu ängstlich sind. Die auf der Bühne in der Ecke stehen und er hat den Rest der Bühne und kann sich da austoben.“

Was hat Dich damals dazu gebracht, bei Stratovarius mitzumachen?

Jens: Ich mag die Songs. Ich hatte damals ein Demo-Band der „Episode“-Songs bekommen und fand das richtig gut. Ich hatte eigentlich gedacht, dass aus denen nichts wird, weil es sich um eine finnische Band handelte. Aber die Songs waren gut und ich folgte meinem Herzen.

Stratovarius_Batschkapp @ Lydia Polwin-Plass

Gibt es noch eine Location, wo Du mal gerne spielen würdest und wo Du noch nicht gespielt hast?

 Jens: Nicht wirklich. Es gibt Locations in Asien, wo es sicherlich ganz schön wäre, die mal zu besuchen. Ich war auch noch nie in Afrika. Ich weiß auch gar nicht, ob es da die Möglichkeit gibt irgendwo zu spielen. Ansonsten weiß ich nicht – Antarktis, im Weltraum, unter Wasser? (Lacht)

Glaubst Du, dass es bald ein neues Stratovarius-Album geben wird?

Jens: Das hoffe ich. Es hängt vom Songwriting ab und, ob gutes Material dabei rauskommt. Wir müssen dabei auch alle auf derselben Seite sein bezüglich dessen, was wir machen wollen. Zurzeit ist aber jeder von uns sehr stark mit anderen Dingen beschäftigt.

Ist der Kreativitätslevel immer noch wie früher?

Jens: Das Problem daran, heutzutage eine Platte aufzunehmen ist, dass die Plattenindustrie langsam stirbt. Das ist ein bisschen deprimierend. Die Kreativität an sich ist dieselbe. Aber die Motivation, ein Album zu machen, fehlt ein bisschen, wenn du weißt, dass es keinen großen Einfluss haben wird, weil die Industrie gerade selber keine Ahnung hat, wie’s weiter geht. Wir halten uns da noch sehr gut. Wir sollten uns da auch keine Sorgen machen. Andere machen sich da mehr Sorgen. Und dann sagt jeder, dass unser letztes Album in 2015 war und dass wir dann eine Auszeit genommen hätten, dabei hatte jeder von uns seitdem einen Haufen Arbeit.

Ist Stratovarius ein Vollzeit-Job für Dich?

Jens: Absolut. Es ist ein Vollzeit-Job. Jeder hat natürlich noch seine Nebenprojekte. Ich habe zum Beispiel in zwei Sommern und einem Frühling die Blackmore´s Rainbow-Gigs gemacht. Das war irgendwie die ganze Zeit Essen und Proben, weil Ritchie sehr ausgiebig probt. Wir haben vier Tage geprobt und dann gespielt. Und dazwischen haben wir die ganze Zeit rumgesessen und gequatscht. Und wir haben wirklich die ganze Zeit gegessen. Ritchie ist halt ein exzentrischer Rock´n´Roll-Milliardär, der sagt: „Ich möchte mich nicht unwohl fühlen.“ Wir hatten also 5 Gigs in 25 Tagen. Das ist irgendwie verrückt. Du reist zwischen den Gigs und dann lebst du dich erst einmal ein. Wir könnten uns das niemals leisten. Du musst ja für die fünf Tage die ganze Crew, die Hotelzimmer und so bezahlen.

Gibt es etwas, das Du noch gerne machen würdest?

Jens: Eigentlich nicht. Nach Hause gehen. Wenn die Tour zu Ende ist, aber die fängt ja heute erst an.

Lest morgen auf METALOGY Teil 3 des dreiteiligen Interviews.

Interview: Michael Glaeser und Lydia Polwin-Plass

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Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de