Interview: METALOGY im Gespräch mit JENS JOHANSSON von STRATOVARIUS, Teil 1 Interview: METALOGY im Gespräch mit JENS JOHANSSON von STRATOVARIUS, Teil 1
Zum Start der „A Nordic Symphony“-Tour stand STRATOVARIUS Keyboard-Legende JENS JOHANSSON Lydia und Michael von METALOGY im Tourbus vor dem Gig in der Batschkapp... Interview: METALOGY im Gespräch mit JENS JOHANSSON von STRATOVARIUS, Teil 1

Zum Start der „A Nordic Symphony“-Tour stand STRATOVARIUS Keyboard-Legende JENS JOHANSSON Lydia und Michael von METALOGY im Tourbus vor dem Gig in der Batschkapp Frankfurt Rede und Antwort. Dabei sprach er unter anderem über die neue STRATOVARIUS-Scheibe „Enigma“, die anstehende Tour mit Tarja, den Ideenaustausch via Dropbox quer über den Planeten und sein Schlafdefizit zu Tourbeginn. Lest hier den ersten Teil der dreiteiligen Serie.

Hallo Jens, am letzten Freitag wurde Euer neues Album „Enigma – Intermission II“ veröffentlicht. Erzähle uns doch bitte etwas darüber.

Jens: Ok. Es gibt zwei verschiedene Arten Songs auf „Enigma“. Die eine Art Songs ist ein Experiment mit einem Orchester. Das kam dadurch, dass Lauri Beziehungen zu einem Orchester in Espoo in der Nähe von Helsinki hat. Die anderen Sachen sind Rocksongs, wobei diese aus unterschiedlichen Jahren stammen. Einige sind Bonustracks, die bisher nicht veröffentlicht wurden. Und dann haben wir noch drei neue Songs dieses Jahr aufgenommen. Wir hatten uns extra dazu entschieden, auch neue Songs zu machen.

War es für Dich eine komplett neue Erfahrung, mit einem Orchester zu spielen?

Jens: Wir haben vorher schon mal Rocktracks mit Orchester aufgenommen, aber noch keine reinen, 100%-igen Orchesterstücke. Das war also neu. Wir wissen immer noch nicht, ob die Leute es mögen. Es ist einfach ein Experiment. Im Grunde genommen könnten wir auch Live-Gigs auf diese Art machen. Ich denke, wir werden alle immer älter und älter und viele mögen es vielleicht nicht mehr, Montagabend in einen lauten Club zu gehen. Wenn du dann einen Orchester-Gig spielst, vielleicht ist das dann ja wieder interessant für die Leute. Aber wir werden sehen. Wir haben bisher so eine Gig noch nicht gespielt. Es wäre sicher interessant, das mal auszutesten. Wir haben das aber hauptsächlich gemacht, weil Lauri diese Beziehungen hat. Ich glaube, er ist musikalischer Direktor dieses symphonischen Ensembles. Ich weiß gar nicht, ob es sich um ein volles Orchester handelt, da Lauri zehn Streicher hatte und noch ein paar andere. Er ist Direktor des ganzen Orchesters und wir hatten nur eine kleine Fraktion davon.

JENS JOHANSSON_Stratovarius_Batschkapp @ Lydia Polwin-Plass

Habt Ihr mal mit dem Gedanken gespielt, ein komplettes Orchester-Album aufzunehmen?

Jens: Wir haben noch nicht darüber gesprochen. Das könnte durchaus etwas sein, was den Leuten gefallen könnte. Aber es wäre ja nichts vollkommen Neues.

Wer hat die neuen Songs von „Enigma“ geschrieben?

Jens: Hauptsächlich waren es Timo und Matias, die das neue Material geschrieben haben. Aber das ist eine längere Story. Wir hatten beschlossen, dass wir auch neue Songs aufnehmen wollten. Aber jeder war auf einem anderen Kontinent. Timo war in Südamerika und hat eine Akustik-Tour mit Jani Liimatainen gemacht. Die waren dort etwa einen Monat unterwegs. Matias lebt zur Hälfte in Brasilien. Wir haben also eine Dropbox eingerichtet und darüber Ideen ausgetauscht. Matias hat uns dann geschickt, was immer ihm einfiel. Du selber hast eine Idee, nimmst sie auf und tust sie da rein. Die Dropbox ist also voll mit Demos. Und die anderen schauen dann, ob es ihnen gefällt.

Im letzten Sommer habt ihr ein paar Festivals gespielt und heute ist das erste Konzert Eurer „A Nordic Symphony“-Tour. Habt Ihr schon Tour- oder Festivalpläne für das nächste Jahr?

Jens: Nächstes Jahr, vielleicht Festivals. Das kommt darauf an, ob wir im nächsten Herbst ein neues Studioalbum aufnehmen. Vielleicht machen wir eine längere Europa-Tour, andernfalls machen wir Festivals. Eine Tour im Bus passt nicht so gut zum Aufnehmen eines neuen Albums. Vielleicht nehmen wir ein Album auf, ohne eine Bus-Tour zu machen, weil einfach unglaublich viele andere Bands unterwegs sind. Das vermindert deutlich die Einnahmen, wenn die ganze Zeit so viele Bands auf Tour sind. In dieser Region zum Beispiel, das sieht man auf Facebook, dass Kamelot gerade auf Tour waren. Es gibt eine große Konkurrenz um die Fans.

Wie sieht es mit Wacken aus?

Jens: Ich weiß es nicht. Hoffentlich spielen wir da. Ich glaube, es gab Gespräche für dieses Jahr, aber das hat nicht funktioniert. Wir haben dort auch schon ein paar Mal gespielt. Ich glaube, ich habe da viermal gespielt. Das lohnt sich immer.

Wie sieht es mit einem neuen Studioalbum aus?

Jens: Danach werden wir immer gefragt. Wir reden bereits seit Monaten darüber, aber wir leben alle auf verschiedenen Kontinenten und jeder ist mit seinen eigenen Sachen beschäftigt. Ich auch. Vielleicht haben wir ja jetzt endlich die Zeit und die Gelegenheit etwas Neues zu planen. Ab heute Abend kann das losgehen.

Seid Ihr zum Tourbeginn etwas nervös?

Jens: Nein. Uns geht es gut. Von uns wird glücklicherweise niemand mehr nervös.

Was ist für Dich der größte Unterschied für Live-Auftritte am Anfang Deiner Karriere und heutzutage?

Jens: Genau das. Am Anfang bist Du viel nervöser. Du denkst, dass es etwas ausmacht, wenn Du dich mal verspielst. Heutzutage hast du soviel erlebt, dass du weißt, dass es die Leute entweder nicht interessiert oder dass es ihnen viel mehr auf die Energie und auf die Songs ankommt. Wenn du in den letzten Jahren gute Songs geschrieben hast und du spielst die Songs, dann macht es den Leuten nicht viel aus, wenn du eine falsche Note spielst. Du hast später auch nicht mehr das Gefühl dich entschuldigen zu müssen, wenn du einmal eine falsche Note spielst.

Ist Musik für Dich ein Job oder ein Hobby?

Jens: Es ist ein Hobby. Oder mehr ein Jobby. Es ist irgendwo dazwischen. Natürlich ist es eine Art Job, aber es macht immer noch richtig Spaß. Das Geld reicht auch. Dieses Jahr. Aber wer weiß, wie es nächstes Jahr aussieht.

STRATOVARIUS ist für viele Bands eine Inspiration gewesen. Was waren Deine Inspirationen?

Jens: Sachen, die ich höre. Für mich waren das DEEP PURPLE und RAINBOW. Sachen aus den 70ern und 80ern.

Welches war Dein erfolgreichstes Album und welches ist Dein eigenes Lieblingsalbum?

Jens: Von den Verkaufszahlen her ist es sicherlich eine der Yngwie Malmsteen-Scheiben, die ich mit ihm und der Band in den 80ern aufgenommen habe. Wir haben zwar nie eine Goldene dafür bekommen, aber es war knapp dran und wir hatten nach einigen Monaten schon 480.000 Platten verkauft. Das ist ein Haufen Platten. Zwischendurch wurden die Quoten ja angepasst. Heute wäre das also Triple-Platin. Früher war Platin 1 Million und heute sind es 100.000 Kopien. Heute sind die Zahlen, die erreicht werden müssen, viel niedriger, weil die Verkäufe durch das Internet deutlich zurückgegangen sind. ITunes, Spotify und so – erst waren es die  Downloads, heute ist es das Streaming.

Metal Fans sind zum Glück sehr ehrlich und mögen es das physische Produkt zu kaufen. Und das ist ja das, was für eine Goldene Platte zählt. Aber mehr und mehr Leute nutzen das Streaming. Das ist die Zukunft und wir werden sehen, was passiert. Ich weiß nicht, wie viele Metalfans streamen. Für uns ist Streaming in Ordnung. Unser Label erzählt uns immer wieder, dass man auch für das Streaming bezahlt wird. Also ist es für uns in Ordnung.

Welches STRATOVARIUS-Album ist Dein Favorit?

Jens: Wenn ich eines auswählen muss, ist es das „Visions“-Album. Aus einem ungewöhnlichen Grund: Mit der Metalszene ging es in den 90ern bergab. Das war zu der Zeit von “Episode“, das das erste Album war, auf dem ich bei Stratovarius mitgespielt habe. Mit dem „Visions“-Album wachte die Metalszene wieder auf und das war ein tolles Gefühl. Wenn du dir fünf Jahre vorher die Szene angesehen hast, hättest du das niemals gedacht. 1993 gab es nur Hip Hop und solche Sachen. Das war ziemlich kompliziert. Da hättest Du niemals gedacht, dass es all diese Bands wie uns oder Hammerfall oder Nightwish oder Children of Bodom geben würde, die neu aus dem Boden aufgestiegen sind. In ´93/´94 hatte man das Gefühl, dass es komplett vorbei sei. Daher war das ein besonderes Album. Auch die Tour zu dem Album. Du denkst, dass niemand kommen wird und plötzlich kommen tausende Fans.

Lest morgen auf METALOGY Teil 2 des dreiteiligen Interviews.

Interview: Michael Glaeser und Lydia Polwin-Plass

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