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Heavy Metal im Kampf gegen Depressionen Heavy Metal im Kampf gegen Depressionen
Wenn das regelmäßige Hören von Heavy Metal verstörendes Verhalten provozieren könnte, wären viele Menschen wohl schon längst als Wahnsinnige eingestuft worden. Doch bei dieser... Heavy Metal im Kampf gegen Depressionen

Wenn das regelmäßige Hören von Heavy Metal verstörendes Verhalten provozieren könnte, wären viele Menschen wohl schon längst als Wahnsinnige eingestuft worden. Doch bei dieser Annahme handelt es sich ganz klar um einen Unkenruf, der von scharfen Kritikern des oft kontrovers eingestuften Musikgenres ins Leben gerufen wurde. Denn die Wissenschaft kann diese Thesen widerlegen – und sogar einen Vorteil für die mentale Gesundheit der Hörer daraus ziehen.

 Heavy Metal war im Laufe der Zeit bereits Gegenstand mehrerer Studien im Rahmen der Forschung weltweit angesehener Universitäten. So kann auch Psychiaterin Galina Mindlin bestätigen, dass die Musik von Künstlern wie Black Sabbath, Metallica, Slipknot & Co ein gutes Mittel gegen Depressionen sein kann. „Musik kann das Verhalten und die Stimmung beeinflussen, wir können uns mit unserer Playlist auf bestimmte Anforderungen vorbereiten. Mit Musik in einer bestimmten Geschwindigkeit und bestimmten Frequenzen wird der gewünschte Geisteszustand herbeigerufen”, bestätigt die Buch-Autorin und Professorin der New Yorker Columbia-Universität.

In Australien kam ein Forscherteam im Rahmen einer Studie ebenfalls zu dem Schluss, dass “extreme Musik”, in dem Fall Metal ein gesundes Vorgehen gegen depressive Zustände bzw. die Verarbeitung von aufgestautem Ärger darstellt. “Die Forscher der “University of Queensland’s School of Psychology” versuchten herauszufinden, ob an der These, dass Metal aggressives Verhalten hervorrufe, tatsächlich etwas dran seie. “Diese Hypothese wurde nicht durch die Herzfrequenz der Probanden bestätigt”, wurde Dr. Genaveve Dingle von Forschungsteam zitiert. “Es fand kein Anstieg der Werte statt. Sie haben sich nach der Induktion unserer Ärger-Reize sogar stabilisiert. Die Impulse für Feindseligkeit und unkontrollierte Reizbarkeit waren ebenfalls auf einem sehr niedrigen Niveau angesiedelt”.

Die Wissenschaft konnte auch feststellen, dass Menschen mit Depressionen wohl auch das diesbezügliche Potenzial in großen Scharen erkannt haben. Amerikanische Forscher der Columbia University und der University Of California-Los Angeles fanden in einer Studie von über 500 College-Studenten heraus, dass 57 % regelmäßig Metal-Songs auf ihren Playlists platzierten.  “Musik kann helfen sich positiv abzugrenzen und neue Energie zu schaffen,” zieht das Gesundheitsmagazin “MEDMEISTER”, das sich mit dem Thema Psyche schon seit längerer Zeit ausgiebig beschäftigt, Bilanz.

Dass sich depressive Menschen Heavy Metal als Zuflucht suchen, hängt wohl auch damit zusammen, dass dieses Thema auch in vielen Songs aufgegriffen wird und damit Betroffenen eine Stimme gibt – ein Kontrast zur größtenteils eher fröhlichen Popmusik. Zu den größeren Vertretern gehört beispielsweise die Band “KoRn”, deren Frontmann Jonathan Davis erfahrene sexuelle Misshandlung und die daraus resultierende Drogensucht und Depressionen in Songs wie “Alone I Break” verarbeitet – auch Machine Head mit Tracks wie “Damage Inside” oder Slipknot mit “Snuff” machen die Identifikation für viele Erkrankte deutlich einfacher. Dies stellt ebenfalls einen starken Kontrast zu den 1980er Jahren dar, in denen das Genre hauptsächlich vom harten Party- und Frauenhelden-Image geprägt war.

Headerbild: Photo by frankie cordoba on Unsplash

Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de