Festivalvergleich: WACKEN OPEN AIR, SUMMER BREEZE, ROCKHARZ und FREAK VALLEY Teil 2 Festivalvergleich: WACKEN OPEN AIR, SUMMER BREEZE, ROCKHARZ und FREAK VALLEY Teil 2
Festivals gibt’s ja jede Menge – auch für Metalheads. Deutschland ist reich an Metalfestivals und da ist oft die Entscheidung schwer welche man besuchen... Festivalvergleich: WACKEN OPEN AIR, SUMMER BREEZE, ROCKHARZ und FREAK VALLEY Teil 2

Festivals gibt’s ja jede Menge – auch für Metalheads. Deutschland ist reich an Metalfestivals und da ist oft die Entscheidung schwer welche man besuchen soll, nicht leicht. Clara hat daher für euch hier einen Vergleich zwischen vier der Festivals zusammengestellt. WACKEN, SUMMER BREEZE, ROCKHARZ und FREAK VALLEY. Lest hier auf Metalogy Teil 2 des Festivalvergleichs.

DAS INFIELD

W:O:A_Wacken 2018_ Foto_Lydia Polwin-Plass

Auf einem Festival gilt: hier spielt die Musik! Und beim diesmaligen Vergleich gibt es da so einige Unterschiede – klar, das ganze Freak Valley würde vermutlich auf das Hauptbühnen-Infield von Wacken passen. Aber was kann man über die einzelnen Festivals sagen?

Fangen wir diesmal mit dem Summer Breeze an. Das Summer Breeze-Infield erstreckt sich über zwei Hügel und die Senke dazwischen; auf dem ersten Hügel findet ihr die T-Stage und die Camel-Stage, einige Imbissstände, Bierrondelle und den Merch-Stand. Drei parallele Straßen an Patch-, Kleidungs- und Merchständen führen zum Infield mit der Hauptbühne. Verlaufen kann man sich auf diesem Infield eigentlich nicht. Es scheint aber nur einen Einlass zu geben; das heißt, je nach Andrang könnte es kritisch werden.

Auch dieses Jahr machte sich das Summer Breeze keine Mühe, den Andrang auf die Festivalshirts irgendwie etwas zu entschlacken; die Schlange führte quer über das ganze vordere Infield (der hintere Teil mit der Hauptbühne wird erst am Donnerstag eröffnet, der vordere schon Mittwoch). Die Shirts haben eine relativ breite Auswahl an Motiven, die aber einzeln dann doch teilweise auf einige hundert Stück limitiert sind. Die Schlange ist übrigens wirklich sehr lang; zwei Stunden mindestens, einige berichten, sie ständen hier noch länger. Über die Schlange wird sich jedes Mal beschwert, trotzdem wird jedes Jahr auch wieder fleißig angestanden und gekauft, vermutlich ändert sich deshalb nichts. Ich habe übrigens kein Shirt erworben.

Eine Neuerung gibt es bei der Bühnensituation: die Camel-Stage hat ein ordentliches Level-up erfahren und verfügt nun über eine signifikant größere Bühne und auch eine große überdachte Fläche für das Publikum. Die T-Stage, die seit Kurzem eine normale Open-Air-Bühne ist, und die Camel Stage werden annähernd abwechselnd bespielt. Besonders bei der T-Stage fällt auf, dass sie manchmal schon extrem starke Bässe eingestellt hat, die jegliche andere Instrumente übertönen; schade um die Bands, die Wert auf Melodien legen. Ebenfalls wohl neu: es gibt nun auch ein Summer Breeze-Trinkhorn, was exklusiv auf dem Infield verkauft wird (gefüllt natürlich). Das Essen auf dem Summer Breeze ist vollkommen in Ordnung und es gruselt einen nicht, wenn man daran denkt, eine der Imbissbuden besuchen zu müssen, die Preise sind allerdings, wie für Veranstaltungen üblich, etwas teurer.

Arch Enemy_Summer Breeze_Foto_Daniel Oestreich

Letztes Jahr sorgte die Main Stage für Unmut; hier hatten die Veranstalter beschlossen, die Wellenbrecher ganz zu schließen, abgesehen von zwei Ein-Mann-Schleusen zum Betreten des Bereichs unmittelbar vor der Bühne. Da gab es dementsprechend bei einigen Bands Stau und starkes Gedränge; dieses Jahr wurde die Idee wieder verworfen und die Wellenbrecher sind von der ganzen Vertikalseite her zu betreten. Auch hier an der Main Stage ist der Bass zuweilen etwas zu laut. Alles in Allem ist das Summer Breeze-Infield gut zu navigieren und die Vergrößerung der Camel Stage war eine prima Idee; so wird sowohl kleineren Bands als auch bekannteren Bands mit unglücklichem Slot ein gewisser Respekt bezüglich der Bühnengröße zuteil, außerdem kann man sie nun schwerer übersehen und sie bietet mehr Platz für direktes Publikum.

Nun das Rockharz: sein Infield ist bedeutend kleiner als das des Summer Breeze, und es gibt nur zwei Bühnen. Diese Bühnen sind dann aber auch zwei Schwesternbühnen, ziemlich groß und thronen über dem gesamten Infield. Richtige, riesige Festivalbühnen. Das Gute daran ist: es ist unmöglich, dass zwei Bands kollidieren, denn es spielt immer nur eine Band. Das Infield ist insgesamt rechteckig oder oval und eine lange Reihe an Merch, Patches und Imbissbuden säumt den Infieldrand gegenüber den Bühnen, was heißt, dass ihr praktisch immer die Bühne im Blick haben könnt, wenn ihr wollt. Dazwischen ist genug Platz für eine große Crowd und Extraplatz zum herumlaufen.

Die Technik klappt sehr gut. Es gibt zahlreiche Shirtmotive, liebevoll designt und recht hübsch anzuschauen. Das Infield ist etwas schief und von den Bühnen weg abschüssig. Es gibt selten Klostau auf den Container-Spülklos, die regelmäßig gewartet zu werden scheinen. Die Verpflegung ist die übliche Festivalverpflegung, allerdings zu für Veranstaltungen machbaren Preisen und auch einigen Sonderbüdchen, etwa einer für Fudge und kleine Süßknabbereien.

Das Wacken-Infield dürfte den meisten bekannt sein: riesig, und „Infield“ heißt eigentlich nur der Bereich vor den Hauptbühnen. Der Einfachheit halber soll nun aber alles, wo das Bändchen kontrolliert wird, Infield genannt werden. Was gibt es da Neues? Zum einen sahen wir endlich wieder grüne Wiese, die sich aber nach kurzer Zeit in eine braune Staubebene verwandelt hat. Zum anderen die ESL-Arena – ein Projekt, mit dem sich Wacken einige Kritik eingehandet zu haben scheint. In der ESL-Arena können Leute z.B. League of Legends und einige weitere, momentan beliebte Multiplayer-Spiele spielen, es gibt sowohl freies Spielen als auch Wettbewerbe. Ich war allerdings nie drin und habe auch selten Massen dort reinlaufen sehen. Das ESL-Zelt ist ein großes weißes Zelt, was direkt links vom Einlass steht, neben dem Zelt, wo die W:E:T Stage und die Headbangers Stage drin sind. Es steht also weder im Weg, noch stört es optisch. Vor dem Bühnenzelt wurde eine zusätzliche Reihe Gitter aufgestellt, man kann nun nur noch an bestimmten Stellen aus dem Zelt raus. Ich kann mich irren, aber ich meine, das sei neu.
Außerdem gibt es nun ein weiteres kleines Zelt, das eher nur ein Zeltdach ohne Wände ist. Es steht einige Meter entfernt geradeaus vom Einlass, und dort gibt es so etwas wie Poetry Slam oder Metal-Yoga. Nun gut. Das scheint zu einigen Zeiten aber doch besucht, es reizt zumindest seinen Platz aus. Alles weitere ist einigermaßen wie gehabt; die Stände und Bierrondelle und die langen Reihen noch mehr Stände, die den Weg zum „richtigen“ Infield säumen.

Die Preise für das Essen sind nach wie vor okay – teuer, aber wirklich billiger kriegt man es auf Festivals einfach nicht. Jetzt, wo der Boden trockener ist als jeder Autofahrer es sein müsste, kann man sich auch überall hinsetzen. An einigen Stellen wird sogar extra Wasser ausgeschüttet, um für die Schlammverehrer, die es ganz ernst meinen, noch wenigstens einen kleinen Trost zu bieten. Das Wacken-Gelände ist riesig und wer sich dort – vor allem im Dunkeln – verliert, soll sich nicht allzu sehr schämen. Wacken-Wege muss man erstmal im Kopf behalten.

Das Beste kommt zum Schluss: In Punkto Infield hat das Freak Valley ganz klar für mich gewonnen. Nur: es ist etwas schwer zu erreichen, denn vom Campingground aus läuft man 15 – 30 Minuten bergab hin, dafür ist der Weg aber auch sehr schön – an Feldern vorbei und durch den Wald. An den Tagen des Freak Valley ist es teilweise schon recht schwül und man kann den Wald praktisch in sich selber riechen. Die Zeitangabe ist deswegen so unsicher, da es ganz auf das eigene Tempo ankommt und auf den Weg, den man wählt.

Am ersten Tag muss ausnahmsweise ein anderer Weg eingeschlagen werden. Beide sind aber schön. Zum Glück fährt auch ein Infield-Shuttlebus, der einen vom Infield in wenigen Minuten zurück zum Campground bringt. Dieser Bus kostet auch nichts extra.

Nun zum Infield: abgesehen von einer vormittags gelegentlich bespielten Bühne am Campground ist hier die einzige Bühne des Freak Valleys, auch eine relativ hohe und eckige Großbühne. Das Infieldgelände ist winzig und absolut idiotensicher; hier kannst du dich nicht verlaufen, dazu ist die Fläche zu klein. Die Stände stehen einfach entlang der Infield-Umzäunung.

Das Essen schmeckt gut und scheint preiswerter zu sein als das auf anderen Festivals, zumindest an einigen Ständen. Einiges hier ist auch exklusiv Siegerländer Foodtruck. Das weiß ich, weil es hier wenige gibt, und so sieht man auf Events immer die gleichen.

Das Merch ist vielfältig und liebevoll gestaltet und zu üblichen Shirts, Patches und Fahne gibt es auch Feuerzeuge und Taschen für Rauchequipment. Sticker sind gratis. Dazu kostet alles nicht übermäßig viel. Bezahlen kann man mit einer Art E-Card-Chip, der am Bändchen dran ist und vor Ort mit einem selbstgewählten Guthaben aufgeladen werden kann. Das geht schnell und funktioniert gut.

Das Bändchen ist übrigens dunkelblau mit blumenartigen Mustern und damit sehr hübsch. Was aber das Infield zum Knüller macht: nicht nur sind hier Bänke und Tische, sondern auch Hängematten und Kissen, alles im Schutze von hohen, rauschenden Bäumen, und es wurde sich die Mühe gemacht, sie mit buntem Licht anzuleuchten. Eine Schaukel gibt es auch, umwickelt mit einem Lichtschlauch, und buntes Licht findet sich überall und erschafft im Dunkeln eine ganz besondere Atmosphäre. Das verträumte Ambiente des Freak Valley geht Hand in Hand mit der Musik, denn hier wird vor allem Schwerpunkt auf Stoner Rock und Psychedelic gelegt. Krassen Deathcore oder kitschigen, dahingallopierenden Power Metal werdet ihr hier eher nicht finden. Und hier hat jemand mitgedacht: wegen des langen Weges zum Campground und weil die Musikrichtung sich eher auf ein bestimmtes Genre konzentriert, kann man nicht ständig zurück zum Zelt laufen. Und dafür dann solche gemütlichen Sitzecken anzubieten, finde ich wirklich ganz großartig. Der Ton funktioniert auch, ist allerdings wirklich manchmal etwas sehr laut, je nachdem, wo man steht. Nur eine Bühne heißt natürlich, dass es eben zwingend zu Wartezeiten zwischen den Bands kommt; aber das ist nicht schlimm, denn so ist auch mal für einige Minuten musikalische Stille. Der Musik der Bühne entkommt man nämlich nirgendwo wirklich, dazu ist das Gelände einfach zu klein.

Fazit: Das Infield ist insgesamt bei keinem der Festivals zu beanstanden; doch vor allem das Freak Valley sticht hier durch sein liebevolles und gemütliches Design heraus, welches dem Besucher auch mehr liefert als hier und da eine einfache Bierbank.


FAZIT INSGESAMT

Zunächst einmal möchte ich eine Lanze für Wacken brechen; so furchtbar teuer, wie es gerade in ist, zu behaupten, ist es nicht. Ich habe auch einmal nachgerechnet: Wacken ist pro Tag gar nicht mal so teuer. Rechnet man seinen Verbleib für 6 Tage, kostet ein Tag 36 €. Rechnet man für 4, kostet er 55 €. Das Summer Breeze kostet mit 5 Verbleibtagen nächstes Jahr etwa 22 – 26 € pro Tag (je nach Ticket), aber ggf. +10 € pP. Frühcamper und eventuell noch 10 €, falls ihr ein Auto habt.

Und Wacken gewinnt gegenüber dem Summer Breeze, was die Organisation seiner Anreise und einiges andere betrifft. Andererseits sehe ich deutlich die Kritikpunkte wie die „Verkirmisierung“ von Wacken und die Tatsache, dass es einfach irrsinnig groß ist. Wer also zum Line-Up sagt „das lohnt sich für mich“, dem würde ich  Wacken empfehlen. Nur eben Tickets blind kaufen nicht unbedingt, und mit der Größe muss man halt leben können.

Das Summer Breeze konzentriert sich zunehmend auf das, was ich als „Emo-Pop-Rock“ bezeichne, also Bands mit in, jugendlichen Augen, halbwegs „schnittigen“ Jungs, Clear Vocals über mehr oder weniger melancholische Texte und ein wenig Growlen in jedem Lied, um den Metal-Stempel abzukriegen. Abgesehen von denen gibt es eben noch viel Core und einige Death Metal-Bands verschiedener Untergenres.

Was ich aber auch glaube: als zweitgrößtes Festival ist es für einige Wacken-Alternative, und da die vertretenen Musikstile zum Teil die sind, die ein pubertäreres Klientel anziehen könnten, scheint es auch hin und wieder Festival der Wahl zu sein für die coolen Kids, die ausschließlich neumodischen, fast radiotauglichen Metal hören. Auf kurz oder lang hätte das Summerbreeze, vorausgesetzt es arbeitet an seiner Organisationdas zweite Go-To-Festival neben Wacken werden, also auch für die Leute, die von einigen bösen Zungen Festivaltouristen genannt werden. Größter Minuspunkt des Breeze ist also die Organisation ist unnötig verworren und langwierig, kurzgesagt: teilweise echt schlecht.

Das Rockharz hingegen scheint ein phänomenales Festival zu sein, auch, wenn ich dieses Jahr erst das erste mal da war. Es ist absolut übersichtlich, selbst weit hinten am Campingplatz lauft ihr, vermute ich, noch zumutbare Zeiten. Die Leute sind freundlich und relaxt, die Musik ist breitgefächert, aber sehr Power Metal-freundlich und durch die zwei großen Bühnen spielen auch eher kleine Bands mal auf einer großen Bühne. Die T-Shirts sind erschwinglich, mit vielen Motiven und die Klos werden gewartet. Das ganze ist groß genug, um ordentlich Festivalstimmung aufkommen zu lassen, aber nicht so groß, dass man sich verloren, überanstrengt oder „kommerzialisiert“ vorkommt. Rockharz ist also eine klare Festivalempfehlung! Fahrt hin!

Nun zum Freak Valley, ein kleiner Star unter den Festivals. Das noch relativ junge Freak Valley hat sich ganz auf Stoner Rock, Psychedelic Rock und ähnliches konzentriert und damit eine bisher unbeachtete Nische für sich reklamiert. Eine super Idee – das Festival ist stets nach extrem kurzer Zeit ausverkauft. Unter der Prämisse, dass man mit der Musik etwas anfangen kann, ist das Freak Valley der Reisetip schlechthin und schon jetzt nicht mehr wirklich ein Geheimtipp – oder schon bald nicht mehr. Die überaus friedliche Atmosphäre und die nur etwa 2500 Besucher machen die drei Tage eigentlich zu einem Familienfest, so intim kann die Stimmung sein. Das Personal, hauptsächlich Freiwillige, ist sehr nett und die Preise fair, für ein Festival schon geradezu entgegenkommend. Die Sitzecken im Infield sind unschlagbar gemütlich, liebevoll und einladend gestaltet und gehen als gutes Beispiel allen anderen Infields voran. Damit sei das Freak Valley jedem empfohlen, der sich auch nur ansatzweise mit Stoner Rock anfangen kann – die Atmosphäre dort ist einfach prima.

Bericht und Fotos: Clara C. Wanning

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