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Exklusiv-Interview mit ZAK von Clawfinger – vierter und letzter Teil Exklusiv-Interview mit ZAK von Clawfinger – vierter und letzter Teil
CLAWFINGER traten am 10. Oktober im Wiesbadener Schlachthof auf und spielten einen sensationellen Gig. Davor plauderten Lydia und Michael von Metalogy.de mit Sänger ZAK... Exklusiv-Interview mit ZAK von Clawfinger – vierter und letzter Teil

CLAWFINGER traten am 10. Oktober im Wiesbadener Schlachthof auf und spielten einen sensationellen Gig. Davor plauderten Lydia und Michael von Metalogy.de mit Sänger ZAK TELL. Zak sprach über seine Inspirationen, Idole, seine Zukunftspläne, sein FRANK ZAPPA-Tattoo, seine Probleme in Nord-Amerika und vieles mehr. Lest hier den vierten und letzten Teil der Interviewserie.

Gibt es nach eurem neuen Song „Tear You Down“ Pläne für mehr? Für ein neues Album zum Beispiel?

Zak: Vielleicht. Ich weiß es nicht. Die Zeiten haben sich verändert im Vergleich zu den 90ern, als du einfach ins Studio gegangen bist und deine Songwriting-Sessions hattest. Du hast dich hingesetzt und dich darauf konzentriert, ein komplettes Album zu schreiben. Damals hatten wir alle aber auch keine Jobs. Alleine aus diesem Grund war es damals einfacher. Mit Ausnahme der Metalheads veröffentlichen Bands ihre Alben auch nicht mehr auf dieselbe Art und Weise wie früher.

Es gibt aber verschiedenste Ideen. Was vielleicht passieren könnte, ist, dass wir ab und zu einen Song veröffentlichen und diese dann irgendwann auf einem Album zusammenpacken, wenn sie aber schon draußen sind. Vielleicht bringen wir aber auch einfach nur so immer mal wieder einen neuen Song raus. Ich weiß es zurzeit nicht. Alles kann passieren. Ich kann diese Idee nicht ausschließen,  aber wir haben derzeit keinen festen Plan ein Album zu veröffentlichen.

Wie läuft das Songwriting bei euch gerade ab? Schreibt ihr während der Tour?

Zak: Wir touren gar nicht richtig. Wir haben drei Gigs letzte Woche gemacht und wir machen drei Gigs diese Woche. Nächste Woche geht es nach Mallorca für einen Gig. Danach haben wir unseren letzten Gig in Deutschland. Und ich glaube, danach haben wir nichts mehr bis nächstes Jahr. Wir machen aber keine vollen Touren mehr. Wir sind nicht mehr für vier Wochen im Bus unterwegs. Und wie ich bereits erwähnt habe, denke ich, dass ich das auch nicht mehr machen will. Ich bin im mittleren Alter. (Lacht) Wir haben aber immer noch richtig Spaß auf der Bühne und es soll jetzt nicht so klingen, als ob es eine Last wäre. Aber es ist definitiv anders, als es vor 25 Jahren war. Ich meine, im ersten Jahr haben wir 170 Shows gespielt. Plus die Reisetage. Dabei verlierst du etwas. Wenn du die ganze Zeit Party machst, verlierst du auch etwas. Jetzt möchte ich das im Gleichgewicht halten. Ich will meine Partnerin behalten. Ich möchte meine Freunde behalten. Und nur dann spielen, wenn es passt, wir Lust darauf haben und wir die Zeit haben.

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Glaubst du, dass dir dein Job dabei mehr Sicherheit gibt?

Zak: Klar, einen Job zu haben gibt dir immer Sicherheit. Es kommt halt regelmäßig Geld rein und du kannst immer deine Rechnungen bezahlen. Das gibt dir definitiv mehr Sicherheit. Aber es begrenzt auch unsere Zeit Musik zu machen. Unser Gitarrist lebt zum Beispiel in Norwegen. Wenn du von 9 bis 17 Uhr arbeitest, dann kommst du nach Hause, isst etwas und gehst unter die Dusche. Dann ist es schon 20:30 oder 21 Uhr und du musst am nächsten Morgen wieder früh raus für die Arbeit. Es ist schön, die Sicherheit zu haben, aber diese Sicherheit killt auch die Spontanität. Und das beantwortet auch eure Frage nach einem neuen Album. Es geht darum, die Zeit dafür zu haben. Wenn es also tatsächlich mal geschehen sollte, würden wir es machen, wie wir es zuletzt auch gemacht haben. Wir schicken uns Dateien hin und her. Und wie gesagt, besuchen meine Frau und ich unseren Gitarristen in Norwegen. Und wenn ich dann geistig so fit bin, habe ich direkt eine Idee, die wir dann vor Ort direkt einspielen können.

Woher bekommst du deine Inspirationen?

Zak: Die grundlegenden Ideen kommen eigentlich spontan. Anders kann eine Idee eigentlich auch gar nicht kommen. Und wie ich vorher schon gesagt habe, die „Deaf Dumb Blind“-Botschaft, die so ziemlich die Blaupause für das ist, was CLAWFINGER darstellt, hat sich über die Jahre eigentlich nicht großartig verändert. Ich werde immer eine Vorliebe haben, über Dinge zu schreiben, von denen ich denke, dass sie falsch sind und, dass sie angesprochen werden müssen. Und es gibt so viele Dinge, die sich in den letzten 26 Jahren nicht verändert haben. Ich glaube, dass das Schwierigste daran ist, auf eine Art und Weise über diese Dinge zu schreiben, die für mich selber interessant ist. Es wäre simpel, einfach nur zu jammern. Aber du musst einen Weg finden, der für dich selbst interessant ist und der auch im Konzept von CLAWFINGER funktioniert. Meine musikalische Inspiration kommt von schlechten Dingen oder traurigen, falschen oder idiotischen Dingen. So etwas war schon immer der Antrieb für CLAWFINGER und der Grund, warum es uns gibt. Und wie gesagt, wir sind selber Idioten auf eine bestimmte Art und Weise. So wie es jeder ist. Aber wir sind keine Faschisten und auch keine Rassisten.

Dann bist du ja doch mutig. Weil du versuchst, etwas zu bewegen.

Zak: Ja, das kann natürlich sein. (Lacht) Vielleicht bin ich dann ja doch mutig. Ja, vielleicht bin ich das ja tatsächlich. Ich merke natürlich schon, dass ich Anerkennung dafür bekomme. Aber das ist natürlich im Rahmen der Band. Das ist wie bei einer Gang, da ist es einfacher. Als ich sagte, dass ich gerne mutiger wäre, meinte ich das für mich selber. Nicht Zak von CLAWFINGER, sondern Zak als Person sollte mutiger sein. Ich weiß natürlich auch, dass die anderen Jungs von der Band hinter mir stehen. Und wir stimmen uns bei CLAWFINGER ab. Ja., wir sind vielleicht etwas mutiger als viele andere Bands, die niemals irgendetwas Sinnvolles ausgesagt haben.

Hast du ein Idol?

Zak: Natürlich, ich habe hier ein Frank Zappa Tattoo. Das ist schon ziemlich alt. Ich habe es stechen lassen als ich erfahren habe, dass es gestorben ist. Wir waren damals auf Tour als Support von Anthrax. 40 Gigs in ganz Europa. Ich habe also während dieser Tour mit Anthrax erfahren, dass er gestorben ist. Er war ja schwer krank und hatte Krebs. Sobald ich wieder zuhause war, ging ich in ein Tätoowierstudio. Mittlerweile sieht es ziemlich scheiße aus. Es ist halt sehr alt.

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Aber ich muss euch eine witzige Geschichte dazu erzählen. Es war 1993. Damals gab es kein Internet. Ich hatte aber ein Frank Zappa T-Shirt mit diesem Bild drauf. Also habe ich ein Foto von diesem T-Shirt gemacht und habe es der Tätowiererin gezeigt. Das witzige daran war aber, dass ich das T-Shirt vorher im Moshpit auf einem Nirwana-Gig anhatte. Ich war ziemlich weit vorne. Das T-Shirt war also richtig ausgeleiert. Das ist der Grund, warum sein Gesicht auf meinem Tattoo so breit ist. (Lacht) Er sollte dünner aussehen. Hier sieht er irgendwie fett aus. Heutzutage wäre es einfacher ein Bild von ihm zu finden. Aber man erkennt ihn trotzdem. Ist schon eine witzige Story. (Lacht) Ich habe schon oft überlegt, es ausbessern oder etwas drüber machen zu lassen. Aber irgendwie fällt mir da nichts Passendes ein. Ich hätte gerne mehr Tattoos, aber mir fällt einfach nichts Cooles ein. Also habe ich neben diesem hier nur noch ein anderes. Und ich will mir nicht irgendwas tätowieren lassen, nur damit ich ein weiteres Tattoo habe. Ich will etwas, das mir auch etwas bedeutet.

Ihr tourt seit mittlerweile 26 Jahren. Gibt es noch einen Ort oder ein Festival, wo du gerne mal spielen würdest?

Zak: Wir haben da eigentlich viel Glück gehabt. Nur in Nord-Amerika haben wir nie gespielt. Wegen unserem Song „Nigger“. Das wäre zu kompliziert gewesen. Wir sind ja alle eher pink. Keiner von uns ist braun. Und darum ist es nie was geworden. Ich erinnere mich, dass wir ein Fax von unserem Plattenlabel bekommen haben. Einer von denen war nach L.A. geflogen, um unsere Songs an den Mann zu bringen und um einen Deal dafür zu bekommen. Wir haben ein Fax bekommen, wo draufstand: „Weißen Kerlen, die Schwarzen erklären wollen, wie sie ihr Leben zu leben haben, sollte man die Eier abschneiden.“ Das war dann so ziemlich das Ende unserer Karriere in Nord-Amerika. Aber dann ist es halt so. Dabei wäre es ganz einfach gewesen, wenn wir nur ein dunkelhäutiges Bandmitglied gehabt hätten oder wenn die Band braun gewesen wäre. Dann wäre das gar kein Problem gewesen.

Aber davon abgesehen haben wir das Monsters Of Rock in Südamerika gespielt, zusammen mit Ozzy, Alice Cooper, Faith No More und Megadeth. Wir haben auch in Japan gespielt. Wir haben in 1993 bis 2008 von der Musik alleine leben können. Das ist deutlich länger als bei so mancher anderen Band. Ich denke, dass wir da sehr viel Glück gehabt haben. Und ansonsten würde ich gerne dort spielen, wo wir bisher noch nicht gespielt haben. Ich würde gerne überall mal spielen. Aber das ist ja leider nicht möglich. Eigentlich bin ich sehr zufrieden mit dem, was wir erreicht haben. Wir haben unsere Fans. Und wir mussten nie irgendwelche Kompromisse eingehen bei dem, was wir gemacht haben. Wir konnten einfach machen, was wir wollten. Und wir konnten alleine dadurch Platten verkaufen und Hallen füllen.

Ich würde gerne mal auf den Malediven spielen. Ich würde auch gerne auf Hawaii spielen, aber das geht nicht. Aber darum würde ich da gerne hin, weil ich da noch nicht war. Ich würde CLAWFINGER überall hinbringen, wo wir noch nicht waren. Ich würde dann auch sicherstellen, dass wir nach dem Gig immer zwei Wochen Urlaub haben. Vor Ort natürlich. Und alle Ausgaben müssten vom Veranstalter gezahlt werden. (lacht)

Wie denkst Du über Metal als Lebensstil oder Lebensphilosophie?

Zak: Es ist die Frage, was genau die Philosophie ist. Metal ist ein sehr weites Spektrum. Egal in welche Szene du reinschaust, es gibt immer ein paar Konservative. Wie zum Beispiel True Metal Leute, die nur Metal hören und alle andere Musik scheiße finden. Wenn jemand solch eine Denkweise entwickelt, finde ich das eher dumm und sogar gefährlich. Aber solche Leute gibt es überall in der Gesellschaft. Wo immer du hinschaust. Da gibt es die Leute, die ausschließlich Rap-Musik hören. Genauso denken die Rechtsradikalen, dass ihre Rasse die einzige sei. Aber solche Leute findest du überall in unterschiedlichsten Variationen.

Aber auf der anderen Seite sind wir ja auch Teil der Metal-Szene. Ich habe nie etwas Anderes als Liebe empfunden. Für die Fans und die Festivals und so. Ich liebe das. Auch wenn ich mich nicht als True Metalhead ansehe. Ich liebe das alles immer noch und ich bin gerne dabei. Ich mag es aber auch, dass CLAWFINGER eher von der Seite her reinkommt. Wir haben halt unser eigenes Ding. Aber es ist genug, um immer noch auf die Metal-Festivals zu kommen. Ich mag es aber in einer gewissen Weise ein Außenseiter zu sein.

CLAWFINGER_Schlachthof_2019 © Polwin-Plass_Metalogy62

Das ist doch, was CLAWFINGER einzigartig macht.

Zak: Aber das ist auch, warum uns einige Leute hassen. Bei unserem ersten Album, nicht mehr so sehr beim zweiten, wurden wir als europäische Antwort auf RAGE AGAINST THE MACHINE bezeichnet. Besonders in der deutschen Presse wurde das damals geschrieben. Was mir aber auch nichts ausmacht, weil ich deren erstes Album für großartig halte. Aber tatsächlich haben wir sie gar nicht gehört, als wir die Band gegründet und das erste Album geschrieben haben. Außer der Tatsache, dass deren Sänger auch Zak genannt wird. Zak de la Rosa.

Viele Leute haben gedacht, dass mein Name ein Künstlername wäre, was er aber nicht ist. Mein Name kommt daher, dass meine Mutter Ringo Starr von den Beatles vergöttert hat. Und sein erster Sohn heißt Zak. Sie hat also Ringo geliebt und dachte sich, dass das ein guter Name wäre. Daher heiße ich Zak. Ich kann die Vergleiche mit RAGE AGAINST THE MACHINE aber verstehen. Es gibt dir einfach eine Vorstellung davon, wie eine Band klingt. Aber wenn du es genau analysierst, wird deutlich, dass bei RAGE AGAINST THE MACHINE alles um funky Beats ging. Funky-groovige Gitarren-Licks. Wir waren dagegen immer mehr Industrial von unserer Basis her. Deswegen habe ich die Vergleiche eigentlich nie wirklich verstanden. Sie machen mir aber nichts aus. Aber ich habe nie das gehört, was diese Leute, die das behaupten, meinen da zu hören. Für mich sind das zwei komplett verschiedene Bands. So wie zwei verschiedene Arten von Musik. Wahrscheinlich haben die nur gesehen, dass es da Rap und Gitarren gibt. Und das ist natürlich eine einfache Art jemandem zu erklären, wie eine Band klingt. Sachen zu vergleichen liegt den Menschen ja im Blut. Aber es hat mich damals nicht gestört und es stört mich heute auch nicht. Heute kommt der Vergleich nicht mehr, weil wir die einzigen sind, die noch dabei sind.

Du sagtest vorhin, dass die Wacken-Leute sehr sozial aktiv sind. Seid ihr sozial engagiert?

Zak: Nicht als Band. Wir als Band haben immer gesagt, dass wir uns raushalten wollen und zum Beispiel nicht für irgendwelche politischen Parteien oder andere Organisationen spielen werden. Auch wenn wir klare Meinungen vertreten, wollten wir nicht, dass die Band ein politisches Sprachrohr wird. Mir gefällt der Gedanke, nicht zu einer bestimmten Richtung zu gehören.

Privat unterstütze ich immer mal wieder einige Organisationen. Mit 10 Euro im Monat oder so. Aber als Band machen wir das nicht. Ich bin auch froh, dass wir da keine festgelegte Agenda haben. RAGE AGAINST THE MACHINE waren damals ja deutlicher. Das ist toll, wenn das für sie so funktioniert. Dann sollen sie es auch machen. Wenn andere Bands sich um einen anderen guten Zweck kümmern und dafür Geld sammeln, dann ist das auch prima. Wenn sie das so machen wollen, sollen sie es so machen. Ich fühle da aber keine Verpflichtung. Ich denke, dass wir das nicht müssen. Wir haben dafür unsere Message.

Vielen Dank für das tolle Interview, Zak. Und guten Gig.

Hier könnt ihr unsere Fotostrecke zum Gig im Schlachthof Wiesbaden sehen

https://metalogy.de/fotostrecke-clawfinger-und-freezes-deyna-im-schlachthof-wiesbaden/

Und hier ein Video gegen Trumpismus

https://metalogy.de/clawfinger-sind-zurueck-mit-starkem-video-gegen-trumpismus/

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Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de