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Exklusiv-Interview mit ZAK TELL von CLAWFINGER – Teil 1 Exklusiv-Interview mit ZAK TELL von CLAWFINGER – Teil 1
Die Crossover/Rap-Metal-Institution CLAWFINGER vereinnahmte mit einem Best-of-Programm am 10. Oktober den Wiesbadener Schlachthof im Sturm. Vor dem Gig beantwortete Sänger und Frontman ZAK TELL... Exklusiv-Interview mit ZAK TELL von CLAWFINGER – Teil 1

Die Crossover/Rap-Metal-Institution CLAWFINGER vereinnahmte mit einem Best-of-Programm am 10. Oktober den Wiesbadener Schlachthof im Sturm. Vor dem Gig beantwortete Sänger und Frontman ZAK TELL Fragen von Lydia und Michael vom Metalogy.de-Team und erzählte unter anderem über die Bedeutung des CLAWFINGER-Erfolgsalbums „Deaf Dumb Blind“, den Botschaften in den Texten, seinem Job und die Tour. Lest hier Teil 1 der vierteiligen Interviewserie.

Hallo Zak, vielen lieben Dank, dass du dir Zeit nimmst.

Zak: Sehr, sehr gerne.

Ihr seid mal wieder auf Tour. Wie lief es bisher?

Zak: Ja, wir haben letzte Woche drei Konzerte gehabt. Die waren großartig. Zwei davon waren ausverkauft. Nicht, dass es darauf ankommen würde, dass sie ausverkauft sind, es ist aber einfach schön, dass wir nach all den Jahren immer noch Hallen ausverkaufen können. Es macht natürlich trotzdem keinen Unterschied, wenn da nur drei Leute und ein Hund stehen. Wir würden denselben Gig spielen und alles geben. Aber es gibt einem ein gewisses Maß an Erfüllung, wenn man merkt, dass man immer noch große Hallen ausverkaufen kann.

Ich würde es übrigens dieses Mal keine Tour nennen. Es sind drei Konzerte und dann fahren wir erst mal wieder nach Hause für vier Tage. Dann machen wir wieder drei Gigs. Aber es hat zumindest ein bisschen den Geschmack von einer Tour.

Gibt es einen Grund für diese Aufteilung?

Zak: Ja. Es gibt verschiedene Gründe. Der wichtigste ist, dass wir alle einen Job haben. Wir müssen uns also Donnerstag und Freitag freinehmen für diese Shows. Der andere Grund ist, dass wir alle Familie haben. Und der dritte Grund ist, dass wir langsam alt werden. Wir sind im fortgeschrittenem Alter. (Lacht) Ich könnte noch andere Gründe aufführen, aber das sind die Hauptgründe, die mir einfallen. Zeit und Energie. Wir wollen’s bewusst kurz halten.

Ihr habt also alle einen Job?

Zak: Ja, das haben wir seit 2008, also schon seit einiger Zeit. Wenn wir sehr viel Zeit und Energie wieder in die Band stecken würden, könnten wir auch wieder davon leben. Ich glaube aber, dass ich das gar nicht mehr will. Ich bin mir sicher, dass ein paar der anderen Bandmitglieder etwas anderes sagen würden. Ich glaube aber, dass ich nicht mehr die Energie habe, das als Vollzeitjob zu machen. Ich mag es, die Musik als Bonus nebenbei zu haben und dann auf Tour zu gehen, wenn wir Lust darauf haben, wenn wir gute Angebote haben und wenn es in unsere Kalender passt. Wir haben jetzt auch eine andere Zeit als in den 90ern. Das Musikgeschäft läuft ganz anders. Aber wir könnten sicherlich von der Band leben, wenn wir die Zeit und die Energie investieren würden. Wir sind aber nicht mehr 25. Und auch nicht mehr 45. Wir haben uns daher dazu entschlossen, nicht mehr nur davon zu leben.

Was für einen Job hast du?

Zak: Ich arbeite in einer Schule. Ich bin für einen Aufenthaltsraum zuständig. Das ist sozusagen der einzige Bereich in der Schule, wo die Kinder Spaß haben dürfen. Und dann betreue ich noch einen Junior Club für Viertklässler nach der Schule.

Singst du auch für sie?

Zak: Nein, die meisten wissen gar nichts davon. Einer von ihnen hat mich neulich zufällig gehört. Nein, eigentlich hatte er gesagt: „Herr Tell, wir sehen uns dann morgen.“ und ich sagte ihm, dass wir uns morgen nicht sehen, weil ich nach Deutschland fliege. Letzte Woche, als ich ihm das nochmal gesagt habe, hat er mir aber nicht geglaubt. Er dachte, dass ich einen Witz mache. Als ich am Montag dann wieder zurück war, sagte er: „Herr Tell, sie waren am Donnerstag und am Freitag gar nicht da.“ Und ich sagte, dass ich ihm ja gesagt hatte, dass ich nach Deutschland fliege. Er konnte gar nicht fassen, dass ich wirklich nach Deutschland geflogen war. Er dachte, dass das ein Spaß gewesen wäre.

Ich bin dort aber nicht als Zak von CLAWFINGER tätig. Ich bin dort einfach ein Erwachsener. Ich erzähle eigentlich überhaupt niemandem davon. Die Lehrer und meine Kollegen wissen es natürlich. Aber die Kinder wissen nichts. Aber gerade, wenn ein neues Schuljahr beginnt und neue Kinder mit ihren Eltern dazukommen und die meisten Eltern in meinem Alter sind, dann werde ich doch von vielen Eltern erkannt. Und die erzählen es dann ihren Kindern. Aber erst einmal verstehen die Kinder das gar nicht so richtig. Nach einiger Zeit schauen sie dann aber doch mal bei YouTube rein und kommen dann zu mir: „Herr Tell, ich habe sie auf YouTube gesehen. Und sie hatten nur ihre Unterhose an und sind von der Bühne aus ins Wasser gesprungen.“ Da haben sie dann einen Clip von einem Konzert in der Ukraine gesehen, wo wir vor sechs Jahren gespielt haben. Da habe ich tatsächlich einen Großteil meiner Klamotten ausgezogen. Die Bühne war damals auf einem Boot oder einem Frachtkahn. So konnte ich tatsächlich von der Bühne aus ins Wasser springen. Es ist schon ein bisschen peinlich, wenn Kinder dann vor dir stehen und sagen: „Herr Tell, ich habe sie in Unterwäsche gesehen.“ (Lacht) Und das ist der Grund, warum ich ihnen nichts davon sage. Das müssen sie schon selber herausfinden.

Lieben sie dich dafür umso mehr?

Zak: Das weiß ich nicht. Das musst du sie selber fragen. Diese Frage kann ich nicht beantworten. Ich glaube, einige finden das ziemlich interessant. Anderen geht das ehrlich gesagt ziemlich am Arsch vorbei. Das sind Viertklässler. Die leben in ihrer eigenen Welt. Die sind 10 oder 11 Jahre alt. Die lieben Star Wars und Marvel und Zauberwürfel und sowas.

Anderes Thema: „Deaf Dumb Blind“ ist vor 26 Jahren rausgekommen. Wie siehst du die Message von damals im heutigen Kontext?

Zak: Ich wünschte, ich könnte sagen, dass sich die Dinge geändert hätten. Ich nehme mal an, dass ein paar Dinge das auch getan haben. Aber wenn du dir anschaust, was gerade in der Welt passiert und wie wir uns als Menschen verhalten, dann glaube ich, dass wir keinen großen Fortschritt gemacht haben. Und es sieht so aus, als ob es für jede Greta – das soll nur ein Beispiel sein, weil sie gerade so viel in den Nachrichten ist – einen Trump gibt. Für jeden Menschen, der die Welt verbessern will, gibt es einen Idioten, der alles wieder zurückdrehen möchte. Es fühlt sich irgendwie so an, als würde das jedes Mal passieren. Ich hatte schon den Gedanken, dass das vielleicht einfach die menschliche Natur ist; das ständige vor und zurück und zusammenstoßen. Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob die Dinge besser geworden sind. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass sie das wären. Aber ich glaube nicht, dass sie das sind. Also denke ich, dass die Botschaft von „Deaf Dumb Blind“ immer noch aktuell ist und dass sie die Zeit ziemlich gut überdauert hat. Es ist natürlich schwierig bei etwas objektiv zu bleiben, das ein großer Teil von mir ist.

Aber zum Beispiel ein antirassistischer Song wie „Nigger“, würde heute sicherlich nicht mehr in dieser Art geschrieben werden. Es herrscht ein anderes politisches Klima. Es gibt mehr political correctness auf eine andere Art und Weise als in den 90ern. Heutzutage würde uns dieser Song sicherlich mehr Ärger einbringen als damals in 1993. Wenn ich ihn heute schreiben würde, würde ich ihn sicherlich auch nicht mehr in dieser Art schreiben. Ich werde bald 50 und bin halt nicht mehr 25. Ich würde ihn auch anders schreiben, weil ich mir vielleicht viel mehr Gedanken darüber machen würde. Ich bin froh, dass ich das damals nicht gemacht habe. Und ich war froh, dass wir ihn so geschrieben haben wie er ist. Er ist, wie er ist.

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Das ist wie mit einem Tattoo. Es ist ein Teil deiner Geschichte. Es ist mit Erinnerungen verbunden. Wie bei einem Tattoo, das einen an die Zeit mit einer bestimmten Frau erinnert oder als man Fan einer bestimmten Band war. Es ist dasselbe mit diesem Album. Es ist was es ist, weil es ist, wie wir damals waren und wie die Welt damals für uns ausgesehen hat. Ich bin wirklich ziemlich stolz auf dieses Album.

Wieso wurde die Botschaft von „Nigger“manchmal missverstanden?

Zak: Viele verstehen den Song eigentlich nicht richtig. Aber die Botschaft gilt immer noch – in vielen Bereichen und auf der ganzen Welt. Wir wissen alle, dass es kein rassistischer Song ist. Und es ist klar, was wir damit aussagen wollen. Diese Botschaft kann gar nicht falsch sein. Deswegen können wir diesen Song auch immer noch spielen. Besonders unsere Fans kennen natürlich die Message. Ich wusste aber auch, dass es mit dem Song schwierig werden könnte, wenn man ihn aus dem Kontext heraus nimmt und einem anderen Publikum vorspielt. Dann könnte es sicherlich hitzige Reaktionen geben. Aber wenn wir ihn in unserem eigenen Kontext spielen, dann ist das nie ein Problem.

Werdet ihr heute wieder „Deaf Dumb Blind“ komplett spielen?

Zak: Nein, wir mussten das aber erst mit unserem Manager besprechen als wir starteten, weil wir uns selber unsicher waren. Das war nur eine Besonderheit wegen dem 25-jährigen Jubiläum des Albums letztes Jahr. Wir werden heute natürlich ein paar Songs von „Deaf Dumb Blind“ spielen. Aber insgesamt wird es einen Mix geben. Ein Greatest-Hits-Programm. Ich weiß zwar nicht, wieviele Songs davon wirklich Hits sind. Wir spielen einfach eine Mischung aus allem.

Morgen folgt der zweite Teil des vierteiligen Interviews mit Zak von Clawfinger

Lest hier den zweiten teil des vierteiligen Interviews: https://metalogy.de/exklusiv-interview-mit-zak-tell-frontman-von-clawfinger-teil-2/

Hier könnt ihr unsere Fotostrecke zum Gig im Schlachthof Wiesbaden sehen

https://metalogy.de/fotostrecke-clawfinger-und-freezes-deyna-im-schlachthof-wiesbaden/

und hier ein Video gegen Trumpismus

https://metalogy.de/clawfinger-sind-zurueck-mit-starkem-video-gegen-trumpismus/

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Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de