Das war das Summer Breeze 2018 – Nachbericht Das war das Summer Breeze 2018 – Nachbericht
Sonniges Wetter und eine ausgewogene Bandauswahl bescherten dem Summer Breeze Open Air wieder mal eine ausgelassene Stimmung. Das war das Summer Breeze 2018 – Nachbericht

Sonniges Wetter und eine ausgewogene Bandauswahl bescherten dem Summer Breeze Open Air wieder mal eine ausgelassene Stimmung.

Von so manchem Besucher wird das alljährlich in der dritten Augustwoche stattfindende Ereignis das Wacken des Südens genannt. Obwohl nicht ganz so enorm in den Ausmaßen, hat sich das Summer Breeze Festival in der Region und im Szenebewusstsein im Laufe der Zeit einen hohen Stellenwert erarbeitet. Von überall her finden alljährlich über 40 000 Metalheads Einzug ins fränkische Land, um kräftig den Kopf durchzuschütteln und sich von musikalischen Genüssen berauschen zu lassen.

Bereits der erste richtige Festivaltag war vollgepackt mit hochkarätigen Gruppen.

Mittwoch

Für das Metalogy-Team begann offiziell das diesjährige Summer Breeze mit „Monument“. Die fünf Londoner sind mehr als nur ein Iron Maiden – Klon, ihre Landsmänner dienten aber eindeutig als Inspiration und das merkt man auch der Machart ihrer Lieder an.

Anschließend nahm die 80er-Kapelle „The Night Flight Orchestra“ die Umstehenden mit auf einen entspannten Flug, samt drallen Stewardessen.

Evil Scarecrow_Foto_Daniel Oestreich

Evil Scarecrow_Foto_Daniel Oestreich

Die Kultkanadier von „Kataklysm“ sorgten bereits mit ihrem brachialen Death Metal für einen massiven Personenauflauf, so dass kaum mehr ein Vorankommen im Bühnenbereich möglich war.

Auch eine der wohl bekanntesten Bands Brasiliens „Sepultura“ gab sich, nachdem sie bereits zwei Wochen zuvor Wacken unsicher gemacht hatten, ebenfalls auf dem Summer Breeze die Ehre und ließen es gewaltig krachen.

Mit stampfendem Thrash Metal fegten die US-Amerikaner „Warbringer“ über die Empore, der neu konzipierten Camel Stage bevor die Doom Metal – Pioniere „Paradise Lost“ ihr 30-jähriges Jubiläum zelebrierten.

Sepultura_Foto_Daniel Oestreich

Sepultura_Foto_Daniel Oestreich

Dem Sänger und Gitarristen der schwedischen Psychedelic-Rockern „Graveyard“ schien man zwar eine gewisse, Touren bedingte Müdigkeit anzusehen, an ihrem hochklassem Spiel änderte dieser Umstand aber nichts. Wie bislang in all ihren von mir erlebten Auftritten blieben sie tadellos.

Die sich nicht ganz so ernst nehmenden Engländer von „Evil Scarecrow“ traten sehr publikumswirksam, mit reichlich Kostümen und Maskottchen versehen, auf. Bereitwillig tanzte die amüsierte Menge die eigentümlichen und zugleich animierenden Tänze zu Liedern wie „Robotron“ oder „Crabulon“ mit. Durch ihre unkonventionelle und erfrischende Art werden sie an diesem Abend einige Fans dazu gewonnen haben.

„MANoWAR“ mag Geschichte sein. Durch deren ehemaliges, prägendes Mitglied „Ross the Boss“ – Friedman leben sie zur Freude vieler Anhänger auf der Bühne weiter. Die neu formierte Truppe um den Ausnahmegitarristen überraschte damit, dass trotz der mittlerweile drei sehr guten eigenständigen Alben bis auf zwei Titel nur Lieder der besagten Ära gespielt wurden. Von „Battle Hymns“, über „Kill with Power“, zu „Hail and Kill“. Sänger Marc Lopes mag zwar kein Eric Adams sein, machte seine Sache jedoch ausgezeichnet. Zusammen brachten die Jungs eine Energie auf die Bühne, die das Original in dessen letzten Jahren, obgleich sehr guter Vorstellungen, etwas missen ließ.

Donnerstag

Am Donnerstag öffneten die Pforten für das gesamte Areal, so dass sich die angereisten Massen besser auf dem Gelände verteilten.

Nervosa_Foto_Daniel Oestreich

Nervosa_Foto_Daniel Oestreich

Mit den drei hübschen Damen Von „Nervosa“ aus Brasilien gab es nicht nur etwas für die Augen, sondern explosiven Thrash Metal zur heißen Mittagsstunde auf die Ohren. Die Freude beim Spiel und über die positiven Reaktionen der in der Hitze ausharrenden Menge war der Band deutlich anzusehen.

Heilung_Foto_Daniel Oestreich

Heilung_Foto_Daniel Oestreich

Bei den Mittelalter-Metallern von „Schandmaul“ war viel auf der Bühne los. Zahlreiche Instrumente unterstrichen die lautmalerischen Klänge. Die eingängigen Lieder boten viele Gelegenheiten zum Schwelgen in anderen Zeiten oder zum lauten Mitsingen wie beim obligatorischen „Dein Anblick“ zum Finale.

In der Dämmerung des Tages läuteten „Behemoth“ mit ihrem eindringlichen, kräftigen Black Metal und einem Feuerspektakel die Nachtzeit ein. Die Polen erbrachten erneut den Beweis, dass sie als eine Genreinstanz gelten und jedes Festival mit ihrem Erscheinen bereichern.

In den letzten Jahren waren „Powerwolf“ fast schon ein Dauerabonnent auf dem Summer Breeze und stets für eine die Massen unterhaltende und fordernde Darbietung zuständig. Schmissige Songs mit reichlich Gesangseinlagen für die eingeschworene Fangemeinde wurden wie eh und je zum besten gegeben.

Powerwolf_Foto_Daniel Oestreich

Powerwolf_Foto_Daniel Oestreich

Die schwedischen Epic-Doomer „Ereb Altor“ können auch schon ein bereits fünfundzwanzig jähriges Bestehen vorweisen. Zur eingesetzten Dunkelheit lieferten sie mit ihren bewegenden Hymnen magische Momente.

Auch schon bald dreißig Jahre sind die Recken von „Marduk“ im Black Metal – Gefilde unterwegs und brachten die geballte Ladung ihrer stolzen vierzehn Tonträger umfassende Erfahrung mit.

Die „Apokalyptischen Reiter“ feierten nach einer kleinen Abstinenz wieder gehörig auf den großen Festivalbühnen. Ihr Erfolgsrezept, basierend auf dem „Sof & Stronger“ – Prinzip,  lockt stets die Anhänger zu ihren energiegeladenen Konzerten.

Außergewöhnliche Klänge heidnischen Ursprungs gab es bei „Heilung“ zu hören. Gehörnte Priester krächzten ihre Psalmen zu den rituellen  Trommeln oder schwangen sich, so insbesondere die weibliche Schamanin, in hymnische Sphären. Zur späten Stunde beobachteten die Zuschauer gebannt das Treiben oder ließen sich von den eingängigen Rhythmen zum Tanz animieren.

Freitag

Auch der Freitag begann zunächst heiß. Allerdings sollte sich wie bereits im Vorjahr der Freitag zum Unwettertag entwickeln.

Die US-Amerikaner „Misery Index“ boten brutalen Death Metal, bei dem zwei Sänger abwechselnd oder auch gemeinsam in die Mikrophone brüllten. Besonders in den abschließenden Titel „Traitor“ legten sie nochmals all ihre Wucht.

Gyze_Foto_Daniel Oestreich

Gyze_Foto_Daniel Oestreich

At the Gates_Foto_Daniel Oestreich

At the Gates_Foto_Daniel Oestreich

Eine knappe Stunde darauf haute die deutsche Vertretung „Night in Gales“ in eine ähnlich harte Kerbe und wies einen ordentlichen Befund auf.

Ein kleiner Wetterumschwung bescherte den sympathischen Japanern von „Gyze“ auf der mittlerweile überdachten Camel Stage ein wenig mehr Besucher. Und diese blieben, von der Heavy / Death Metal – Mixtur á la Children of Bodom, Wintersun und Konsorten, angezogen.

Die deutsche Rocklegende „Doro“ hatte das Pech, dass der richtige Gewitterschauer kurz vor ihrem Auftritt losbrach. Dementsprechend leerte sich aufgrund der Wassermassen das Gelände deutlich. Doch zum Glück hielt der Regenguss nicht allzu lange an und mit ihren heißen, mitreißenden Hymnen heizte sie das durchnässte Publikum wieder an.

Die mitunter als Pioniere des Göteborg Death Metals geltenden „At the Gates“ befeuerten die Menge mit traditionellen Geschossen und wussten damit allseits zu gefallen.

Die in ihrem Metier beinahe schon legendären Schweden „Arch Enemy“ legen auch weiterhin mit ihrem kanadischen Aushängeschild Alissa White-Gluz temporeiche Auftritte hin und brannten ein ordentliches Feuerwerk ab.

Turisas_Foto_Daniel Oestreich

Turisas_Foto_Daniel Oestreich

Skandinavischer Black Metal gilt zurecht als wahrer Exportschlager. Mit den Norwegern „Satyricon“ war noch ein Zugehöriger des großen Traditionsbundes auf dem Summer Breeze zugegen. Allein für dieses in Anführungsstrichen Triumvirat hatte sich schon die Anreise für jeden Schwarzmetallers bezahlt gemacht.

„Turisas“ warteten wie gewohnt mit pompösen Klängen auf. Die aufgehängten Banner im Hintergrund zierten die Bandmitglieder als Ikonen im orthodoxen Gewand stilisiert. Und im Pagan – Bereich gelten sie zweifelsohne als solche.

Samstag

Die ruhmreichen Kämpfer an Odins Seite „Einherjer“ aus Norwegen strahlten zu Freude der Viking Metal Fans enorme Kraft und Stärke aus. Ihre mythischen Lieder nahmen die Anhängerschaft mit zu einem Ritt auf den sagenumwobenen Drachen des Nordens.

Auf der dazwischen geschobenen Pressekonferenz gaben die drei hauptverantwortlichen Veranstalter über eine Stunde lang den zahlreich erschienen Reportern bereitwillig Auskunft und zogen eine weitestgehend positive Bilanz. Die kritischen Stimmen hielten sich in Grenzen. Verbesserungsmöglichkeiten wurden geäußert und dankend zur Kenntnis genommen.

Dirkschneider_Foto_Daniel Oestreich

Dirkschneider_Foto_Daniel Oestreich

Manch einer war gar voll des Lobes über die das Festival betreffend gemeisterten Umstände.

Angesprochenes Thema war zum Beispiel die im VIP-Bereich neu erprobte unbare Bezahlung, wobei ein Chip am Bändchen mit einem Geldbetrag aufgeladen werden kann. Auf die Frage, ob das bald für alle Besucher gelten soll, wurde darauf hingewiesen, dass nichts überstürzt werde. Die Planung gehe zwar dorthin, aber ohne eine kontrollierte und ausreichende Testphase wird dieses Vorhaben nicht ausgeweitet.

Nach dem informativen Treffen waren wieder die musikalischen Aspekte im Vordergrund. Der Sound der aus den USA angereisten Stoner Rocker „Orange Goblin“ strotzte nur so vor unbändigem Freiheitsdrang. Da blieb kaum ein Kopf, der nicht zu den wummernden Bässen wippte.

Jinjer_Foto_Daniel Oestreich

Jinjer_Foto_Daniel Oestreich

Trotz der damals vollmundigen Ankündigung scheint es doch nicht so einfach zu sein für den Herrn „Dirkschneider“ sich von den Liedern seiner alten Truppe „Accept“ zu trennen. So stellten mit viel Dampf vorgetragene Titel wie „Metal Heart“ und „Princess of the Dark“ unter Beweis, dass dieses Kapitel doch noch nicht endgültig abgeschlossen ist.

Die Berliner Psychedelic Rocker und Weltenbummler „Kadavar“, die sich wie ihre Kollegen von „Graveyard“ gefühlt auf Dauertournee befinden, legten ihre gesamte Erfahrung und Klasse in die Waagschale und verzauberten das Publikum mit ausgefeilter Tonakrobatik.

In einer Region, gebeutelt von schwelenden Konflikten, stehen die Israelis „Orphaned Land“ symbolisch als Bindeglied zur Verständigung der ansässigen Völker. Dies belegte unter anderem die Tatsache, dass sie auch von Musikliebhabern aus muslimisch geprägten Ländern in der ersten Reihe Fahnen schwenkend gefeiert wurden.

Kadavar_Foto_Daniel Oestreich

Kadavar_Foto_Daniel Oestreich

Auch nach sechsunddreißig Jahren sticht der Stachel, der von Blackie Lawless angeführten W.A.S.P., immer noch. Selbst die moderatere Gangart nach der religiösen Selbstfindung des Oberhauptes stahl der stattlichen Show nicht die Würze.

Die Ukrainer „Jinjer“ bewegen sich ganz im Geiste von Bands wie „Arch Enemy“ und ihresgleichen. Eindrucksvoll präsentierten sie, dass eine hübsch anzusehende Frontfrau und wuchtiger Death Metal sich nicht ausschließen, sondern ein schlagkräftiges Gebilde formen.

Bloodbath“ boten sich spieltechnisch, wie auch lyrisch bei „Eaten“, als Leckerbissen an.

Sänger Nick Holmes, der am Mittwoch bereits mit seiner Ursprungsband „Paradise Lost“ zugange war, hatte nun seinen zweiten überzeugenden Auftritt auf dem Summer Breeze.

Etwas still war es um die in der Szene nicht ganz unumstrittenen norwegischen Schwarzmetaller „Carpathian Forest“ geworden. Denn schon zwölf Jahre liegt ihr letztes Studioalbum zurück. Doch mit ihrem nächtlichen Auftritt zeigten sie auf auffällige Weise, dass trotz alledem noch mit ihnen zu rechnen ist.

Ein paar ungewöhnliche Attraktionen läuteten die eindrucksvollen Abschiedsmomente des Festivals ein.

Bei den futuristisch anmutenden Tonvarianten von „Capenter Brut“ aus Frankreich fühlte man sich in einen SciFi-Streifen aus den 80er Jahren versetzt.

Die aus dem Westfälischen stammenden „Attic“ gaben sich samt aufgebautem Altar okkultem Heavy Metal in bester King Diamond – Manier hin und erfreuten sich zu später Stunde hohem Zuspruchs.

Mit dem finalen Akt „Perturbator“, ebenfalls eine französische Kreation, erlebte man, was für fesselnde Musik, allein mit einem Schlagzeug, einem Keyboard und einigen Lichteffekten ausgestattet, erzielt werden kann.

Fazit: 

Erneut stellte das Summer Breeze seine Besucher weitestgehend zufrieden. Das gut sortierte musikalische Angebot machte es wieder für viele Metaller attraktiv sich nach Dinkelsbühl zu begeben. Schön ist auch zu sehen, dass das Festival trotz seiner im Laufe der Jahre zunehmenden Expansion seine wohltuende Übersicht bislang nicht eingebüßt hat und obgleich der zahlreichen Anreisenden nicht überlaufen wirkt.

Nachbericht : Daniel Oestreich

Das interessiert euch bestimmt auch:

Rueckblicke