Review: Tactus – Bending Light Review: Tactus – Bending Light
I Saw The Light! Leicht wie eine Feder, hart wie Fels und dazwischen frischer Wind! Das neue Album "Bending Light" von Tactus überzeugt auf allen Ebenen. Glaubt... Review: Tactus – Bending Light

I Saw The Light! Leicht wie eine Feder, hart wie Fels und dazwischen frischer Wind! Das neue Album „Bending Light“ von Tactus überzeugt auf allen Ebenen. Glaubt mir kein Wort, ich bin Fan!

Prog Rock war ja seit Yes, King Crimson & Co.  schon der Rock der Studierten. Mit allem anderen minderen Zeugs sollte sich doch das Gesocks abgeben. Daher kam es, daß cool war, wer noch kompliziertere Musik konntzze. Dies bringt uns Komplexität, einen avantgardistischen Zugang zur Kunst, Vierzehnminutenfünfundsiebzignummern und Kopfweh. So bereichernd und so anstrengend kann Prog sein.

Eine der modernen Spielarten, Prog-Metal, bringt rohe Energie und Geschwindigkeit ins Spiel, jetzt wird er auch für unsereins interessant.  Das Hinzufügen von Prog zu Metal bringt neben vielem anderen auch mehr Noten ums gleiche Geld, bedenkt das beim Kauf!

So halte ich nun das schöne Cover von „Bending Light“ in den verschwitzten Händen und nach 59:14′ sieht man das kopfüber „gebendete“ Gebirge vor lauter Fingertapsern nur mehr weichgezeichnet. Dieses Cover, mit seinen hellen, leichten Farben, und den Elementen Fels und Wolken könnte man programmatisch für eine Musik, die federleicht und heavy in Verschmelzung ist, verwenden.

Fünf Jahre nach Gründung der Band legen die fünf Kanadier nun das erste Album in voller Länge auf.

2013 veröffentlichten die vier Absolventen eines Kunststudiums  die Single „Ridges“ in Eigenproduktion. Viertausend Aufrufe auf YouTube waren Anlass zur Produktion der zwei EP’s  „T.“ und „Ins(t)urmental“aus neu gemasterten und neue eingespielte Songs.

In der Folge wurden noch einige Singles veröffentlicht, um über YouTube und Co. bekannt zu werden. Eine davon war eine Coverversion von „Roxanne“ von der Polizei, ein beliebter Schachzug, wenn es gilt, Airplay zu ergattern.

„Tactus betreiben das Songwriting in einer strengen Reihenfolge aus Konzeption, Songwriting, Notation und Bearbeitung, ohne daß das Stück zuvor jemals gespielt oder geprobt wurde. Das fügt der Musik ein Level an Raffinesse und Flüssigkeit hinzu, welches sonst im Heavy Rock nicht immer gefunden wird.“

Bereits das erste Hören bestätigt diese Aussage. Die Scheibe ist handwerkliche Weltklasse, ein Feuerwerk aus musikalischen Ideen, ein Blumenstrauß aus kompositorischen Möglichkeiten, eine feindliche Übernahme des Hörers. Ich war nicht annähernd in der Lage, alle Facetten des Gesamtwerks zu überblicken, noch, mich seiner Faszination zu entziehen.

Grundsätzlich sind sie heavy und schnell, beides über weite Strecken, sodaß die Trommelfelle gefordert sind.

Luftholen und zurückschalten ist ihr Ding nicht, so gerät die Scheibe sehr dynamisch, rasant und laut. Innen drin im Lärm aber, finden sich immer neue Texturen, mal eine Akustikgitarre, mal Einsprengsel anderer Art. Solcherart entsteht Kurzweil und es darf weiterhin heavy sein, die Spannung bleibt. Was die Songs immer spannend hält, ist die Möglichkeit, immer noch feinere Details zu entdecken.

Hammer und Amboss werden gleich wieder mit einer sanften Bridge, einer federleichten Akkordzerlegung, oder einem funky Disco – Gitarrenpart entspannt. Natürlich ahnt man schon den gleich folgenden Anschlag bestehend aus einem Heavy-Part, der dich ansatzlos aus den Latschen hebt und bei einem Live Gig möglicherweise eine Schneise ins Publikum spielt. Screaming und Growling geben den Refrains Drive, während in den Prog- artigen Verses mehrstimmiger Klargesang Wohlbefinden bringt.

Jeder der Musiker bringt ein Top-Level an Instrumentenbeherrschung mit, zusammen schaffen sie aber keine Leistungsschau um ihrer selbst Willen. Anstelle des von manchen Bands praktizierten sinnentleerten Gefidels, entstehen lebendige, facettenreiche Songs. Nicht viele Bands schaffen das so überzeugend organisch, alles fließt und macht Sinn.

Es ist mir nach mehrmaligem Hören nicht möglich in alle Ecken und Winkel der Songs zu schauen, alle Feinheiten, Schnörksel und Winkelzüge zu erfassen. Innerhalb jedes einzelnen Songs tut sich eine kleine Welt auf, die entdeckt werden will. Wir wissen ja, daß Songs, die man sich erarbeitet hat, einen besonderen Aufbewahrungsort in unserem Schatzkästchen bekommen.

Das ruhigere Intro „Anamnesis“ ist geeignet, den Hörer auf eine falsche Fährte zu locken. Bis zum 14:35′ dauernden Grande Finale „King Of The Sky“ lässt dann der Druck nicht mehr nach. Der Song ist eine Art Überblick über die stilistische Bandbreite der Band, eine verbreitete Tradition im Prog.

Fazit: Selbst für den Hardcore Prog-Metaller ist dieses Kunstwerk eine Offenbarung. Tactus werden eine Rolle in der Entwicklung des Prog-Metal spielen und ihren Platz im Stammbaum erhalten. Fans aller Richtungen bekommen den gewohnten Druck und Speed, versehen mit unerhörter Raffinesse und die Chance, doch noch zum Akademikermetal zu konvertieren. Tactus schaffen einen neue Spielart des Prog-Metal, sie haben das Zeug, eine stilbildende Band zu werden. Bitte mehr!

Wie gesagt, mir ist nicht zu trauen, gehet hin und höret selbst!

Review: Michael Neumann

Hörprobe auf YouTube:

Lineup: Steve Parish – Bass, Ben MacLean – Drums, Alec Dobbelsteyn – Gitarre, Adrain Barnes – Vocals, Gitarre, Jason MacKnight – Vocals

Tracklist:

1. Anamnesis

2. Aurora

3. Scimitar

3. All Roads

5. Feast Or Famine

6. Colossus

7. Goliath

8. Cardinal

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