Review: Carubine – Futuredream Review: Carubine – Futuredream
Tristesse kann so schön sein​!​ Holt eure Flanellhemden aus der Mottenkiste und freut euch über eine hoffnungslose Welt​!​ ​Schon wieder Schweden! Wann kommt die... Review: Carubine – Futuredream

Tristesse kann so schön sein​!​ Holt eure Flanellhemden aus der Mottenkiste und freut euch über eine hoffnungslose Welt​!​ ​Schon wieder Schweden! Wann kommt die erste schlechte Band aus Stockholm? So auch Carubine, eine Band, die man sofort wieder erkennt, wenn man einmal in die Musik eingetaucht ist.  ​​Ihren unverwechselbaren Sound beschreiben sie selbst als beeinflusst von Pink Floyd, Nirvana, Foo Fighters und Queens Of the Stone Age. Somit bezieht man sich auf ein Gemenge mit den Zutaten aus Prog, Psychedelic, Grunge​ und Stoner. 

Zunächst aber gilt es, einen Gang zurückschalten, sonst prallt man gleich wieder an der Oberfläche ab. Hört man davor Neunziger Grunge- Scheiben, wird man eher hineinfinden in Futuredream, als von einer Ladung Kreator auf Vollgas geeicht. Für Risikosprotarten betreibende Adrenalinjunkies empfiehlt sich letzteres. Die Songs sind alle im Midtempo – Bereich gehalten ​und entfalten in Verbindung mit ihrem repetitiven Charakter einen hypnotischen Sog, wie er im ​Psychedelic vorherrschte. ​Abzüglich jedoch der versponnenen​, sich im Drogenrausch verlierenden uferlosen Endlossongs.
Die Protagonisten scheinen aber einen gesünderen Lebensstil zu bevorzugen, sie gleiten nicht in endlose, fragwürdige Soloparts ab, die
mit Fortdauer der Songs eine Anwesenheit von Zuhörern entbehrlich machen.
Im 10:50 Minuten langen „The Charm“ kratzen sie aufgrund der schieren Länge des Songs an dieser Grenze. Die im Prog üblichen hochkomplexen Parts mit vertrackten Rhythmen bleiben aus.

Carubine zitieren in Futuredream auch ​und vor allem den Grunge der Neunziger, mit seinem dreckigen, unsauberen Sound​, der ein Gegenstück zur all zu cleanen, gelackten Produktion des Mainstreams lieferte. ​Die Gibson Les Paul, mit ihrem massiven, obertonreichen Sound, ist die Idealbesetzung für ein Gitarrenspiel mit​, an der Grenze zum Feedback balancierenden Riffs. Die Saiten werden nicht abgestoppt, ​die einzelnen Töne fließen ineinander und liefern einen konstanten Klangteppich, der für einen vollen, dunklen, harmonischen Sound sorgt. So würde man beim Hören des Gesamteindrucks zwei Gitarren vermuten, erst beim genaueren Hinhören stellt sich heraus, daß es sich um ein klassisches Power-Trio handelt. Daher bedient Sänger Alex Gatica neben dem Gesang noch den Bass. Seine Stimme, die eines kräftigen Mannes mit viel Lungenvolumen und einem angenehm dunklen Timbre harmoniert perfekt. Es entsteht harmonische, melancholische, dunkle Musik mit viel Wärme.

Der Opener „Futuredream“​ lässt mit seiner groovenden, rollenden Gitarre auch gleich an Pearl Jam‘s „Alive“ denken.

„God On Drugs“ findet sich als Hörbeispiel, es scheint als Auskoppelung am geeignetsten, bringt aber neben druckvollem Spiel etwas zu wenig Dramatik.

„The Charm“ spielt mit einer Nirvana- Gitarre und zweistimmigem Gesang, auch der Charakter ist eher von der depressiven Sorte. Spätestens hier zeigt sich, wer in der Lage ist, fast elf Minuten Aufmerksamkeit aufbringen zu können.

Viel Druck bringt „Wolf“, gepaart mit entspannteren Parts, ein kleiner Ausreißer, der zur Mitte der Scheibe Dynamik ins Spiel bringt. Sehr schön emotional und vielleicht, der den Charakter Scheibe am besten zeigende Song ist „New Low“. Hier gelingt die Melange aus Kraft und Melancholie hervorragend. Langsamer und besinnlicher setzen „Hades“ und „Scream“ fort, beide sind schon fast Shoegazer.
Als Abgang hinterlässt „Scream“ einen Geschmack von Pearl Jam in voller Pracht.

Fazit: Futuredream von Carubine ist eine mit Nachdruck gespielte, dunkle, melancholische, liebevoll gemachte Scheibe, die die Seele tröstet und uns mit der Tatsache versöhnt, daß eh alles keinen Sinn macht. Musik, wie diese, macht den bittersüßen Genuss von Novembernebel ​und hereinfallenden ​
​Krähenschwärmen​ erst möglich.

​Review: Michael Neumann​

Tracklist:

1. Futuredream
2. God On Drugs​
​3. The Charm​
​4. Wolf
5. New Low
6. Hades
7. Scream​

Gruppenmitglieder: Erik Kling Gitarre, Robin Kulbay Drums, Alex Gatica Bass, Vocals

Erschienen bei Dead End Exit Records am 3. November 2017

​Video auf YouTube von „God On Drugs“​

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