Review: AMORPHIS  – Queen Of Time Review: AMORPHIS  – Queen Of Time
Am 18. Mai 2018 dürfe sich alle AMORPHIS- Fans endlich auf ein neues Album der Band freuen. "Queen Of Time" ist ein Parforce-Ritt durch archetypisch... Review: AMORPHIS  – Queen Of Time

Am 18. Mai 2018 dürfe sich alle AMORPHIS- Fans endlich auf ein neues Album der Band freuen. „Queen Of Time“ ist ein Parforce-Ritt durch archetypisch finnische Metal-Hexerei, ein dunkler, geheimnisvoller, melancholischer Abend am Lagerfeuer.

Ganze 24 Jahre ist es her, seit AMORPHIS mit ihrem zweiten Album »Tales From The Thousand Lakes« die Metal-Welt für immer veränderten. Es war ein Jahrhundertalbum, ein epochales Werk für die Ewigkeit, das die Weichen für eine der erfolgreichsten finnischen Musikkarrieren aller Zeiten stellte. Auf bisher zwölf Alben brachten uns AMORPHIS das finnische Nationalepos, die „Kalevala“, näher, zogen mit ihren Tourneen mehrfach um die ganze Welt, erhielten Goldene Schallplatten am laufenden Band und erreichten mit ihrer unverwechselbaren Mischung aus Metal, Folklore und Rock das, was den wenigsten Bands vergönnt ist: Ihr eigenes Genre.

Mit ihrem 13. Studioalbum Queen Of Time entstand ein wegweisendes Epos über den Aufstieg und Fall der Zivilisation.

AMORPHIS entwickelten in den letzten Jahren ihren ikonischen Stil weiter. So vielschichtig, packend, originell und monumental wie auf Queen Of Time haben AMORPHIS ihre Geschichten von den tausend Seen noch nie erzählt.

Die Aufnahmen waren diesmal deutlich intensiver und aufreibender“, verrät Esa Holopainen Nuclear Blast. „Nach mehr als 300 Konzerten für »Under The Red Cloud« spielten wir unsere letzte Show dieser Tour an einem Samstag im September 2017 in Helsinki. Wir hatten den Sonntag frei – und begannen am Montag mit den Proben zum neuen Album! Wir konnten die Energie, die Erfahrung und die Routine der Touren direkt mit ins Songwriting nehmen. Das hat dem Prozess einen ordentlichen Schub gegeben.“Amorphis - Queen Of Time - Artwork

Aufgenommen wurde das Album bei Jens Bogren, einem wahrhaften Bruder im Geiste. „Wir wussten: Wenn wir weiterhin mit ihm zusammenarbeiten, können wir über uns hinauswachsen. „Dieses Werk ist selbst für uns eine gewaltige Überraschung. Noch während der Pre-Produktion hatten wir ja keine Ahnung, welch monumentale Landschaft Jens im Kopf hatte. Sicher, er sprach sehr viel darüber, doch wir wussten ja nicht, dass er das alles aufs Album packen würde, was ihm im Kopf herumschwirrte,“ so der Bandgründer. 

Honorige Gäste wie Chrigel Glanzmann (ELUVEITIE) an den Pipes, Kehlkopfsänger Albert Kuvezin oder Saxofonist Jørgen Munkeby und der erstmalige Einsatz eines Orchesters und Chors machten das Album zu etwas ganz Besonderem. Sie verschaffen dem Sound eine dramatische und cinematische Tiefe, lassen alles noch epischer, noch tiefer, noch bedeutsamer erscheinen. Am wichtigsten ist jedoch: Sie stehlen der archaischen AMORPHIS-Magie nicht die Schau. Holopainen nickt begeistert: „Diesen Kick, diese Metamorphose haben wir insgeheim wohl schon seit Jahren gesucht.“

Der Opener „The Bee“ beginnt mit sonorem Kehlkopfgesang, einer sirenenhaften weiblichen Stimme und markant flirrenden Synthies, bevor in bester AMORPHIS-Manier losgelegt wird. Melodien aus einer anderen Sphäre, schroffe Härte, Grandezza, kunstfertige Orchestration und Melancholie, alles fließt nahtlos ineinander, als würden diese verschiedenen Welten immer schon zueinander gehören. Als Sinnbild dieses erhabenen Spiels aus Licht und Schatten thront über allem Tomi Joutsens gewaltiges Organ. Mal grabestief grollend, mal voller wehklagender Inbrunst, mal glasklar über allem schwebend. Er ist mehr denn je Skalde, Prophet und Geschichtenerzähler.

Die fabulierenden Melodien im flott dahinhastenden „Message In The Amber“ sind nordisch zum Quadrat. Bei „Daughter Of Hate“ vereinigen sich zähnebleckende Aggression und Black-Metal-Keifen mit orientalischen Melodien und dunklen Chören. „Wrong Direction“ hingegen ist sanfter Natur und bewusst reduziert. Dass AMORPHIS jetzt Chöre und Streicher haben, heißt nicht, dass sie ihr Klangbild damit vollkommen überfrachten. „We Accursed“ schöpft dann wieder aus den Vollen: Dezentes Ennio Morricone-Flair, majestätisch, erhaben, elegant – schon jetzt ein zukünftiger Klassiker im Live-Set! Das alles überstrahlende „Amongst Stars“ ist eine weitere Überhymne mit einer gewohnt fabelhaften Anneke van Giersbergen als Gast.

Wie immer getragen von Pekka Kainulainens poetischer Dichtkunst, dringen AMORPHIS tiefer denn je ins Dickicht der Folklore und der kosmischen Zusammenhänge ein. „Diesmal erzählt Pekka sehr universell von den kosmischen Mächten, an die die Menschen vor langer Zeit glaubten, vom Aufstieg und Fall der Kulturen.“ Sinnbildlich wird das von der Biene auf dem Albumcover zusammengefasst – der Königin der Zeit, wie Holopainen den Albumtitel erklärt. „Sie steht für den Mikrokosmos, der dennoch kataklysmische Veränderungen auslösen kann. Der Fall von Weltreichen, der von einem kleinen sprießenden Samen eingeläutet wird. Der Schmetterling, der einen Hurrikan auslöst.“ Und weil „Daughter Of Hate“ ganz dringend einen gesprochenen Part brauchte, tritt Texter Kainulainen erstmals auch als Erzähler in Erscheinung. Seine weise, ehrwürdige Schamanen-Stimme könnte nicht besser zu dieser Musik passen.

Abgerundet wird „Queen Of Time“ von der Rückkehr des Ur-Bassisten Olli-Pekka Laine, der den nach 17 Jahren ausgestiegenen Niclas Etelävuori ersetzt. Eigentlich bei seiner Band BARREN EARTH tätig und der finnischen Regierung angestellt, ließ sich Laine kurzerhand zwei Jahre freistellen, um alle AMORPHIS-Liveaktivitäten erfüllen zu können.

Band: Tomi Joutsen | Gesang, Esa Holopainen | Gitarre, Tomi Koivusaari | Gitarre, Olli-Pekka Laine| Bass, Santeri Kallio | Keyboards, Jan Rechberger | Schlagzeug

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Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de