Review: Alcyona – Trailblazer Review: Alcyona – Trailblazer
Ein Debutalbum und schon so ein hohes Niveau - das erste Album des Quintetts Alcyona aus Minsk überzeugt direkt mit einer tollen Sängerin und... Review: Alcyona – Trailblazer

Ein Debutalbum und schon so ein hohes Niveau – das erste Album des Quintetts Alcyona aus Minsk überzeugt direkt mit einer tollen Sängerin und lebhaften Melodien, die die Messlatte für das nächste Album hoch setzen. Für Fans von Nightwish – an denen sich die Band möglicherweise nicht nur lose orientiert hat.

Fassen wir es so zusammen: wären Nightwish und Alcyona Schüler, käme man nicht umhin zu vermuten, dass Alcyona ein bisschen sehr viel auf Nightwishs Klassenarbeit geschaut haben. Musikalisch überzeugen Alcyona jedoch an sich – auch dadurch, dass tatsächlich jedes Lied so unterschiedlich klingt, dass man sie einzeln voneinander unterscheiden kann. Von den Liedtiteln her könnte die Band auch Power Metal spielen, aber diese Richtung ist, wenn überhaupt, nur in weiter Ferne ersichtlich.

Das Titelbild ihres Debutalbums „Trailblazer“ – eine vermummte Gestalt auf einer riesigen Sanduhr im Meer – erinnert an einen Entwurf für ein etwas experimentelleres Assassin’s Creed. Besonders gefällt bei dem Bild die plastisch wirkenden Wolken, die einen sehr schönen Farbverlauf von Blau nach Rot zeigen. Außerdem hängt ein Flügel (das Instrument) in den Wolken. Nun aber zur Musik, die ähnlich farblich, verträumt und unterschwellig stürmisch wirkt wie das Albumcover.

Die recht epischen Lieder und einige Verse lassen eine Geschichte vermuten, die aber nicht ganz zusammenhängend scheint. Genau genommen ist die Geschichte von „Trailblazer“ eine Reise in einzelnen Episoden.

Alcyona sagen über ihr Debutalbum: „Every song has it’s own story. On the main (front) picture shows a warrior who stands on the antique hourglass. He is a time-space voyager, a very wise and experienced character!
With him you will go to the old legends of the ancient forest (Enchantment) , to dark and fiery times (The Kingdom of Might, Sacred fire); together will pass the road of dreams (DreamRoad); you will see the power of the human spirit (Osceola) and can live one life from birth to death in 4 minutes; the voices from the past will be hear[d] (Memories in the vessel); you will find „The Lost Valley“; will dance at the performance of street musicians (The Kings of Show) and already others you will arrive in the ever green spring, the world of love and harmony ([Моя весна]My Spring).“

Der Opener des Albums „Trailblazer“, die auch auf YouTube einsehbare Single „Enchantment“, gibt direkt den Startschuss für ein vielversprechendes Album, die Melodie prescht nach vorne und tanzt einen zauberhaften Reigen in einer dunkel glitzernden Fantasywelt.

Die anfangs etwas tiefere Stimme von Sängerin Olga Terentyeva gibt den hohen, grazilen Klängen einen angenehmen Gegensatz, ehe sie sich in gemeinsame noch höhere Höhen schwingen. Wenn nicht schon bei den allerersten Sekunden, wird allerspätestens hier das musikalische Vorbild der Band deutlich: Nightwish, DIE Symphonic-Opera-Metal-Band schlechthin.

Im Instrumentalteil des Liedes wird der Gitarre, gespielt von Nikolay Sidorevich, mehr Platz eingeräumt, den sie auch äußerst befriedigend einnehmen kann. Insgesamt ein temporeicher und schöner Einstieg in ein Erstlingswerk.

Mit dem zweiten Lied „Dreamroad“ werden Stimmung und Tempo etwas gedrosselt, ein ziemlich cooles Intro leitet ein schleppenderes und stärkeres Lied ein, dessen Melodie sich ans Ohr anschleicht, aber alle paar Schritte innehält.

Mit „Dreamroad“ wird langsam eine Stärke der Band deutlich: die interessanten und actionreichen Instrumentalparts der Lieder, die nicht nur mit unterschiedlichen Melodien, sondern auch unterschiedlichen Instrumenten arbeiten. Vor allem in den tieferen Tonlagen kriegt Olga Terentyeva einen dunklen Touch, und ihre Stimme kann zum Beispiel in einigen sehr ruhigen Versen des Liedes noch einmal umfangreicher genossen werden.

Auch Dreamroad ist äußerst stark Nightwish-inspiriert, die Band, die auch alle anderen Lieder wohl inspiriert hat, was beim Hören des Albums wirklich unüberhörbar deutlich wird. Denn vor allem in den hohen Lagen klingt Olga Terentyeva beinahe 1:1 wie Tarja Turunen.

Auch das nächste Lied „Kingdom of Might“ bleibt langsam und baut sich sorgfältig auf, ehe der Gesang in tiefere und dunklere Gefilde geht – hier wirkt die Stimme der Sängerin besonders klar und ruhig und hebt sich dadurch ein wenig vom Nightwish-Vorbild ab, nur um dann wieder mit „Sacred Fire“ noch mehr als ohnehin schon wie besagte finnische Band zu klingen.

Wieder geheimnisvoller und sanft von Flöten begleitet wird es mit „Osceola“, doch der Anfang täuscht: nach wenigen Takten wird noch einmal richtig reingehauen und es baut sich ein recht episches und starkes Lied auf, welches den Hörer erst wie eine Tsunamiwelle umspült und sich kurze Zeit später in ein verspieltes Flüsschen beruhigt, das aber schnell wieder volle Fahrt aufnimmt. Nach diesem abwechslungsreichen Lied gibt es etwas zum runterkommen: ein melancholisches Klavier leitet „Memories in the Vessel“ ein, welches aber wie die vorigen Lieder im Laufe der Zeit stärker und zackiger wird. Besonders hier fällt auf: Nach und nach entwickelt sich „Trailblazer“ immer mehr zu Nightwishs verlorenem Album.

„Memories in the Vessel“ wirkt allerdings im Besonderen erwähnenswert: Mitten im Lied läuft eine 16-bit-artige Klaviermelodie an, über die ein Wichtel hinterlistig kichert, ehe ein hüpfender 4/4-Takt ein bizarres Zirkusfeeling erwirkt. Die Varianz von schnell und langsam, nachdenklich, bedrückend und kunterbunt, macht „Memories of the Vessel“ zu einem der überzeugendsten Lieder des Albums und hoffentlich etwas, das Live gespielt wird.Alcyona – Trailblazer
Danach bleibt es vital: „The Lost Valley“ lässt hinten am Horizont der Töne Power Metal Orientierung erahnen, es ist schnell und motivierend und entwickelt neben einem wirbelnden Gitarrensolo einen Ihr-wisst-schon-welche-Band-Vibe, vor allem die frühen, schnelleren Werke dieser Ihr-wisst-schon-welcher-Band, der im nächsten Lied seine vollen Höhepunkt findet: „Circle Of Life“ lässt einen „Sleeping Sun“ nicht nur denken, sondern auch fast singen.

Dynamischer wird es mit „Kings of Show“, das zwar in einem gewohnten Midtempo bleibt, aber trotzdem mehr Bewegung fühlen lässt, als erwartet.
Im letzten Lied des Albums – „Моя весна“ – findet Alcyona endlich eine gewisse eigene Note – das Lied ist anfangs ein ruhiges, gitarrenbegleitetes Lied auf Russisch, das den Hörer direkt in einen dämmerlichtdurchfluteten Zauberwald bringt. Auch hier kann das Lied es mit der Zeit nicht lassen, in die Nightwish-Richtung zu schielen, aber ein gewisser eigener Touch bleibt erhalten. Mit den letzten Tönen von „Моя весна“ kommt „Trailblazer“ zu einem guten Schluss.

Fazit: Fulminante Melodien und eine tolle Sängerin – Alcyona können mit „Trailblazer“ sicherlich so einige Fans für sich überzeugen. Allerdings ist das Quintett von seinem Covertrip („Wish I Had An Angel“: https://www.youtube.com/watch?v=KJF9he4OPPo) anscheinend noch nicht ganz runtergekommen und noch auf der Suche nach einer eigenen Note. Sollte die aber beim nächsten Album sich mehr herausgeschnitten haben, hat das Symphometalfirmament einen weiteren Stern zu begrüßen! Doch auch bis dahin muss „Trailbreaker“ als Debutalbum sehr gelobt werden, da es auf einem musikalischen Niveau einsteigt, das so einigen Newcomern voraus ist.

Review: Clara C. Wanning

YouTube-Link zum Musikvideo von „Enchantment“:

Dazu sei bemerkt, dass Alcyona auch ein schönes Cover des Liedes „Here I Am“ von Bryan Adams aufgenommen haben.
TRAILBLAZER, 2018
1. Enchantment
2. Dreamroad
3. Kingdom of Might
4. Sacred Fire
5. Osceola
6. Memories in the Vessel
7. The Lost Valley

8. Circle of Live
9. Kings of Show
10. Моя весна

Alcyona sind:
Olga Terentyeva – Gesang
Evgeniy Malei – Bass, Gesang
Natalia Malei – Keyboards, Komposition
Nikolay Sidorevich – Gitarre
Anatol Afanasyonak – Schlagzeug

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