Interview mit DIABLO BLVD. Teil 1 der vierteiligen Serie Interview mit DIABLO BLVD. Teil 1 der vierteiligen Serie
Derzeit supporten die Belgier DIABLO BLVD. im zweiten Teil ihrer Tour zum aktuellen Album "Zero Hour" Wednesday 13. Im Schlachthof Wiesbaden stand Sänger Alex... Interview mit DIABLO BLVD. Teil 1 der vierteiligen Serie

Derzeit supporten die Belgier DIABLO BLVD. im zweiten Teil ihrer Tour zum aktuellen Album „Zero Hour“ Wednesday 13. Im Schlachthof Wiesbaden stand Sänger Alex Agnew Metalogy.de Rede und Antwort und berichtete über die Tour, die aktuelle Scheibe und viel Politisches und Philosophisches. Lest hier auf Metalogy den ersten Teil der vierteiligen Interview-Serie.

Hallo Alex, Ihr seid nun seit einem Monat mit eurem neuen Album „Zero Hour“ auf Tour. Wie läuft es bisher?

Alex: Es war bisher großartig. Der erste Teil der Tour war eine Headliner-Tour. Das haben wir vorher noch nie gemacht. Es war also das erste Mal. Es war gut zu sehen, wie viele Leute wirklich kommen, um UNS zu sehen, anstatt dass du als Support spielst, was irgendwann irgendwie ermüdend wirkt. Du willst halt deine eigene Show spielen. Das ist richtig cool. Wir haben kleinere Locations gespielt, weil wir das schlau angehen wollten. Du willst auf deiner ersten Tour nicht in Hallen für 6000 Leute vor 35 spielen. Es war aber wirklich cool. Und die Reaktionen waren großartig. Zu unseren Shows kamen etwa 70 bis 100 Leute. Mal mehr, mal weniger, abhängig davon, wo wir gerade waren. Aber es war cool, weil die wegen UNS da waren. Es war wirklich großartig, weil sie alle unsere Songs mitgesungen haben – die neuen und die alten Songs. Es war wirklich UNSER Publikum. Das war großartig und einfach eine coole Sache, das mal gemacht zu haben.  Danach starteten wir bekanntlich den zweiten Teil der Tour mit Wednesday 13. Das ist eine ganz andere Sache, weil Wednesday 13 sehr fanatische Fans haben. Die Herausforderung ist, dass wir diese Fans jeden Abend für uns gewinnen müssen. Einige Fans kommen zwar auch wegen uns, besonders dort, wo wir vorher schon häufiger gespielt haben. Hier im Schlachthof Wiesbaden zum Beispiel haben wir schon zweimal gespielt – einmal mit Machine Head als Opener und einmal mit Coal Chamber. Und jetzt sind wir hier mit Wednesday 13. Das ist cool. Es ist eine tolle Tour bisher. Sie sind wirklich nette Jungs und es ist sehr einfach mit ihnen gut auszukommen.

Wie passt es generell zusammen, dass ihr mit Wednesday 13 tourt, wenn ihr die Fans erst gewinnen müsst?

Alex: Das liegt einfach daran, dass Wednesday 13 wirkliche Fans haben. Es gibt auf der einen Seite Fans, die vieles mögen, denen es eigentlich egal ist (wen sie spielen sehen). Und dann hast du Bands wie Wednesday 13 oder Epica, mit denen wir getourt haben, die eine andere Art von Fans haben. Fans, die sobald die Halle geöffnet wird, ganz nach vorne stürmen, um direkt an der Bühne zu stehen. Bei anderen Metalshows gibt es Fans die einfach nur rumhängen und warten. Nicht so bei diesen Bands. Die haben richtige Fans, die ganz vorne an der Bühne stehen wollen und absolut Vollgas geben. Rock`n`Roll. (lacht) Und das ist, was passiert. Du hast direkt von Anfang an das Publikum ganz vorne an der Bühne stehen, was toll ist. Die ersten paar Shows haben wir zwar gemerkt, dass die erste Reaktion sowas wie „Wer seid ihr denn?“ war. Aber wir auch gemerkt, dass wir sie nach drei oder vier Songs dann haben. Jedes Mal. Das ist dann cool. In unserer Musik ist viel dunkle Symbolik enthalten, die auch bei Wednesday 13 zu finden ist. Genauso Einflüsse aus den 80ern und von New Wave, die in unserem neuen Album vermehrt vorkommen. Und das Publikum spürt das. Wir stehen da also nicht auf verlorenem Posten, dass wir überhaupt nichts gemeinsam hätten.

Es gibt also keinen speziellen Grund, warum ihr mit Wednesday 13 tourt?

Alex: Nein. Wir haben die Tour angeboten bekommen. Und wir haben gesagt: Hey, das ist cool. Wir haben gleichzeitig andere Touren angeboten bekommen, die wir aber nicht gemacht haben, weil entweder das finanzielle Angebot ziemlich mies war oder es einfach eine Band war – ich nenne jetzt keine Bandnamen, weil das nicht nett wäre – mit der wir absolut nichts gemeinsam haben. Und ich konnte mir nicht vorstellen, dass deren Fans uns auch nur im Geringesten mögen könnten. So schien Wednesday 13 einfach gut zu passen. Ich selber habe ein paar Alben von den Murder Dolls und ähnliche Sachen. Also ist mir der Stil nicht neu.

Erzähl uns noch etwas über die Headlining-Tour? In welchen Ländern habt ihr gespielt?

 Alex: Wir haben in Deutschland, Schweiz, Österreich und Tschechien gespielt… Nicht in Belgien dieses Mal. Wir haben viel in Deutschland gespielt. In Belgien spielen wir nicht mehr so viel, nur noch ab und zu. Wir versuchen möglichst viel außerhalb Belgiens zu spielen. Wir versuchen ein Publikum, eine Fanbasis außerhalb von Belgien aufzubauen. Wir konzentrieren uns dabei sehr stark auf Deutschland. Ich mögen die deutschen Fans wirklich sehr und sie scheinen uns zu mögen. Also macht es Sinn. Auf unserer Headlining-Tour waren die Shows in Deutschland die besten Shows. Ok, auch in Holland. Deutschland und Holland liefen super. Das ist also worauf wir uns derzeit konzentrieren. Wenn du hier in Deutschland eine Fanbasis aufbauen kannst, kannst du die weiter auf andere Länder ausbauen. Wir versuchen also nicht, über die Welt verteilt Shows zu spielen und überall halb aktiv zu sein. Wir schauen aber gleichzeitig auch nach eine möglichen US-Tour….

(Im Hintergrund starten Wednesday 13 mit ihrem Soundcheck)DiabloBlvd_Photos by Tim Tronckoe

Eure jetzige Tour umfasst 20 Konzerte. Ist das Eure größte bisher?

Alex: Klar. Die Headlining-Tour ist die erste, die wir bisher gemacht haben. Es ist auch die längste Zeit, die wir bisher auf Tour verbracht haben.

Euer neues Album „Zero Hour“ ist nun seit September draußen und ist sehr erfolgreich in Belgien. Wie lief es in anderen Ländern?

Alex: Ja, in Belgien ist es auf Platz 3 in die Charts eingestiegen. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, wie es in anderen Ländern lief. Ich nehme an, ganz gut. Es wird nicht so gut sein, wie in Belgien. So war es auch zumindest beim letzten Album und wird jetzt wohl wieder so sein. Ich habe keine Ahnung. Wir haben bisher keinen Zahlen bekommen. Ich denke es läuft gut.

Könntest Du uns mehr über die Message hinter „Zero Hour“ erzählen?

Alex: Sicher. Das Album entstand in einer für die Band düsteren Zeit. Wir hatten eine Line up-Wechsel. Der Lead-Gitarrist, der die bisherigen drei Alben einspielt hatte, verließ die Band. Es war keine schöne Zeit für die Band. Für keinen von uns. Es hat etwas Zeit gebraucht, bis wir uns an das Schreiben des neuen Albums gemacht haben. Wenn wir ein neues Album schreiben, hören wir uns zunächst die alten Alben an und überlegen, was uns daran gefällt. Darauf bauen wir dann auf. Songs die sowas wie eine Vorlage für die neuen Songs waren, sind unter anderem „Beyond The Veil“ oder der Song „Follow The Deadlights“. Diese Songs haben eine 80er Jahre/New Wave – Stimmung. Wir haben uns entschieden weiter in diese Richtung zu arbeiten. Es sollte etwas dunkler werden und stärker von den 80ern beeinflusst sein. Das ist insbesondere die Musik, mit der ich aufgewachsen bin; Zeug wie Bauhaus, Sisters of Mercy, Gang of Four. Punk, wie Killing Joke ist einer unserer Haupteinflüsse. Und natürlich war zum ersten Mal ein besonderer Einfluss, dass ich auch als Comedian arbeite und neben dem Album eine Comedy-Show geschrieben habe. Die Comedy-Shows, die ich mache sind immer sehr sozialkritisch. Bei den bisherigen Alben hatten wir immer nur einen oder zwei Songs in diese Richtung, aber nicht ein komplettes Album. Auf „Follow The Deadlights“ hatten wir „Rise Like Lions“ als einen solchen Song. Aber es war nie das ganze Album. Dieses Mal lag der Fokus bei den Zeiten, in denen wir gerade leben und den Parallelen, die ich zu den 80ern sehen kann, in denen ich aufgewachsen bin. Ich werde 45 im Dezember und ich kann mich gut daran erinnern, wie sich der Kalte Krieg angefühlt hat. Heute gibt es viele Sachen, wie, dass Donald Trump darüber redet eine Mauer zu errichten. Für uns alle und besonders für die Deutschen war das Signal für das Ende des Kalten Krieges der Falls der Berliner Mauer. Es hieß: Grenzen öffnen und freier Handel. Perestroika und Glasnost. All diese Sachen. Dieses stand für ein neues Zeitalter der Hoffnung und des Zusammenarbeitens statt sich unversöhnlich gegenüber zu stehen. Aber nach dem 11. September und all diesen Dingen hat sich die Welt zurück zum Schlechteren entwickelt. Wenn du dir nun die Regierungschefs in dieser Welt ansiehst, sind doch einige Parallelen zwischen den 80ern und heute auffällig. Nehmen wir Donald Trump. Er ist Präsident. Den hat zunächst niemand ernst genommen, als er sich zur Wahl stellte. Ronald Reagan hat damals auch zunächst niemand ernst genommen, weil er Schauspieler war. Letztendlich war er einer der Präsidenten mit dem stärksten Einfluss in den letzten vier Dekaden. Das könnte mit Donald Trump auch durchaus passieren. Ich hoffe es zwar nicht, aber man weiß ja nie. Und in Russland haben wir auch einen neuen starken Mann. Insgesamt gibt es in der Welt zurzeit viele starke Führer, wie auch Erdogan in der Türkei. Es sind alles starke Männer, die nostalgisch auf eine Zeit schauen, an die sich niemand mehr zu erinnern scheint, in der es hieß „Make Suche Dir ein Land aus great again.“ Was würde es zum Beispiel bedeuten, wenn das ein Brite sagen würde? Länder erobern und das Empire wieder errichten? Es gibt einfach so viele Parallelen zwischen damals und heute. Ich wuchs damals in einer Zeit auf, in der es die reelle Angst vor einem dritten Weltkrieg gab. Als ich klein war, gab es den Song „Russians“ von Sting der mich regelrecht verrückt gemacht hat. Ich dachte damals „Oh mein Gott. Wir werden sterben. Es wird einen Atomkrieg geben.“ Und als ich diese Gefühle jetzt wieder hatte, war mir direkt klar, worüber die Lyrics im neuen Album gehen würden. Ich wollte nicht mehr über Dämonen und Engel singen. Auch wenn diese immer eine Metapher für etwas anderes waren. Es war klar, dass ich über die wichtigen Dinge schreiben wollte.

Hast Du das Gefühl, dass die Metalszene in den 80ern politischer war?

Alex: Ja. Absolut. Und das fehlt mir derzeit. Die Punkszene ist so gut wie tot. Da ist nichts mehr los. Ich bin mit vielen der Band groß geworden, wie Dead Kennedys oder Sex Pistols und Discharge, die über solche Dinge gesungen haben.  In den 90ern gab es noch Rage Against The Machine. Ich hatte das Gefühl, dass heutzutage nicht mehr viele Bands über politische Dinge schreiben. Besonders die Dinge, die jetzt gerade in der Welt passieren. Der Opener „Animal“ wurde direkt nach dem Anschlag in Brüssel geschrieben. Ich war richtig angepisst. Was mich aber am meisten getroffen hat, ist die Tatsache, dass Terroristen schreckliche Dinge tun – das gehört wohl zu ihrer Stellenbeschreibung nehme ich an – was ich aber überhaupt nicht mochte, war, welche Gefühle das in mir hervorgerufen hat. Ich wurde richtig sauer und hatte dann selber schreckliche Gedanken. Und das ist das Schlimmste was die eigentlich machen können. Sie verändern tolerante Leute in intolerante einfach durch die schreckliche Natur der Dinge, die sie tun. Also schrieb ich diesen Sing darüber. Und das ging ziemlich schnell. Die Lyrics sprudelten geradezu aus mir heraus. Das war das erste Mal überhaupt. Bei unseren anderen Alben waren die Texte das Letzte, was geschrieben wurde. Wenn ich normalerweise anfangs zu der Musik singe, singe ich normalerweise Melodien und suche dann nach den Worten. Dieses war das erste Album für das ich seitenweise Lyrics hatte, aus denen ich auswählen konnte. Wir wussten direkt ziemlich genau, dass das Gefühl des Albums komplett anders sein würde als bei den anderen.

Benutzt Du dieselben Themen in Deiner Comedy-Show?

Alex: Ja, das mache ich. Nicht exakt die gleichen Themen, aber viele. Bei Songs wie „Like Rats“, bei dem es darum geht, dass unsere Zeit abgelaufen ist oder „Summer Has Gone“, wo es darum geht, dass die Menschheit von etwas Höherentwickeltem ersetzt werden müsste. So wie wir Homo Sapiens waren und alle anderen Menschenarten ausstarben, weil wir etwas cleverer waren, und ich denke, dass etwas Clevereres vorbeikommen müsste als wir. Das war ein großes Thema in meiner Comedy-Show und ist auch auf dem Album zu finden.

Bist du derzeit auch als Comedian aktiv?

Alex: Normalerweise habe ich das parallel gemacht, wenn wir in Belgien und in den Niederlanden getourt haben. Da waren die Entfernungen auch eher lachhaft. Das ist jetzt nicht mehr so. Wir machen jetzt die Band und wenn die Band mit dem Touren-Zyklus fertig ist und startet am nächsten Album zu arbeiten, mache ich eine Comedy-Tour. So kombiniere ich beides zurzeit.

Morgen könnt ihr hier auf Metalogy den zweiten Teil der vierteiligen Interview-Serie lesen.

Interview: Michael Glaeser, DIABLO BLVD. Photo by Tim Tronckoe 

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Review: DIABLO BLVD – ZERO HOUR

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