Neue Fleischersatz-Produkte – Zum Verwechseln gut gemacht Neue Fleischersatz-Produkte – Zum Verwechseln gut gemacht
Die Fleischproduktion trägt nicht nur wesentlich zum Treibhauseffekt und somit zum Klimawandel bei, sondern auch zur Rodung von Wäldern für die Schaffung von Weideflächen... Neue Fleischersatz-Produkte – Zum Verwechseln gut gemacht

Die Fleischproduktion trägt nicht nur wesentlich zum Treibhauseffekt und somit zum Klimawandel bei, sondern auch zur Rodung von Wäldern für die Schaffung von Weideflächen und den Anbau von Futtermitteln. Nicht zuletzt auch wegen der entmenschlichten Züchtungs- und Schlachtungsmethoden im Zeitalter der Massentierhaltung wird der Fleischkonsum immer mehr zu einem bedeutenden Diskussionsthema. Doch für alle, die den Geschmack von Wurst- und Fleischprodukten lieben, gibt es jetzt ernstzunehmenden und gleichwertigen vegetarischen Ersatz

In den modernen ‟Tierfabriken“ wird der wahre Wert der Tiere auf ihren Warenwert reduziert. „Die heutige industrielle Massentierhaltung missachtet nicht nur das Wohl der Tiere und ihre artgemäße Haltung, sondern auch Qualität, Geschmack, die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Erzeugnisse – und den Schutz der Umwelt“ Quelle : Positionspapier ProVieh. Fleisch essen, oder nicht Fleisch essen, wird daher zunehmend zu einer Glaubensfrage. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass in Umfragen 9 % der österreichischen Bevölkerung bereits angeben, Vegetarier zu sein. Laut einer Umfrage in Deutschland in diesem Jahr, wollen 38 % in Zukunft weniger Fleisch essen und 46 % essen bereits weniger Fleisch. In Zahlen: Laut Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov, 2014 ernähren sich rund 900.000 Deutsche  vegan, etwa 7 Millionen sind Vegetarier und ungefähr 42 Millionen Flexitarier. Das zeigt sich bereits deutlich in den Verkaufszahlen für vegetarische Lebensmittel.

Sich vorrangig oder zumindest ab und zu fleischlos zu ernähren liegt absolut im Trend. Allein in Österreich und Deutschland bezeichnen sich bis zu 40 Prozent (Quelle: Institut für Motivforschung, 2015) der Bevölkerung als Flexitarier, Menschen, die nur gelegentlich Fleisch essen. Motive zum Vegetarismus oder eingeschränktem Fleischkonsum in den reichen Ländern können ethische (Tierleid vermeiden), gesundheitliche (Qualität des Fleisches), religiöse aber auch umweltpolitische Bedenken sein. Doch für alle, die den Geschmack von Wurst- und Fleischprodukten lieben, gibt es jetzt ernstzunehmenden und gleichwertigen Ersatz.

Fleischersatz-Produkte boomen

Die Auswahl an Fleischersatz-Produkten oder fleischanalogen Produkten ist in den letzten Jahren immer mehr gewachsen. Der Gesamtumsatz an vegetarischen Teilfertiggerichten im Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland verzeichnete in den letzten Jahren Steigerungsraten von durchschnittlich 30 %.  Die meisten Fleischersatz-Produkte werden auf Basis von Seitan, Tofu, Tempeh oder Eiweiß hergestellt. Da gibt es Würstel, Wurstaufschnitt-Produkte, Hackfleisch, vegetarische Burger, Gyros, Hacksteaks, sogar vegetarischen Fisch und vieles mehr. Schon lange muss man um diese Produkte zu kaufen nicht mehr in Bioläden gehen, mittlerweile kann man sie ganz einfach in jedem Supermarkt oder Discounter kaufen. Doch die Qualitätsunterschiede sind enorm. Manches schmeckt wie Gummi oder Pappe, manches hat eine wabbelige Konsistenz oder ist einfach nur geschmacklos. Manche Produkte sind aber geschmacklich von den Original-Fleischprodukten nicht mehr zu unterscheiden. Ich habe für Metalogy.de die weltweit führende Lebensmittelmesse, die Anuga in Köln besucht, um mich selbst von den Qualitätsunterschieden und vom enormen Angebot auf diesem Gebiet zu überzeugen. Vier Hersteller sind mir dabei besonders positiv aufgefallen.

Fleischfreie Würstel und Leberkäs aus Österreich

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Foto: Lydia Polwin-Plass

Unter dem Motto „Weil uns Geschmack nicht Würstel ist!“ überzeugte bei der Anuga in Köln, ein Hersteller von Fleisch- und Fleischersatz-Produkten aus Österreich ganz besonders. Das Traditionsunternehmen Landhof aus Österreich ist Spezialist für Wurst-, Schinken- und Salamiprodukte. Diese Erfahrung war die Grundlage für die Entwicklung der ersten fleischlosen Wurst. Aufschnittwurst in 7 Sorten, Leberkäse im Ofen gebacken, cremige Streichwurst-Variationen, Käsekrainer, Bratwürstel & Co für den Grill und ganz neu und besonders faszinierend Wiener Würstel, pikanter Wurstsalat mit und ohne Käse, Fertiggerichte und Suppen, Burger Patties und Sugo. Alles ohne Fleisch. Das Unternehmen stellte auf der Anuga seine neuesten Fleischersatz-Produkte vor und sorgte mit den Kostpoben für absolute Begeisterung. Im direkten Vergleich zu den Original Fleischprodukten stehen weder der Leberkäse (Fleischkäse), noch die diversen Würstel- oder Wurstsorten der Marke „Vegione“ mit der Untermarke „die OHNE“den Originalen geschmacklich auch nur im Geringsten zurück. Unter den Top-Innovationen überzeugten vor allem die ersten fleischlosen Frankfurter – oder Wiener Würstel, ganz ohne Soja, Gluten, Konservierungsstoffe wie Pökelsalz und ohne künstliche Farbstoffe, nur aus Eiweiß und mit reduziertem Fettgehalt.

Bereits 2012 hat die Firma Landhof mit der Markteinführung der ersten fleischlosen Wurst ohne Soja einen Meilenstein gesetzt und wesentlich zum Wachstum einer neuen Kategorie im Lebensmittelhandel beigetragen. Bereits im Jahr 2013 wurden diese Innovationen bei der Anuga mit dem begehrten „taste“ für die besten und innovativsten Produkte ausgezeichnet. Auf der Anuga 2015 präsentierteLandhof geschmackliche Vielfalt und innovative Produktneuheiten auf ganz neuem Niveau.

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Langfristig geht Landhof davon aus, 15 bis 20 Prozent des Umsatzes mit dem fleischlosen Sortiment zu erzielen. „Unser Ziel war es, fleischlose Alternativen zu schaffen, die mit dem herkömmlichen Wurstsortiment auf ganzer Ebene mithalten können. Mit ‚die OHNE® ‘ ist uns dieses Vorhaben geglückt – und das ist nur der Anfang. Denn seit diesem Jahr will ‚die OHNE® ‘ unter der Marke Vegionet auch den internationalen Markt erobern. Trends zu erkennen und auf die Wünsche der Konsumenten einzugehen und schnellstmöglich zu reagieren ist uns außerordentlich wichtig. Wir wollen den Konsumentinnen und Konsumenten genau jene Produkte bieten, die sie sich wünschen“, erklärt Huber die vielseitige Produktpalette. „Auf Kundenwunsch sind wir in der Lage, auch fleischlose Produkte entsprechend Bio-, Halal- und Gentechnikfrei-Zertifizierung herzustellen“, so Landhof Geschäftsführer Dr. Thomas F. Huber.

Taiwan kann’s schon lang

Im Einklang mit der ursprünglichen buddhistischen Lehre gehört eine vegetarische oder vegane Lebensweise in Taiwan zur Tradition. Deshalb ist der Bevölkerungsanteil an Vegetariern und Veganern heute im Vergleich zur Welt prozentual in Taiwan der höchste. Aus diesem Grund besitzt Taiwan besonders hoch entwickelte Technologien zur Herstellung von Fleischersatz-Produkten. Veganes Fleisch, vegane Steaks, veganes Hähnchen, veganes Lammfleisch, veganer Fisch, ja sogar veganer Aal sind gang und gebe in Taiwan.

Auf der Anuga ist mir ein Taiwanesisches Unternehmen besonders positiv aufgefallen. Die Firma Vegefarm. Besonders fasziniert hat mich unter anderem der vegane Thunfisch auf Sojabasis. Hätte ich nicht gewusst, dass es sich nicht um echten Dosen-Thunfisch handelt,  ich hätte geschmacklich keinen Unterschied erkannt. Auch die vegetarische gegrillte Hühnchenbrust überzeugte in Konsistenz und Geschmack absolut. Unter dem Motto: „Pioneer of Healthy Living“ verkauft das Unternehmen neben seinen Fleischersatz-Produkten und dem vegetarischen Fisch, unter anderem auch noch vegetarische Shrimps. Und alles aus wertvollsten Rohstoffen aus biologischem Anbau. Noch sind die Produkte in Deutschland nicht erhältlich, aber wer weiß, das kann sich ja schnell ändern.

Und Deutschland hat es auch

Das dritte Unternehmen, das mir mit seinen vegetarischen Produkten schon lange besonders positiv auffällt, kommt aus Deutschland und ist wahrscheinlich jedem bekannt. Der eigentliche Hersteller von Wurstprodukten Rügenwalder. Seit einiger Zeit produziert Rügenwalder aber auch fleischfreie Wurst. Die Palette an Fleischersatz-Produkten, die das Unternehmen aber auf der diesjährigen Anuga vorgestellt hat, ist enorm. Vegetarischer Schinken Spicker, Frikadellen, Schnitzel, Nuggets, Hamburger, Hack , etc. alles hergestellt aus Hühnereiweiß und SFoto: Lydia Polwin-Plassoja, ohne Zusatz von Geschmacks-verstärkern und laktosefrei.

Besonders beeindruckend ist aber immer noch der Geschmack der Wurstaufschnitte der fleischfreien Schinken Spicker-Serie. Ich kann weder im Geschmack noch in der Konsistenz einen Unterschied zu den Original Rügenwalder Wurstaufschnitten aus Fleisch feststellen.

Viele Vegetarier greifen heute zu Wurst- und Fleischalternativen. Denn: 80% der Vegetarier lieben den Geschmack von Fleisch und Wurst. Es ist vor allem die Sorge um das Tierwohl, das diese Gruppe motiviert, kein Fleisch mehr zu essen. Ganz besonders beliebt ist vegetarischer Aufschnitt als Brotbelag. Fleischfreie Würstchen, Salami und Frikadellen werden am liebsten als Snack verzehrt. Bei den Mahlzeiten stehen vegetarische Schnitzel und Geschnetzeltes, Veggie-Bolognese sowie Chili sin Carne an der Spitze der Hitliste,“ so die Firma Rügenwalder auf ihrer Website.

Seit einiger Zeit hat auch der Discounter Lidl eine geschmacklich absolut überzeugende Produktlinie zum kleinen Preis: „My Best Veggie“.

Alles in Allem kann man abschließend sagen, die Fleischersatz-Produkte werden ihren Vorbildern immer ähnlicher und auch immer hochwertiger was ihre Inhaltsstoffe betrifft. Da die Nachfrage nach diesen Produkten ständig steigt und damit der Markt und die Konkurrenz größer wird, sinken zur Freunde der Kunden auch die Preise. Ein Steak oder eine Hühnerkeule lassen sich zwar noch immer nicht vegetarisch nachahmen aber beinahe alles andere kann durch vegetarische Fleischersatz-Produkte nahezu perfekt imitiert werden. Man muss also heute nicht mehr auf den Geschmack von Fleischprodukten verzichten um die grausame Massentierhaltung nicht zu unterstützen. Solange sich an den Tierschutzgesetzen und der Tierhaltung nichts ändert, wird der Markt um solche Ersatzprodukte weiter boomen. Eine erfreuliche Entwicklung.

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Dr. Lydia Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de