Exklusivinterview: Metalogy im Gespräch mit Maik Weichert von HEAVEN SHALL BURN Teil 1 Exklusivinterview: Metalogy im Gespräch mit Maik Weichert von HEAVEN SHALL BURN Teil 1
Am 08. März starteten HEAVEN SHALL BURN ihre THE LAST MARCH Tour im Wiesbadener Schlachthof. Gitarrist Maik Weichert kann die Tour aus gesundheitlichen Gründen... Exklusivinterview: Metalogy im Gespräch mit Maik Weichert von HEAVEN SHALL BURN Teil 1

Am 08. März starteten HEAVEN SHALL BURN ihre THE LAST MARCH Tour im Wiesbadener Schlachthof. Gitarrist Maik Weichert kann die Tour aus gesundheitlichen Gründen leider nicht mitspielen, stand aber vor der Show Lydia und Michael von Metalogy.de Rede und Antwort und erzählte von der Tour, den Sea Shepherds von Carl-Zeiss Jena und vielem mehr. Lest hier auf Metalogy.de den ersten Teil des dreiteiligen Interviews. 

(Anmerkung: Als Ersatz für Maik konnten HSB für die Tour Mate Bodor von Alestorm gewinnen.)

Hallo Maik, Euer aktuelles Album „Wanderer“ erschien im September 2016. Wie lief es damit im Vergleich zu den Vorgängern? Seid ihr zufrieden damit?

Maik: Wir sind sehr zufrieden. Verkäufe gehen ja generell immer mehr zurück. Da sind wir zufrieden, wenn wir den Level halten. Das ist dann ja Wachstum sozusagen. Wir haben aber nicht abgebaut, sondern sogar noch ein bisschen zugelegt. Was tatsächlich total ungewöhnlich ist. Wir sind zwar jetzt nicht die Megaseller, wie Rammstein oder Die Toten Hosen oder sowas. Das ist klar, dass da noch Luft nach oben ist und, dass man sich da noch steigern kann. Dass es nicht bergab geht, ist schon ein gutes Gefühl, wenn man ein Album gemacht hat, von dem man überzeugt ist, und dann merkt, die Leute sehen das auch so. Man hat ja immer die Angst, dass man denkt, es ist cool und dann interessiert es keinen. Also dieser Hype, der irgendwann mal vorbei ist, ist bei allen, die gerade oben schwimmen, die Angst, die im Nacken sitzt. Aber es ist bei uns scheinbar noch nicht so weit. (lacht)

Ist das Euer Lieblingsalbum oder gibt es aus der Vergangenheit ein anderes?

Maik: Dazu ist das Album noch zu neu, als dass ich es selber irgendwie in die Bandgeschichte einsortieren könnte. Wenn du mich fragst, was ich von unserem dritten Album halte, das ist natürlich etwas ganz besonderes, weil wir den internationalen Durchbruch damit geschafft haben. Das ist schon im Nachhinein betrachtet etwas Besonderes. Das ist aber auch schon fast 15 Jahre her. Da kann man das schon mit Abstand bewerten. Aber was das letzte Album für einen Stellenwert hat, das kann ich dir heute noch nicht sagen. Das habe ich für mich noch nicht in der Bandgeschichte eingeordnet.

Heute ist Tourstart. Seid Ihr aufgeregt und habt Ihr etwas Besonderes geplant?

Maik: Als Spezielles haben wir ein paar ziemlich coole Meet-and-Greet-Aktionen mit den Fans geplant. Wir sind keine Fans davon, dass du vier verschüchterte Leute backstage in so einem kahlen Raum stehen hast. Da schüttelst du nur die Hände und weißt auch nicht, worüber du reden sollst. Da haben wir uns ein paar coolere Sachen ausgedacht. In Hamburg machen wir zum Beispiel in St. Pauli mit denen eine Stadionbesichtigung am Millerntor. Oder in Stuttgart werden wir vielleicht mit den Leuten zum Spiel der Stuttgarter Kickers gehen. Solche Sachen haben wir uns ausgedacht, damit es ein bisschen lockerer wird.

Da Du gerade Fußball erwähnt hast. Ihr seid ja FC Carl Zeiss Jena-Fans und seid auch schon selber als Trikotsponsor aufgetreten. Jetzt ist die Wacken Foundation Sponsor. Habt Ihr da Eure Beziehungen spielen lassen?

Maik: Da haben wir natürlich die Beziehungen zu Wacken spielen lassen. Zu den Wacken Leuten und zur Wacken Foundation auch. Da geht es natürlich auch für so einen kleinen Verein darum, dass die ein cooles Trikot haben, das sich auch gut verkauft. Und wenn man da zwei bis drei Jahre hintereinander den gleichen Sponsor hat, dann ist das natürlich nicht ganz so spannend für Sammler als wenn da ein neuer, noch coolerer Sponsor mit dabei ist. Und da wurden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Deshalb haben wir auch nicht Wacken selber als Marke, sondern, damit man noch die zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann, eine Sache, die unterstützenswert ist, wie die Wacken Foundation. Davor hatten wir ja noch Sea Shepherd unterstützt mit einem anderen Trikot. Wir sind weiterhin auf dem Ärmel mit unserem Totenkopf. Das ist dann so eine Win-Win-Situation.

Hatten diese besonderen Sponsoren einen Einfluss auf die Trikotverkäufe? Also durch andere Leute als die Fußballfans?

Maik: Das lässt sich jetzt nicht genau auseinander klamüsern, wie viele Leute das jetzt kaufen, weil sie HSB-Fans sind. Fakt ist, seit wir dabei sind, kauft auch ein Haufen Leute das Trikot, die mit Carl Zeiss Jena nichts am Hut haben. Die haben da wirklich auf einmal Bestellungen aus Südamerika oder aus Japan oder wo auch immer unsere Fans eben her sind. Und das ist bei dem Wacken-Trikot und bei dem Sea Shepherd-Trikot genauso gewesen. Beim Wacken-Trikot sind halt einige dabei, die Wacken eben cool finden. Beim Sea Shepherd-Trikot waren es vielleicht mehr die Umweltschützer, die das cool fanden. Beim HSB-Trikot waren es eben mehr HSB-Fans. Der signifikante Anstieg des Verkaufs als man angefangen hat, war schon etwas Besonderes. Und nicht zum Beispiel irgendeinen Automobilzulieferer vorne drauf zu haben. Das war nicht so das Übliche.

Habt Ihr eine besondere Beziehung zu Wacken?

Maik: Ja. Schon natürlich. Das ist ja auch ein Festival auf dem wir uns hochgedient haben. Wir haben da 2006 oder 2005 (denkt nach), oder 2004 sogar auf der kleinsten Bühne angefangen und haben uns dann so hochgedient. Wir waren jetzt schon etliche Male auf den beiden größten Bühnen. Unser Booker ist ja auch in Hamburg und arbeitet in einem Büro zusammen mit den Wacken Leuten. Und so ist da schon so eine Freundschaft entstanden. Wir ähneln uns da auch so ein bisschen. Wir sind da auf einer Wellenlänge. Einer der Wacken-Chefs hat mal gesagt: „Ihr seid genauso wie wir. Die Leute denken, ihr seid dumme Bauern, aber eigentlich seid ihr total schlau. Ihr macht euer Ding und seid erfolgreich. Und das ist halt bei uns auch so.“ Wir verstellen uns da beide nicht und die Wacken-Leute fanden das ganz cool, dass wir das Herz auf der Zunge haben und, dass wir sind wie wir sind und da nicht mit einem Image aufschlagen und backstage irgendwie den Hampelmann machen. Da sind wir ganz einfach. Und das kriegen die auch mit. Da hat sich über die Jahre wirklich eine Freundschaft entwickelt.

Maik von Heaven Shall Burn mit Michael und Lydia von Metalogy.de

Maik von Heaven Shall Burn mit Michael und Lydia von Metalogy.de

Spielt Ihr dieses Jahr in Wacken?

Maik: Dieses Jahr nicht. Wir haben da letztes Jahr gespielt. Wir machen nach der Tour auch ein bisschen eine Live-Pause. Festivals spielen wir dieses Jahr in Deutschland gar nicht.

Ist das nur eine Live-Pause oder auch eine kreative Pause?

Maik: Nein. Im Gegenteil. Das wird eher eine Pause sein, um kreativ tätig zu sein. Wir fangen jetzt nicht sofort an eine neue Platte zu schreiben, aber wir werden da schon ein paar neue Riffs zusammen suchen. Das ist auch nicht so eine angekündigte Pause, um die Verkaufszahlen für die Tour hoch zu ballern. Das macht gefühlt ja gerade jede Band. Wir haben die Tour halt nur FINAL MARCH genannt, weil es ein Song von uns ist und die Tour im März stattfindet. Das hat aber nur keiner richtig kapiert, den Witz. Also, es ist eine kreative Pause. Vielleicht machen wir noch eine Tour in Asien oder Australien. Wir überlegen das gerade, ob wir da noch hinkommen. An Festivals spielen wir dieses Jahr noch zwei Impericon-Festivals, aber im Sommer nichts. Da nehmen wir uns mal ein bisschen raus. Wir müssen ja auch nicht an jeder Steckdose spielen. Wir spielen gar nicht so viele Festivals, aber dadurch, dass wir das Glück haben, auf den Großen immer vertreten zu sein, haben die Leute trotzdem das Gefühl man ist total präsent. Wenn man in einer Saison auf dem Summer Breeze und Wacken spielt und dann noch Rock am Ring und Taubertal und diese Mainstream-Festivals, dann hat jeder das Gefühl, er hat dich viermal gesehen, weil du bei der Werbung auch immer mit dabei bist.

In euren Texten werden unter anderem politische Themen und der Kampf gegen Rassismus und Faschismus, für Freiheit und gegen Überwachung angesprochen. Kannst Du uns mehr über eure sozialen Anliegen sagen?  

Maik: Ja. Da kann ich was über unsere Einstellung erzählen, aber wir sind eigentlich niemand, der den Leuten die Ideologie im Instant-Warmmachbeutel liefern will. Wir versuchen eher zu fördern, dass die Leute mündig genug sind und da selber drüber nachdenken. Für mich ist es zehnmal mehr Wert, wenn jemand auf Facebook einen eigenen Satz schriebt, als dass es nur ein dummes Memo teilt, wo nur eine vorgefertigte Meinung eines anderen stattfindet. Dieses Selber-nachdenken, dieses Selber-hinterfragen, diese Urform eines Philosophierens – das ist uns besonders wichtig. Zu welchem Schluss dann jemand kommt, ist dann in einer bestimmten Bandbreite eigentlich zweitrangig. Es soll natürlich immer unter einem humanistischen Banner der Toleranz laufen. Es ist klar, dass wir solche Leitmotive haben, aber, ob sich dann jemand am Ende als christlich sozial, jetzt nicht im Sinne der CSU, bezeichnet oder, ob er linker Anarchist ist, ist uns dann auch relativ egal. Sie sollen sich selbst nur Gedanken darüber machen, was sie sind, wem sie hinterher laufen und für was sie stehen und was sie für eine Meinung haben. Das ist ja heutzutage schon ein Fortschritt, überhaupt irgendwo zu stehen und ein Statement zu machen. Das bekommen wir als Band auch ganz oft gesagt, dass es mittlerweile so selten ist, dass eine Band überhaupt Farbe bekennt. Bei uns ist es wirklich so und das habe ich auch in einigen Interviews schon gesagt, wir wissen genau, wenn ich jetzt bei Facebook das Posting mache: „Morgen ist die Demo gegen den Fascho-Aufmarsch dort und dort. Kommt mal vorbei, wir sind auch da.“ Dann weiß ich, dass ich mit einem Schlag 200 Freunde weniger habe bei Facebook. Da brauche ich nur auf den Knopf zu drücken und dann ist das passiert. Und dann kommen natürlich auch die Kommentare: „Haltet Euch doch raus. Was habt Ihr denn mit Politik zu tun? Macht doch lieber Musik.“ Lustigerweise kommen die Kommentare immer aus der rechten Ecke, dass man doch politisch neutral sein sollte. Das ist echt so. Wir machen ja keinen Hehl draus, wie wir drauf sind. Das heißt aber nicht, dass wir Leute, die im Toleranzbereich anders drauf sind, nicht auch tolerieren. Im Gegenteil, das ist ja ein Pluralismus, der stattfinden muss. Wenn die Leute eine vertretbare Meinung haben, ist das vollkommen ok für uns. Selbst das ist ein Fortschritt, wenn sich überhaupt jemand durchringt, sich zu bilden und eine Meinung zu bilden. Heutzutage wollen viele Leute ja einfach nur in Ruhe gelassen werden. Die dann beschissen werden von vorne bis hinten mit irgendwelchen Parolen und Platituden. Bei mir an der Uni früher wurde wenigstens noch demonstriert. Heutzutage bekommst du ja als Student ein Plan wie in der Schule für diesen Bachelor- und Master-Scheiß. Du hast ja gar keine Zeit mehr aufzumucken. Die Studenten sind so zugeschissen, ihren Lebenslauf zu stylen, die sitzen abends gar nicht mehr in einer Kaschemme zusammen und philosophieren darüber, was alles scheiße ist. Also, ich habe 18 Semester studiert. Heute bist du da nach 9 Semestern geext, wenn du deine Scheine nicht zusammen hast. Das ist einfach so. Dieses Milieu ist völlig trocken gelegt durch diesen Wirtschaftsliberalismus. Weil da nur Fachkräfte gebildet werden. BWL-Labersäcke und nicht mehr selbstständig denkende Leute.

Ihr seid ja auch Veganer, teilweise oder zumindest zwei von Euch. Bist Du da auch dabei?

Maik: Ja. Bin auch Veganer. Veganer Vegetarier.

Macht Ihr das wegen der Tiere oder wegen Eurer Gesundheit?

Maik: Angefangen Vegetarier zu sein habe ich damals mehr aus einem Impuls heraus, anders sein zu wollen. Das war noch gar nicht so ideologisch unterlegt. Aber da war ich 15, 16 oder so. Das war dann schon eher so eine linke Attitüde, aber nicht irgendwie ideologisch überformt. Also, heute mache ich das hauptsächlich wegen der Tiere. Wir sind drei Veganer in der Band – drei Vegetarier und die beiden anderen Jungs, denke ich auch. Da ist natürlich das mit der Gesundheit, sage ich mal, ein Kollateral-Nutzen. Hauptsächlich geht es uns dabei um die Tiere und die Umwelt auch vor allem. Ist ja klar. Das ist mein 22. Jahr jetzt, dass ich vegan bin und damals war das wirklich Steinzeit. Damals wusste niemand etwas damit anzufangen oder was das Wort überhaupt ist. Heutzutage kannst du ja fast an jeder Tanke deine Soja-Milch bestellen, wenn du möchtest. Da hat sich schon einiges getan. Aber deshalb ist es auch wichtig, auch wenn es nur eine ganz kleine Sache ist. Aber wenn man bei sich anfangen kann etwas zu verändern… Dafür fahre ich aber einen stinkenden Diesel. (lacht) Aber bei uns ist die Einstellung wirklich aus ethischen Gründen. Aus ethischen und politischen Gründen. Die Gesundheit steht da gar nicht im Vordergrund. Wir machen das auch gerne publik. Wir bekommen oft das Feedback, dass das Leute zum Nachdenken bringt. Wir haben aber auch über die Jahre gelernt, das nicht zu plakativ zu machen. Weil man damit auch viele Leute verschreckt. Wir stellen uns selten auf die Bühne und sagen: „Macht das so und so.“ Oder: „Schlachthöfe sind scheiße oder so.“ Wir machen das nicht so frontal, weil man damit Leute, die eigentlich offen dafür wären, eher in die Opposition bringt. Es ist besser, die finden uns als Band geil und hören und dann und lesen sich mal die Texte durch. Und lesen sich mal die Statements durch aus solchen Interviews wie jetzt. Im zweiten Kontakt mit der Band werden die mal genauer nachgoogeln, was es denn damit auf sich hat und kommen so damit in Kontakt. Wir haben festgestellt, das ist viel effektiver. Auch mit den politischen Themen. Es bringt ja auch nichts, wie heute Abend vor 2.000 Leuten, die eh schon unserer Meinung sind, „Nazis raus“ zu brüllen. Da brauche ich mich nicht für feiern lassen. Da muss man lieber mal dahin gehen, wo es weh tut und auch mal da spielen, wo Nazis am Start sind. Das haben wir auch schon gemacht. Das ist dann schon interessanter, wenn man da Leute zum Nachdenken bringt. Das „Preaching to the converted“ ansonsten sieht zwar immer gut aus, ist aber nur ein Lippenbekenntnis und bringt halt nichts.

Lest morgen hier auf Metalogy.de den zweiten Teil unserer dreiteiligen Interviewserie mit Maik von Heaven Shall Burn

Interview TEIL 1: Lydia Polwin-Plass und Michael Glaeser

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Lydia Dr. Polwin-Plass

Promovierte Journalistin und Texterin, spezialisiert auf die Themen Kultur, Wirtschaft, Marketing, Vertrieb, Bildung, Karriere, Arbeitsmarkt, Naturheilkunde und Alternativmedizin. Mehr über Dr. Lydia Polwin-Plass auf ihrer Website: http://www.text-und-journalismus.de