Das war das Summer Breeze 2017- Rückblick für die gesamte Woche Das war das Summer Breeze 2017- Rückblick für die gesamte Woche
Mit dem August endet so langsam auch die diesjährige Festivalsaison und somit ist das Summer Breeze, das immer Mitte August zwei Wochen nach Wacken... Das war das Summer Breeze 2017- Rückblick für die gesamte Woche

Mit dem August endet so langsam auch die diesjährige Festivalsaison und somit ist das Summer Breeze, das immer Mitte August zwei Wochen nach Wacken stattfindet, eines der letzten im Kalender. Und, obwohl „nur“ halb so groß wie Wacken, mit etwa 35000 Besuchern ist es das zweitgrößte. Gelegen in Bayern nah an der Grenze zu Baden-Württemberg, hat das Festival gefühlt sehr viel weniger mit kompromisslosem Wetter zu kämpfen als weiter nördlich gelegene Veranstaltungen. Das macht alles sowohl für Veranstalter als auch für Besucher bedeutend leichter. Tolles Wetter, coole Stimmung und eine tolle Akustik an allen Bühnen machten das Summer Breeze 2017 alles in Allem zu einem angenehmen Erlebnis.

Dinkelsbühl oder genau genommen das winzige Dörfchen Illenschwang (bei Dinkelsbühl), wo das Summer Breeze seit 2006 auf der gegenüberliegenden Flugplatzwiese stattfindet, liegt ziemlich mittig zwischen Stuttgart und Nürnberg und ist etwa 4 Autostunden von Köln in südöstlicher Richtung entfernt.

Obwohl die Hauptbühne erst Donnerstag bespielt wird, öffnet der Campingplatz bereits Dienstagmorgen ab 10 Uhr für 12 Stunden seine Pforten, schließt dann die Nacht über, und hat ab dem Folgemorgen über die Dauer des Festivals durchgehend geöffnet. Eine  Anreise ist also bereits am Vortag möglich und gibt genug Zeit für Campaufbau und geselliges Zusammensitzen bei Alkohol und Grillgut.

Kontrollschleusen und Bändchenausgabe

Getreu des süddeutschen Ordnungsfaibles fühlen sich die Veranstalter dazu angehalten, nicht nur wie normale Menschen auf die „Bitte kein Glas“-Regel hinzuweisen, sondern auch noch zu kontrollieren, ob diese Regel eingehalten wird. Daher werden Autoanreisende samt ihres motorisierten Untersatzes durch eine mehrspurige Kontrollschleuse gegenüber des Campingeingangs gelotst, wo man je nach Zeit schonmal mehrere Stunden im Stop-and-Go in kurzen Zeitintervallen, die gerade so zu lang sind um den Motor anzulassen, verbringt. Die Autos werden halbgar auf Glas untersucht, im Sinne von Blick in den Kofferraum – Blick auf Rückbank, vielleicht eine Tasche kurz anheben – fertig. Würde man da jetzt unbedingt Glas reinbringen wollen, wäre das absolut kein Problem, daher ist diese Praktik auch mehr als fragwürdig. Sie kostet entsetzlich viel Zeit und ist nicht wirklich ernstzunehmend effektiv. Immerhin ist es theoretisch offenbar möglich, Autokorsos anzumelden, um in der Schleuse nicht auseinandergerissen zu werden und auf völlig unterschiedlichen Campingplätzen zu landen.

Amon Amarth_Summer Breeze 2017_©Lydia Polwin-Plass

Gleichzeitig werden an den Schleusen auch die Festivalbändchen verteilt, das heißt, einer trabt nach vorne, holt sich das Bändchen und geht dann zurück zum Auto, das in der Schlange steht, dann ist der nächste dran. Außerdem laufen irgendwo da auch Ordner rum, die Parktickets verkaufen. Das Campen ist zwar im Komplettticket für 99 € (Early Bird) bzw. 111 € mit inbegriffen, zuzüglich 10 € pP Frühcamperaufschlag am Dienstag, aber trotzdem kostet jedes Auto nochmal 10 € Parkticket, und das, obwohl die direkt neben den Zelten stehen, da ja am Auto gecampt wird. Der Sinn davon ist also nicht ganz klar.

Das Campen

Hat man sich also mit Pech mehrere Stunden bei Mittagshitze durch das Einkommensgetümmel bewegt, kann man sein Auto endlich auf einem Stück Wiese parken. Die Einweiser, die manchmal etwas durcheinander wirken, achten auch auf Rettungsgassen, aber wenn die jemand zwei Tage später zuparkt, bekommt das manchmal auch keiner mit. Außerdem scheint der Platz manchmal etwas eng bemessen; einige Autoreihen haben zwar genug Platz, andere wiederum sind wirklich sehr eng geraten. Ein normaler Pavillon oder nur ein größeres Zelt mit Sonnensegel findet nicht überall Platz, teilweise kann man nicht mal alle Zelte aufstellen. Irgendwie funktioniert es aber trotzdem.

Der Dienstag

Viel weiteres ist an dem Dienstag auch nicht mehr zu tun; es ist brütend heiß, die Sonne trocknet den ohnehin schon trockenen Boden noch weiter. Flunkyball wird gespielt, Musik gehört, gegrillt, getrunken, was man eben so macht auf Festivals. Es gibt ein wenig Nebenprogramm und im großen Zelt wird der Imaginaerum-Film gezeigt. Um die Nacht rum sind die paar Klos ein wenig voll; sie werden erst im Laufe des Mittwochs gereinigt, aber von da an halbwegs regelmäßig und sind, zumindest auf Platz B dauerhaft benutzbar.

Impressionen_Summer Breeze_2017_©Lydia Polwin Plass

Impressionen_Summer Breeze_2017_©Lydia Polwin Plass

Der Merchstand

Mittwoch knallt die Sonne genauso herab wie auch am Vortrag und schon früh muss man aus den Zelten rauskriechen, wenn man nicht vollkommen verdunsten will. Mittags öffnet das Infield und auch schon der einzige Summerbreeze-Merchandise-Stand, wo man dieses Jahr nicht nur die T-shirts, sondern anscheinend auch die Programmheftchen kaufen kann, die vorher auch bei der Schleuse beim Bändchenholen zu kaufen waren. Der Merchstand verkauft neben dem normalen Shirtmotiv (/Top/Sweater/Jacke) auch diverse streng limitierte Sondermotive und der Andrang ist wirklich immens. Nicht nur normales Gedränge, sondern wirklich richtig viele Leute. Die Schlange ist extrem lang und macht einen Knick über das Gelände, zwei Stunden steht man hier locker, gegebenenfalls sogar noch länger. Diese Schlangenlänge nimmt auch nicht wirklich genug ab, außer zum Ende des Festivals oder wenigstens wenn es schon dunkel ist und die Headliner spielen. Allerdings sind zu dem Zeitpunkt nicht nur die Limited Shirts vergriffen, sondern schon sehr früh gibt es anscheinend auch keine Frauengrößen mehr. Einen zweiten T-shirtstand gibt es nicht, aber es funktioniert ja offenbar.

Der Mittwoch

Mittwoch wird nur die kleinere aber auch nicht gerade kleine T-Stage bespielt. Summer Breeze Besucher werden sich erinnern: ehemals handelte es sich bei der T-Stage um eine längliche, an der langen Seite geöffneten Zeltbühne, in der es manchmal etwas laut und staubig war, aber dafür auch wettergeschützt. Die Breezewiese ist etwas schräg und macht etwa in der Mitte auf der Händlermeile zwischen den beiden Bühnenbereichen einen kleines Tal; somit fiel der Boden zur T-Stage ein bisschen ab und man konnte sehr gut sehen. Nun ist die T-Stage eine ganz normale eckige Open-Air-Bühne und steht parallel zur Schräge. Vorteile der neuen T-Stage: viel Platz und eine bessere Akustik. Ab Nachmittags bis in den Abend hinein sind Surprise Acts angekündigt, die dann im Programmheftchen zu lesen sind. An denen ist absolut nichts zu beanstanden; Amon Amarth, In Extremo und Powerwolf sind gern gesehene Überraschungsgäste. Was allerdings irgendwie komisch ist: das sind sowieso die Headliner für die nächsten Tage. Hier würde mal interessieren, wer auf die Idee kam und warum. Aber egal, war jedenfalls eine nette Überraschung und das T-Stage-Infield ist trotzdem brechend voll.

Amon Amarth_Summer Breeze 2017_©Lydia Polwin-Plass

Nach dem Headliner-Vorgeschmack dann „normale“ Programmpunkte: die finnischen Hillbilly-Rocker von Steve’n’Seagulls, die auch schon vor zwei Jahren zu nachtschlafender Zeit im Zelt spielen durften, kriegen den gleichen Zwei-Uhr-Nachts-Slot. Aber das macht nichts; mit Akkordeon und Banjo bringen sie das Publikum trotz später Stunde wieder zum Toben. Wer hat schonmal den Anfang von Thunderstruck mit einem Löffel oder den Zwischenteil von Ich Will mit Akkordeon gehört? Mit einer hitverdächtigen Songauswahl, beginnend mit Iron Maidens Trooper, geht mitten in der Nacht nochmal richtig die Party ab. Over The Hills, Burn, Symphony Of Destruction, Aces High – die kennt fast jeder. Als zum letzten Seek And Destroy ein großer, schon lange schwelender Moshpit ausbricht, kann man bei so viel Stimmung nur seinen Hut ziehen. Mit dem Highlight Steve’n’Seagulls beschließt sich dann auch so langsam der erste Festivaltag; schade, die hätten auch noch ein zweites Mal spielen können.

Der Donnerstag

Donnerstag ist es erneut heiß. Ab heute öffnet auch das Infield vor der Mainstage, was im direkten Bühnenbereich teils asphaltiert und teils geschottert ist und daher auch im Falle eines stärkeren Regengusses begehbar bleibt. Den gesamten Infieldbereich kann man sich als annähernd länglich und rechteckig vorstellen; rechts unten sind die vielen Eingangsschleusen, die manchmal ein wenig mit der Aufteilung in Taschen und Nicht-Taschen zu kämpfen haben. Ganz links in der Ecke ist die T-Stage, dazwischen sind mehrere Getränkestände und die vergleichsweise winzige Camel Stage. In der Mitte gehen zwei breite Händlerstandgassen entlang zum Infield der Hauptbühne, die das Breeze „Battlefield“ nennt. Der rechte Aufgang kommt am hinteren Teil des Hauptbühnenbereichs raus, wo auch die vielen Fressstände sind, und der vordere Teil, der direkt auf Bühnenhöhe abgeht, ist als Rückweg gedacht. A propos Fressstände: das Essen ist gewohnt teuer, aber für Festivals nicht überteuert und die Qualität ist vollkommen in Ordnung. Das meiste kostet um die sechs Euro.

Crowdsurfer_Summer

Erste Openerband ist am Donnerstag die Irish Folk Rock Band Firkin, die mit dem bekannten fröhlichen Flötengedudel mit ein bisschen Fidel oder Violine schon früh morgens um 11 Uhr das Tanzbein schwingen lassen. Danach springen The New Roses mit rockigem soliden Hardrock für Xandria ein, die kurz zuvor abgesagt hatten. Mit ihren neuen Bühnennamen hatte das Breeze für Verwirrung gesorgt: bis letztes Jahr gab es noch die Main und die Pain Stage. Die etwas kleinere Pain Stage stand neben der Main Stage, aber etwas weiter weg abseits und schräg und beide wurden abwechselnd bespielt. Zu diesem Jahr hin kündigte das bayerische Festival neue Namen an: Summer und Breeze Stage. Wie kreativ das ist, sei einem selber überlassen. Der Witz ist aber: Obwohl zwei getrennte Namen, gibt es nur noch EINE Main Stage, die ich auch weiterhin Main Stage nennen werde. Die 10 Minuten Pause-Slots zwischen den Bands können eingehalten werden, weil sich die mittlere kleine Wand in der Bühne, wo z.B. Banner aufgestellt werden können und der Drummer davor sitzt, drehen kann. Während Band A spielt, wird auf der anderen Seite Band B schonmal aufgebaut und dann einfach nach vorne gedreht. Das ist schon ein cooler Einfall. Warum die Stage dann irreführenderweise zwei Namen haben muss, bleibt aber unklar. Also für alle: Summer und Breeze Stage sind dieselbe Bühne, nämlich die Main Stage.

In dieser anfänglichen Verwirrung spielen jedenfalls Bands wie Whitechapel oder August Burns Red, die das Chaos vor der Bühne gar nicht mehr aufräumen brauchen, denn Abends um zehn spielt nochmal Amon Amarth seinen Headlinerslot und liefert wieder ein tolles Konzert. Davor wird aber noch den Progressive Metal-Ikonen Devin Townsend Project ein angemessener Platz in der goldenen Abendsonne gegeben, ehe Megadeth‘ angenehm melodisches Getöse durch die Abenddämmerung jagd.

August Burns Red_Summer Breeze 2017_©Lydia Polwin-Plass

Nach Amon Amarth spielt In Extremo vor in doppeltem Sinne vollem Publikum, es wird gesungen, getanzt und mitgeschunkelt, die Stimmung ist großartig, Konfetti explodiert und anschließend knallt ein kurzes, großes Feuerwerk mit diesen wirklich riesigen goldenen Feuerwerksraketen, die man sonst nur vom Japantag in Düsseldorf oder ähnlichen Riesenfeuerwerken kennt (fehlt nur noch der Goldregen). Danach klingt der Abend ruhig und atmosphärisch aus: Wardruna aus Norwegen entführen musikalisch in dunkle Wälder, kalte Seen, alte Sagen und weite Sternenhimmel. Dabei handelt es sich hierbei genau genommen nichtmal um Rock, sondern eher um sehr atmosphärisch dichte Musik mit altertümlichen Trommeln und großen Hörnern. Die Band hatte auch am Soundtrack zur Serie „Vikings“ mitgewirkt. Obwohl niemand ein Wort versteht, wiegt das Publikum gebannt mit und lässt sich durch die Stärke und Melancholie der Lieder in ferne Gefilde tragen.

Der Freitag

Die Sonne bleibt auch am Freitag erst mal nicht hinter Wolken versteckt. Lange Schlangen finden sich vor den Bezahlduschkabinen, über die viele Leute zu meckern haben (eiskaltes Wasser, fehlende Haken und einige andere Unkomfortheiten). Auch der Zustand der Bezahlklos scheint öfter Kritik zu ernten, etwa, das Personal kümmere sich nicht wirklich und hinge nur daneben rum. Die Dixieklos hingegen sind meistens machbar. Aber teilweise wirken sie etwas dürftig verteilt.

Mittags spielt Cellar Darling, die neue Gruppe der Eluveitie-Aussteiger, auf der Main Stage. Das klingt gut und angenehm, ein bisschen wie eben  Annas Lieder von Eluveitie, einer sagt, wie Eluveitie ohne das Getöse. Naja. Cellar Darling versprechen aber musikalischen Erfolg und ernten kräftigen Applaus. Während danach Memoriam spielt, kocht die Sonne den Asphalt. Battle Beast, die in den letzten Jahren wahnsinnig und verdienterweise an Beliebtheit gewonnen haben, können so mal wieder in der sengenden Mittagshitze spielen, aber das hält die Leute nicht vom Abgehen ab. Diesmal spielen sie immerhin nicht nur das neue Album – und Black Ninja – sondern auch Touch In The Night. Sowas macht ziemlich alle. Dumm nur: auf dem gesamten Infield scheint es keine einzige Wasserstelle zu geben von denen es gefühlt eh zu wenig gibt. Entweder sie war sagenhaft gut versteckt, oder es gab wirklich keine, was bei so einer Art von Veranstaltung und Temperaturen, die an den 30°C kratzen, schon grenzwertig ist. Man kann noch so viele Softdrinks kaufen, nichts ersetzt einen kalten Schwall Wasser übers hitzegeplagte Headbangerhaupt.

Devin Townsend_Summer Breeze 2017_©Lydia Polwin-Plass

Nach Battle Beast geht es jedenfalls weiter mit finnischem Power Metal: Sonata Arctica erklimmen die Bühne. Leider wird das Wetter nicht so artica wie ihr Name, aber immerhin verschwindet die blendende Sonne, die vorher von schräg einfällt, gegen kurz vor drei hinter der Bühne, zumindest für die vorderen Reihen. Tony Kakko beweist einen besonderen Klamottengeschmack mit einem Oberteil irgendwo zwischen Pink und Purpur meliert und einer blauen Camo-Jeans. Die Power Metal Fans scheinen etwas dünn gesäht, aber nach einiger Aufwärmzeit schafft Sonata doch noch eine ordentliche Publikumslaune.

Danach dröhnt es erstmal weiter mit Betontod und Eluveitie, ehe Epica mit Stil und Klasse ein Musikfest veranstalten. Langsam werden die Geschütze härter mit Children of Bodom, Hatebreed und später Wintersun, und der Headliner des Abends ist Kreator, der seinen Headlinerplatz auch ordentlich wahrnimmt. Allerdings zieht während der Dämmerung und Children of Bodom ein Gewitter auf, das sich durch die teils kräftigen Winde am Nachmittag und frühen Abend so langsam erahnen ließ. Es blitzt ein wenig und donnert ganz selten und etwa ein Stündchen regnet es. Wegen Unwetterwarnung wird das Infield zwischendurch aber geräumt, die Summerbreezegemeinde hat jedoch Glück: das Unwetter zieht vorbei. Durch den abendlichen Regen ist der Boden vor allem im Campinggelände etwas matschig und rutschig, aber dank tagelanger Trockenheit, asphaltierter Hauptstraße und Rindenmulchausstreung bei einem kurzzeitigen Minischauer am Dienstag oder Mittwoch ist er absolut begehbar und erfordert von halbwegs erprobten Festivalgängern keine übertriebene Anstrengung. Schon bald kann das Infield wieder geöffnet werden und Insomnium vor einem noch ein wenig klammen Publikum seinen Slot parallel zu Kreator auf der T-Stage wahrnehmen. Trotz Zeit und Wetter sind zahlreiche Fans gekommen. Danach kriegt Amorphis den Nach-Mitternachts-Platz auf der Main Stage.

Megadeth_Summer Breeze 2017_©Lydia Polwin-Plass

Der Samstag

Der Samstag, der anfangs etwas verregnet beginnt, an dem sich aber gegen 10 Uhr die Sonne ihren Weg durch die Wolken bahnt und ihre Strahlen dann ab 11 einen direkten Weg auf den Boden gefunden haben, der ziemlich schnell wieder trocknet, beginnt mit einem ganz besonderen Akt auf der Main Stage: die Grog’n’Roll-Piraten Mr Hurley und die Pulveraffen, die dieses Jahr nicht auf Wacken aufgetreten sind, spielen endlich auf einer richtigen großen Bühne. Die Menschenmasse ist so zahlreich wie kaum bei einer anderen Band vor 15 Uhr und die drei Musiker sind sichtlich erfreut. Bei so viel Jubel, Applaus und Zuspruch könnte man sich echt mal fragen, ob das Trio nicht schon genug Kult ist, um mal testweise auf einer vernünftigen Bühne zu spielen – das Breeze haben sie jedenfalls vollgekriegt.

Danach geht es weiter mit Humor: die Excrementory Grindfuckers verschandeln absolut jeden Ton und das Publikum liebt es. Gegen Nachmittag zieht Emil Bulls eine sich teilweise sehr aktiv bewegende Menge an und die Stimmung ist super. Danach wird es noch voller mit Knorkator, die teilweise ihr gesamtes Ensemble mit schicken Frauen in schicken Klamotten ersetzen. Die Neigung zum Crowdsurfen bei Metalpartymucke eskaliert ein wenig und Crowdsurfer tauchen aus dem Publikum auf wie die Einhörner aus dem Meer.

Knorkator_Summer Breeze 2017_©Lydia Polwin-Plass

Auch beim Ende von Knorkator wird die sehr fragwürdige neue Idee des Summer Breeze deutlich: der Bereich vor der Bühne ist nicht einfach so zu betreten wie man lustig ist. Es gibt zwei Wellenbrecher, die akzeptable Flächengrößen ergeben – das ist nicht weiter zu beanstanden. Allerdings kommt man nur rechts vorne vor der Bühne rein und nur links vorne raus, und das durch jeweils zwei Ein-Mann-Schleusen. Der umfasste Bereich ergibt in etwa den „aktiven Bühnenbereich“, wo die Leute am krassesten abgehen und sich die meisten Pits bilden. Die rechte Seite des Platzes ist auch stets etwas dichtgedrängter als die linke (sofern noch Platz ist). Dass das beim Rausgehen zu einem ungeheuren Gedränge führt, ist eigentlich klar. Was sich die Veranstalter dabei dachten, weniger. Und als wäre das nicht komisch genug, ist die Dixiesammlung bei der Main Stage (maximal 50 Meter entfernt) eben auf der rechten Seite der Bühne. Wolle man jetzt aufs Klo, hieße es links raus, einmal über den Platz ums Publikum rum, auf Klo und rechts wieder rein. Oder ein bisschen weiter links, da ist auch eine Dixiesammlung, aber dann bleibt das Problem des Außen-Rum-Laufens zum Reinkommen bestehen. Ein oder zwei Dixies sind zwar direkt an den Schleusen, aber es ist ungewiss, wie viele dahingehen.

Nach Knorkator geht es jedenfalls weiter mit Overkill und dann mit Dark Tranquillity, die ebenfalls in einer wunderschönen Abendsonne spielen. Das Panorama ist mitunter echt hübsch, weite Felder, ein paar Bäume und ein sehr blauer Himmel mit ein paar Wölkchen. Sänger Mikael Stanne crowdsurft während des letzten Liedes – klar: Misery’s Crown – bis zum Techniktürmchen und zurück und singt dabei. Die Fans sind begeistert.

Dann geht’s richtig ab mit Heaven Shall Burn und den Mega-Headlinern Korn. Gegen Mitternacht wird wieder Platz gemacht für ein interessantes Musikprojekt: die Dudelsackgruppe Corvus Corax arbeitete für eine Interpretation der Carmina Burana mit dem Chor Cantus Buranus und einigen Musikern zusammen, sodass ein kleines Orchester mit Chor, Instrumenten, Opernsängerin und eben den Dudelsäcken zusammenkommt. Das ist wirklich mal was Besonderes, denken sich offenbar noch ziemlich viele Leute, und lauschen den im Kern schon ziemlich alten Melodien.

Epica_Summer Breeze 2017_©Lydia Polwin-Plass

Danach reißt noch einmal Finntroll die Leute aus ihrer Trance, oder alternativ bietet Haggard auf der T-Stage ein weiteres sehr klassisch instrumentales Konzert.

Der letzte Abend ist vorbei, einige reisen schon ab, überhaupt sind viele Zelte schon sehr früh abgebaut worden. Andere warten bis zum Morgen, wo stichprobenweise Alkoholkontrolle durchgeführt wird – jedoch noch nicht nachts.

Die Ticketpreise für das nächste Jahr (15. – 18. August) sind bis Anfang September auf 99 € Euro festgelegt, jetzt Blind Tickets, davor Frühbucher und galt bis Januar, danach bis Anfang Januar auf 111 € , der bisher normale Ticketpreis und ab da auf 129 € – das ist neu. Bands sind noch nicht bekannt, aber spätestens im Dezember läuft der Breeze-Adventskalender. Davor dürften vielleicht auch einige wenige schon angeschlagen werden.

Fazit:
Super: Der Sound der beiden Bühnen war diesmal fast immer ziemlich gut – feine Technik! Das Essen ist total in Ordnung, die Gegend ist recht hübsch und bisher bekam man für um die 100 € oder ein bisschen mehr ein total passendes Line-Up. Bei einem kleinen Schauer irgendwann und dem Hauch Unwetter wurde schnell reagiert, die Bühnen kurzzeitig abgebaut, aber nicht ewig im Voraus sondern erst, als der Regen losging und Rindenmulch gestreut, der auch sehr gut gehalten hat. Die Stimmung unter den Leuten ist eigentlich ziemlich gut und nach kurzer Orientierung ist das Gelände sehr übersichtlich. Das mit der Main Stage funktioniert fast immer tadellos. Wer nahe am Infield campt, hockt direkt gegenüber der T-Stage und kriegt alles mit.

Heaven Shall Burn _Summer Breeze 2017_©Lydia Polwin-Plass

Nicht so cool: ein bisschen wenig Klos, deren Saubermachrate von Platz zu Platz zu variieren scheint. stellenweise etwas lasches oder harsches Personal, das unnötige Getrödel bei der Glaskontrolle und die merkwürdige Einlass- und Wavebreakeridee vor der Main Stage. Außerdem ist das Bier recht teuer 4 € für 0,4 l + 2 € Pfand und dabei die Becher oft, wenn man sich nicht wehrt, echt stiefmütterlich gefüllt.

Insgesamt: Bisher immer ein sehr gutes Line-Up-Preis-Leistungs-Verhältnis, allerdings ist die Orga in mancher Hinsicht etwas umständlich.

Tickets für das Summerbreeze vom 15. – 18. August 2018 gibt’s schon, Bands nicht, Tickets kosten 99 € (bis Anfang September), 111 € (bis Anfang Januar) und 129 € (ab Januar).

Nachbericht: Clara C. Wanning

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Korn _Summer Breeze 2017_©Lydia Polwin-Plass

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