Buchrezension: DER MESSIE IN UNS – wie wir Wohnung und Seele entrümpeln (v. Sabina Hirtz) Buchrezension: DER MESSIE IN UNS – wie wir Wohnung und Seele entrümpeln (v. Sabina Hirtz)
Die Autorin ist Heilpraktikerin für Psychotherapeutin. Sabina Hirtz ist es ein Anliegen, dass man für den echten „Messie“ Verständnis entwickelt. Dieser ist nämlich nicht... Buchrezension: DER MESSIE IN UNS – wie wir Wohnung und Seele entrümpeln (v. Sabina Hirtz)

Die Autorin ist Heilpraktikerin für Psychotherapeutin. Sabina Hirtz ist es ein Anliegen, dass man für den echten „Messie“ Verständnis entwickelt. Dieser ist nämlich nicht nur, wie man annimmt, ein unordentlicher, vielleicht auch chaotischer Mensch – vielmehr handelt es sich meist um eine Erkrankung der Psyche, der Seele und die Übergänge zum pathologischen Messie-Phänomen sind fließend. In ihrem Buch „der Messie in uns“ versucht sie mit Fallbeispielen, das Messie-Syndrom zu erklären, damit man lernt sich selbst und andere ehrlich einzuschätzen.

Sandra Felton, die Mutter des Begriffes Messie, gelang es durch eigene Erfahrung das Phänomen als Krankheit zu beschreiben. Als Sängerin der Trash-Metal Band „Holy Moses“ hatte Sabina Hirtz, noch vor ihrer Ausbildung zur Hypnosetherapeutin, ihre erste Begegnung mit einem echten Messie, einem Manager aus der Musikszene mit unglaublichem Fachwissen. Er kannte Gott und die Welt, hatte Nena in ihren Anfängen gemanagt, war Herausgeber einer Zeitschrift und übernahm später das Management von Holy Moses. Trotzdem erkannte Sabina Hirtz, dass seine scheinbar chronische Unordnung, ein tief liegendes Problem ist.

Der Autorin geht es darum, dass Klischees und Vorurteile abgebaut werden – denn es gibt ihrer Schätzung nach mindestens 1 Million und mehr Messie-Kranke in Deutschland –  und dass sie als Kranke Beachtung und Therapielätze bekommen. Vor allem sollten diese Menschen nicht als chaotische Spinner abgetan werden.

In den ersten Seiten des Buches werden Anzeichen des Messie-Syndroms angeführt, bei denen sich sicher jeder Zweite mit Hang zum „Nestbauen“ und schöne Dinge sammeln, krank vorkommen muss. Denn meiner persönlichen Meinung nach, ist eine chaotisch anmutende Wohnung ein ebenso dehnbarer Begriff, wie ästhetisches Wohnen. Wer kann hier Maßstäbe setzen? Ein Großteil der Menschen findet eine sterile Wohnung mit leeren Wänden absolut ungemütlich und mit der so genannten „Entscheidungsschwäche“ müssen diese nicht immer Chaos in ihrer Seele haben, sondern vielleicht die Materie nicht so wichtig nehmen. Sabina Hirtz spricht vom „Schaffen eines trügerischen Refugiums.“

Zum Glück wird dieser Eindruck wieder entschärft, wenn die Autorin vom natürlichen Sammeltrieb des Menschen spricht, über den jedoch der Messie die Kontrolle verliert.

Vollends meine Bedenken der Verallgemeinerung entkräftet sie damit, indem sie schreibt: „Sobald keine tiefliegenden Ursachen vorhanden sind, ist es nicht so schwer, Ordnung in das Chaos zu bringen. Wenn aber die Gründe tiefer liegen, kann der Betroffene sein Chaos erst dann entrümpeln, wenn er die tiefsitzenden Probleme der Seele aufgearbeitet hat“. Der Gedanke, dass die äußeren Dinge oft die Leere im Inneren ersetzen sollen und dass zu wenig Selbstrespekt durch frühkindliche Erlebnisse zu mangelnder Selbstachtung und fehlender Selbstliebe führen, war für mich absolut nachvollziehbar.

Der Messie in uns - Sabina Hirtz

Der Messie in uns – Sabina Hirtz

Es ist der Therapeutin ein Anliegen, dass die Achtung vor der Würde der Hilfesuchenden im Vordergrund steht und in diesem Zusammenhang schildert sie an Hand von einzelnen Fällen, wie Menschen durch Schicksalsschläge handlungsunfähig werden, ihr Leben nicht mehr meistern können und im äußeren und inneren Chaos versinken. Anfangs hilft sie diesen Menschen mit der Erklärung und dem Verständnis, dass ein Abstürzen nach einem schweren Schicksalsschlag normal ist und nach Bericht der Autorin befreien sich die Betroffenen unter Hypnose mehr und mehr von ihren Problemen.

Bei dem aktuellen Thema „Cyber-Messie“ fühlt sich vermutlich so mancher Leser ertappt, speziell wenn er in der analogen Welt schon die Neigung zum Messie hatte, aber: „so lange man in der Lage ist, sich regelmäßig vom überflüssigen Datenmüll zu trennen, ist die virtuelle Messie-Gefährdung nicht so massiv. Schlimm wird es dann“, schreibt die Autorin, „wenn die Cyber-Welt ein Ersatz für das echte Leben wird“.

Ein Fall

Sabina Hirtz schildert einen wirklich interessanten Fall einer Bekannten, aus der Heavy-Metal-Szene, die sie nach Jahren wieder sehen wollte. Diese lud sie in die „Second-Live-Welt“ zum Treffen ein. Es begegnete ihr eine virtuelle Figur, die Ivonne zwar absolut ähnlich, aber eine Idealvorstellung von ihr war. Ein Treffen in der realen Welt lehnte Ivonne bis zu dem Zeitpunkt ab, wo der Leidensdruck und die Suizidgefährdung zu übermächtig wurden. In ihrer Ausweglosigkeit überwand sich Ivonne und wandte sich an die befreundete Therapeutin, die ihrer Patientin in Trance zu anderen Bildern und zum Wiederentdecken des inneren Kindes verhalf. Ivonne gelang es dadurch, sich immer mehr aus ihrer Online-Welt zu lösen und ihre Familiengeschichte und die Flucht in eine Parallelwelt aufzuarbeiten. Sie hat gelernt, sich selbst wieder zu lieben und anzunehmen.

Die Bandbreite dieses Phänomens beschreibt die Autorin in der Schilderung der Beispiele verschiedener Messie-Typen.

Die verschiednen Messie-Typen

Der VISIONÄR, der sich für eine bestimmte Sache begeistert und den Rest der Welt mehr und mehr vernachlässigt.

Der REBELL, der sehr häufig gegen einen übermächtigen Elternteil rebelliert.

Der REINLICHE, der sich von unangenehmen Erinnerungen, meist sexueller Art, immer wieder in ganz kurzen Abständen, reinwäscht und dadurch ins Chaos stürzt.

Der ZEIT-CHAOT, der nicht fähig ist, unter Zeitdruck zu stehen und dessen Phänomen meistens auf schlimme Beziehungserfahrungen zurückzuführen ist.

Der SENTIMENTALE, der meist durch den Verlust einer geliebten Person, Erinnerungen in verschiedensten Formen anhäuft.

Der SPARTANER-TYP, der alles Angesammelte in Schränken versteckt. Er verbirgt sozusagen seine Gefühle vor der Außenwelt.

Der SICHERHEITS-MESSIE, der alles kontrollieren, vor allem mehrmals kontrollieren muss.

Ein MESSIE-PHÄNOMEN, das mit der Überforderung im Alter zu tun hat, ist das Gefühl, dass man vom modernen Leben überrollt wird.

Wie erkennt man das Problem bei sich selbst?

Die Aufforderung der Autorin, sich die Frage zu stellen: Bin ich selbst schon ein Messie, wenn ich mich zwischen zwei Alternativen nicht entscheiden kann, erklärt sie damit, dass der Messie schon von vornherein überzeugt ist, dass er sich nicht entscheiden kann, während der Nicht-Messie eine Entscheidung eventuell verschiebt, aber genau weiß, dass er es schafft, oder auch durch „Handlungskompetenz“, wie es die Autorin nennt, dazu steht, wenn man Dinge nicht erledigen will.

Sehr häufig ist Gefühlsarmut der Weg zur geistigen, emotionalen aber auch körperlichen Bewegungslosigkeit. Die Folge ist eine Flucht in Schuldgefühle und Scham, die aber den Betroffenen noch mehr in eine Art von Lähmung versetzen.

Die Therapeutin versucht die Blockaden, die häufig im Unbewussten liegen, durch Hypnose-Sitzungen, sie nennt es „Hypnoseanalyse“  zu lösen, um sich selbst und auch andere wieder lieben zu können. Sie will dadurch bei ihren Klienten das Bewusstsein für ihre Stärken schärfen unter dem Motto: „Nehme ich mich so an, wie ich bin, kann ich auch den Anderen so annehmen wie er ist.“ Sie setzt Seele mit Psyche gleich und sagt, dass sie dadurch die Belastung von der Psyche nimmt.

Sie beschreibt ihre Form der Hypnose als einen Entspannungszustand bei dem sich alle unsere Verkrampfungen lösen, aber wir doch die Kontrolle über uns selbst behalten, ganz im Gegensatz zur hypnotischen Werbung. Es wird, wie sie sagt, die rationale Bewusstseins-Kontrolle vermindert und dadurch eine Änderung der Wahrnehmung geschaffen.

Das Schlusswort der Autorin ist sicher für jeden Leser beruhigend und erwähnenswert: „Sehen Sie dieses Buch als Chance, privat oder mit Hilfe einer Therapie an Ihrem Wandlungsprozess zu arbeiten. Sie haben die Stärke dazu! Sie ist tief in Ihrem Inneren vorhanden! Sie haben den unbändigen Willen in sich, so wie damals als Kind, als Sie laufen gelernt haben! Sie tragen die Liebe zu sich selbst in sich! Lassen Sie sie frei!

Buchrezension: Hermelinde Trefny

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